Nach Karstadt-Besuch von Detektiven angesprochen. Was sind meine Rechte?

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12 Antworten

Hallo,

Meine Ausführungen stellen natürlich nur meine Meinung dar und erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit bzw. Vollständigkeit.

Also ich persönlich würde in Tageslaune darauf reagieren. Wäre ich gut gelaunt, würde ich vermutlich den Detektiven sagen sie sollen sich genau ausweisen und wir wären eventuell dazu bereit mit ihnen zu kooperieren, sofern sie sich danach umfangreich entschuldigen (also das ist Pflicht.). Gegebenenfalls kann man auch über Entschädigung für den dreisten Vorwurf nachdenken (ich bin allergisch gegen sowas). Schließlich werden sie keine Beweise haben (über Kamera etc.), sofern man es nicht getan hat.

Wäre ich in keiner guten Tageslaune, würde ich den werten Herren einen etwa 10-15 Minütigen rechtlichen Vortrag über § 127 I StPO und Erlaubnistatbestandsirrtümer, Beleidigung und fehlende Rechte ihrerseits halten, ihnen sagen, dass gegen jedwede Handlung ihrerseits Notwehrrechte (nur abgeschwächt durch sozialethische Einschränkung wg. Irrtumskenntnis) zur Abwehr bestehen und es ihnen sehr teuer zu stehen kommt, wenn sie mich festhalten wollen. Inwieweit sich ein Erlaubnistatbestandsirrtum damit sogar seinerseits abschwächen und eine Strafbarkeit aus Fahrlässigkeitstat eröffnet lasse ich mal dahinstehen.

Kleine Ausführungen:

Beachte, dass eine vorläufige Festnahme (Rechtfertigungsgrund! = Täter bzw. Detektive begehen dann kein Unrecht) durch Privatpersonen nach Maßgabe des § 127 I StPO möglich ist. Die herrschende Meinung verlangt aber eine tatsächliche Tatbegehung aus guten Gründen (vgl. Kindhäuser Strafprozessrecht § 8 Rn. 26ff). Folge ist, dass wenn die Tat nicht begangen wurde, der Täter sich in einem sog. Erlaubnistatbestandsirrtum befindet (= Er stellt sich irrig eine Situation vor, die wenn sie vorgelegen hätte, ihn rechtfertigen würde. Exemplarisch: Die Detektive glauben man hätte etwas geklaut). Diese sind dann aber nicht gerechtfertigt. Sie begehen notwehrfähiges Unrecht, da die Handlung nicht von einer Erlaubnisnorm gedeckt ist.

Das Notwehrrecht ermöglicht normalerweise eine drastische Abwehr des Angreifers. Weiß der Verteidiger aber, dass der Angreifer im Irrtum ist, muss er eine eingeschränkte Verteidigung vorbringen, das Notwehrrecht kann also nicht in seiner üblichen "Brutalität" ausgelebt werden.

Man soll sich trotzdem nicht alles gefallen lassen. Ob die Detektive verdient haben, dass man so mit ihnen umgeht ist eine soziale Frage. Sie wäre möglicherweise zu verneinen. Sie machen schließlich auch nur ihren Job, ich persönlich hätte aber 100 Meter weiter auf der Straße schon solches Misstrauern, dass ich nicht mehr unbedingt an Detektive glauben würde. Daher auch die Ausweise und das in Betracht ziehen der o.g. Möglichkeiten, s.o... wenn feststeht, dass sie echte Detektive sind kann man rein sozial betrachtet vermutlich einfach kooperieren und eine Entschuldigung verlangen.

Viele Grüße, JS

Die Sachlage ist ja hier, dass eine Frage gab, was sich inhaltlich in den Tüten befindet. Darauf hat der Fragesteller die Tüten freiwillig ausgepackt. 

Das das gegen jeden Anstand verstößt und man da sehr tief in die Privatsphäre eindringt ist eine Sache. 

Juristisch ist das aber keine Straftat der beiden Detektive und auch zivilrechtlich sehe ich da keinen Anspruch.

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@Xipolis

Nachtrag: Was in Betracht kommen kann wäre eine Abmahnung aufgrund des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht.

