Nachhaltigkeit von gemodifizierten Pflanzen?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Da kommt es ganz darauf an, welche gentechnisch veränderten Pflanzen man sich anschaut, also welche Eigenschaften dort verändert wurden.

Nehmen wir erstmal die zwei kommerziell häufigsten eigenschaften.

Herbizidresistenz: Theoretisch können sie zur nachhaltigeren Landwirtschft beitrgen, denn diese Pflanzen ermöglichen bzw. verbessern Anbausysteme mit minimaler Bodenbearbeitung, was z.B. auf erosionsgefährdenden Standorten die Böden schützt. Wenn wir nun die Praxis in vielen Ländern anschauen sieht es da leider etwas anders aus, es wird auf allen Böden so verfahren, dass in engen Fruchtfolgen bis zu Monokulturen, mehrmals pro Jahr Totalherbiziden ausgebracht werden, dass erhöht zwar die Erträge, führt aber schnell zu Toleranzen der Unkräuter. Darauf antwortet man dann mit einer höheren Gabe an Wirkstoff und fördert damit letztlich die Toleranzen nur immer weiter. Hier ist also angebracht, diese Sorten nur begrenzt einzusetzen, am besten nur dort, wo es wirklich keine guten Alternativen gibt.

Insektenresistenz (Bt): Hier haben wir eindeutig positive Effekte, es werden weniger Insektizide eingesetzt und die effiziente Bekämpfung vieler Schädlinge ermöglicht mehr Erträge. Auch hier gibt es viele Negativbeispiele, bei denen recht schnell Resistenzen auftraten, das hängt meist damit zusammen, dass nut ein Bt-Gen zum Einsatz kam (mehrere wären besser), es wurden keine Refugienflächen bereitgestellt, also Flächen mit normale Planzen, die den Schädlingen einen "Rückzug" ermöglichen und so den Selektionsdruck senken oder man hat auch bei starkem Befall komplett auf Insektizide verzichtet. Es ist ein großer Fehler, zu denken man könnte mit Bt-Pflanzen komplett auf Insektizide verzichten, das gilt aber nur so lange, wie der Befall gering ist, bei starkem Befall sollten auch andere insektizide Wirkstoffe eingesetzt werden um wiederum Resistenzbildungen zu vermindern, hier kann dann ggf. auch die Aufwandmenge heruntergefahren werden.

Neben diesen beiden Eigenschaften gibt es noch viele weitere, die aber bisher keine so große kommerzielle Bedeutung erlangt haben. Das können zum einen Verbraucher- oder Verarbeitungsorienterte Eigenschaften sein, wie der "Arctic Apple" oder die "White Russet" Kartoffel, welche in Bezug auf Nachhaltigkeit nicht wirklich Bedeutung haben oder aber es können für den Anbau wichtige Eigenschaften sein, wie Krankheitsresistenzen, z.B. Phytophtoraresistenz bei der Kartoffel, diese kann den Fungizideinsatz enorm reduzieren.

Insgesamt kann man also sagen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen ein großes Potential haben um die Nachhaltigkeit im Pflanzenbau zu steigern, was sie zum Teil auch tun, aber letztlich ist der sach- und fachgerechten Einsatz dabei sehr wichtig, was bisher vielerorts nicht geschieht und deshalb den Erfolg der gv-Pflanzen in Bezug auf Nachhaltigkeit schmälert.

Wenn du (wissenschaftliche) Quellen benötigst, kann ich gern etwas nachreichen, wäre dann aber meist englischsprachige Literatur.

Was möchtest Du wissen?