Mussten alle Gladiatoren einen Eid schwören?

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Der Eid wurde offenbar nur von den freiwilligen Gladiatoren geleistet. Die Quellen beziehen ihn nicht ausdrücklich auch auf gezwungene Gladiatoren und der Zusammenhang unterstützt eine Ausweitung auf gezwungene Gladiatoren nicht. Nur die Freiwilligen hatten ja auch einen rechtlichen Status, der eine besondere Erlaubnis zu solch möglicher Behandlung erforderte. Die gezwungenen Gladiatoren waren nicht unmittelbar vor Eintritt in eine Gladiatorenschule freie Männer mit römischem Bürgerrecht. Sie waren gewuungen, die Bedingungen hinzunehmen.

Nützlich sind ein Heranziehen von Büchern über die Gladiatoren und ein Blick auf die antiken Textstellen zu dem Eid.

Fabrizio Paolucci, Gladiatoren : Leben für Triumph und Tod. Aus dem Italienischen von Katja Richter. Berlin : Parthas, 2007, S. 28 - 30:

„Seit den Anfängen der Gladiatorenspiele bestand der Großteil der Kämpfer aus Kriegsgefangenen, zum Tode Verurteilten und Sklaven, die – ob sie interessiert waren oder nicht – die gefährliche Karriere eines Gladiators antreten mussten. […]. Freie Männer und Freigelassene in den Reihen der Gladiatoren waren keine Ausnahme, insbesondere nachdem Kaiser Hadrian (117 – 138) per Gesetz den Verkauf von Sklaven an Gladiatorenmeister, die lanisti, verboten hatte. Sogar Mitglieder des römischen Adels zögerten nicht, die Arena zu betreten, wie es im Jahre 57 n. Chr. geschah, als gut 400 Senatoren  und 600 Ritter (lat. equites, im Sinne von »Neureiche«) sich bekämpften. Die Praxis muss bereits in den vorausgegangenen Jahren sehr verbreitet gewesen sein, denn zwei Dekrete, eines von 11 n. Chr., eines von 19 n. Chr. bekräftigen ein Verbot für Senatoren, Ritter und ihre Familienangehörigen, als Gladiatoren zu kämpfen. Aber alles in allem waren adlige Gladiatoren eher Einzelfälle. Dagegen gab es eine große Zahl von freien Männern, die in der Hoffnung auf leichten Verdienst oder Berühmtheit freiwillig den Beruf eines Gladiators wählte. Dieses sogenanten auctorati, die von Livius als Exempel höchster Käuflichkeit geschmäht wurden, konnten sich auf der Grundlage eines Gesetzes, des *lex Italicensis*, selbst einem lanista anbieten und verzichteten dabei für die gesamte Zeit ihres Engagements auf jegliche Bürgerrechte. […]. Die freien Gladiatoren, die nach Meinung einiger Historiker während der gesamten Kaiserzeit eventuell sogar die Mehrheit bildeten, legten mit ihrer Unterschrift einen Schwur ab, der uns von zahlreichen Autoren (Seneca, Horaz, Petronius Arbitrus) überliefert ist. Mit diesem erkannten die Rekruten (lat. tirones) dem lanista das Recht zu, sie mit Feuer zu bestrafen, in Ketten zu legen, zu schlagen und zu töten, kurz: über ihren Körper zu verfügen, wie er es für richtig hielt.“

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom.Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 114.

„Wie wir bereits gesehen haben, betonen die literarischen Quellen die völlige Erniedrigung der professionellen Gladiatoren: Wer sich für ein Leben als Gladiator entschieden hatte, hatte sich freiwillig dafür entschieden, in eine Randgruppe der römischen Gesellschaft einzutreten. Moralisten und Satiriker berichten, dass ein Freier beim Eintritt in eine Gladiatorenschule einen Eid schwören mußte, Strafen zu akzeptieren, die nach dem Gesetz nur Sklaven auferlegt werden durften. Seneca vergleicht die bindende Kraft des Verprechens, der stoischen Morallehre zu folgen, mit der Kraft des Gladiatoreneides:

Die Worte dieses äußerst edlen Eides sind dieselben wie die dieses äußerst unehrenhaften: verbrannt [d. h. gebrandmarkt] zu werden, in Ketten gelegt zu sein und durch eine eiserne Waffe getötet zu werden. Eine verpflichtende Bedingung wird denjenigen auferlegt, die der Arena ihre Hände vermieten und  Nahrung und Getränke konsumieren, welche sie in Blut zurückzahlen müssen, dass sie solche Dinge erdulden sollen, auch wenn sie es nicht wünschen.

Es scheint, dass es eine Standardformel für die Worte des Gladiatoreneides gegeben hat."

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : Kämpfer der Arena. Nürnberg : Tessloff,  2005 ( Was ist was ; Band 82), S. 18 – 19:

„Die ersten Gladiatoren waren versklavte Kriegsgefangene. […].

Später kamen „normale“ Sklaven, die von ihren Herren an eine Gladiatorenschule verkauft worden waren, und verurteilte Verbrecher hinzu. Nach drei Jahren Gladiatorendienst erhielten sie gewöhnlich die Freiheit. Sie konnten sich dann entscheiden, ob sie ihre Karriere als Gladiator fortsetzen wollten oder nicht.

