Muss mehr gegen Inländerfeindlichkeit getan werden?

Das Ergebnis basiert auf 21 Abstimmungen

Ja, es muss etwas getan werden 71%
Nein, es muss nichts getan werden 28%

14 Antworten

Schwieriges Thema.

Ich würde hier immer die Situation bewerten wollen. Ich persönlich denke, wenn jemand etwas Allgemeines schreibt oder sagt, kann er eigentlich keinen direkt beleidigen. Allerdings kann er es so sagen, dass klar wird, dass es gegen bestimmte Anwesende Personen gerichtet ist. Und er kann es direkt benutzen, um eine bestimmte Person oder einen Personenkreis (Mitschüler, Kollegen, Anwsende etc.) zu beleidigen oder provozieren.

In diesen Situationen kann durchaus jemand schwer emotional verletzt werden, besonders wenn er Mobbingerfahrungen hat oder mit körperlicher Gewalt oder anderen schweren Folgen gedroht wird. In dem Fall denke ich nicht, dass man mit Schlagworten wie "Reverse Racism" argumentieren sollte.

Beispiel: Ein schwarzer Deutscher kommt in die USA und läster vor seinen weißen Kollegen über weiße Amerikaner, die es nicht verdienen zu leben. Einige der Kollegen könnten nun durchaus fürchten, dass er ihnen etwas antun möchte. Sollen die nun schweigen und das aushalten, nur weil sie weiß und in den USA eine Mehrheit sind? Umgekehrt, käme ein weißer Amerikaner nach Deutschland und würde das zu schwarzen Kollegen sagen, sähe man es vermutlich als Rassismus und damit das Unbehagen/ die Angst der Kollegen als berechtigt an.

Insbesondere, wenn es sich um Kinder und Jugendliche handelt, die mit diesen Argumenten gemobbt werden, finde ich die Situation nicht mehr tolerabel.

Bei Worten wie Köterrasse muss man allerrdings in der Tat fragen, wie verbreitet die sind, wie oft sie genutzt werden, ob sich Menschen automatisch beim Hören dieser Worter Sorgen machen oder Angst bekommen. Und dann ist da noch die rechtliche Frage, ob etwas automatisch eine Straftat ist, nur weil jemand Angst bekommt. Menschen in bestimmten Situaitonen (die gerade Gewalt erfahren haben, Mobbingopfer, Missbrauchsopfer etc.) haben oft sehr viel früher Angst als andere, teilweise auch vor ganz harmlosen und harmlos gemeinten Bemerkungen. Hier ist halt die Frage, wie sehr ein Opfer vor subjektiver Bedrohung geschützt werden muss und wie sehr ein Täter vor eventuell von anderen als salopp angesehenen Bemerkungen geschützt werden soll. Bspw. sagt man machmal "ich könnte den jetzt würgen/ ich bring den um!" wenn man sich ärgert. Wer wirklich mal gewürgt wurde oder Morddrohungen bekam oder ein Gewaltverbrechen erlebt hat, würde das evtl.nicht als harmlose Aussage ansehen, sondern wirklich Todesangst bekommen.

ich denke aber, dass solche Situationen eher vor den Ombudsmann oder Mediator als vor den Richter gehören. Vor allem, wenn die Aussagen gängig sind und meist nicht in böser Absicht verwendet werden.

Streng genommen sind hier übrigens die Begriffe falsch. Inländerfeindlichkeit kann streng genommen nur von außen kommen, da alle, die ständig im Land leben Inländer sind. Hier geht es um Diskriminierung von Angehörigen einer Mehrheit in einem Land, die dort schon länger lebt aufgrund von Vorurteilen gegen eben jene. Also nicht gegen alle Inländer. Und Inländer könnten vermutlich entsprechend der Diskriminierungsdefinition (wenn es um Gruppen und nicht Einzelpersonen geht) nur von Ausländern diskriminiert werden, also von Besuchern, die bald wieder gehen, weils ei auf Urlaub etc. im Land sind.

