Nach welcher Zeit darf man wegen Krankheit gekündigt werden?

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3 Antworten

Hi Du,

solche cholerischen Chefs gibt es leider immer öfter. Ein Chef, der sich über eine Wiedereingliederung ärgert, hat allerdings überhaupt nichts verstanden. Denn eine Wiedereingliederung ist im Grunde nicht nur ein Segen für den Kranken, sondern auch für die Firma. Dieses Argument würde ich Deinem Bruder auch ans Herz legen, wenn die Kollegen oder Chefs sich wirklich negativ äußern sollten. Denn es ist ja so, dass die Krankenkasse während der Wiedereingliederung das Krankengeld bezahlt. Die Firma zahlt Deinem Bruder in dieser Zeit ja gar kein Gehalt. Das heißt, auch wenn Dein Bruder nur 2, 4 oder 6 Stunden am Tag oder X Stunden in der Woche arbeitet, bekommt die Firma diese Arbeitszeit quasi geschenkt. Sich darüber zu beklagen, dass der Mitarbeiter keine 8-10 Stunden am Tag einsetzbar ist, ist also völlig sinnlos. Für den Zeitraum der Wiedereingliederung hat der Chef Deines Bruders eigentlich eine kostenlose Arbeitskraft.

Und jetzt zu den Voraussetzungen für eine krankheitsbedingte Kündigung. Eigentlich müssen 3 Voraussetzungen erfüllt sein, nämlich:

  1. zum Zeitpunkt der Kündigung muss eine negative Gesundheitsprognose vorliegen. Das heißt, für gewöhnlich muss ein Arzt Deinem Bruder bescheinigen, dass keine Aussicht auf baldige Besserung besteht, bzw. dass es in nächster Zeit sogar schlechter werden dürfte und Dein Bruder voraussichtlich nicht mehr in der Lage sein wird, seinen Arbeitsvertrag zu erfüllen.

  2. Es muß feststehen, daß die zu erwartenden Fehlzeiten Deines Bruder die Firma finanziell oder organisatorisch erheblich belasten. Wenn Dein Bruder also für bestimmte Vorgänge unbedingt gebraucht wird und es dann ständig zu Chaos kommt, wenn er mal wieder für ein paar Tage krank ist. Auch wenn Dein Bruder immer mal wieder ein paar Wochen krank ist, dann wieder ein paar Monate arbeitet und dann wieder ein paar Wochen krank ist. Dann muss die Firma immer wieder Lohnfortzahlung leisten, ohne dass die Krankengeldregelung der Krankenkasse greift. Wenn die Gesamtkosten der Lohnfortzahlungen für die Firma nicht mehr tragbar sind, ist dieser zweite Punkt u.a. auch erfüllt.

  3. Eine Interessenabwägung zwischen den Interessen der Firma und Deines Bruders muss vorgenommen werden. Diese Abwägung muss zugunsten des Arbeitgebers ausgehen, d.h. sie muß ergeben, daß der Firma die Beeinträchtigung ihrer Interessen nicht weiter zumutbar ist. Dabei ist aber immer auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses zu berücksichtigen, wie auch die Krankheitsursache, das Alter Deines Bruders, usw.

Wie gesagt müssen diese drei Voraussetzungen allesamt vorliegen. Fehlt auch nur eine, kann keine wirksame Kündigung erfolgen.

Liebe Grüße,

Oxinian

dem muss man nichts mehr hinzufügen... absolut korrekt!

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Perfekt beschrieben. Kleine Ergänzung noch: es gibt also gesetzlich keine feste Krankheitsdauer, nach der eine Kündigung rechtmäßig ist.

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Danke, ich sag meinem Bruder auch immer wieder das sein Chef ja eine kostenlose Arbeitskraft hat. Er hat es auf der Arbeit auch schon öfter erwähnt, aber den Kollegen ist es scheinbar egal. Manche Leute kann man halt nicht verstehen. Aber Deine Angaben zur Kündigung helfen uns sehr weiter.

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In der Wiedereingliederung ist eine Kündigung nicht möglich, da ja dadurch die Besserung erreicht werden soll.

Wenn das Betriebsklima allerdings so bescheiden ist und der bisherige Job nur unter erschwerten Bedingungen auszuführen ist, wäre eine Umschulung der bessere Weg.

Da du vonr BG schreibst, gehe ich mal von einem Arbeitsunfall aus. Ob eine Firma kündigen kann, hängt natürlch von mehreren Kriterien ab. Größe des Betriebes, Verfügbarkeit von adäquaten Arbeitspätzen uvm.

Grundsätzlich bedeutet Krankheit keinen besonderen Kündigungsschutz.

Sein Anprechpartner wäre in diesem Fall die BG. Wenn es gar nicht anders geht, muss er eben vorübergehend Rentenantrag stellen.

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