Nordwestepirus zur antiker Zeit (Chaonien)

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1 Antwort

1) Besiedlung Chaoniens/der Region Nordwest-Epiros

Eine sichere Angabe, von welchem Volksstamm Chaonien um 1000 v. Chr. besiedelt war, ist nicht möglich.

Geschichtswissenschaft ist auf Quellen angewiesen. Schriftliche Quellen aus dieser Zeit gibt es nicht.

Es gibt nur eine mythologische Gründung der Stadt Βουθρωτόν (lateinisch Buthrotum) durch Helenos, einen Sohn des Königs Priamos. Ein als Landungsopfer dargebrachtes Rind (griechisch βοῦς) habe sei unter dem Opferbeil entflohen habe eine Meerenge durchschwommen und sei am Ufer tot umgefallen, was Helenos als göttliches Vorzeichen deutete und am diesem Ort eine Stadt gründete (Teukros von Kyzikos FGrH 274 Fragment 1). Dies ist anscheinend eine Herkunftssage (Aitiologie), die den Namen der Stadt durch eine Erzählung erklären will. Das in der Zeit vor dem Peloponnesischen Krieg abgesetzte chaonische Königsgeschlecht hat Helenos als seinen Ahnherrn in Anspruch genommen (Theopomp FGrH 155 Fragment). Auch von einem Besuch des Flüchtlings Aeneas, der Helenos wird in Mythos/Sage erzählt (bei Dionysios von Halikarnassos Ῥωμαϊκὴ Ἀρχαιολογία/Antiquitates Romanae/Römische Altertümer 1, 51, möchte er das Orakel von Dodona zu Rate ziehen; bei Vergil Aeneis, 3, 294 – 355 trifft Aeneas Helenos nach dem Tod des Neoptolemos mit Andromache verheiratet an). Die Erzählungen sind kein geschichtlichen Tatsachenberichte.

Es gibt für die Frühzeit nur archäologische Quellen (z. B. Gräber oder Keramik) aus denen Schlüsse gezogen werden können. Eine Zugehörigkeit der damals dort lebenden zu einem Volksstamm ergibt sich dadurch nicht unbedingt.

Daniel Strauch, Buthroton. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band, 2: Ark – Ci, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 859 gibt an:

Hafenstadt in Epeiros gegenüber Korkyra (Strabon 7, 7, 5), frühe Besiedlung archäologisch (prähistorische und korinthische Keramik des 7. – 5. Jahrhunderts) und durch Hekataios FGrH 1 Fragment 106) bezeugt.

Lexikon Alte Kulturen. Herausgegeben und bearbeitet von Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Friedrich Hiller und Meyers Lexikonredaktion. Band 1: A –Fir. Mannheim , Leipzig ; Wien ; Zürich : Meyers Lexikonsverlag, 1993, S. 395 – 396 gibt zu Buthroton an:

Das antike Buthroton wurde nach Vergil (Aeneis) von Flüchtlingen aus Troja gegründet; nachweisbar ist erst griechische Besiedlung (6. Jahrhundert v. Chr.), die vom gegenüberliegenden Korkyra (Korfu) aus erfolgte.

Daniel Strauch, Chaones, Chaonia. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band, 2: Ark – Ci, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 1093 gibt an:

Die Chaones (Χάονες) waren ein bedeutender Stamm im Norden von Epeiros zwischen Aoos und der Akarnanien gegenüber Korkyra (Strabon 7, 7, 5; Ptolemaios 3, 14, 7), Trotz ursprünglich dörflicher Siedlungsweise (Skylax 28) existierten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Chaonia (Χαονία) die Städte Buthroton, Onchesmos, Phoinike (Hauptort), später Chimera und Antigoneia.

