Naturwissenschaftliche Studienwahl?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
  • Ich bin Dipl.-Chemiker und kann das Studium sehr empfehlen. Es ist anspruchsvoll, interessant, deckt eine große Breite ab, erlaubt viele Spezialisierungen auf die unterschiedlichsten Gebiete und die Jobaussichten sind ausgezeichnet, der Verdienst hoch.
  • Biologie wird zunehmend interessanter und aussichtsreicher, vor allem wenn man im Bereich Mikrobiologie, Molekularbiologie bleibt. Auch da sind die Jobaussichten inzwischen gut und werden wohl zunehmend besser und besser.
  • In Biologie und Chemie muss man 5 Jahre Studium und drei Jahre Doktorarbeit rechnen. Schwierig und anspruchsvoll, aber lohnend.
  • Pharmazie klingt meines Erachtens interessanter als es ist. Weniger enden in der interessanten Forschung, die meisten enden als Apotheker -- letztlich ein besser Verkäufer. Der Markt ist zunehmend umkämpft, als angestellter Apotheker ist der Verdienst mäßig, mit eigener Apotheker mäßig bis sehr gut je nach Lage und Investitionen. Ich finde das eher langweilig.
  • Auf Lehramt endet man als Lehrer. Muss man wissen, ob man das möchte. Harter Job, aber sicher. Muss man wollen.

Auf jeden Fall danke für die Antwort ;-) Werde mich wohl für die Biologie & Promotion entscheiden. Entweder klassisches Biologiestudium mit Fachgebiet Immunologie & Mikrobiologie oder gezieltes Masterstudium der molekularen Biomedizin. Was genau wird sich noch zeigen ;-)

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@Sebastian2412

Dann viel Erfolg und Spaß dabei! Sind wirklich spannende Studiengänge!

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Die Frage ist nicht nur, ob du einen Job bekommst, sondern auch wie du arbeiten willst.

Ich sehe das ganze nicht so rosig wie Kajjo. Ein Studium der Naturwissenschaften ist anstrengend und fordernd, jobben neben dem Studium oft schwierig. Sowohl in Biologie als auch in Pharmazie oder Lebensmittelchemie stehst du parallel sehr viel im Labor, sodass du oft locker 8 Stunden in der Uni bist, Abends noch Übungen, Protokolle und Vorträge machen musst, lernen solltest oder Fachliteratur lesen musst. Wenn es dich interessiert, sollte dich das nicht abschrecken, aber 5 Jahre sind eine Zeitspanne, die man nicht unterschätzen sollte.

Dazu kommt bei Biologie noch die Promotion, also nochmal 3 Jahre, zum Teil auch 4 Jahre. Du verdienst ca. 1250 Euro netto und arbeitest 40 - 60 Stunden die Woche (eher 60 ;) ) im Labor und je nach Versuch auch am Wochenende. Mal zwei Wochen Urlaub zu machen ist unter Umständen schwierig, wenn du Labortiere, Pflanzen oder Zellen hast (spreche da aus eigener Erfahrung) um die du dich kümmern musst.

Nach den drei Jahren solltest du möglichst schon mal einige wissenschaftliche Publikationen zusammen getragen haben - das setzt gute Ergebnisse voraus, die aber auch maßgeblich von deinem Projekt, deinem Betreuer, der Arbeitsgruppe und natürlich auch von dir abhängen, nicht zuletzt gehört auch Glück dazu.

