Ist es eine gute Idee nach Japan ziehen zu wollen?

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Ja, ich weiss, dass du erst 13 bist (das mag dir deine naiven Fragen verzeihen) und ich weiss auch, dass ich teilweise etwas streng und etwas ueberspitzt schreibe, allerdings werden dich blosse Motivationszurufe nicht wirklich weiterbringen.

Ich lieeebeee Japan!!! Seit ich 9 bin lese ich mangas und schaue Animes und liebe Japan.

Zunaechst mal scheinst du allerhoechstens Anime und Manga zu lieben. Davon ist auszugehen, wenn das als erstes Argument angebracht wird. Betrachtet man die Sache realistisch, dann kann man unmoeglich alles an Japan (oder auch jedem anderen Land) erbarmungslos lieben. Gerade als Auslaender gibt es viele Dinge, die in Japan alles andere als liebenswuerdig sind und auch (kluge) Japaner wissen um die Missstaende ihres Landes.

Mein großer Traum ist es wenn ich erwachsen bin nach Japan, am besten nach Tokyo, zu ziehen. Ist das einigermaßen realistisch?

Das kann realistisch sein, wenn man das Ganze vernuenftig angeht, sorgfaeltig plant, gute Voraussetzungen schafft und mit vielen Sicherheiten in der Hand durchfuehrt.

Japan ist wie eine zweite Heimat für mich.

Wie kann es das sein, wenn du scheinbar noch nie da warst?

Als jemand, der seit etwas mehr als fuenf Jahren durchgaengig in Japan lebt und seit knapp drei Jahren beim gleichen Arbeitgeber angestellt ist, darf ich mir diese Behauptung unter Umstaenden erlauben (wuerde es wohl auch tun), aber jemand, der bisher bloss Anime und Manga gesehen hat?

Beim Gedanken an japan fühle ich mich wohl.

Wohl nur, weil du in Japan noch nie einen Lebensunterhalt bestreiten musstest. Vielleicht waere es hier sogar sinniger, wenn man Japan lediglich als regelmaessiges Urlaubsziel in Betracht zieht. Dann kommt man eher nicht mit den negativen Seiten des Landes in Kontakt.

Ich Liebe die Kultur, die Sprache, alles. Ich will diese auch bald lernen.

Was soll japanische Kultur denn fuer dich sein? Das ist ein sehr schwieriger Begriff und kann schnell zu Verallgemeinerungen fuehren. Als Vergleich: Was ist denn deutsche Kultur fuer dich? Lederhosen und Weisswuerstchen?

Warum hast du noch nicht angefangen die Sprache zu lernen? Auch mit 13 kann man schon Sprachkurse besuchen. Man muss halt nur vernuenftig mit den Eltern darueber sprechen.

Ich finde Schuluniformen toll und einen süßen Japaner als zukünftigen Ehemann kann ich mir auch gut vorstellen.

Schuluniformen gibt es auch in anderen Laendern und ob du das auch noch so toll findest, wenn du eins deiner zwei Schuluniform-Sets jeden Tag anhaben muesstest? Ein Grossteil der Japaner sind erleichtert, wenn sie dann an der Uni sind, weil das die einzige Zeit ist, wo sie im Grunde tun und lassen koennen, was sie wollen.

Uebrigens werden auch die suessen Japaner irgendwann mal aelter und auch unter den jungen Maennern gibt es einen nicht unwesentlichen Teil an Visagen, denen man nicht im Dunkeln begegnen moechte. Diese suessen Japaner werden sich mit Anfang 20 uebrigens einen Job suchen muessen, dem sie dann mindestens 60-80 Stunden in der Woche nachgehen werden (oft ohne nennenswerte freie Tage oder Urlaub). Sicherlich gibt es unter internationalen Paaren oft eine gewisse Arbeitsteilung, aber ich wuerde mich dann schonmal auf ein (eher einsames) Leben als Hausfrau einstellen.

Sowie niedliche asiatische kinder.

Sofern du nicht auch asiatischer Abstammung bist, werden die Kinder bloss 'zur Haelfte' asiatisch und unter Umstaenden kommen die Merkmale, die du so niedlich findest, nicht voellig zur Geltung.

Denkt ihr dass Ich das eventuell verwirklicht sollte/könnte?

