Nach Künstliches Koma verhalten Pflegepersonal korrekt?

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5 Antworten

Ich arbeite auf einer Intensivstation und bei uns bekommt jeder, der fragt (und ein Recht dazu hat, Angehörige vor Ort oder auch der Patient), die wahrheitsgemäße Aufklärung. Dazu ist man verpflichtet, die unmittelbar Beteiligten haben ein Recht auf Akteneinsicht. Die Schwester hatte ein Recht ihm das zu sagen, war allerdings nicht sehr geschickt darin. Sowas bringt man dem Betroffenen einfühlsamer bei, bzw sagt es ihm nur wenn man dann auch Zeit hat sich mit den daraus entstehenden Emotionen auseinander zu setzen. Das er jetzt nach allem fragt, traurig und geschockt ist, ist ganz normal. Niemand würde zunächst positiv denken. Da er durch die Sedierung offensichtlich noch einen Nachhang hat wird dies dadurch nur verstärkt. Bei uns wird das so gehandhabt. Wir bekommen regelmäßig Menschen aus ganz Deutschland zur maschinellen Herzlungenersatz-Therapie eingeflogen. Da kommt z.b.ein Patient aus Hamburg zu uns und weiß nicht was passiert ist und wo er ist. Wir beginnen bereits im Aufwachstadium (da ist der Bestmungsschlauch etc noch drin) damit, den Patienten zu konfontieren. Aber sachte, Ort, Zeit, Tag, Umstand des Verbringens zu uns. Und das wird inmer präziser. Bis der Mensch so wach ist, dass er auch komplexere Dinge versteht. Ich habe rechtlich nie Probleme bekommen, wenn ich dem Patienten gesagt habe was passiert ist. Frisch extubiert (Beatmungsschlauch raus) und voller Fragen hängen die Patienten eh meist an uns Schwestern und da ist es nur logisch, dass wir die Fragen beantworten. Was wir allerdings nicht beantworten sind Fragen zur Prognose und zur weiteren Therapie. Das ist nun wirklich Arztsache. Aber eine Auskunft an den Patienten mit der Diagnose Herzstillstand aufgrund Herzversagen mit nachfolgender Reanimation (er fragt sich sicher auch woher die Schmerzen kommen) ist keine Verletzung des Datenschutzes. Sie darf dritte darüber nicht informieren. Das mit dem Zettel sehe ich als Akteneinsicht, es hört sich an, so wie du es beschreibst, als wäre das der vorläufige Arztbericht mit Diagnosen und bisherigem Verlauf. Und dazu hat er ein Recht, es auf Drängen hin zu lesen. Allerdings darf man ihn damit nicht alleine lassen, sollte einen Arzt zum genaueren Aufklären hinzuziehen. Lange Rede kurzer Sinn: Das Verhalten der Schwester war nicht entgegen den Richtlinien des Datenschutzes. Sehr wohl aber fern von jeglicher Empathie und Mitgefühl. Ihr könnt euch wegen des ruppigen Verhaltens beim Stationsarzt/leitenden Oberarzt beschweren. So ein Verhalten muss echt nicht sein. Alles Gute euch!

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Also ich mache gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester und eigentlich ist es uns nicht erlaubt, irgendwas zum Gesundheitszustand preiszugeben dem Patienten gegenüber, bis es nicht ein Arzt getan hat. Aber warum er da ist, also was passiert ist, darf man erzählen (also auch nur das mit dem vom Stuhl kippen). Im Endeffekt ist ein Herzstillstand nämlich eine Diagnose und die darf erstmal nur ein Arzt geben. Aufschreiben darf man aus Datenschutzgründen auch nichts, soweit ich weiß. 

Und wir sind immer angehalten, immer wieder aufzuklären, zu beruhigen, wo wir können. Und da ist es egal, wie oft er fragt. Wenn sie damit nicht umgehen kann, sollte sie diesen Beruf nicht ausüben. Klar nervt das, aber z.B. demente Patienten sind genauso und es gibt noch viele weitere Krankheitsbilder, wo es auch therapeutisch wertvoll ist, immer wieder geduldig zu erklären.

Es gibt sicher in dem Krankenhaus eine Möglichkeit, eine Beschwerde einzulegen. Denn sowas ist eigentlich nicht in Ordnung.

Auf jeden Fall hat dein Vater das Recht auf Akteneinsicht und wenn er nicht in der Lage ist, das selbst zu lesen, kann er auch einen von euch mitnehmen, um ihm das alles zu erklären. Mitnehmen dürft ihr die Akte aber nicht. Informier dich im Internet bitte über weitere Rechte, die er als Patient hat. Ich bin momentan nämlich erst im Anfang des 2. Lehrjahres und weiß noch nicht alles und das kann ja in anderen Bundesländern auch anders sein.

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Kommentar von Erenenenen
22.10.2016, 23:19

Bist du so eine zu der man noch Schwester sagen darf ? Find ich unglaublich cool. 

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Ein Mensch ist nach einem Koma oft verwirrt und labil. Alles andere wäre doch komisch und ebenfalls unangemessen. Die Pflegerin war sicherlich nicht geschickt. Und dennoch ist es nun mal geschehen.

Sie können sich jetzt an diese Geschichte festbeissen und sauer sein, sich das Herz brechen lassen und verzweifeln.

Sie können aber auch nach vorne sehen, sich freuen, dass der Vater erwacht ist und sich Gedanken über den Alltag mit Ihrem Vater machen.

Es ist nun mal so, dass Menschen Fehler machen bzw. sich nicht immer optimal verhalten. Was Sie nun daraus machen, ist Ihre Wahl. 

Alles Gute ihnen und Ihrem Vater!

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Jeder Patient hat das Recht auf seinen Befund und seine Krankheitsgeschichte. 

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Kommentar von Domidion
22.10.2016, 23:02

Auch wenn er es garnicht versteht ?

und es ihn total verängstigt?

Bzw. ist der Zeitpunkt normal ?

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Ich kenne mich damit nicht aus aber ich schätze das das nicht oke war. Gute Besserung an deinen Vater

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