Nützt Schimmelfarbe etwas zum Schutz?

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8 Antworten

Da ist er wieder der Klassiker - die falsche (da konvektive) Beheizung.

Schimmel an den Fensterlaibungen und in den Zimmerecken. In den Fensterlaibungen ist häufig ein verstärkter Wärmeabstom nach außen zu verzeichnen - umgangssprachlich auch Wärmebrücke genannt. Früher gab es dagegen im Altbau ca. 20cm tiefe Kastenfenster, da gab es dann weniger tiefe Fensterlaibungen oder gar auch keine.

Heute gibt es 8cm dicke Fensterrahmen und der innen gleich daran anschließende Wandbereich wird zu stark ausgekühlt, weil (auch neben der ggf. fehlenden partiellen Dämmung der Laibung) zu wenig Wärme dort hin kommt. Oft gibt es über dem Heizkörper breite (tiefe) Fensterbretter, die ein Anströmen der Fensterlaibung mit Warmluft der Heizung behindern. Die Fensterlaibung kühlt stark aus - Raumluftkondensat entsteht, der Schimmel folgt.

In den Ecken fehlt auch die Wärme. Der Heizkörper unter dem Fenster produziert viel warme Luft. Diese Warmluft muss nun - um den Schimmel an der Wand zu verhindern - die innere Oberfläche der Außenwand erwärmen und zwar dauerhaft über den Taupunkt. Je höher die Raumluftfeuchte, um so höher die Taupunkttemperatur. Deshalb ist Lüften richtig und wichtig, wird aber in dem vorliegendem Falle wohl gemacht.

Was macht strömende Warmluft in der Zimmerecke?

Nichts - sie kommt ja da aus den Gründen der Geometrie nicht in die Ecke! Also wird dort die innere Wandoberfläche durch den Wärmeabstrom durch die Wand nach außen stark ausgekühlt. Die warme Raumluft schaft es nicht, die erforderliche Wärmemenge nachzuführen. Die innere Wandoberflächentemperatur sinkt. Nun wäre Dämmung eine nahe liegende Variante.

Es gibt aber eine deutlich bessere Lösung: Wärme wird nicht nur durch Konvektion übertragen, sondern auch durch Strahlung und die Wärmestrahlung unterliegt den gleichen Naturgesetzen, wie das Licht - Wärmestrahlung setzt sich mit 299.792,5 km pro Sekunde fort und wird von der Luft nicht behindert.

Wärmestrahlung erwärmt direkt die Oberflächen und läßt die Raumluft kühl (diese erwärmt sich dann an den Oberflächen). Was geschieht mit der Raumluft, die auf eine wärmere Fläche trifft? Die Raumluft erwärmt sich daran. Wärmer werdene Luft bekommt ein größeres Vermögen Wasserdampf aufzunehmen. Die relative Luftfeuchtigkeit sinkt. Die Wand wird entfeuchtet. Es kann kein Raumluftkondensat mehr entstehen - der Schimmel hat keine Chance mehr.

Was macht der "normale" Heizkörper? Er erwärmt überwiegend die Raumluft, die sich auf dem Weg durch den Raum ordentlich mit Feuchte anreichern kann. An der kühleren Wandoberfläche kühlt die Luft aus, die rel. Luftfeuchteigkeit steigt und wenn die Luft zu stark auskühlt, gibt es Kondensat und spätestens dann kommt der Schimmel.

Damit wär erklärt, dass der "normale" Heizkörper zwar schön die von der Fensterfläche abfallende kühlere Luft "auffängt", aber auch gut für Schimmel sorgen kann.

Die dauerhafte Lösung gegen den Schimmel ohne Außenwanddämmung ist also die Umstellung der Heizanlage auf mehr Wärmestrahlung, die die inneren Wandoberflächen warm hält.

Heizkörper und Heizflächen bieten Wärme als Warmluftkonvektion und Wärmestrahlung an. Der Konvektionsanteil überwiegt, wenn die Heizplatten viele lufterhitzenden Rippen aufweisen. Diese Heizkörper sind in der Bauart relativ klein. Der Strahlungsanteil wird größer, wenn es keine lufterhitzenden Rippen gibt, sondern nur eine große, glatte Heizfläche.

Heizkörper des Typs 10 können hier Verwendung finden, da diese Bauart 55% Wärmestrahlungsanteil bietet, gegenüber den Typen 21, 22 oder 33 die nur 20-30% Wärmestrahlung bieten. Auch bieten alle Flächenheizungen viel Wärmestrahlung, auch der Kachelofen. Eine "Sonderbauform" der Strahlungsheizung stellt die hydraulische Heizleiste (mal googeln) dar, die zuerst konvektiv die Wand erwärmt, diese Wandfläche dann jedoch Wärmestrahlung in den Raum sendet. Bei mit Wärme unterversorgten Wandoberflächen, wo sich Schimmel bildet, helfen oft auch einfach davor verlegte Heizungsrohre (Heizrohrschleife). Dadurch wird die Wandoberfläche besser mit Wärme versorgt, die innere Wandoberflächentemperatur wird angehoben und Raumluftkondensat kann dann dort vermieden werden. Dadurch trocknet die Wandecke auch aus (Schimmel ist immer ein Zeichen von Feuchte) und der Dämmwert der Wand erhöht sich. Bereits 4% Feuchte der Ziegelwand mindert den Dämmwert um 50% (nach J.S. Cammerer).

