Notfallsanitäter bis zur Rente?

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Das Dumme ist: In 40 Jahren kann sich der Beruf wahnsinnig verändern.

Überlege mal: Manche Rettungsdienstler, die jetzt bald ins Rentenalter kommen, haben um 1980 herum mal die 12-wöchige Qualifikation zum Rettungssanitäter gemacht. Damals war es noch ziemlich neu, dass man einen Patienten überhaupt irgendwie versorgt, statt ihn einfach nur auf eine Liege zu schmeißen und mit Lalülala in eine Klinik zu brettern. Um 1989/1990 wurden diese Leute dann quasi über Nacht zu Rettungsassistenten, was eigentlich eine zweijährige Ausbildung ist. Ein völlig anderer Anspruch an die Arbeit im Rettungsdienst, damals wurde quasi die Intensivmedizin auf die Straße verlegt. Seit 2014 wurden jetzt nochmal reihenweise ursprüngliche Rettungssanitäter zu Notfallsanitätern... ein Berufsbild, das eigentlich die selbstständige Ausübung heilkundlicher Maßnahmen vorsieht.

Es kann sich also in den nächsten 40 Jahren auch noch sehr viel ändern. Und gerade was die körperliche Belastung angeht, gibt es doch so einige Entlastungen, die inzwischen flächendeckend etabliert sind oder bald etabliert sein werden.

Manches wird aber immer eine Plackerei bleiben. So toll motorisierte Raupentragestühle auch sind, auf engen Treppen oder solchen, die um enge Kurven führen, muss man doch wieder mit Muskelkraft 'ran. Es gibt immer mehr fettleibige und altersschwache Menschen - bald wird auch die Kombination aus beidem häufiger werden. Diese Menschen müssen auch mal auf die Seite gedreht werden, müssen auch vom Rollstuhl oder aus dem Bett auf die Trage gebracht werden... Es ist schlicht unrealistisch, dass es für jede einzelne Situation einen maschinellen Helfer haben zu wollen. Aber es wird zumindest seltener, dass man "Hau-ruck" sgt.

In meinen Augen ist das aber durchaus bis ins Rentenalter machbar, wenn man selbst entsprechend vorsorgt. Also eben nicht einer der vielen rauchenden und verfettenden Rettungsdienstler wird, sondern aktiv gesund lebt und seinen Körper bei der Stange hält. Das hast du in jedem anderen Beruf genauso... der Schreibtischarbeiter kommt gesundheitlich auch ins Schwimmen, wenn er 40 Jahre lang seinen Körper misshandelt hat.

Was Alternativen angeht:

Man muss sich eben selbst rechtzeitig drum kümmern. Mit der alleinigen Ausbildung zum Notfallsanitäter kannst du eigentlich nichts anderes machen, als Rettungsdienst. Das heißt, man muss sich rechtzeitig um einen Plan B kümmern, indem man Lehrgänge und Zusatzqualifikationen macht, ein Fernstudium absolviert oder dergleichen.

Das gilt aber auch wieder analog für jeden anderen Beruf: Ein Kfz-Mechatroniker, der heute ausgelernt ist und meint, nichts Neues mehr lernen zu müssen, wird auch in wenigen Jahren abgehängt sein und irgendwann sein eigenes Fachgebiet nicht mehr verstehen. Er kann dann auch nur noch hoffen, dass ihm sein bestehender Job so lange erhalten bleibt, bis er in Rente geht.

Es ist also alles relativ zu sehen und eher eine Frage, wie man damit umgeht.

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Wenn du gerade erst mit der Schule fertig bist und noch gar keine Ahnung vom Rettungsdienst hast, werden die Zukunftsaussichten als Notfallsanitäter allerdings nicht deine Hauptsorge sein. Stattdessen solltest dir mal realistisch deine Chancen ansehen, auch tatsächlich einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Dazu gibt es von SaniOnTheRoad, Rollerfreake und meiner Wenigkeit schon so einige Antworten hier auf GF.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich bin tatsächlich schon im Ehrenamt aktiv und weiß auch, dass meine Chancen zumindest auf der Wache hier genommen zu werden sehr hoch sind.

Ich habe jetzt weniger Angst vor dem, was mich in 20-30 Jahren erwartet, danke dafür!

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Hi,

ich rate grundsätzlich mal dazu, sich kritisch mit dem Arbeitsumfeld Rettungsdienst zu befassen, wenn man berufsmäßig einsteigen möchte.

Die schwarze Zukunft, die manche malen, trifft sicherlich nicht zu - vollkommen unbegründet sind die vorgebrachten Bedenken jedoch nicht.

Allerdings raten mir viele davon ab, weil sie sagen, man kann den Beruf nicht lange ausüben, da man irgendwann nichtmehr körperlich belastbar ist, vor allem als Frau.

Man ist im rettungsdienstlichen Berufsalltag schlicht und ergreifend körperlichen Belastungen ausgesetzt. Sicher, durch elektrische Tragen, Raupenstühle und Treppensteiger ist die Belastung schon verringert, aber nicht auf Null.

Auch sonst muss man doch die tendenziell immer schwerer werdenden Patienten auch mit Manpower befördern - und ja, das kann verdammt anstrengend sein. Und wenn es blöd läuft, macht man es auch noch mehrmals in der Schicht.

