Naturrecht- Kritiken?

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2 Antworten

Hi,- eigentlich ganz einfach wenn du das ganze Wortgeklingel aller "Zeitgeist-Philosophen" herausfilterst.

Den Begriff >Naturrecht< kannst du getrost als "Universalie der Ethik zur qualitativen Bestimmung des Rechts- oder Gerechtigkeitsbegriffs" übersetzen.

Im ersten Teil deiner Fragedarstellung hast du dir selber schon einen Teil der Antwort gegeben: "Mit dem Wegfall Gottes innerhalb eines naturalistischen Weltbildes ergibt sich für die Naturrechtstheorie die Frage, wie Rechtsnormen
jenseits menschlicher Institutionen entstehen können, insbesondere
Normen, die für alle Menschen unabhängig von ihrer Kultur gelten sollen."
(ZE)

Mit der Emanzipation des Individuums von "mythischen" Herrschaftsbehauptungen werden Glaubenssysteme also durch logische Begründungssysteme ersetzt.

Das nennt man >Aufklärung<. - "Cogito ergo sum!". - Der Urknall menschlicher Selbstwertigkeit unabhängig von Wertzuweisungen durch "Glaubenssysteme".

In diesem Zusammenhang stellt sich also die Frage was allgemeinverbindliches Handeln des Menschen in sozialer Gegenseitigkeit definieren könnte wenn es denn nicht durch religiöse Instanzen vermittelt oder religiös propagierte Herrschaftssysteme eben nur geglaubt bzw. erzwungen wird.

Und hier setzt die Logik ein. Sie übernimmt den Platz einer "göttlichen Ordnung" durch die Ordnung der Vernunft.

Das Ergebnis ist der >Kategorische Imperativ von Kant<, der zweite Urknall bei der "Befreiung des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit". Das Ganze zentriert sich in der Formulierung der Menschenrechte und der Proklamation ihrer weltweiten Gültigkeit durch die UN.

Naturrecht bedeutet hier also nichts anderes als das insofern eine Allgemeingültigkeit / Universalität beansprucht werden kann als das diese Formulierung nach Maßgabe allen menschlichen Ermessens und aller aktuell bestehenden Möglichkeiten logischer Aussagenformulierungen es keine gleichwertige Möglichkeit zur Widerlegung ihrer Gültigkeit gibt.

Insofern ist die Gleichsetzung einer nicht widerlegbaren Aussage in einem rational-vernunftbezogenen Sinn gleichbedeutend mit einem ehemals "göttlich" basierten Anspruch auf Allgemeingültigkeit - also eine Art "moderne" >Universalie<.

Und eine Universalie ist nichts anderes als die eine Ursache und die eine Logik, die aller phänomenologisch-empirischen Vielheit als Maßstab ihrer jeweiligen Selbstbegründungsbehauptungen zugrunde liegt.

Gruß

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Während  die  Religiosität  abnimmt,  verliert  das  Naturrecht  seine  Grundlage.  Naturrecht  ist  kein  Recht,  sondern  bloß  eine  Theorie,  weil  die  Moralprinzipien  so  verschieden  sind,  dass  aus  ihnen  keine  Rechtsnormen  (keine  widerspruchlosen  Gesetze)  entstehen  können.  Wenn  man  Naturrecht  zum  positiven  Recht  umwandeln  könnte,  dann  wäre  es  schon  längst  geschehen.  Das  Naturrecht  ist  so  mehrdeutig,  dass  man  alles  hineininterpretieren  kann.  Diese  Interpretationen  sind  nicht  allgemeingültig.  Sie  beweisen  nicht  die  Richtigkeit  und  die  Notwendigkeit  des  Naturrechts.  Naturrecht  ist  wie  Krieg  und  Frieden,  ....  natürlich  und  widersprüchlich.  Die  Tatsache,  dass  vernunftgeleitete  Menschen  die  Sklaverei  als  Naturrecht  ansehen  können,  beweist,  dass  Naturrecht  bösartig  sein  kann.  

Du  hast  zwar  nicht  nach  meiner  Meinung  gefragt,  ich  möchte  sie   trotzdem  kundtun.  Wenn  die  Definition  "Naturrecht  ist  das  Recht,  was  der  Mensch  nicht  erschafft,  sondern  nur  entdeckt"  stimmt,  dann  ist  Naturrecht  etwas  ganz  grausames.  Das  Recht  des  Stärkeren  ist  das  dominante  Naturrecht.  Das  Recht  des  Stärkeren  lässt  Himmelskörper  (Asteroiden,  Planeten  und  Sterne)  entstehen,   und  bestimmt  auch  die  Evolution  der  Lebewesen.  4  Milliarden  Jahre  Überlebenskrieg  hat  alle  Genome  siegesgierig  werden  lassen.  Ich  nehme  an,  dass  intelligente  Wesen  so  ein  Recht  nur  deswegen  für  gut  halten,  weil  es  sehr  instinktfreundlich  ist.  Das  Genom  liebt  die  Siegerei  und  das  Recht  des  Stärkeren  über  alles.  Ich  beurteile  das  Naturrecht,  und  auch  das  "positive"  Recht  so:  Das  Recht  ist  genauso  bösartig,  wie  die  Natur  und  die  menschliche  Natur.