Voraussetzungen, um ueberhaupt darueber nachdenken zu koennen:

Fuer gesellschafts- und berufstaugliches Japanisch sollte man so 8-10 Jahre einplanen. Voraussetzung sind qualitativ hochwertige Sprachkurse (in den ersten 4-5 Jahren, z.B. an einer Universitaet), Fleiss (bis man tot ist) und ein gut genutzter Auslandsaufenthalt (nach den ersten Lernjahren). Dieser sollte dann angesetzt werden, wenn man dazu in der Lage ist, sich mit gutem Willen des Gespraechspartners in Lehrbuchsprache zu verstaendigen. Nur dann hat man die passenden Werkzeuge an der Hand, um sich entsprechend weiterzuentwickeln -- sich einfach berieseln zu lassen ist naemlich der denkbar schlechteste Weg, um als Nicht-mehr-Neugeborenes eine Sprache zu lernen.

Was auch immer ganz gerne vergessen wird, ist, dass es nicht einfach reicht ein Grammatikbuch und ein Woerterbuch auswendig zu lernen, sondern, dass zur Kommunikation weitaus mehr gehoert. Man hat nicht ploetzlich ausgelernt, nur weil die gewaehlte Lehrbuchreihe zu Ende ist. Und selbst wenn die zu Ende ist, ist man noch lange nicht gut, denn Lehrbuecher decken nur einen minimalen Prozentsatz von dem ab, was eine Sprache ausmacht.

Erlernen des Umgangs mit Einheimischen, das Kennenlernen von natuerlichem Japanisch (dadurch, dass man im Land damit in Kontakt kommt), sowie eine gewisse Gewoehnung nehmen den groessten Teil des Spracherwerbs ein (wenn man beabsichtigt da irgendwann mal mit arbeiten zu wollen) und sind gleichzeitig der Teil, an dem ein Grossteil der Lerner scheitert.

Anime sind uebrigens alles andere, als eine einfache Quelle. Das Sprachverstaendnis sollte schon entsprechend hoch sein, um aus diesen Quellen das meiste herausholen zu koennen.

 

Du kannst nur in Japan arbeiten, wenn deine Arbeitserlaubnis auf diesen Job anwendbar ist, bzw. der Arbeitgeber (den du vorher von dir ueberzeugen konntest) Visaunterstuetzung anbietet, damit du dann eine entsprechende Arbeitserlaubnis bekommst. Diese Unterstuetzung bietet allerdings nicht jeder Arbeitgeber an und kann auch nicht jeder Arbeitgeber anbieten (beispielsweise weil die Firma zu klein ist).

Die verschiedenen Visa-Typen sind zum Beispiel hier aufgelistet:

http://www.mofa.go.jp/j_info/visit/visa/long/index.html

Fuer fast alle Visa-Typen, die sich auf Vollzeitanstellung beziehen, ist mindestens ein Bachelor-Abschluss von einer Universitaet von Noeten, bzw. jahrelange Berufserfahrung. Auch muss der Arbeitgeber begruenden koennen, warum man ausgerechnet diesen Auslaender moechte und nicht auf einen Japaner ausweichen kann.

Solche Jobs haben beispielsweise damit zu tun, dass der gewuenschte Auslaender neben berufstauglichem Japanisch auch noch Englisch und mindestens eine weitere Sprache (in der Regel die Muttersprache) beruflich anwenden kann, weil die japanische Firma vernuenftig Business mit dem Ausland machen kann. Neben diesen Sprachfertigkeiten sollte man sich als in Japan arbeitssuchender Auslaender noch mit Wirtschafts- oder IT-Fertigkeiten ausweisen koennen, um moeglichst gute Chancen auf einen Job zu bekommen.

Kellnern, Regale aufraeumen oder putzen ist in der Regel nicht drin (es sei denn man hat ein Visum ohne Beschraenkungen -- z.B. Ehepartnervisum). Dafuer braucht man aber trotzdem keine Auslaender.

Du musst dich also immer fragen: Kann ich etwas, was kein Japaner kann? Als Auslaender geht man nicht wie ein Japaner auf Jobsuche. Man geht in die Nieschen, wo am Ende das Auslaender-sein mit den dadurch verbundenen Faehigkeiten wichtig ist.

