Nachkriegszeit: Schwarzmarkt (Deutschland)

2 Antworten

Die Frage finde ich insofern etwas unglücklich gestellt, das sie sugerriert, dass der Schwarzmarkt ein originäres Problem war. Schwarzmarkt gibt es immer, wo es übermässige staatliche Regelung gibt. Diese hat natürich ihre Gründe, die im Falle von Deutschland nach dem Kriege in der Kriegswirtschaft zu sehen sind. Schwarzmarkt ist mehr Folge als Ursache von Problemen.

Der Staat hat bei übermässigem Schwarzmarkt die Möglicheit, noch mehr auf Repression zu setzen (wie vom Zeitzeugen beschrieben), oder aber im Gegenteil, dem Schwarzmarkt durch das freie Spiel der Marktkräfte den Boden zu entziehen - dafür ist aber eine funktionstüchtige Währung nötig.

Mit der Währungsreform von 1948 wurde der Schwarzmarkt weitgehend überflüssig gemacht - das Geld hatte nun die Funktion, die es zuvor nicht hatte, es musste also nicht mehr mit Zigaretten und sonstigen Tauschmitteln gehandelt werden, sondern es konnte normal bezahlt werden, da das Geld wieder seinen Wert hatte.Es war nun nicht mehr nötig, auf Repression zu setzen, sondern es konnte auf das Spiel des Marktes mit Angebot und Nachfrage gesetzt werden.

Hier wurde die Frage auch gestellt: http://geschichte-forum.forums.ag/t770-schwarzmarkte-warum-entstehen-sie-welche-folgen-haben-sie-wie-konnen-sie-bekampft-werden#8248

Bin Zeitzeuge. Auf dem schwarzen Markt wurde verkauft, was es offiziell nicht zu kaufen gab, aber zu horrent hohen Preisen. Das Geld hatte keinen Wert mehr. Es wurde aber nicht nur verkauft, sondern auch getauscht. Nur, was auf Marken zu kaufen war, wurde zu normalen Preisen verkauft. Sparguthaben waren gesperrt. Es galt die Zigarettenwährung. Zigaretten waren ein gutes Tauschobjekt. Die Städter fuhren aufs Land und tauschten alles was sie erübrigen konnten, gegen Lebensmittel (Hamsterfahrten). Wer dabei erwischt wurde, dem wurde alles abgenommen. Trotzdem fuhren die Menschen weiterhin. Die wenigen nicht zerstörten Züge waren heillos überfüllt.

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