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@Xipolis

Natürlich, beim Fragesteller war die Sache bereits abgehandelt. Meine Ausführungen beziehen sich eher auf diese Art von Situationen, falls das nicht hinreichend verdeutlicht wurde... so wie der Fragesteller das beschrieb, wurde keine Straftat verwirklicht. Aber er hätte die Tasche nicht öffnen müssen. Den hypothetischen Fortgang dieses Falles habe ich dann oben beschrieben.

Ich denke auch nicht, dass sich zivilrechtlich etwas machen lassen würde. Daher der Hinweis für das nächste mal... man muss sich nicht alles gefallen lassen. Ich hatte mir gedacht, dass der Fragesteller eventuell auch sowas hören wollte.

Wie hast du diesen - inzwischen recht alten - Fall überhaupt noch gefunden? :-)

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@Jurasuppe

Alle zivilrechtlichen Versuche würde ich in so einem Fall abraten, es sei denn man bekommt von der Rechtsschutzversicherung eine Deckungszusage.

Das Problem bei solchen Vorgängen ist oft, dass die Leute sich überrumpeln lassen und ihre Rechte nicht kennen.

Wie hast du diesen - inzwischen recht alten - Fall überhaupt noch gefunden? :-)

Es gibt oben rechts eine Suchfunktion und Du kannst auch die Ratgebersuche nutzen in dem Du zum Beispiel oben auf das Thema "ladendiebstahl" klickst. Dann siehst Du alle Anfragen.

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@Xipolis


Jep, dem kann ich nur zustimmen ...

Ahhh! Alles klar, ich habe nicht auf die Tags geachtet. Ich ging davon aus, dieser hier laufe nur unter "Recht" (wofür es halt echt viele Fragen gibt). Ok, klar, Danke!

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Hallo zusammen, folgendes ist mir gestern passiert: gegen Mittag zusammen mit meiner Freundin im Karstadt gewesen. Dort einige Süßigkeiten gekauft, dann noch auf weiteren Etagen kurz vorbei gelaufen und dann wieder raus in die Fußgängerzone. Wir laufen ganz entspannt mind. 100 m, werden dann von zwei Männern angesprochen (angeblich Detektiven von Karstadt), die meinten sie hätten den Verdacht auf Ladendiebstahl. Als erstes dachte ich mir: was?! Angeblich hätte jemand das gemeldet. Daraufhin kam die Frage, was wir in den Tüten hätten (waren vorher auch bei Rossmann).

Bis dahin gibt es auch keinen Grund für eine Beanstandung. Die Nachfrage, was in Deinen Tüten ist, ist legitim (AG Oldenburg - 12.11.1997 - E 4 C 4286/97).

Weil wir ja wussten dass der Vorwurf falsch war, haben wir ohne überhaupt nachzudenken die Taschen geleert (wohlgemerkt, in der Fußgängerzone). Zum Glück hatten wir sogar noch die Kassenbons (die ich in der Regel sofort nachdem ich den Laden verlasse in der ersten Mülltonne entsorge). Es stellt sich natürlich heraus, der Vorwurf hat keine Grundlage.

Da kommt eine fremde Person und Du zeigst Ihr den Inhalt Deiner Tüte?

Du hättest dies nicht tun müssen. Die Frage war, was in Deiner Tüte ist. Darauf hättest Du antworten können, das das andere Personen nichts angeht. Damit wäre die Sache erledigt und jedes weitere handeln der angeblichen Detektive hätte unterbleibend müssen aus Anstandsgründen und aus rechtlichen Gründen (Nötigung).

So, die wünschen uns noch einen schönen Tag und machen sich vom Acker. So etwas passiert uns zum aller ersten Mal - und bevor hier Zweifel entsteht, nein, wir beide haben es nicht nötig aus Läden zu stehlen ^^ Wir empfanden es beide als besonders unangenehm, vor allem weil das mitten in der Fußgängerzone passierte. Es gab nicht gerade wenige Leute, die uns anstarrten. Super Gefühl, wie ein Dieb behandelt zu werden.

Du hast freiwillig nach Deiner Schilderung Deine Tüten geleert, obwohl die Frage nur auf eine Auskunft über den Inhalt abzielte.

Nun, was sollten/könnten wir dagegen unternehmen? Was sind unsere Rechte? Lohnt der Aufwand überhaupt?