 

Also:

Fang doch erstmal dein Studium an. Wenn sich dann der Master dem Ende zuneigt, machst du einen Auslandsaufenthalt an einer Universitaet in Japan. Dort kannst du dann schonmal deine Fuehler ausstrecken und vor allem auch Wichtiges fuer deine Sprachkenntnisse tun (siehe oben).

Bis 30 kann auch das Working Holiday eine gute Alternative sein, denn kaum ein Arbeitgeber kuemmert sich um ein Visum fuer jemanden, der nicht im Land ist. Ausserdem muss man bei vielen Arbeitgebern meist bereits ein Visum nachweisen, um dann nur noch eine Verlaengerung, bzw. Umschreibung zu beantragen. Das ist fuer alle weniger Stress

Ansonsten koennte man die Touristenvisa fuer so ein Vorhaben nutzen. Da muss man aber intensiv planen, viel Geld haben und dann noch das Glueck haben rechtzeitig jemanden zu finden, der dann im Eilverfahren fuer ein komplett neues Visum buergen wuerde.

Wenn du schreibst, Japan wäre deine zweite Heimat, dann hoffe ich, dass du da regelmäßig (und ich meine nicht alle vier Jahre!) dort bist... Weil ansonsten ist es wirklich unglaublich unrealistisch!

Du solltest das Land nicht aus irgendwelchen Comicheftchen oder Fantasy-Serien kennenlernen, sondern wahrhaftig dort sein! Also hau in der Schule rein (Japaner lernen pro Tag eigentlich... Immer ?!) und mach Abi mit Bestnoten. Natürlich kannst du mal versuchen ein Austauschjahr zu machen oder ähnliches, damit du mal lernst, wie es wirklich dort abgeht mit dem ganzen Tag in der Schule hocken, dann Nachhilfe und ggf in Lerngruppen. Arbeitsgemeinschaften und Clubs gehören ebenso dazu. Keine große Freizeit, erst in der Uni können die Japaner ein paar Jahre "Leben" bevor sie sich fulltime ins Berufsleben stürzten.

Bevor du nämlich in ein Land auswandern willst, dass keine Einwanderer wünscht, solltest du es nämlich mal längere Zeit gesehen und erlebt haben (von gutem japanisch mal ganz zu schweigen).

Setze dir also kleine Ziele! Das ist nicht so deprimierend und du siehst deinen Fortschritt besser! Angefangen bei japanisch lernen, Austauschjahr, später vllt ein Auslandssemester und nach dem Studium Travel&Work...? Und dann irgendwann vielleicht mal Auswandern... Aber dazu solltest du im Lande wirklich gebraucht werden. Einfach hingehen und sagen "hallo hier bin ich!" läuft da nicht so ganz ;)

Wow, die Reisekosten müssen ja enorm sein, wenn man da öfter als alle 4 Jahre ist.

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Na dann. Fang schon mal an die Sprache zu lernen. Du brauchst mindestens N2- oder sogar N1-Niveau im JLPT-Test, wenn du ernst genommen werden willst.

Du hast gerade noch ein sehr romantisiertes Bild von diesem Land. Versuche dich, schon mal etwas ernster mit Japan, dessen Geschichte, Politik etc. zu beschäftigen. Anime und so weiter sind zwar 'ne tolle Sache, aber eben nicht das, was Japan eigentlich ausmacht.

Und wie gesagt, Japanisch lernen. Ich habe nach sechs Jahren Schulunterricht immer noch nicht annähernd das Niveau eines Muttersprachlers erreicht. Wenn du was erreichen willst in noch kürzerer Zeit, dann musst du dich in Sprachkurse einschreiben, oder Privatunterricht, wenn du sowas findest. Bücher brauchst du auch, vielleicht sowas wie Minna no Nihongo und mindestens ein Buch zum Kanjilernen (Kanji & Kana). Zwar gibt es auch im Internet einige gute Lernquellen, aber mit ausschließlich kostenlosen Quellen wirst du nicht sehr große Fortschritte machen.