Aber eins ist sicher: Der Heizungsfachmann wird Ihnen immer die konvektive Beheizung vorschlagen, da die Heizanlage "bewährt" ist und einfach und billig zu installieren ist und der Bewohner schließlich schnell warme Luft haben will. So soll Heizenergie gespart werden, denn man kann die Heizung bei Abwesenheit runter drehen - es ist ja schnell wieder warm. Wird die innere Wandoberfläche aber von der Heizwärme nicht schnell genug erwärmt, dann kann es zur Kondensat- und Schimmelbildung kommen. Der Schimmel, der dadurch entsteht, wird jedoch nicht mit der falschen Art der Beheizung in Verbindung gebracht.

Matzepower2009 10.03.2014, 18:43

Danke für die umfassende Antwort

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Solange die Ursache weiterhin besteht, nützt auch "Schimmel-Farbe" nichts. Denkmal-Schutz hin oder her (wenn nichts getan wird, gibt es bald auch nichts schützenswertes mehr): Es sollte etwas getan werden. Dämmung ist das aber warscheinlich eher nicht, da nachträgliche Dämmung solche Probleme oft erst begünstigt. Vielmehr sollte hier ein Sachverständiger zu Rate gezogen werden, der weiß was zu tun ist.

Matzepower2009 09.03.2014, 17:49

Das mit dem Sachverständigen denke ich auch .Aber Vermieter stellt sich bockig....

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tuedelbuex 09.03.2014, 18:00
@Matzepower2009

Aber Vermieter stellt sich bockig....

Sein Haus.... Da sollte man sich vielleicht vorsorglich nach etwas Neuem umschauen. D̶̶e̶̶r̶̶ ̶̶a̶̶l̶̶t̶̶e̶̶ ̶̶S̶̶a̶̶c̶̶k̶ Euer Vermieter wird so schnell nicht einsehen, dass nicht Ihr Schuld seid und dass es sein Eigentum ist, das leidet.

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Matzepower2009 09.03.2014, 19:00
@tuedelbuex

Da hast du total recht man merkt die Gleichgültigkeit von Vermieterseite.Werden uns nach was neuem umschauen schwer aber mit Gedult wirds was hoffe ich....

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Onki73 09.03.2014, 21:00

Ne partielle Dämmung der Fensterlaibungen mit Kalziumsilikatplatten und ne Heizrohrschleife für die Raumecke zum Erwärmen der Innenwandoberfläche (Raumluftkondensatvermeidung) kostet doch nicht die Welt. Kostet pro Raum mit zwei Fenstern vermutlich nicht mal 1000,-EUR. Das wird sich der Vermieter sicherlich noch leisten können.

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In den Fensterbereichen ,teilweise auch an Zimmerecken haben wir Schimmel.

Man mag mich jetzt sicher verteufeln. Aber da liest sich nach falschem lüften.

Bitte beschreib mal genauer die Gegebenheiten.

Matzepower2009 09.03.2014, 18:54

Nein das tue ich bestimmt nicht.Es war eine Architektin und einer von der Hausverwaltung war da .Es liegt an der Dämmung wir lüften und heizen korrekt ist mir vom Mieterverein auch so bestätigt worden. Nur durch den Denkmalschutz können sie nichts machen. Er tritt nur im Fensterbereich auf teilweise in den Zimmerecken

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Onki73 09.03.2014, 20:37

Schlechter Dämmwert des Bauteils (ggf. schon hohe Bauteilfeuchte) und fehlende Wärmestrahlung sind vorrangig die Ursache für die Schimmelbildung. Die Lüftung ist hier nur zweitrangig.

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Ich verwende folgende Methode um Schimmel zu beseitigen, zuerst SchimmelEX , DM Markt nach Anweisung einsetzen, dann besprühe ich die Stelle mit Alkohol 70%, wenn alles trocken ist, flamme ich die Stelle mit einem Brenner ab, (z.B. so ein Teil zum Flambieren,)die Tapete wird dabei etwas rußig , macht aber nichts ,muss eh gestrichen werden. Danach kannst Du die Stelle mit der Schimmelexfarbe streichen, Den Schimmel sieht man dann nie mehr, wenn man richtig lüftet.

Etwas hilft die. Aber solange die Ursache nicht beseitigt ist, wird der immer wiederkommen.

Handwerklich richtig ausgeführt kann auch eine Innendämmung in solchen Fällen helfen. Nur Farbe auftragen ist jedenfalls nicht richtig. Man muß zum Beispiel mit Schimmel befallenen Putz abschlagen und wieder ergänzen. Dann erst darf man mit der Oberflächenbehandlung beginnnen. All das ist Vermietersache.

Onki73 12.03.2014, 18:29

Die Innendämmung dann aber nur kapillaraktiv (Holzweichfaser) in Verbindung mit der Wandheizung. Durch die Wärme der Heizschleifen ist die Innendämmung vor Feuchtigkeit geschützt. Die Wärme verdrängt Feuchtigkeit, was besonders im Bereich der Balkenköpfe der Holzbalkendecke wichtig ist, um diese vor Fäulnis zu schützen.

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Wie heizt und lüftet ihr denn?

Matzepower2009 10.03.2014, 18:42

Normal und ausreichend habe mich schlau gemacht

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es gibt auch ein spray so ä wie wannenreiniger

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