Nach jeder Psychotherapeutischen Stunde unglücklich?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Hey,

Probleme, in einer Psychotherapie tatsächlich das anzusprechen was man ansprechen möchte, haben viele, da bist Du nicht alleine. Oft liegt es daran, dass man sich in der Stunde selbst dann nicht traut und den Mut verliert, obwohl man es sich davor so sehr vorgenommen hat.

Aber es gibt auch Mittel, die helfen. Was in einer solchen Situation sehr hilfreich ist, ist ein bisschen äußerer Zwang, sodass Du in der Stunde mehr oder weniger gezwungen bist, über Deinen Schatten zu springen und mit der Therapeutin über das zu reden, was Dich wirklich belastet. Das geht zum Beispiel, indem Du Dir zuhause alle Themen aufschreibst, über die Du mit der Therapeutin reden möchtest. Das können auch nur Stichworte sein. Und am Anfang der nächsten Stunde gibst Du diesen Zettel bei ihr ab - dann hat sie sozusagen einen Leitfaden für die nächsten Therapiestunden, kann dann Dinge direkt ansprechen und Du erklärst ihr dann, was Du dabei meinst und was das Problem ist. Wenn sie mal ein Thema anspricht, über das Du (noch) nicht reden möchtest, dann kannst Du es ihr ja auch sagen und dann sprecht ihr erstmal über die anderen Dinge, die Du aufgeschrieben hast.

Denn oft haben Psychotherapeuten das Problem, dass sie mit dem Patienten zwar die ganze Stunde lang reden und ein sehr vertrauensvolles Verhältnis mit ihm haben, aber in der Stunde einfach nichts rauskommt, weil man sich in einem Thema verfängt oder schlichtweg nicht zu anderen Themen kommt. Das zieht dann eine Psychotherapie unnötig in die Länge und trägt leider auch nicht gerade dazu bei, dass die Psychotherapie dem Patienten hilft.

Ich wünsche Dir alles Gute.

Nalala99 02.08.2017, 18:23

Dankeschön für diese Antwort! Da ich ja nun eine Woche lang Zeit habe mir Gedanken zu machen, werde ich über deinen Vorschlag nachdenken. 

Ich denke das ist eine gute Möglichkeit. 

Obwohl ich wahrscheinlich Schwierigkeiten haben werde alleine die Stichpunkte aufzuschreiben und den Zettel dann auch wirklich abzugeben! 

1
Willibergi 02.08.2017, 18:28
@Nalala99

Dass das direkt Persönliche sehr schwierig ist, verstehe ich. Wenn Du da auch Probleme hast, ist es natürlich auch möglich, dass Du den Zettel bei Deiner Therapeutin in den Briefkasten wirfst oder ihr eine E-Mail schreibst.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Du Dir Deine Psychotherapie selbst gestalten kannst, entscheide Dich für eine! Dann wird sie Dir auch sehr viel besser weiterhelfen, weil sowohl die Therapeutin, als auch Du einen roten Faden haben.

1

Liebe Nalala99,

beim Therapeuten erfolgt das Verfahren der Introspektion/ Selbstreflektion, also das erklären deines Zustandes durch dich selbst. Dieses Verfahren baut allerdings darauf auf, dass du dazu in der Lage bist deine eigene Problematik zu erkennen und zu artikulieren. 

Jedoch kann dein Konflikt (/ andere Form der Pathologie) so beschaffen sein, dass es in dir einen inneren Widerstand gibt, das von dir erblickte nach aussen zu tragen, was überaus nachvollziehbar ist. Doch der Fakt, dass du freiwillig zum Therapeuten gehst, zeugt von deiner Intention, den Konflikt zu verändern. Durch diesen Willen, welcher deinem inneren Widerstand gegenübersteht, wird ein neuer Konflikt generiert, welcher sich in allen möglichen Formen manifestieren kann. In deinem Fall: In Zuständen der Depression & Deprivation. 

Somit würde ich sagen, dass du entweder eine Möglichkeit findest, den inneren Widerstand des ürsprünglichen Konflikts zu überwinden, sodass die Therapie Wirkung zeigen kann, oder du beendest die Therapie vorübergehend, regenerierst deinen emotionalen Zustand und kehrst dann zurück zur Therapie um einen neuen Versuch zu wagen; womöglich zeigt sich das widerstrebende Element in dir dann schwächer. 

Liebe Grüsse -S.

Nalala99 02.08.2017, 18:20

Ich werde darüber nachdenken eine Pause einzulegen.. vielleicht ist es wirklich das beste. Zumal ich ja möchte, dass sich was ändert (wie du schon beschrieben hast). 

Dankeschön.