Hier würde ich eher mit Mehrheitsgesellschaft/ Minderheiten arguementieren oder entsprechende konkrete Begriffe oder andere Verallgemeinerungen verwenden.

Ja, es muss etwas getan werden

Solche Begriffe gehören z.B. in Facebook einfach vorher verhindert. Man kann es bei eigenen Seiten machen, warum kann das FB nicht auch?

Islamfeindlichkeit ist was anderes, das haben sie sich selbt zuzuschreiben. Aber da auch gibt es Grenzen bei der Sprache.

Ich bin es leid, "Ausländer" zu sein!

Hallo!

Ich habe ein tiefgreifendes Problem mit dem Sozialleben.

Ich bin 22 Jahre alt. Ich bin in Deutschland (NRW) geboren, in den Kindergarten gegangen und habe die Schule besucht. Jetzt studiere ich im 5. Semester ganz erfolgreich Jura an einer Hochschule.

Ich habe mich selbst immer als Teil der Gesellschaft gesehen. TROTZDEM bestätigt sich in immer öfter auftretenden Situationen mein Gefühl, ohne mein Zutun von vornherein "fremd" und nicht "anerkannt" zu sein. Und das bin ich absolut leid!

Gerade in Alltagssituationen verdichten sich die Ereignisse. Ich bin mit Beginn des Studiums aus der Wohnung meiner Eltern ausgezogen und versorge mich jetzt neben dem Studium mehr oder weniger selbst und bewältige seither auch viele alltägliche Dinge alleine.

Seien es Blicke beim Einkaufen, Spazierengehen, Shoppen, Bus- und Bahnfahren oder Begegnungen auf Partys.

Immer muss ich mich mit den Befindlichkeiten anderer Menschen auseinandersetzen. "Woher kommst du?", "Was sagt deine Familie dazu, dass du Alkohol trinkst?", "Meine Familie fänd es nicht so gut, wenn ich einen 'Ausländer' als Freund hätte" oder Sätze wie "Ich hasse ja eigentlich Menschen wie dich, aber du bist eine Ausnahme" beweisen mir nichts anderes als mangelnde Akzeptanz mir gegenüber und eine vorübergehende Duldung (schöner formuliert "Toleranz").

Diese Ereignisse reichen dann bis zu öffentlicher Beleidigung und Herabstufung beim Einkaufen: der Sicherheitsdienst steht mir im Nacken, die Kassiererin guckt mich verachtend verdächtig an bis hin zu Begegnungen mit Menschen bei Bus- und Zugfahrten, wenn eine alte Dame mit Gehstock lieber steht, als sich neben mich zu setzen, wenn der Kontrolleur bei meinem Ticket genauer hinsieht und mich als "Sch--ß Zigeuner" bezeichnet oder wenn der Bundespolizist niemandem im Wagen kontrolliert, beim Vorbeigehen mich erblickt und nach meinen Personalien fragt (dieses rassistische Auswahlverfahren, auch "Racial Profiling" genannt, ist sogar als rechtswidrig eingestuft worden). Dann reicht es so weit, dass dem Vater eines Mitstudenten beim gemeinsamen Fußballspielen ein Ausruf "Sch--ß Türke!" über die Lippe geht, obwohl ich als Deutscher mit türkischen Wurzeln direkt daneben sitze.

Im Öffentlichen leben stehe ich dauernd im Visier der Mitmenschen. Dabei möchte ich einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ich verstehe nicht, wieso man Leute allein aufgrund ihres Äußeren herabstuft und niemand seine Gedanken frei von solchem fremdenfeindlichen Gedankengut machen kann. Ich habe von Haus aus gelernt, dass ich jedem Menschen eine Chance gebe. Aber ich kann den Leuten noch so viele Chancen geben, ihre Gedanken haben sich verfestigt.

In vielen Situationen wird man einfach nur geduldet. Und das unbegründet. Ich weiß absolut nicht, wie es so weitergehen soll und wieso ich mich in einem Land nicht wohl fühlen darf, in dem ich aufgewachsen bin und für das ich bisher sehr viel geleistet habe. Ich bin einfach am Verzweifeln.

LG, ein Türke.

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