Muss man tatsächlich eine Art Blindheit aufweisen, um als depressiv zu gelten?

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7 Antworten

Hallo putzhiernur96,

ein Depressiver muss in keinem Fall unbedingt eine Art Seelen-Blindheit aufweisen. Wie in meinem unteren Kommentar schon geschrieben, gibt es unzählige Formen der Depression und entsprechende Ausprägungen. Ausserdem Kombinationsvarianten mit div. Persönlichkeitsstörungen.

Je nach Ausprägung, Art und persönlichem Leidensgefühl, kann der Betroffene in einem kritischen Stadium natürlich ein "Seelen"-Blindheits/Gefühlsblindheits-Symptom zeigen. Traurigkeit ist aber kein Auslöser dafür, eher eine Konsequenz daraus.
Das wäre ähnlich wie mit einer Firewall, plus unzähligen Filtern und Add-on-Blockern vergleichbar. Gefühle, Bilder, Handlungen dringen nur noch so stark vorgefiltert zur Amygdala durch, dass diese keine eindeutige Zuordnung für den Hippocampus mehr durchführen kann.
Danach findet in der Gefühls/Ordnungszentrale keine effiziente Arbeit mehr statt. Eindrücke und Gefühle werden nur noch unsortiert irgendwo im Gehirn gespeichert, ohne einen sinnvollen Nutzen in der Zukunft erfüllen zu können.

Das führt auch oft dazu, das Patienten ihre Depression eher als Feature, denn als Bremsklotz empfinden. Schliesslich betrachten Sie das ständige Gedankenkarussell eher als Scharfsinningkeit, als ein Zeichen einer Depression.
Wer nur noch die üblen Dinge in der Welt sieht, versucht 24/7 diese gedanklich zu erfassen, auszuwerten, abzuwägen und für die eigene Zukunft auszulegen. Der Gedankenstrom reisst nicht mehr ab und eine bestehende, bislang latente Depression manifestiert sich zunehmend.

Die Mitteilung, solche Menschen seien depressiv, wird dann eher als ungerechtfertigte Kritik aufgenommen, was jeden Therapieansatz zu Grunde richtet. Ein Mensch, der gar nicht einsieht,  dass irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein könnte, ist nicht therapierbar. Zumindest nicht mit einer ausschliesslichen Gesprächstherapie. Entweder müssen hier vorübergehend zusätzliches Medikamente eingesetzt werden, oder es sieht es ziemlich nachteilig aus.

Schau mal, ob dich dieses hier auch interessiert:
http://www.depressiv-leben.de/gedankenkarussell/
(ständiges Gedankenkreisen)

Ich hoffe, ich konnte dir helfen

di Colonna

ich selbst habe Panikattacken gehabt und weis wie das ist wenn man mit vielen Symptomen zu kämpfen hat

Therapie ist meistens anstrengend, kann mehrere Jahre dauern ohne wirklichen Erfolg

damit rate ich dir mach die MET-Kloptechnik! mit dieser kannst du Ängste, Trauer, Wut, Allergien, Phobien, Zwänge, Raucherentwöhnung und vieles mehr machen

so habe ich meine Panikattacken besiegt, es geht einfach und schnell! :-)

https://franke-akademie.de/

Jeder Mensch ist anders, weswegen dies von Person zu Person anders ist.  Bei mir z. B. kam es immer auf das Thema an. 

Doch ist dies keine Vorraussetzung für Depressionen. Das ist Schwachsinn. Depressionen haben viel verschiedene Symptome und die müssen nicht alle zutreffen.

Wenn ich das schon höre "Anpassungsstörung"... Alle müssen gleich sein oder was? Lass dich bitte nicht beirren, solange du keine Probleme hast die dein leben gefährden, bist du ein ganz normaler Mensch, ein Individuum. Sobald man ein anderes Denkmuster aufzeigt wird darauf ein psychologischer Begriff gebildet und wenn dann ein Mensch aus der Norm heraus sticht dann ist er " nicht normal" und hat "eine Störung". Bullshit von feinstem.. Beuge dich nicht der gleichmachung des Staats, denn der Staat hat nur was von der Masse wenn es in ihr keine zu großen Unterschiede gibt.