Meine  persönliche  Kritik  an  jedem  Recht  ist:  Es  kommt  nicht  auf  die  Abstammung  des  Rechts  an,  sondern  darauf,  worauf  es  abzielt.  Die  Ziele  der  Gesetze,  der  Regeln  zählen.  "Überpositives"  Recht  ist  nur  dann  besser  als  "positives"  Recht,  wenn  seine  Zielsetzung  besser  ist.  Der  wirtschaftliche,  der  kulturelle  (eventuell  auch  der  militärische)  Aufstieg  der  Nation,  ist  das  Hauptziel  des  instinktgesteuerten  Staates.  Die  Bürger  haben  das  gleiche  Hauptziel.  Naturrecht  und  positives  Recht  widersprechen  sich  nicht  in  ihrer  Hauptzielsetzung.  Die  Bürger  sind  genauso  siegesgierig,  wie  die  Regierungspolitik,  die  sie  bei  den  Parlamentswahlen  wählen.   

Die  Verfechter  des  modernen  Naturrechts  behaupten:   "Das  Naturrecht  gilt,  weil  jeder  einzelne  Mensch  es  will,  bzw.  rational  einsehen  kann,  dass  er  es  wollen  muss."   Ich  meine  dazu:   Das  Recht  des  Stärkeren  muss  kein  intelligentes  Wesen  wollen.  Das  wirklich  notwendige  (das  gutartig  notwendige)  Recht  sollte  man  wollen.  Ich  nenne  so  ein  Recht,  ethisches  Recht.  Nur  instinktgesteuerte  Wesen  halten  die  Siegerei  für  notwendig.  Gerechtigkeit  ist  notwendig.  Gerechtigkeit  ist  das  beste  Recht.  Gerechtigkeit  anzustreben  ist  das  beste  Ziel.  Gerechtigkeit  ist  der  Zustand,  in  dem  alle  möglichst  gut  und  gleich  gut  leben.  Wenn  die  Anhänger  des  Naturrechts  behaupten,  dass  die  "Aufklärung"  die  Menschen  emanzipiert  hat,  dann  frage  ich  mich,  welche  Art  Emanzipation  ist  hier  gemeint?  Das  Ziel  Emanzipation  ist  dann  zulässig,  wenn  die  Freiheit,  die  man  anstrebt,  nicht  bösartig  ist.  Haben  sich  die  "Aufgeklärten"  emanzipiert  (Gott  und  König  entmachtet),   um  instinktgesteuert  mitregieren  zu  dürfen?  Volkes  Politik  ist  ähnlich  schwachenfeindlich,  wie  Gottes  oder  Kaisers  Politik.  Kants  kategorischer  Imperativ  erlaubt  es,  nach  dem  Recht  des  Stärkeren  zu  leben.  Die  Menschenrechte  der  UN  verbieten  die  Siegerei  (den  Kapitalismus)  nicht.  Werder  Kant,  noch  die  UN  streben  möglichst  gutes  und  gleich  gutes  Leben  für  alle  an.  Weil  das  Wort  "Natur"  ein  Synonym  für  "gut"  ist,  ist  Naturrecht  ein  gutes  Recht?  Ich  finde,  das  moderne  Naturrecht  ist  tatsächlich  deutlich  besser,  als  das  alte.  Aber  bei  Weitem  nicht  gut  genug.  Weshalb  streben  die Anhänger  des  Naturrechts  keine  echte  Gerechtigkeit  an?  Weil  Gerechtigkeit  nicht  zum  persönlichen  Sieg,  und  auch  nicht  zum  Rudelsieg  führt.

Definition  aus  dem  Wörterbuch:  Naturrecht,  das  Recht,  das  unabhängig  von  der  gesetzliche  fixierten  Rechtsauffassung  eines  bestimmten  Staates  (oder  Ähnliches)  in  der  Vernunft  des  Menschen  begründet  ist.  Menschliche  Vernunft  (menschliche  Logik)  kann  nur  dann  korrekt  urteilen,  wenn  sie  gutartig  (wenn  sie  wohlwollend)  ist.  Nazis  halten  das  für  gut,  was  zum  Sieg  führt.  Was  den  Sieg  behindert,  halten  sie  für  schlecht.  Nazilogik  ist  nicht  gerechtigkeitswillig  sondern  siegesgierig.  Logik  muss  mit  Gutwilligkeit  gekoppelt  werden.  Sonst  hält  man  Naturrecht  für  etwas  Gutes.  Die  bösartige  Vernunft  des  instinktgesteuerten  Menschen,  strebt  Demokratie  (Interessenkrieg)  und  Kapitalismus  (Wirtschaftskrieg)  an.  Diese  (siegesgierige)  Vernunft  kann  sich  nicht  vorstellen,  dass  man  auch  ohne  Siegerei  leben  kann.  Instinktgesteuerte  Menschen  bilden  sich  ein,  dass  das  Leben  ohne  Siegerei  ereignislos  und  Sterbens  langweilig  ist.  Die  kapitalistische  Vernunft  will  nicht  wahrhaben,  dass  die  Lowtech-Siegerei  Viele  überleben,  die  Hightech-Siegerei  aber  niemand  überleben  wird.

 Ich  hoffe,  Du  kannst  mit  meiner  Kritik  was  anfangen.

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