Mutter ist psychisch krank und nimmt abhängig machende Medikamente- was tun?

... komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Lorazepam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine. Soweit richtig. Lorazepam ist das meist verordnete Benzodiazepin das es gibt.

Es wirkt angstlösend, beruhigend und schlafanstossend. Wie alle Benzodiazepine sollte Lorazepam nur kurzfristig eingesetzt werden. Gemäss aktuellen Studien macht das Medikament nach 4-8 Wochen regelmässiger (mehr oder weniger täglichen) Einnahme abhängig.

Ein weiteres Problem ist die Toleranzentwicklung. Der Patient braucht eine immer höhere Dosis um den gleichen Effekt wie zu Beginn der Einnahme zu erziehlen. Mit der Zeit verschwindet also die angstlösende, schlafanstossende und beruhigende Komponente.

Die meisten Langzeitkonsumenten von Lorazepam sind sogenannte Low-Dows-User. Sie brauchen Lorazepam um normal zu funktionieren (das sie abhängig sind), es geht also nicht mehr um die eigendliche Wirkung.

Lorazepam führt wie alle Benzodiazepine zu starken Entzugserscheinungen. Obwohl man nicht alles glauben soll was man auf Google so findet, wird der Entzug meist mittels Begleitmedikation (z.B. Seroquel) in einer psychiatischen Klinik durchgeführt.

Eines der Hauptprobleme beim Entzug von Benzodiazepinen ist der sogenannte "Rebound-Effekt". Das heisst, dass die urspünglichen Beschwerden in verstärkter Form wieder auftreten. Wenn also jemand wegen Angstzuständen Benzodiazepine genommen hat, treten diese Angstzustände in verstärkter Form wieder auf was fast nicht auszuhalten ist.

Weitere Entzugserscheinungen sind oft:
- Schlafstörungen
- enormes Verlangen nach der Substanz
- Depersonalisation/Derealisation
- Krämpfe
- Fieber
- Halluzinationen
- Depressionen etc. etc. etc.
- vollständige Liste: http://www.benzo.org.uk/german/bzcha03.htm#t1

Das der Arzt deiner Mutter ein Dauerrezept ausstellt ist fahrlässig. Ich an deiner Stelle würde mit dem Arzt sprechen und ihm deine Besorgnis mitteilen. Er darf dir zwar keine Auskunft geben aber es regt ihn zum Denken an.

Des weiteren kannst du versuchen deine Mutter zu überzeugen, einen Spezialisten aufzusuchen.

Ein Benzodiazepin-Entzug braucht dringend medizinisches Fachpersonal. Ohne Therapie geht es nicht. Ein Psychiater wird von der Krankenkasse bezahlt. Deine Mutter hat jederzeit das Recht einen Psychiater aufzusuchen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Es ist schön, dass du dir Sorgen um deine Mutter machst und ihr helfen willst. Nur solltest du auf keinen Fall aufgrund irgendwelcher Annahmen wegen einem Rezept direkt einen riesigen Aufstand machen. Das kommt bestimmt nicht besonders gut an bei deiner Mutter, auch wenn es lieb gemeint ist.

Noch weisst du ja gar nicht, was alles genau los ist, wie oft sie das Medikament nimmt und so weiter. Es gibt auch ganz viele Leute, die über längere Zeit Benzodiazepine bekommen und trotzdem nie einen ultrakrassen Entzug brauchen. Oder die Benzos als Notfallmedikamente zu Hause haben und sie nur sehr selten einnehmen. Und so weiter.

Bevor du also weiter googelst und dich irre machst, sprichst du einfach mal mit deiner Mutter. Vielleicht schlägst du ihr vor, einen gemeinsamen Termin bei diesem Hausarzt auszumachen, damit man das mal alles vor einem "neutralen" Beobachter ruhig und sachlich diskutieren kann. Du kannst dann deine Meinung vortragen (dass deine Mama Hilfe braucht etc.), deine Mutter kann ihre Sicht darlegen (z.B. was sie an Behandlungen möchte oder nicht), der Hausarzt kann euch beiden die medizinische Seite erläutern und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich alle wahrgenommen fühlen. 

So werdet ihr viel eher eine gute Lösung finden.




Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nach zwei Jahren Wartezeit zahlt eine gesetzliche Krankenkasse erneut eine ambulante Therapie.
Also ja, deine Mutter kann wieder eine machen.
Es stimmt auch, dass Lorazepam schon nach kurzer Einnahme abhängig macht und man immer mehr davon braucht, um die gleiche Wirkung zu erhalten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das man immer mehr von den Tabletten nehmen muss, stimmt nicht!!! Natürlich gibt es Leute die sich zudröhnen. Genauso wie mit Alkohol, einer trinkt regelmäßig 2 Flaschen Bier und hat damit kein Problem, damit sofort aufzuhören. Der andere bekommt beim absetzen, der gleichen Menge Entzugserscheinungen.
Ich spreche aus Erfahrung. Der Mann, bekam einen epischen Anfall.
Ich würde mit der Mutter ganz in Ruhe reden. Und auch zuhören. Sei erstmal nur für sie da. Damit sie merkt, das sie nicht alleine ist. Das ist wichtig!!! Und vielleicht sagt sie von alleine, komm lass uns zum Arzt gehen.
Bei der Auswahl eines geeigneten Therapeuten, ist das sehr schwierig. Es mag herablassend klingen, aber Therapeuten und Psychiater, es gibt Ausnahmen, gehören meistens selber auf die Couch.
Ich glaube ihr werdet eine gute Lösung finden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Deine Sorge in allen Ehren. Aber wenn deine Mutter die Medikamente braucht, um über den Tag zu kommen, muss sie sie wohl auch nehmen. 

Und ein verantwortungsvoller Arzt wird sie ihr nicht verschreiben, wenn sie nicht notwendig wären. 

Dass sie keine Therapie wieder bekommt, ist Quatsch. Sie kann so viele Therapien machen, wie sie braucht - auch wenn sie gesetzlich versichert ist. 

Und zehn Jahre sind schon eine lange Zeit seit der letzten Therapie. 

Da soll sie mal mit ihrem Arzt reden. 

Vielleicht wäre auch mal ein stationärer Aufenthalt angezeigt. 

Du hast Recht: Tabletten allein vermögen nicht zu helfen. Unterstütze sie, so gut du kannst. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bei Lorazepam   wahrscheinlich nur 1,0 verordnet in welcher Menge?

Was verstehst Du als Laie unter starken Antidepressiva? Und dann ist immer noch die Frage, in welcher Dosierung diese eingenommen werden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Tavor ist tatsächlich ein Medikament, dass man auf keinen Fall längere Zeit einnehmen sollte und auch nur in echten Ausnahmefällen als regelmäßige Medikation. Da hast du absolut recht.

Hast du das Rezept schon geholt und bekommen? Falls nicht, dann sprich den Arzt direkt auf deine Befürchtungen an. Er wird dir keine Auskunft über die Diagnose deiner Mutter geben dürfen. Aber damit bringst du den Arzt zumindest zum nachdenken.

Holst du das Medikament dann auch aus der Apotheke? Falls ja, dann äußere auch dort, dass dies schon ein Folgerezept ist und deine Mutter das Medikament schon länger einnimmt. Ein verantwortungsvoller Apotheker informiert die Polizei.

Du könntest auch selbst die Polizei informieren. Hier geht es um Missbrauch und Abhängigkeit. Bei einer Medikantenschulung hat ein Apotheker uns erklärt, dass er in einem solchen Fall Anzeige erstattet und die Polizei auch reagiert hat. Auf welcher Grundlage weiß ich jetzt allerdings nicht mehr.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von thorsengel
04.08.2016, 00:33

Übertreibe doch nicht so.
Polizei.
Da kann man echt nur den Kopfschütteln. Mit so einer Reaktion macht keiner irgendwas besser.

0

Die Crux dürfte sein, dass es auf einmal andere Probleme gibt, etwa Angstschübe oder gar Wahnvorstellungen, wenn Deine Mutter die Medikamente nicht nimmt. Dann ruft sie Dich nachts an oder verzapft sonstwas und Du hast ständig die Sxxeisse zu begradigen die sie gebaut hat. Eine Angstkrankheit ist therapeutisch schwierig zu behandeln und eine begleitende Medikamentation ist normal.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von InsertUserName
28.07.2016, 18:46




Eine Angstkrankheit ist therapeutisch schwierig zu behandeln und eine begleitende Medikamentation ist normal.

Begleitende Medikation wäre ja schön und gut.  Aber das ist es ja gerade: Es ist eben nicht als Begleitung zu einer Therapie, sie macht ja gar keine!

0
Kommentar von Kanera12
28.07.2016, 19:18

Öhmmm.. Also ne Psychose ist das schonmal gar nicht. Angststörungen und Depressionen sind die gängigsten psychischen Erkrankungen und fast jeder 2. erkrankt mal an mind. einem von beidem. Das bedeutet genau so, dass es viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt. Ich selber hatte eine Angststörung (schlimme Zustände) und bin komplett ohne Medikamente damit fertig geworden. Mit einer einfachen Verhaltenstherapie. Wer einsieht, dass er krank ist und geheilt werden WILL, der hat den wichtigsten Schritt schon hinter sich :) Angststörungen und Depressionen sind heute gut behandelbar und auch begleitende Medikamente gibt es zahlreiche. ;)

0

Was möchtest Du wissen?