Naturwissenschaftliches Studium sinvoll?

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Hallo,

*Achtung Pauschalitätsalarm*

Ich habe selbst Chemie studiert (und dann zur Informatik gewechselt) und kann zu den Naturwissenschaften (wobei manche Tipps für jegliche Studienfächer sinnvoll sind) folgendes sagen:

  • Liebe das Fach oder lass es bleiben. Die Anstrengungen sind sehr hoch, die Aussichten meist schlecht (Biologie und Chemie zum Teil) bzw. man macht nachher nicht das, was man im Studium gelernt hat (Paradebeispiel Physik, wo viele dann quasi Ingenieur/Informatiker etc. sind). Die Wenigsten können wirklich im Fach bleiben.
  • Promtion ist Pflichtprogramm und das in allen Naturwissenschaften. Das wurde "uns" auch so an der Uni bei der Beratung erzählt. Wer darauf keine Lust hat, der sollte auch die Finger davon lassen. Master bzw. vorallem Bachelor alleine kann man getrost in die Tonne kloppen. Vergeudete Zeit.
  • Wenn man es zu was bringen will, müssten die Noten und das drumherum stimmen. Sprich "Sehr gut", Preise und Stipendien. Das sollte man mitbringen, wenn man in die Forschung möchte. Ausnahmen oder Talente gibt es immer, man sollte sich aber wirklich überlegen ob man ein solches auch ist.
  • Wichtig sind praxisnahe Themen, was leider an vielen vorbeigeht. Man sollte sich nicht wundern, wenn man in der Industrie nichts findet, weil man in Astrophysik/biologie promoviert hat oder irgendwelche Molekülstrukturen untersucht hat, die nur eine handvoll Leute auf der Welt überhaupt kennen. Daher auch Industriepraktika so oft es geht bzw. Abschlussarbeiten dort schreiben. Das ist wirklich immens wichtig.
  • Sich Optionen offenhalten und nicht nur auf ein Pferd setzen. Sonst riskiert man nach 8-10 Jahren Studium auf einmal ohne Job "auf der Straße" zu sitzen. Vorallem wenn man mit dem Ziel an der Uni zu bleiben anfängt zu studieren, sollte man sich trotzdem auch ein wenig in Richtung Wirtschaft orientieren.

Probleme in der akademischen Forschung (allgemein) sind die befristeten Verträge. Es ist einfach unschön mit anfang/mitte dreißig keine Jobsicherheit zu haben und nach 2-3 Jahren immer Angst zu haben nichts mehr zu bekommen. Von den ständigen Orts bzw. sogar Landeswechseln mal ganz abgesehen. Und das ist dann auch keine Garantie mal eine unbefristete Stelle zu ergattern.

Daher bleiben "die Guten" kaum im Wissenschaftsbetrieb. Da geht in der Wirtschaft mehr und wenn man "smart" ist, dann kriegt man auch da einen Job in der Forschung und Entwicklung.

Naturwissenschaften ist ein echt problematisches Thema, weil es eben ein Bereich ist, der (für mich) schon automatisch mit Grundlagenforschung konnotiert wird und damit in der Wirtschaft eher schlecht dasteht.

Natürlich gibts auch viele Praxisanwendungen, keine Frage, aber es ist z.B. klar, dass ein Physiker wohl theoretischer und stärker auf Forschung "getrimmt" wird, wie ein Elektrotechniker, wobei es natürlich auch hier theoretische Fächer etc. gibt. Ich hoffe man versteht, auf was ich hinaus will ;-).

An der Stelle auch nochmal kurz eine Anmerkung. Ich finde es immer so lustig, wenn man zu den Naturwissenschaften etwas schreibt bzw. auch zur Physik und dann immer gleich alle kommen, "aber bei einem Physikstudium werden danach nur 1 oder 2 % arbeitslos".

Naja stimmt schon, die Frage ist nur, was ! für eine Arbeit verrichten sie denn. Oftmals sind das eben Jobs im Ingenieur, IT- oder Beratungsbereich. Viele wollen das ja gar nicht machen, sondern in der Physikbleiben. Und würde jeder Physiker auch nur in der Forschung arbeiten können!, dann wären wir bei einer Arbeitslosigkeit im hohen zweistelligen Bereich.

Daher sollte man sich das schon gut überlegen. Inwieweit es einem persönlich etwas bringt etc. darüber wurde jetzt hier nicht gesprochen. Aber Fakt ist einfach, viele Physiker sind im Arbeitsleben keine Physiker mehr. Wenn einen das nicht stört dann gut. Erfahrungsgemäß (wenn man sich mit Studenten unterhält) wollen aber viele auch in der Physik bleiben.



Bei Chemie sehen die Beschäftigungschancen besser aus als bei Biologie, bei Physik ist es traditionell gut, zumindest mit Promotion, um in der Forschung Fuß fassen zu können.

Für ein naturwissenschaftliches Studium mit Promotion brauchst Du die allgemeine Hochschulreife und ein Universitätsstudium. An Fachhochschulen werden Naturwissenschaften nur in Verbindung mit Technik angeboten, z.B. Biotechnologie, Technische Chemie, Pharmatechnik, Technische Physik.

Also bei den Uni's bei mir im Umkreis kann man Chemie,Physik,Biologie,Psychologie,Humanbiologie und so weiter(glaube fast alles Bachelor Studiengänge) mit Fachhochschulreife machen.

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...wie sieht es mit Chemie aus??

Da sieht es marginal besser aus, als mit Bio. Selbst mit Promotion wird man meist fachlich zweckentfremdet und macht später nicht das, was man gelernt hat. Ausserdem wird man gerne zum Clown down-gegradet, oder wie ich schon mal gehört habe "an der Uni lernt man mit Fischertechnik zu spielen, in der Industrie gibt's leider nur Bauklötzchen".

Die einzige Chance, die du hast ist: du bist verdammt gut in deinem Fach und bekommst die Chance an Forschungseinrichtungen weiter zu forschen - aber Industrie?! - die beuten dich 10 Jahre auf Langweiler-Positionen aus und danach kickt man die Leute raus und ersetzt diese durch neue, jung, dynamische, superbillige Hochschulabgänger. Das ist die Realität.

Also dann lieber Medizin oder Zahnmedizin. Da wird man zu Beginn zwar auch lange ausgebeutet, aber man hat später die Möglichkeit sich selbstständig zu machen und sich aus dem nahezu unerschöpflichen Pool der Geld-Krankenkassen zu bedienen oder den Leuten teure Zusatzleistungen andrehen, die sie privat zahlen müssen... O.o  und, Patienten wird es immer geben...  ;-)



Genauso wie es die Forschung immer geben wird. Besonders Biochemie, Biotechnologie und Genetiker sind schon lange im kommen.

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@Glycin94

Ja schon, nur kommt man an die Forschungsjobs eben nicht so einfach ran und die sind begrenzt, während die Patienten immer Schlange stehen, um ihr Geld loszuwerden...

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