Nachteile von therapeutischem Reiten bei Autistischen Kindern

10 Antworten

Ich habe eine Tochter mit Asperger-Diagnose. Ich hatte viele Jahre Pferde und bin Turniere geritten. Seit einigen Jahren ist das leider nicht mehr möglich. Nach langen Fehldiagnosen stand bei meiner Tochter vor knapp zwei Jahren endlich fest, was sie wirklich beeinträchtigt, und es dauerte, bis sie das akzeptieren konnte. Ich habe ihr eine junge Stute kaufen können, die wir quasi gemeinsam ausbilden - in Wirklichkeit bilde ich ja sie mit aus in allem, was mit dem Pferd, dem Verständnis, und dem Reiten zu tun hat. Sie ist jetzt zwölf, und sie hat, seit wir die Stute haben, unglaubliche Fortschritte in allem gemacht. Ich bin vollkommen beeindruckt. Auch der Mann vom Jugendamt, der für sie zuständig ist und all den Kummer miterlebt hat, ist begeistert. Ich weiss nicht, wie sehr Dein Kind ASS hat, vielleicht konnte ich euch beiden ja helfen. Liebe Grüsse

Vorab- um welche Autismusdiagnose geht es hier? Ich denke schon, dass das einen nicht unerheblichen Einfluss haben kann.

Wenn das autistische Kind Angst hat, sollte man es sein lassen. Je nach dem, ob es das will oder nicht, sollte man auch respektieren. Ein Pferd heilt das Kind nicht und alles, was durch das Tier bewirkt wird, kann man auch anderweitig lernen. Man muss es also nicht machen- ich bin selbst Asperger-Autistin, wurde mit 24 diagnostiziert und saß bis auf einmal im Zirkus nie wieder auf einem Gaul und lebe ein normales Leben (bisher ohne Therapie), habe seit mehr als 4 Jahren einen Freund (Anwalt) und arbeite schon immer auf dem ersten Arbeitsmarkt (bedeutet, normal eben, keine Behindertenwerkstätten oder ähnliches). Gegenwärtig arbeite ich in einer Firma, die Kinderspielzeug herstellt (Traktoren, Dreiräder usw.). Nachteile, es nicht zu machen mit der Reittherapie gibt es von daher keine. ;o) Außer, das Kind ist absoluter Pferdenarr... dann sollte man es vielleicht auch bei eine normalen Stall anmelden, da so ein typisches Interessengebiet auch die Möglichkeit bietet, Freunde zu finden unter gleichaltrigen- auch wenn man durch den Autismus etwas anders ist.

Nachteile können sein:

- Das Kind spürt die Erwartungshaltung der Eltern und spürt, etwas muss passieren- mit ihn, es muss etwas machen, etwas verändern, nur weiß es nicht, was. Es macht mit, so wie Kinder eben vieles ertragen und leidet still vor sich hin. Autistische Kinder kommunizieren solche Dinge noch weniger nach außen als nicht-autistische Kinder.
- Bei Asperger Syndrom sind die motorischen Störungen angeboren und bleiben mitunter- trotz Reittherapie. Manches kann sich verbessern, doch das, was sich da verbessert hätte sich bei jedem anderen Sport auch gegeben.
- Das Interesse am Pferd und Reiten wird vielleicht durch die Therapie dabei zerstört, falls das Kind überhaupt Interesse für sowas hat.
- Generell muss man vorab prüfen- braucht man diese Therapie und wenn ja, wofür. Kann man das, was man da erreicht nicht durch ganz normale Therapien und Erziehung auch erreichen? Denn- zu viel Therapie kann auch - überfordern und massiv schaden.
- Wichtig ist auch, was es dann für eine Therapie neben der Reiterei für das autistische Kind ist, denn ABA ist grausam. Nicht, dass erst das Interesse am Gaul geweckt wird und man das Kind dann zwingt, Blickkontakt herzustellen, andere zu umarmen usw. und man ihm den Kontakt zum Pferd verweigert, wenn es das nicht macht.
- Das Alter ist auch zu berücksichtigen, denke ich. Besonders kleine Kinder haben mehr Probleme mit fremden, von ihnen berührt zu werden (aufs Pferd setzen) usw.- wenn man die zwingt, 30, 45 oder 60 Minuten und länger zugetextet zu werden, dabei auch noch auf dem Gaul zu bleiben, kann das einige sehr aufregen. Man muss da später mit Overloads rechnen- mitunter auch erst zu Hause. Teenager haben mitunter schon Schamgefühle, wenn sie zur Therapie müssen, das sollte man berücksichtigen, da ja letztlich Autismus weder heil- noch therapierbar ist. Man muss es nicht "auf Teufel komm raus" mitmachen, nur weil es das gibt.
- Die Geräusche und Gerüche da könnten das Kind sehr belasten. Da sollte man vielleicht vorher mal einen Bauernhof besuchen, ob es dann dort die Gerüche und Geräusche ertragen kann ;oD
- Man muss vorab auch auf sämtliche Allergien testen, denn fast immer gibt es bei Ställen auch Katzen und Hunde, Mäuse usw., auf die Gräser und auf Leder (Reitzubehör). Nicht, dass das Kind vollauf begeistert ist und dann wegen einer Allergie nicht weiter machen kann.

Hm gute Frage. Ich kenne mich mit Autismus nicht gut aus, denke aber die Nachteile liegen in der individuellen Verhaltensweise der betroffenen Kinder. Wenn ein Kind z.B. nicht in der Nähe von Pferden sein mag oder dem Kind irgendwas an der Sache nicht gefällt. Das ist aber nicht direkt ein Nachteil, eher ein Hindernis.

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