Nuding und Entscheidungen im Alltag. Gibt es auch Negativbeispiele?

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2 Antworten

In Supermärkten wird die teure Ware auf Augenhöhe präsentiert und die billigen Artikel werden nach unten geräumt.

Bei Angebotsaktionen werden Menschen dazu animiert, mehr Geld auszugeben als sonst, beispielsweise indem jemand "3 Exemplare im Angebot" kauft und dafür mehr Geld ausgibt, obwohl er ursprünglich nur zwei Exemplare haben wollte.

In vielen Berufen gibt es für alle Mitarbeiter einsehbare Statistiken über die Arbeitsleistung, sodass einzelne Mitarbeiter durch den ständigen Vergleich motivierter sind, mehr Leistung zu erbringen, was auf Dauer zu Stress und Minderwertigkeitsgefühlen führen kann.

In populären monetarisierten youtube-Kanälen wird Schleichwerbung durch die Präsentation von bestimmten Artikeln im Hintergrund betrieben.

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Kommentar von 22question
05.05.2016, 13:36

ich denke, das dritte passt nicht, das erste gefällt mir sehr gut und über das zweite muß ich nachdenken :) vielen Dank erstmal

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Kommentar von ThomasNiemt
05.05.2016, 13:38

Nein, denn Nudging geht auf Cass Sunstein und Richard Thaler zurück, gehört also in den Kontext der Behavioral Economics und hat die Prämisse, dass Leute, die beim Versuch, eine rationale Entscheidung zu treffen, scheitern, z.B. weil sie nach Heuristiken entscheiden und nicht nach einer Abwägung von Kosten und Nutzen, zur optimalen Wahl genudged werden können. Das hat mit dem, was Du hier beschreibst, nichts zu tun.

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Nudging ist ein wertendes Konzept und entsprechend hat man immer dann Schwierigkeiten, wenn Menschen die grundliegende Wertung nicht teilen. Wenn Sunstein und Thaler Leute zu optimalen rationalen Entscheidungen nudgen wollen, dann setzt das voraus, dass das, was als optimale rationale Entscheidung gelten soll, von allen geteilt wird.

Z.B. ist es aus gesellschaftlicher Sicht vielleicht rational, so viele Spendernieren wie möglich zu haben, um das Verdienst von Ärzten hoch halten zu können. Aus individueller Sicht mag das nicht so sein. Hans F. z.B. kann der Ansicht sein, dass es seinen Chancen im Jenseits hilfreich ist, wie die Pharaonen in Ägypten so bestattet zu werden, dass er Zugriff auf alle seine Innererein hat. Wenn man Hans F. nun durch ein "Opt-Out"-Verfahren dazu trickst, dass er seine Leber spendet, ist das dann moralisch in Ordnung?

Z.B. mag es gesundheitliche Folgen haben, wenn jemand raucht und es mag sogar im Hinblick auf die Senkung von Behandlungskosten gesellschaftlich wünschenwert sein, wenn insgesamt weniger geraucht wird. Aber teilt jeder die Bewertung, dass ein Menschenleben so lange wie möglich sein muss? Ist jeder der Ansicht, dass der kurze Genuss, dem langfristig vielleicht erreichten langen Leben geopfert werden muss? Offensichtlich nicht.

Entsprechend machen sich Nudger zu Richtern darüber, was für andere gut und richtig ist, ein Zustand, den Wissenschaftler verabscheuen und Politiker lieben. 

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Kommentar von 22question
24.05.2016, 22:12

das trifft nicht ganz meine Frage, aber trotzdem vielen Dank für den Beitrag. Aus einem demokratischen Selbstverständnis heraus, plädiere ich auch gerne für ein Recht auf Unvernunft. Eine freiheitliche, aber optimierte Gesellschaft ist für mich nicht mehr wirklich frei... An dieser Stelle muß ich immer an die Pathologien der Freiheit und die Zwänge des Neolieberalismus, ganz nach Foucault denken.

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