Die psychischen Belastungen sind individuell - und unvermeidbar.

Persönliche Meinung: es werden heutzutage deutlich mehr NFS die Rente erreichen, als diejenigen, die vor 30 Jahren angefangen haben. Es wird aber auch immer noch einen erheblichen Anteil an denen geben, die vorher berufsunfähig werden.

was man für eine Perspektive hat wenn man irgendwann nicht mehr so gut belastbar ist?

Nun, wenn gesundheitlich die Ausübung der Tätigkeit langsam aber sicher schwierig wird, hängt die Perspektive davon ab, wie man vorgesorgt hat.

Besonders viele Tätigkeiten ohne zusätzliche Ausbildung/Qualifikation für Notfallsanitäter gibt es nicht. Die Tätigkeit in einer Klinik wäre eine Möglichkeit - auch da bleibt dann der Schichtdienst erhalten.

Die Leitstelle ist eine Möglichkeit - erfordert aber zumindest bei integrierten Leitstellen zusätzlich eine Ausbildung zum Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr, die man auch nicht von heute auf morgen bekommt.

In die Verwaltung? Geht fast nur mit zusätzlicher kaufmännischer Ausbildung. In die Leitungsebene? Zunehmend nur noch mit einschlägigem Studium. Dozent? Nur noch mit pädagogischem Studium.

LG

Woher ich das weiß:Beruf – Notfallsanitäter, Blogger, Medizinstudent

wenn du nicht mehr kannst , kannst du den Bachelor of Science dranhängen

Zitat:...Dieser Abschluss befähigt die Absolventen, verstärkt administrative Aufgaben zu übernehmen oder an einer Rettungsdienstschule in der Ausbildung tätig zu werden.[8]

steht bei wikipedia

Ich fasse mich kurz, ja, der Rettungsdienst ist kein Tätigkeitsfeld, in dem man bis zu seiner Rente aktiv bleiben kann. Das Deutsche Rote Kreuz Rheinland- Pfalz hat diesbezüglich Mal eine Studie durchgeführt, Ergebnis, nur 1,3% der damals noch Rettungsassistenten waren 60 Jahre oder älter. Man kann allerdings auch sagen, dass man heutzutage immer bessere Chancen darauf hat, diesen Beruf doch bis zu seiner Rente ausüben zu können, da die Rettungsmittel immer mehr mit Gerät ausgestattet werden, welche die körperliche Hebe- und Tragetätigkeit minimieren, zum Beispiel elektrohydraulische Fahrtragen und Raupentragestühle, früher, da war wirklich alles noch manuell mit reiner Muskelkraft. Diese Hilfsmittel befinden sich zwar heutzutage noch nicht flächendeckend auf jedem Rettungsmittel aber ich denke, dass bis in circa fünf Jahren doch 90% und mehr der Rettungsmittel mit diesen Hilfsmitteln ausgestattet sein werden. Der Anteil an Frauen ist heutzutage in der Regel hoch, man muss allerdings auch sagen, dass Frau nicht gleich Frau ist, jeder Mensch hat eine andere Körperstatur und man sollte jetzt nicht extrem zierlich sein, ansonsten, macht es wirklich wenig Sinn, sich diesen Beruf auszusuchen.

Was das "Ausreden wollen" von Seiten deiner Familie anbelangt, am Ende da triffst immer du diese Entscheidung über die Berufswahl!. Es bringt dir nicht's, wenn du dich von deiner Familie in einen Beruf reindrängen lässt, in dem du dich überhaupt nicht wohl fühlst und in dem du andauernd denkst "ich wäre doch viel lieber Notfallsanitäter in geworden". Sei dir aber eben bewusst, dass der Rettungsdienst wirklich kein Beruf bis zu deiner Rente sein kann und dass alleine der Weg zum Notfallsanitäter kein einfacher sein wird, die allermeisten erfolgreichen Bewerber/innen sind bereits eine gewisse Zeit lang als Rettungssanitäter aktiv gewesen und bringen meist die heutzutage notwendige Fahrerlaubnis der Klasse C1 für LKW bis 7,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse, Bewerber/innen ohne Vorerfahrung im Rettungsdienst, erhalten nur selten einen der begehrten Ausbildungsplätze zum Notfallsanitäter.

Die Alternativen sind leider nicht so rießig, man kann dann zum Beispiel in einem Krankenhaus arbeiten gehen, allerdings nur in bestimmten Fachabteilungen wie der Notfallaufnahme oder man arbeitet in einer Rettungsleitstelle, dann benötigt man aber zumindestens bei einer integrierten Leitstelle (Annahme von Notrufen von Feuerwehr und Rettungsdienst) noch eine feuerwehrtechnische Qualifikation.

Mfg.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Rettungsdienst🚑, sehr großes Interesse an Notfallmedizin.

Schön kurz und knackig. 😏

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Wenn du den Beruf jetzt ausüben willst tu das. Oder willst du lieber einen Beruf machen der dir nicht so gefällt nur damit du dann bis zur Rente arbeiten kannst?

Wenn du dich körperlich fit hälst wirst du den Beruf schon noch mit höherem Alter ausüben können.

LG Tim

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