Daniel Strauch, Epeiros II. Volk. II. Historische Entwicklung. A. Frühgeschichte und Archaik. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band, 2: Ark – Ci, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 1067 - 1068 gibt an:

Die drei großen Stämme der Chaones, Thesprotoi und Molossoi setzten sich aus Kleinstämmen zusammen, die wiederum von vielen Ethnien gebildet wurden. Bei den antiken Schriftstellern gelten die Bewohner von Epeiros als Barbaren (βάρβαροι; Thukydides 1, 47, 3, Skymnos 444 – 445; Strabon 7, 7, 1) und den Makedonen verwandt (Strabon 7, 7, 8). Oberschicht, Bewohner der Küstenstädte (Hekataios FGrG 1 Fragment 105 nennt Buthroton, Argos Amphilochikon und Orikos πόλεις) und Heiligtümer (Dodona, Nekromanteion) waren jedoch schon früh hellenisiert. Die ursprüngliche Sprache ist unbekannt; die wenigen frühen Schriftzeugnisse in Dodona zeigen korinthische Buchstaben mit lokalem (?) Einschlag, in den ersten (längeren) Inschriften um 330 v. Chr. wird ein nordwest-griechischer Dialekt verwendet.

Im Späthelladikum ist in Epeiros nur ein marginaler mykenisch-helladischer Kultureinfluß nachweisbar. Späthelladische Funde /Keramik, Schwerter) und Architektur („kyklopische“ Mauer, Tholosgrab) finden sich bis auf die Höhe vom heutigen Parga – Dodona – Ioannina; nördlich davon weisen Tumulusgräber und Beigaben auf Verwandtschaft mit dem makedonisch-illyrischen Raum. Die frühesten schriftlichen Nachrichten sind die Erwähnung des Zeus-Orakels von Dodona und Ephyra (Totenorakel Nekromanteion) bei Homer. In archaischer Zeit dringt griechische Kultur aus den Kolonien Korkyra, Ambarakia und Apollonia, gegründet von Korinth, sowie Buchetion, Elatria, Pandosia, Batiai in der Kassiopeia, gegründet von Elis, nach Epeiros vor, z. B. Keramik-Import in das dörfliche Hochland.

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Kommentar von Albrecht
20.07.2011, 02:39

Marjeta Šašel Kos, Illyricum. B. Vorrömische Geschichte. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 5: Gru – Iug. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1998, Spalte 241 gibt für eine spätere Zeit an:

Das Territorium der illyrischen Stämme soll sich nach Pseudo-Skylax (ca. 330 v. Chr.) von der Enkelei bis zu den Chaones (Nordepeiros) erstreckt haben. Weil erst ab etwa 500 v. Chr. durch griechische Geschichtsschreibung etwas über die Illyrer berichtet wird, sind deren Ursprünge und Frühgeschichte nicht sicher bekannt. In der Zeit, als zuerst über sie berichtet sind, sind illyrische Stämme nördliche Nachbarn der Bewohner von Chaonia.


In Bezug auf die Dorer tritt das Problem der „dorischen Wanderung“ auf. An sicherem Wissen mangelt es dabei. Nach einer verbreiteten Meinung lebten die daran beteiligten Volksgruppen in der späthelladischen Zeit in den nördlichen und westlichen Randgebieten der mykenischen Kultur.

Susanne Funke, Aiakidenmythos und epeirotisches Königtum : der Weg einer hellenischen Monarchie. Stuttgart : Steiner, 2000, S. 102 – 126 meint, Epeiros sei zumindest in lockerer Weise zunächst in die mykenisch-frühgriechisch und dann in die griechisch-hellenische Welt einbezogen gewesen.

Spezialliteratur kann in wissenschaftlichen Bibliotheken herangezogen werden, z. B.:

Kostas Soueref, Der prähistorische Epirus. In: Akarnanien : eine Landschaft im antiken Griechenland. Herausgegeben von der Oberhummer-Gesellschaft München. Percy Berktold, Jürgen Schmid, Christa Wacker. Würzburg : Ergon, 1996, S. 195 - 207

Beiträge internationaler Kolloquien in den Bänden von: L' Illyrie méridionale et l'Epire dans l'Antiquité

2) Beziehungen Korkyras zu Chaonia und Thesprotia

Die Antwort hängt davon ab, welche frühe Zeit gemeint ist. Beziehungen zu den Küstengebieten sind nicht völlig unwahrscheinlich. In der archaischen Zeit hat es sie gegeben.