Denn nun willst du nach 9 Jahren Ausbildung ja auch mal richtig arbeiten. Wenn du aber glaubst, die Wissenschaft reißt sich um dich als neuen PostDoc (also promovierten Biologen oder Chemiker) hast du leider falsch gedacht, denn die Stellen sind dünn gesäht. Findest du eine Stelle, ist diese in der Regel befristet finanziert, zeigst du keine Erfolge oder rutscht dein Forschungsfeld aus dem politischen Blickfeld gibt's kein Geld mehr, deine Stelle ist nicht mehr finanziert, du bist arbeitslos. Nach 10 oder 12 Jahren als PostDoc und schätzungsweise 4 oder 5 Anstellungen an unterschiedlichen Uni's in unterschiedlichen Städten und zum Teil Staaten, solltest du langsam mal habilitieren, denn wenn du dann mit Mitte 40 irgendwann mal eine feste Stelle möchtest, dann solltest du daran arbeiten einen Ruf zu bekommen, also Professor zu werden. Nun denken wir daran wieviele Doktoranden es in einer Arbeitsgruppe so gibt - 5 bis 15 mal zu im Schnitt - und wieviele Professoren - im Schnitt einen pro Gruppe - dann wird dir schnell klar, wieviele dort ankommen.

Kurzum, ich habe den Weg mit Biochemie/Molekularbiologie gewählt und würde es nicht wieder tun. Willst du das wirklich durchziehen, mach dir klar, was das für dein Leben bedeutet. Ich für meinen Teil arbeite daran aus der Tretmühle Uni zu entkommen und mein Heil in der Wirtschaft zu suchen, dort gibt es Stellen, für Master und PostDocs, aber Schlange stehen die Unternehmen bei dir nicht. die Abläufe in Biochemie, Biologie und Chemie sind da durchaus ähnlich, wobei die Chemiker noch die besseren Aussichten haben meiner Erfahrung nach.

Übrigens ist das Einstiegsgehalt eines PostDocs an der Uni auch nicht gerade üppig, bedenkt man die fast zehnjährige Ausbildung ohne Verdienst und mit möglicherweise reichlich Schulden (Bafög, KFW-Kredit usw.)

Pharmazie gibt die die Möglichkeit einerseits als approbierter Apotheker zu arbeiten, andererseits steht dir der Weg in Forschung und Industrie offen.

Lehramt

Ich bin Chemielehrer an einem Gymnasium und kann dir zur Zeit nur von einem Lehramtsstudium abraten, weil die Einstellungschancen von Tag zu Tag schlechter werden: Die Pensionierungswelle ebbt ab und die Schülerzahlen sinken.

Bei uns (NiSa) finden viele Referendare keine Einstellung, wenn sie nicht ein Mangelfach (Ma, Ph, La, Ku, Mu) haben. Bio sieht ganz schlecht aus. Chemie ist (noch) passabel. Aber das wird sich bis du fertig bist, auch zum Negativen geändert haben. Von NRW weiß ich, dass es da genauso schlecht aussieht.


Master Bio

Ich habe einige Biologen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, aber als Biologe arbeitet da niemand, nicht einmal die promovierten. Es beginnen jedes Jahr fast genausoviele Studenten ein Biologiestudium wie es bundesweit Arbeitsplätze für Diplombiologen/Masterbiologen gibt. Das kann nicht gut gehen. Es sei denn du spezialisierst dich auf Biochemie oder biophysikalische Chemie oder Molekularbiologie. Mit Blumen und Tieren kannst du nichts werden. Die Diplombiologen in meinem Freundeskreis haben entweder auf Lehramt umgesattelt oder rennen (unterbezahlt) für Jugendherbergen mit Kleinkindern durch den Wald oder sind arbeitslos.


Pharmazie

Könnte mit 1,4 knapp werden. Mehr kann ich dir leider dazu nicht sagen.


Lebensmittelchemie

Habe ich keine Ahnung von. Hört sich für mich aber unter den gegebenen Alternativen nach einem guten Plan an.


LG und ein glückliches Händchen bei deiner Wahl! :)

MCX

PS: Was hältst du von den Ingenieurberufen? Verfahrenstechnik oder so was. Hat auch mit Chemie zu tun.

PS: Ich habe von 2004 bis 2008 studiert. Bin jetzt also auch schon 5 Jahre "raus".

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