Nachteilsausgleich für Stottern (Universität)?

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5 Antworten

Hallo Mentaro,

Stottern ist als Behinderung anerkannt und dir steht der Nachteilsausgleich zu. Es ist gut sich im Vorfeld über seine Rechte und die Möglichkeiten zu informieren und die nötigen Schritte einzuleiten.

Warst du schon auf der Homepage des Deutschen Studentenwerkes (Rubrik "Studieren mit Behinderung")? Die Studentenwerke haben jeweils auch eine/n Beauftragte/n für Menschen mit Behinderung. Dort müsstest du für deine Uni dann eigentlich konkrete Infos über die Verfahrensweise bzgl. des Nachteilsausgleichs erhalten können.

Auf unserer Seite ist auch der LInk zum Studentenwerk und neben vielen Infos über Stottern allgemein auch schon etwas zum Nachteilsausgleich veröffentlicht (übewiegend mit Blick auf die Schulzeit). Vielleicht magst du dennoch mal vorbei schauen: http://www.bvss.de/nachteilsausgleich

Alles Gute! Deine BVSS

Vorneweg: Ich weiß nicht, ob ein Nachteilsausgleich im Studium überhaupt möglich ist. Ich würde aber an deiner Stelle nicht so an die Sache herangehen.

In Vorlesungen, beim Lernen, bei Klausuren oder Hausarbeiten hast du keinen Nachteil durch´s Stottern. Wenn Referate nötig sind, rede mit einem Dozenten und bitte um Verständnis oder frag, ob du statt eines Referats eine Hausarbeit schreiben darfst. Bei mündlichen Prüfungen muss dann eben ein Weg gefunden werden, z.B. über mehr Zeit.

Wenn Referate nötig sind, rede mit einem Dozenten und bitte um Verständnis oder frag, ob du statt eines Referats eine Hausarbeit schreiben darfst. Bei mündlichen Prüfungen muss dann eben ein Weg gefunden werden, z.B. über mehr Zeit.

Genau das sind doch mögliche Nachteilsausgleiche.

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Der Ausdruck "Nachteilsausgleich" ist tatsächlich etwas unglücklich. Tatsächlich wird nämlich gar nichts ausgeglichen, sondern es wird eine Ersatzleistung vereinbart, am besten eine, die es zulässt, die Leistung zu beurteilen, die aber den Stotterer nicht mehr als zumutbar belastet.

Der Ausdruck "Nachteilsausgleich" ist aber bei vielen Behinderungsarten gängig, so dass es wohl wenig Möglichkeiten gibt, daran noch etwas zu ändern, obwohl die Begrifflichkeiten ja dauernden Änderung unterworfen werden, man denke nur an Rehabilitation -> Teilhabe -> Inklusion.

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Ja, hat einer in meinem Studiengang auch gemacht. Er hat jetzt halt länger Zeit für alles und kann glaube auch mehr zweite Wiederholungsprüfungen machen als wir anderen (wobei man am besten überhaupt keine 2. W anstreben sollte ^^), weil die bei uns immer mündlich sind.

Das ist ein gutes Beispiel für eine Falschanwendung des Nachteilsausgleichs (für Stotterer). Warum darf der Stotterer die Prüfung mehrfach wiederholen? Weil er mit jeder Prüfung immer abgehärteter (desensibilisiert) ist und deswegen immer weniger stottert? Oder weil man darauf spekuliert, dass der Stotterer in einer von n Wiederholungsprüfungen einen guten Tag erwischt und einigermaßen flüssig sprechen kann?

Auch die längere Prüfungszeit hilft einem schweren Stotterer nicht wirklich. Dann dauert die Quälerei eben länger, aber das macht es für den Prüfling nicht wirklich leichter.

Es muss tatsächlich ein Modus gefunden werden, in dem der Prüfling zeigen kann, was er draufhat, ohne dass er davon abhängig ist, das seine Sprechflüssigkeit gerade "funktioniert". Möglichkeiten gibt es jede Menge. Wer sich dafür interessiert, kann mir ja mal eine Mail schreiben.

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Wieso sollte sich Stottern nachteilig auf den Wissenserwerb auswirken?

Versuch mal, als Stotterer einen Vortrag zu halten. Auch das gehört zum Studium, nicht nur der Wissenserwerb.

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@Rechercheur

Du hast vielleicht Verteidigung von Projektaufgaben etc. aber die machst du vor einem Professor, ggf. noch einem Mitarbeiter. In dieser Situation wird wohl Rücksicht auf den Stotternden genommen (wäre sonst eine ziemlich miese Uni).

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@Ecobaos

Also bei uns gab es auch Vorträge, die man vor versammelter Mannschaft halten musste und z.B. auch ein Tutorium, dass vor einem anderen Matrikel gehalten wurde. Also nicht nur Ich, der Prof. und ein Mitarbeiter...

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@thevioletrose

Wahrscheinlich kann man das pauschal nicht sagen. Je nach dem, wie die Professoren ihre Lehrveranstalltungen gestallten.

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@thevioletrose

Naja, genau das beinhaltet eine Vereinbarung zum Nachteilsausgleich, dass nämlich diese Vorgabe ("halten musste") für den behinderten Studenten geändert wird. Jeder vernünftig denkende Mensch, auch ein Professor, wird sich darauf einlassen, und der behinderte Student hat sogar einen Rechtsanspruch darauf!

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Der Wissenserwerb ist natürlich durch das Stottern nicht eingeschränkt, vielleicht mit Ausnahme des Fremdsprachenerwerbs wegen der geringeren Sprechpraxis. Eine weitere Einschränkung tritt möglicherweise dadurch ein, dass der stotternde Student vielleicht weniger (dumme) Fragen stellt. Merke: Wer mitdiskutiert, lernt mehr als der, der nur zuhört.

Was eingeschränkt sein kann, manchmal sogar erheblich, ist der Nachweis des erworbenen Wissens z.B. in Prüfungen und anderen Leistungsnachweisen (Seminarvorträge u.ä.), die eine Sprechleistung erfordern. Der sog. Nachteilsausgleich sollte deswegen auch in Form der Vereinbarung von Ersatzleistungen (statt einer mündlichen Leistung) erfolgen. Bei Nachteilsausgleich denkt man ja zunächst an eine Zeitverlängerung (für einen Vortrag oder eine Antwort in einer Prüfung). Das mag manchmal den Zweck erfüllen, oft tut es das aber überhaupt nicht, je nach der speziellen Form des Stotterns. Ein Nachteilsausgleich durch eine Geldleistung (Steuervorteil) ist hier natürlich vollkommen abwegig. Das gilt auch für eine Standardverbesserung der Benotung.

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es gibt an deinem Studienort einen Beauftragten vür Behinderte, vereinbare dort einen Termin und alles regelt sich.

Gut Studium ...

 - (Studium, Universität, Nachteile)

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