Mehr und mehr gab es aber auch Männer, die von Anfang an freiwillig die Laufbahn eines Gladiators einschlugen. Sie leisteten einen Eid und unterwarfen sich für einen festgesetzen Zeitraum der brutalen Disziplin der Gladiatorenschule. Viele von ihnen waren freigelassene Sklaven. Aber selbst Männer aus dem Adel verpflichteten sich immer wieder als Gladiatoren, obwohl der Senat Verbote dagegen erließ. Sie verzichteten damit auf ihre gesellschaftliche Stellung, alle politischen Ämter und Ehren und wählten eine Karriere außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft.“

„GLADIATORENEID

Beim Eintritt in eine Gladiatorenschule mussten die angehenden Gladiatoren schwören, sich bedingungslos den Regeln der Schule und den Anordnungen des Gladiatorenmeisters zu unterwerfen. „Wir schworen den Eid, den uns Eumolpus vorsprach: uns brennen, in Ketten legen, schlagen und mit dem Eisen töten zu lassen, was auch immer Eumolpus anordnen würde. Wie richtige Gladiatoren lieferten wir in aller Form unsere Körper und Seelen unserem Meister aus.“ - Diese Worte sprechen die Akteure in einem Stück des römischen Schriftstellers Petronius (Mitte 1. Jh. n. Chr.) aus; der genante Eumolpus ist Leiter einer Gladiatorenschule.“

Ein informatives Buch (ich konnte nicht nachsehen, weil es in einer Bibliothek ausgeliehen war), ist:

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008. ISBN 978-3-8053-3797-7

 

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Petronius Satyricon 117, 5 schildert in einem satirischen Roman, wie welche in Bereicherungsabsicht etwas vorspielen, bei dem einer angeblich einer von ihnen ihr Herr ist (Eumolpus, ein älterer Dichter):

„Itaque ut duraret inter omnes tutum mendacium, in verba Eumolpi sacramentum iuravimus: uri, vinciri, verberari ferroque necari, et quicquid aliud Eumolpus iussisset. Tanquam legitimi gladiatores domino corpora animasque religiosissime addicimus.“

„Damit also die ganze Vorspiegelung/Lüge/Täuschung/Fiktion unter allen Bestand hatte, schworen wir auf die Worte des Eumolpus einen Eid: uns brenenn zu lassen, uns fesseln zu lassen, uns schlagen/peitschen zu lassen und uns mit dem Eisen töten zu lassen und was auch immer anderes Eumolpus befohlen hätte. Wie richtige/regelrechte/echte Gladiatoren gaben wir Körper und Seelen dem Herrn aufs Heiligste hin.“

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Quintus Horatius Flacchus (Hora), Sermones 2, 7, Vers 58 - 61

“quid refert, uri virgis ferroque necari
auctoratus eas, an turpi clausus in arca,
quo te demisit peccati conscia erilis,      
contractum genibus tangas caput?”

„Was verschlägt es, ob du als jemand, der sich gegen ein Kaufgeld verdingt/vermietet/verpflichtet hat, sich brennen und mit Peitschen und Eisen töten zu lassen, gehst oder du in einem Kasten schmählich eingeschlossen, wo dich die Mitwisserin desVergehens der Hausherrin herabgestoßen hat, deinen eingezogenen Kopf mit den Knien berührst?“

Ein Acro zugeschriebner antiker Kommentar schreibt dazu:

„nam gladiatores ita se vendunt et cautiones faciunt: uri flammis, virgis secari, ferro necari. […]. Et haec verba sunt eorum, qui gladiatores emunt, conditionem proponentium, quibus se vendunt. Cautiones dando huiusmodi faciebant: uri flammis, virgis secari, ferro necari.”

“Denn Gladiatoren verkaufen sich so und machen Vorkehrungen/Sicherstellungen: sich mit Feuer brennen zu lassen, mit Peitschen gegeißelt zu werden, mit Eisen getötet zu werden. […]. Und dies sind die Worte derer, die Gladiatoren kaufen, eine Vetragsbedingung aufstellend für die, die sich verkaufen. Sie trafen Vorkehrungen/Sicherstellungen dieser Art bei der Hingabe: sich mit Feuer brennen zu lassen, mit Peitschen gegeißelt zu werden, mit Eisen getötet zu werden.“

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Lucius Annaeus Seneca, Epistulae morales ad Lucilium 37, 1 – 2: „Eadem honestissimi huius et illius turpissimi auctoramenti verba sunt: 'uri, vinciri ferroque necari'. Ab illis qui manus harenae locant et edunt ac bibunt quae per sanguinem reddant cavetur ut ista vel inviti patiantur."

„Die Wortes dieses ehrenhaftesten und jenes schimpflichsten Dienstvertrages/Kontraktes sind dieselben: 'sich brennen zu lassen, sich fesseln zu lassen und sich mit dem Eisen töten zu lassen '.  Von jenen, die ihre Hände für die Arena verdingen/vermieten und essen und trinken, was sie mit Blut zurückzahlen, wird Sicherheit gewährt, daß sie dieses auch wider Willen erdulden/über sich ergehen lassen.“

 

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Nein die mussten kein eid schwören... Die verbrecher waren meistens nur zum sterben in der Arena... Die Skalven wurden ja als Eigentum betrachtet egal ob Haussklave oder Gladiator, deswegen mussten auch sie kein Eid schwören da sie eh das machen mussten was ihnen gesagt wurde... Aber sie konnten sich die Freiheit in der Arena erkämpfen ;)

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