Nach welchen Kriterien liebt man seine Eltern?

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4 Antworten

Meine Liebe, 

es ist noch nichts mit der guten Nacht, da ist schon wieder eine Frage von Dir.

Es gibt ein altes Sprichwort: "Erwachsen ist man, wenn man seinen Eltern verziehen hat."  Und damit sind nicht nur die eigenen Eltern gemeint, sondern ihre ganze Generation. Dazu gehöre ich auch, denn meine Tochter, die Psychologiestudentin, ist so alt wie Du. Ich muss Dich also darum bitten, meiner Generation zu verzeihen.

Ich kenne die konkreten Werte, Lebensweisen und Einstellungen Deiner Eltern nicht, darum kann ich nicht konkret darauf eingehen. Wenn ich das tun sollte, müsstest Du konkreter schreiben.

Du bist Studentin und in einem Alter,in dem sich Deine Werte, Deine Lebensweise und Deine Einstellungen schon ziemlich konkret und weitgehend unabhängig von denen Deiner Eltern geformt haben. Es wäre eher ein großer Zufall, wenn sie übereinstimmen würden, wenn also Deine Eltern nicht "durchs Raster fallen" würden.

Es gibt keine Automatik, dass sich Eure Werte, Lebensweisen und Einstellungen diametral widersprechen müssen. Aber deutliche Abweichungen gehören zum Geschäft der Emanzipation von den Eltern. Meine beiden Eltern haben Physik studiert, warum ich nicht ? Weil sie es haben. Darum habe ich Philosophie studiert (und Mathe) und beschäftige mich doch z.T. mit denselben Fragen wie sie, nur aus anderem Blickwinkel.

Dein Blickwinkel ist der des Jahres 2016. Diesen Blickwinkel werden Deine Eltern nur noch sehr unvollständig annehmen können. Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Neue gesellschaftliche Einstellungen setzen sich dadurch durch, dass die Vertreter der alten aussterben. (Das war mein Spruch, als ich so alt war wie Du jetzt, 1972, eine klasse Zeit.)

Der Mensch macht einen Plan. Der Plan, der geht nicht auf. Da macht er einen neuen Plan und setzt noch einen drauf (Bert Brecht). Der Mensch macht einen Entwurf von sich (Sartre), Damit schafft er sich ein Ich-Ideal, dem gleich zu sein er anstrebt. Wenn er ein einigermaßen kritisches Über-Ich hat, stellt er irgendwann fest, dass seine Realität mit dem Ich-Ideal nicht übereinstimmt (Freud).

Verschiedene Menschen gehen mit dieser Tatsache unterschiedlich um. Manche bekommen etwas Getriebenes im Eifer, dem Ich-Ideal gleich zu werden. Manche entwickeln Depressionen, weil sie es nicht schaffen.. Manche glauben an einen Gott, der ihnen vergibt. Manche entwickeln in ihrer Psyche neben dem strengen Über-Ich eine vergebende Instanz, die diese Funktion des verlorenen Gottes übernimmt.

Wer diese Instanz hat, ist dann auch imstande, anderen zu vergeben. Du sollst nicht die Werte, Einstellungen und Lebensweisen Deiner Eltern übernehmen (obwohl es ja auch meine sein könnten, wer weiß), sondern ihnen vergeben, dass sie so sind wie sie sind. Wenn Du das geschafft hast, bist Du wirklich erwachsen.

Es muss ja nicht gleich heute sein. Es dämmert schon. Ich wünsche Dir ein guts Nächtle,

Herzlich

Ottavio

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Also zu Frage 1:
Ich liebe meine eltern, weil sie für mich sorgen (ich bin noch 14), sie alles für mich tun, damit es mir gut geht und ich auch Spaß mit ihnen habe (z.b. familienausflüge)

Zu frage 2:
Bei mir unterscheidet sich die Denkweise öfter von der von meinem Vater, vorallem habe ich das Gefühl, dass egal was ich sage, er immer genau das gegenteil vertritt.
Eltern haben nunmal ihre Meinung, aber ich finde es echt nervig wenn jemand fast nie die selbe Meinung hat, sondern immer dagegen ist, desshalb rede ich mit ihm einfach nicht mehr über sowas.
Ich denke man kommt damit klar, wenn der Meinungsunterschied nicht zu stark ist, man liebt seine Eltern ja trotzdem.

Wenn die Eltern (starkes Beispiel) z.b. total gegen Ausländer wären und wollen würden dass in Deutschland nur "deutsche" leben, dann würde ich es nicht akzeptieren. Ich glaube ich würde sie noch lieben, aber ich würde woanders hinziehen und sie manchmal besuchen... Und versuchen sie von meiner Meinung zu überzeugen

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Ich habe mir schon oft gesagt, wäre meine Familie nicht meine Familie, wären es Menschen mit denen ich keinen näheren Kontakt haben würde. Es ist dennoch nicht so, dass ich sie nicht lieben würde. Dieses Gefühl entsteht eben einfach als Kind, weil man diese Personen häufig um sich hat. Wenn dann keine schwerwiegenden Gründe wie Misshandlung etc. vorliegen, dann bleibt dieses Zugehörigkeitsgefühl, denke ich zumindest, auch bei den meisten bestehen. Bei größeren Differenzen, die für mich selbst von Bedeutung sind, halte ich mich mit diesen Themen einfach zurück. Im Notfall entscheide ich mich für mich selbst und begrenze den Kontakt soweit, wie er mir noch gut tut.

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Ob ich Liebe oder Sympathie zu gewissen Menschen empfinde, entscheide ich nicht bewusst nach willkürlich festgelegten Kriterien. Entweder die Chemie stimmt, oder eben nicht.

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Kommentar von Lessuelsch
06.04.2016, 18:43

Was genau ist die "Chemie"? Sind es eben nicht genau die Erfüllung dieser Kriterien, die wir bewusst oder unbewusst wahrnehmen?

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