Psyllon 29.06.2017, 11:18

und denke mal nach weshalb du depressiv bist! Sind es die Lebensumstände? Die Menschen um dich herum? Du kannst dich nicht anpassen weil du einfach andere Vorstellungen vom leben hast. Vielleicht geht es dir so wie mir

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MissAwesome 29.06.2017, 13:49

Lieber Psyllon, die Existenz des Begriffes Anpassungsstörung geht nicht auf den Beschluss von Politikern, also "den Staat", zurück. Wie du in deiner Antwort ja selbst schreibst: solange jemand keine Probleme hat, kann er sich meist frei entfalten. 

Es gibt aber durchaus Menschen, die eben doch Probleme haben. Dazu möchte ich gerne den Begriff Leidensdruck in den Raum stellen. Psychische Erkrankungen sind oft mit Leidensdruck verbunden und daher auch behandlungsbedürftig. 

Um die passende Behandlung zu finden, muss man aber erstmal rausfinden, was die Krankheit zu den Symptomen ist. Dazu gibt es Kategorisierungen und Kataloge (z.B. ICD-10), in denen alle bekannten psychischen Erkrankungen aufgeführt sind. Diese werden übrigens nicht willkürlich erfunden oder "vom Staat" bekanntgegeben, sondern durch Forschung und Wissenschaft zusammengetragen. Die von dir genannte Norm spielt dabei auch eine Rolle - im statistischen Sinne. Das zu erklären führt hier aber zu weit. 

Jedenfalls handelt es sich bei der Anpassungsstörung um eine eben solche psychische Störung, die bei entsprechendem Leidensdruck des Betroffenen wie gesagt einer Behandlung bedarf. Ob das beim Fragesteller so ist, kann man aus der Frage allerdings überhaupt nicht ausreichend herauslesen. Das als Gleichmacherei von "denen da oben" abzutun ist also Quatsch :)

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Psyllon 29.06.2017, 18:11

Ja dankeschön für deine Aufklärung.. mir ist das alles bekannt und meine Meinung ändert sich nicht damit. Der Junge sagt selbst das er sich als normal empfindet ihn jetzt umzukrämpeln damit er mit denen zurecht kommt die anders sind ist wahnsinnig....

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putzthiernur96 29.06.2017, 18:39
@Psyllon

Wie man so schön sagt "Das Leben ist hart." Ja man muss sich konstruktiv an die Gesellschaft anpassen. Ist einfach so... Außer man wählt Auswege die in andere Gesellschaften führen (was schwer ist wenn man mit dem heutigen Luxus aufgewachsen ist) oder man wählt den Freitod der nicht frei ist weil der Körper und die Psyche es nicht zu lassen. Ja Psyllon du liegst richtig ich leide nur unter der Angst das in der Zukunft ich nicht mehr das machen darf was ich für richtig halte. Gerade geht es mir gut und ich bin so ausgeglichen wie noch nie, denn ich muss nichts tun was ich nicht will, was eben nicht immer so sein wird. So weit ich weiß bedeutet Anpassungsstörung das es eine Lebensveränderung gab das dann eben psychische Probleme hervorgerufen hat, was ich bei mir nicht erkenne. Hatte schon seit ich denken kann eine Leidensart die durch das verstehen stärker geworden ist bis ich eben jetzt nicht mehr gefolgt habe und jetzt geht es mir eben gut. Wie gesagt das Leben ist hart und genauso hart ist es das jeder zu folgen hat, aber so ist das und keiner kann das ändern. Wer den aufgezwungenen Luxus von der Gesellschaft will muss etwas zurück geben.

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MissAwesome 29.06.2017, 19:25
@Psyllon

Okay, deine Meinung bleibt dir ja unbenommen :) aber die Frage war doch nicht ob er sich umkrempeln lassen soll sondern es ging eher darum Unklarheiten über Depressionen zu klären.

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Nein, das Gegenteil ist der Fall. Depressive Menschen haben meistens eine sehr realistische Sicht auf die Welt und können darüber auch sehr differenziert sprechen. Die nicht Depressiven hingegen haben ein zum Positiven verändertes Bild.