Vielen lieben Dank im Voraus für Eure Meinungen.

Viele Grüße

Die Frage wäre nun nach dem konkreten Ablauf, haben Sie verneint, gab es ein Gerangel um die Tüten, was wurde gesagt und erwidert.

Nach der bisherigen Schilderung erkenne ich nicht, dass hier eine Straftat durch die Detektive begangen worden ist und auch nicht das zivilrechtlich ein Anspruch besteht.

Sinn machen kann eine Beschwerde über dieses Vorgehen direkt bei Karstadt, die sollte man dann am besten direkt an den Vorstand richten.

Was auch in Betracht kommen kann, wäre eine Abmahnung - also das Verlangen einer strafbewehrten Unterlassungserklärung - wegen eines tiefen Eingriffs in Deine Persönlichkeitsrechte.

Das kommt aber meines Erachtens nur in Betracht, wenn die Handlung gegen Ihren ausdrücklichen Willen erfolgt ist.. Dazu sollten Sie einen Rechtsanwalt beauftragen, wobei ich Ihnen dazu nur dann rate, wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben.

Ansonsten beim nächsten Mal solche Belästigungen verweigern, ausdrücklich nein sagen und weiter gehen.

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Oh oh. Das stellt einen vollkommen unverhältnismäßigen und somit rechtswidrigen Eingriff in eure Persönlichkeitsrechte dar. Ihr hättet euch in so einem Fall sogar zur Wehr setzen dürfen und Anzeige gegen die Ladendetektive erstatten können. Sinnvoll wäre es auf jeden Fall gewesen, die Polizei zu rufen. 

Danke für die Antwort - so schätze ich das jetzt auch ein. Mich verwirrt es dass sich die Aussagen hier im Forum wiedersprechen :(

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@darie17

Wieso wundert  dich das?

Hier kann jeder was raus plappern. Ob er sich auskennt oder nicht. Und manche verwechseln das hier mit nem Quitz. Wenn sie es nicht wissen raten sie halt.  Bei nem Quitz is raten immer besser als gar nix sagen. Aber die kapieren eben nicht daß das hier nicht so ist.

Also wenn man jeden dahergelaufenen Hajoppei seinen Senf dazu geben läßt, ist das alles andere als Verwunderlich, daß man beinahe jede Varinate von Antwort findet.

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@Effigies

Gern geschehen, darie17. :-D 

Die Detektive wissen natürlich um die Unerfahrenheit mancher Zeitgenossen und nutzen das wie in eurem Fall teilweise schamlos aus. 

Ich empfehle euch, euch über das Thema im Internet zu informieren. Sowas kann einem tagtäglich und überall passieren und da ist es ganz gut, wenn man weiß, was erlaubt ist und wie es um die eigenen Rechte bestellt ist. 

Im Internet ist auf manchen Seiten ganz gut erklärt, was erlaubt ist und was nicht. Personenkontrollen dürfen beispielsweise ausschließlich von der Polizei durchgeführt werden. Wenn man die Tasche an der Kasse herzeigt, geschieht das auf freiwilliger Basis. Ein Detektiv dürfte euch zwar vor Ort festhalten bis die Polizei kommt, aber nur, wenn er 100% sicher ist, dass ihr wirklich geklaut habt und keinesfalls, wenn er nur den Verdacht hat. Und selbst die Polizei darf nicht jeden immer und überall einfach so kontrollieren, geschweige denn durchsuchen... 

Es ist schon erstaunlich: Es herrscht riesige Aufregung über die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Türkei, aber dass Persönlichkeitsrechte bei uns in Deutschland -wie in eurem Fall- täglich mit Füßen getreten werden, da beschwert sich kaum jemand.

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@FrankFurt237

Aus der Schilderung des Fragestellers und der reinen Nachfrage über den Inhalt der Tüten worauf der Fragesteller diese freiwillig ausräumte ergibt sich keine Straftat oder ein zivilrechtlicher Anspruch.

Anders wäre das gewesen, wenn der Fragesteller diese Auskunft verneint hätte und es wäre im Folgenden zu einer Auseinandersetzung gekommen - dann wäre die Folge wohl mind. Nötigung für die beiden Detektive gewesen und für Karstadt hätte dies eine Abmahnung zur Folge gehabt.

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