Nachbarschaftsmobbing,wie entsteht so etwas?

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4 Antworten

Ich denke, dass du hier den falschen Begriff gewählt hast. Wenn Nachbarn ein schlechtes Verhältnis zueinander haben, dann mobben sie einander noch lange nicht. Mobbing würde ja bedeuten, dass man dir etwas zufügt wie: deine Wäsche vom Trockenboden klauen, Sekundenkleber ins Türschloss spritzen, dich grundlos anpöbeln, dir irgend etwas erfundenes nachsagen...

Bei der Kommunikation untereinander macht immer der Ton die Musik. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es dann heraus.

Manche Menschen empfinden schon ganz höflich vorgebrachte Kritik als "angemeckert werden". Sachtes "auf die Schulter tippen" ist für sie schon ein "Faustschlag in die Magengrube".

Mein Nachbar in der Wohnung unter meiner grillt gerne. Leider zeiht der Qualm dann in meine Wohnung. Das ist dann so, als würde in meinem Wohnzimmer ein Zweitakter laufen, und den Dunst bekomme ich auch durch langes und intensives Lüften nicht hinaus. Das geht so nicht!

Statt nun runter zu springen und wutentbrannt an seine Tür zu wummern, habe ich das ganze viel friedlicher angefangen. Wie möchte ich darauf hingewiesen werden, wenn ich in irgnd einer Weise einen anderen störe, beeinträchtige oder ähnliches.

Ich hab mich ganz locker über die Balkonbrüstung gelehnt: "Hallooo! Na, was kommt auf den Grill? .... Wissen Sie, wenn Sie den Grill anwerfen, dann qualmt das ja zuerst. Der Qualm zieht dann in meine Wohnung, ganz gleich, wie der Wind steht. Das ist dann, als würde im Wohnzimmer eine Mofa laufen. Wenn ich das vorher weiß, kann ich ja meine Fenster zumachen, und der Qualm stört mich nicht. Dann haben wir uns noch über Grillrezepte unterhalten...

Wir verstehen uns immer noch prima. Habe ich mal was schweres aus dem Keller zu holen, trägt er mir das eben rauf, dafür nehme ich Pakete für ihn an oder lass mal den Heizungsableser in seine Wohnung, wenn er zu dem Termin nicht da sein kann... Bevor er seinen Grill anwirft klingelt er bei mir und sagt Bescheid, dann lasse ich eben eine Weile meine Fenster zu, und alle sind glücklich.

Natürlich gibt es Bestimmungen zum Thema "Grillen auf dem Balkon". Aber warum ihm Paragraphen oder eine Hausordnung um die Ohren schlagen, wenn mein Ziel doch "kein Qualm in meiner Wohnung" ist. So etwas muss man lösungsorientiert angehen. Ich habe ja nichts gegen ihn persönlich, und es stört mich nur der Qualm vom Grill, mehr nicht.

Streit unter Nachbarn entsteht immer, sobald jemand mit Kanonen auf Spatzen schießt, aus den Augen verliert, dass wir alle nur Menschen sind, nicht jeder stets und ständig perfekt sein kann, ist man selbst ja auch nicht.

Naja, ich stell mir gerade vor, ein Nachbar kommt zu mir, der sich bei Einzug vielleicht nicht mal vorgestellt hab oder der meine Einladung zum Kennen lernen damals als ich eingezogen bin, abgeleht hat. Und sagt, ich solle mich bitte in dem und dem Punkt an die Hausordnung halten. Da ich ein friedliebender Mensch bin würd ich nur denken "Idiot" und versuchen, das betreffende Regelwerk so weit als möglich ein zu halten. Weniger friedliebende Menschen reagieren anders...

Aber eigentlich denke ich doch, dass ein Nachbar, der sich von irgend etwas gestört fühlt, egal ob in Hausordnung oder nicht, einfach zu mir kommt, mir sagt, was für ihn so schwierig an meinem Verhalten ist und wir dann gemeinsam einen Kompromiss finden...

Ich würde sagen, das kommt durch Missverständnisse, mangelhafte Kommunikation und mangelhafte Wertschätzung dem anderen gegenüber zustande. Dazu kommt oft eine sehr unterschiedliche Lebenskonzeption, die auf zu engem Raum aufeinander prallt. Viele sind - auch unbewusst - nicht bereit, den Nachbarn in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren und gegenseitig Rücksicht zu nehmen und Toleranz zu zeigen.

Bei Hinweisen auf die Hausordnung kommt man sich vielleicht gegängelt oder bevormundet vor. Vielleicht auch kontrolliert - wenn man z.B. auf versäumte Putztage hinweist usw. Was dann als Eingriff in die Privatsphäre missverstanden wird.

Bevor ich hier all zu viel schreibe, kurze Geschichten dazu gibt es zu Hauf. Am liebsten mag ich:

Die Geschichte vom Hammer, Paul Watzlawick

oder auch einfach mal den Text von 99 Luftballons wirklich hören, statt nur drauf ab zu tanzen...

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