Daniel Strauch, Korkyra. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 14: Fr - Ky, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2000, Spalte 752 – 754 gibt an:

Korkyra ist seit dem Paläolithikum besiedelt, doch die Frühzeit kaum bekannt. Die Siedlungen (z. B. Amphiones, Kephali und Ermones) lagen im Westen und Norden der Insel. In der frühen Bronzezeit gab es eine Zuwanderung vom Festland (Illyrien). Kontakte zur mykenischen Welt sind hingegen nicht erkennbar. In den homerischen Epen wird Korkyra nicht namentlich genannt, doch spätestens seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. (Thukydides 1, 15, 4) wird Korkyra von den Bewohnern mit Scheria, der Heimat der Phaiakes, gleichgesetzt. Die ersten griechischen Siedler stammen aus Eretria und vertrieben um 750 v. Chr. die hier lebenden Liburner (Plutarch, Moralia 293 a – b; Strabon 6, 24).

Daniel Strauch, Thesprotoi, Thesprotia. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 12/1: Tam -Vel, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2002, Spalte 445 gibt an:

Einer der drei Hauptstämme von Epeiros mit Siedlungsgebiet zwischen Thyames im Norden, dem Golf von Ambrakia bis zum Fluß Aphas (heute Louros) im Südosten und der Adria (Ionois Kolpos) im Westen; bei Homer werden die Thesprotoi, besonders das Totenorakel Nekyomanteion von Ephyra, erwähnt; die Küstenstadt Buthroton wird von Hekataios (FGrH 1F 105) als πόλις bezeichnet. Antike Autoren (Strabon 7, 7, 11; Herodot 2, 56) bezeichnen die Thesprotoi als ursprünglich bedeutendsten Stamm der Epeirotai mit Kontrolle über das Heiligtum von Dodona, doch wurde ihm diese Rolle seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. erst von den Chaones, dann von den Molossoi streitig gemacht, in deren Konföderation sie im 4. Jahrhundert v. Chr. Mitglied waren.

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Kommentar von Albrecht
20.07.2011, 02:41

3) Löwentor

Beim Löwentor von Butrint und dem venezianischen Löwen als Wappen gibt es keinen besonderen Zusammenhang. Das Löwentor ist viel älter.

Ein Löwe ist oft als Symbol für Kraft, Mut, Tapferkeit und Herrschaftswürde und -macht verwendet worden.

In der Antike hat es auf dem Balkan Löwen gegeben.

Epirus hat nicht zum Herrschaftsbereich Venedigs gehört. Nach dem 4. Kreuzzug errichtete Michael I. Dukas (1204 – 1215) ein byzantinisches Fürstentum Epirus als unabhängigen Staat und hat 1210 die Lehnshoheit Venedigs anerkannt (Peter Bartl, Epirus. In: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Für das Südost-Institut München herausgeben von Edgar Hösch, Karl Nehring und Karl Sundhausen. Redaktion: Konrad Clewing. Wien ; Köln ; Weimar : Böhlau, 2004. Stuttgart : UTB für Wissenschaft Uni-Taschenbücher (UTB : Geschichte ; 8270), S. 216), aber nur kurze Zeit (Epirus hat bald gegen Venedig gekämpft).

Der venezianische Löwe ist der Markuslöwe (ein geflügelter Löwe mit Buch und erhobener Pranke). Im 9. Jahrhundert kamen angebliche Reliquien des Evangelisten Markus (dem aufgrund einer Bibelstelle der Löwe als Symboltier zugeordnet wurde) von Alexandria nach Venedig (Arne Karsten, Kleine Geschichte Venedigs. München : Beck, 2008, S. 18 – 22).

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