Nennt sich depressiver Realismus.

DiColonna 29.06.2017, 03:40

Das hängt sehr von der Art und Ausprägung der Depression ab. Dazu die zahlreichen Mischformen, die mit psychiatrischen Persönlichkeitsstörungen einher gehen.
Manche Depressive meinen lediglich, besonders realitätsnah und analytisch zu denken, während ein gesunder Mensch vielleicht etwas nur abwartender reagiert. Der gesunde Mensch sucht eher nach der Lösung des Problems, der kranke nach der Ursache.

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MissAwesome 29.06.2017, 03:53
@DiColonna

https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=kW7pBQAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA5&dq=depressiver+realismus&ots=jpVNxG7TVA&sig=-VIA1sahJi\_McOCtA82yqAtnTFk#v=onepage&q=depressiver%20realismus&f=false

Auf Seite 164 steht ein Abschnitt zum depressiven Realismus. Dort wird davon ausgegangen dass es für alle Arten der Depression gilt, wie laut Text auch anhand vieler Studien bereits nachgewiesen wurde. Es handelt sich bei dem Buch um Grundlagenliteratur also kann vom allgemeinen Stand der Wissenschaft ausgegangen werden.

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MissAwesome 29.06.2017, 14:01
@DiColonna

Ich hab deinen Kommentar nochmal gelesen und muss das noch ergänzen. Wenn man von einem (subjektiven) Menschenbild ausgeht, das nach dem Grundsatz "ein Mensch ist mehr als die Summe der Kategorien in die er sich einteilen lässt" geht, dann hast du sicherlich Recht. Aber so funktioniert das ja in der klinischen Diagnostik nicht, oder? Da ließen sich solche Mischformen wie du sie nennst ja nur durch sich gegenseitig beeinflussende Symptome erklären. 

Zudem ist mit Realismus ja nicht gemeint, dass ein Depressiver auf magische Art die Welt besser versteht als andere, sondern nur dass er analytischer herangeht.

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putzthiernur96 29.06.2017, 18:58

Halte ich für ziemlich falsch. Allgemein bleiben Menschen nicht gern auf dem Boden, depressive Menschen besonders nicht. Für einen Depressiven ist es anscheinend auch besonders wichtig das er recht hat, er wird niemals zugeben das er unrecht hat.

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Es hört sich gerade so an als wärst durch dein denken nicht lebens- und weltgewandt. Was du wahrnimmst, macht dich handlungsunfähig.

Ein Protest, der nichts bewirkt und dem Protestierenden schadet, ist sinnlos.

Der gesunde Mensch strebt nach seinem Glück. Überleg dir, was du im Leben wirklich brauchst. Das haben uns die Tiere voraus.

putzthiernur96 29.06.2017, 18:49

Das ist es ja, ich will eigentlich nichts außer mich selbst. Ich selbst bin aber wiederum wie du schon sagst "handlungsunfähig" in dieser Gesellschaft. Ein Kreislauf der irgendwann gezwungen endet wenn es keine Lösung gibt, dann wird der Schaden groß ja... Hoffe das macht es dir verständlich.

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putzthiernur96 29.06.2017, 19:03
@miiilchcafe

Ist es ja und habe ich ja gerade... Das Problem dabei liegt an dem System welches das verbietet und aufhalten wird.

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putzthiernur96 29.06.2017, 20:57
@miiilchcafe

Keine Arbeit oder sonstiges, kein Abschluss, keine Freunde oder andere Menschen mit denen ich mich abgeben muss (was mir gefällt) und Eltern die mich noch eine Zeit "unterstützen" so wie ich lebe. Ich bin zufrieden so wie es gerade ist. Also mein größtes Problem ist realer Kontakt zu anderen Menschen, mit denen muss man sich immer abgeben wenn man was leisten will. Wie du dir denken kannst muss ich wenn es keine Lösung gibt, früher oder später irgendwas leisten. Ich bin das was ich nun bin, mich zu ändern oder anzupassen bedeutet für mich, mich selbst zu verlieren. Ich wie ich bin, zeige wohl Schwäche und im Naturgesetz hat Schwäche keinen Platz wie man ja weiß, also es ist nicht nur Angst sondern begründete Angst. So wie ich bin, strebend nach Moral in der Einsamkeit, will ich bleiben (denn es ist mir alles Wert und alles andere was ich kenne bleibt im Gunde für mich wertlos). Vielleicht sehe ich ja etwas falsch, dann bitte kläre mich auf. Ich glaube moralisch habe ich gute Gründe, das Gesellschaftssystem wird aber immer sagen ich sei selbst Schuld. Das werde ich akzeptieren und das beste daraus machen. Außerdem ist es ja auch schwer sich selbst zu analysieren.