0

Liebe Natala,

  1. Lese den Text Deiner Frage und den Text der guten Antworten durch
  2. Schreibe alles, was noch unklar ist, und alles was Du mit der Therapeutin besprechen möchtest, auf ein Blatt Papier, schön strukturiert, wie die Antwort hier.
  3. Nehme das Blatt mit bei der nächsten Therapie-Stunde.
  4. Bespreche alle Punkte mit der Therapeutin (nichts auslassen!). Dann gibt es das unbefriedigende Gefühl, etwas vergessen oder weggelassen zu haben, nicht mehr.
  5. Falls die Therapeutin konkrete Hinweise oder Beratungen hat; diese auf der Rückseite des Blattes schreiben. Dann geht nichts vergessen.
  6. Nach einige Therapiestunden auf diese Art wird sich Dein Wohlbefinden verbessern.

Du darfst hier bei GF nicht nur Trost und Verständnis erwarten, sondern auch konkrete Hinweise. Aber: Du musst diese selbst umsetzen!!

Nalala99 02.08.2017, 18:30

Dankeschön! Ich weiß das ich hier nicht nur Trost und Verständnis bekomme. Und das möchte ich auch garnicht! Ich glaube, sonst würde ich nicht nach hilfreichen Tipps (wie deine oben genannten) Fragen! 

Es hat mir wirklich sehr geholfen und ich werde es versuchen nächste Woche so umsetzten zu können. 

Obwohl ich wie ich hier in den Kommentaren schonmal erwähnt habe, Schwierigkeiten haben werde überhaupt Punkte aufschreiben zu können und diesen Zettel dann sogar abzugeben/vorzulesen. 

Aber trotzdem wirklich einen Riesen Dank für diese ganzen tollen Tipps und Unterstützung.

1
ulrich1919 02.08.2017, 18:40
@Nalala99

Aber trotzdem wirklich einen Riesen Dank für diese ganzen tollen Tipps und Unterstützung.

Sehr gerne geschehen! Schön wenn es Dir hilft.

 

Ich habe auch immer das Gefühl nicht ausdrücken zu können wie es mir wirklich geht, ganz tief im inneren

Leider habe ich vergessen, diese Bemerkung zu beantworten. Irgendwie verstehe ich, was Du meinst. Es ist sehr schwierig; wahrscheinlich eine innere Unzufriedenheit mit dem ganzen Vorgang. Es wird an alle möglichen Problemen ,,herumgedoktert" aber Dein Inneres verlangt nach etwas anderem: Liebe, Verständnis, Schicksalsgemeinschaft, was auch immer. Dazu kommt noch, dass du im Lebensalter eines Umbruches bist und dann ist es sowieso schwierig, Dein Lebensmitte zu finden. Ich kann diese schwierige Phase für Dich nicht abkürzen; es braucht dazu Geduld und Selbstvertrauen.

Alles Gute & liebe Grüße, Ulrich1919

1

Vielleicht vertraust du ihr/ihm unterbewusst noch nicht genug? Ich kenne das Gefühl. Ich sage dann auch oft nicht warum es mir schlecht geht, weil ich nicht so im Mittelpunkt stehen möchte. Du solltest das mal versuchen anzusprechen. Ich weiß, es fällt dir schwer aber sonst wird sich deine Situation vielleicht nicht ändern

Vielleicht ist das die falsche Therapeutin und du vertraust ihr nicht wirklich?

Ich hatte auch mal eine Therapeutin. Da habe ich die ganze Stunde nur geheult. Und kam mir anschließend ausgehöhlt und leer vor. Aber ich kannte es nicht anders. Und dachte, das müsste so sein. 

Jahre später begab ich mich wieder in Therapie. Und der Psychologe war wirklich gut. Ich ging gestärkt aus der Stunde. Konnte sogar wieder lächeln. Erst hielt es nur zehn Minuten an. Später dann eine Stunde. Später Tage. 

Der hat mir wirklich geholfen. Und ich bin ihm heute noch dankbar dafür. 

Nalala99 02.08.2017, 18:24

Aber ich mag sie doch so gerne.. sie ist so eine tolle Person und ich würde ihr so gerne Vertrauen.

0
Virginia47 02.08.2017, 18:25
@Nalala99

Das nützt aber nichts, wenn du es nicht machst. 

Ich mochte meine Therapeutin damals auch. Und, wie gesagt, dachte ich, es müsste so sein. Bis ich eines Besseren belehrt wurde. 

4

Vielleicht bemerkst du einfach nur den normalen Stimmungsabfall nach der ausgesprochen guten, gelösten Stimmung in der Stunde, die Du hier selbst gerade berichtet hast.

Der hat dann eben auch einfach keine andere Ursache, als dass man nicht dauerhaft glücklich sein kann.

Ansonsten: sprich mit ihr selbst drüber. Vielleicht kann sie Dir auch helfen, die Stimmung besser zu beschreiben und ihre Herkunft zu verorten.

Warum erörterst Du das nicht mit der Therapeutin? Falls es nicht klappt, ggf. wechseln!

Was möchtest Du wissen?