Dann müsstest du dir noch einen Beruf suchen, der in Japan gefragt ist, und bei dem du nicht so viel Konkurrenz durch japanische Einheimische hast, da diese von den Arbeitgebern logischerweise vor Ausländern bevorzugt werden. Somit solltest du einige besondere Qualifikationen aufweisen, einfach einen Grund, wieso man dich einstellen sollte und keinen Japaner. Da ich keine Ahnung hab, was da so gefragte Berufe sind, kann ich dir dazu nicht mehr sagen. Aber außer Deutsch und Japanisch noch andere Sprachen zu beherrschen, kann schon mal nicht schaden.

Stell' dich auf hohe Lebenshaltungskosten ein - besonders in der Großstadt. Die Wohnungen können teilweise recht eng sein. Habe ich zumindest gehört. Die Wohnung meiner Gastfamilie in Kōbe war hingegen eigentlich ganz weiträumig. Aber wie gesagt, es kann sein, dass du wohnungstechnisch die A-Karte ziehst, je nachdem wo du wohnen willst.

Ausländerfeindlichkeit gibt es wohl teilweise noch. Vielleicht nicht so richtig offen. Aber es kann sein, dass du als Ausländer in Japan benachteiligt wirst und nicht so gut Anschluss in die Gesellschaft findest - zumindest am Anfang. Wenn du gut kommunizieren kannst und die Sprache beherrschst, sollte sich das zumindest teilweise geben und die Japaner sehen dich irgendwann als einer von ihnen an.

Wird schwer, aber wer weiß, vielleicht bist du ja ein Naturtalent. Es gibt ja einige Leute, die nach Japan ausgewandert sind, also unmöglich scheint's nicht zu sein. Es kommt darauf an, wie sehr du bereit bist, dafür zu arbeiten und dich anzustrengen. Aber sei dann nicht traurig, wenn es nicht klappt. Am Ende ist es wahrscheinlich eh nicht so schön dort, wie du es dir vorstellst.

Arbeiten in Japan oder lieber Korea?

Mein Mann (31 J. , Dr.-Ing., Schwerpunkt Produktionstechnik) und ich (30 J. M.Sc. , Schwerpunkt Simulationstechnik) spielen mit dem Gedanken auszuwandern.

In Deutschland sind wir gemeinsam nach dem Studium 450km weit weg gezogen. Von der Großstadt in die Kleinstadt (40.000 Einwohner) . So langsam bröckelt der Freundeskreis, man ruft selten mal an und wird vergessen, zu Einladungen von uns hierher kommt meistens nur 1 Pärchen, der Rest lässt sich bequem besuchen. Trotzdem sind wir hier nie richtig angekommen, mein Job ist, naja nie das was ich wollte, und mit den meisten Menschen hier teilen wir nicht mal den Humor noch die Interessen (Schöne Restaurants für uns, Schützenverein-Saufgelage als Highlight für die anderen).

Für Japan spricht folgendes:

Mein Mann hat ein Auslandspraktikum (6 Monate) in Tokyo gemacht vor einigen Jahren und die Flitterwochen haben wir auch in Tokyo und auf Okinawa (Kohama) verbracht. Wir lieben das Essen, die Menschen, die Umgangsform bzw. der Respekt der Menschen anderen Mitmenschen gegenüber. Arbeiten tun wir auch hier in Deutschland mehr als der Tarifvertrag je erlauben würde und wir wissen, dass uns die 70h Woche erwarten würde. Es ist unser eigentlicher Wunsch dorthin zu gehen. Auch wenn es mit der Sprache noch weit weg von flüssig ist.

Für Korea spricht:

Wir haben beide ein Jobangebot einer namhaften großen Firma bekommen durch Vitamin B. Wir sind ein paar Flugstunden von Japan weg. Wenn es uns da nicht passt, ist ein Umzug von Korea nach Japan einfacher als von Deutschland aus. Das Essen wird auch gut sein. Und vielleicht was man so sagt sind die Koreaner etwas herzlicher als die Japaner, was uns auch besser tun würde.

Ich wollte vorallem nach Erfahrungswerten fragen, was unterscheidet das Arbeiten und Leben in den beiden Ländern wesentlich? Oder kommt es wie in Deutschland auf die Firma an?

Machen wir einen Fehler den wir bereuen, wenn wir bequem nach Korea ziehen und nicht wie vorgehabt nach Japan?

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