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miiilchcafe 29.06.2017, 21:03
@putzthiernur96

hast angst zu versagen

problem ist, dass dich deine eltern unterstützen, sonst würdest du dich sofort z.B. mit der arbeit abgeben und hättest mehr austausch mit menschen - man will denen was erzählen, oder?

ist nicht so, das jedem sofort alles gelingt

aber wäre zeit, sich dem hürdenlauf des lebens zu stellen

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putzthiernur96 29.06.2017, 21:13
@miiilchcafe

Das man mit anderen reden will ja das ist normal, habe ich aber eigentlich unter Kontrolle und stört mich nicht weil ich ja weiß das das auch negative Seiten hat. Außer hier wo man sich lieber begründen sollte wenn man nicht blöd angemacht werden will. "Angst zu versagen?" Wieso sollte ich versagen, von mir wird nicht mehr viel (wenn überhaupt etwas) erwartet... Außerdem weiß ich aus Erfahrung, das andere ihren Job auch nicht ordentlich machen. Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig, er wird sich immer anpassen wenn er muss.

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miiilchcafe 29.06.2017, 21:45
@putzthiernur96

ich bleibe dabei: ist alles da, du musst nur zugreifen. dir steht die welt offen: such dir was aus, was du willst, und arbeite hin. ob du das als anpassung oder als chance verstehst, ist deine wahl

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Hallo,

ich denke nicht. Depression hat nichts mit Blindheit zutun, dich interessiert dann einfach nichts mehr, zumindest war es bei mir der fall.
Kaum ansprechbar, körperlich richtig schwach, seelisch total am arsch & geistig garnicht erst anwesend.

putzthiernur96 29.06.2017, 02:55

Naja andere depressive Menschen scheinen immer eine Art Gefühlschaos zu sein, daraus resultierend kein bisschen klar/rational über Dinge nachdenkend können.

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DiColonna 29.06.2017, 03:09
@putzthiernur96

@putzthiernur96
Es gibt unzählige Formen der Depression. Und selbst jede einzige davon, kann wieder mit einer unterschiedlichen Kombination von Symptomen einher gehen.
Menschen mit einer Depression leben nicht immer in einem Gefühlschaos.(= manisch-depressiv). Es gibt auch Depressive, die eine eher ausgeglichene Gemütslage haben, dafür leider konstant destruktiv denken, oder von ständiger Schwermütigkeit betroffen sind.
Klares Denken, rationales Handeln überwiegt in den meisten Fällen sogar, solange keine Persönlichkeitsstörung dazu kommt. Depressive haben halt einfach eine andere Sicht auf das Leben entwickelt. Eine Sicht, die alles traurig, schwarz und negativ erscheinen lässt.

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putzthiernur96 29.06.2017, 03:17
@DiColonna

Naja, also ich kenne eigentlich gar keinen der seine Sicht nicht übertreibt oder geblendet ist von der "Dunkelheit".^^ Aber joa so viele Symptome wie es gibt, da macht das Sinn.

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koten 29.06.2017, 07:04
@putzthiernur96

Bei meinem Klinikaufenthalten habe ich ja auch andere depressive kenngelernt. An einen Patienten mit Gefühlschaos kann ich mich da nicht erinnern.

Bist Du sicher, daß Du da von Depressiven sprichst?

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putzthiernur96 29.06.2017, 18:52
@koten

Naja wer gibt schon gerne zu das er unrecht hat...? Ein Depressiver hat für mich immer ein Stück Wahrheit in sich, das wird aber überschattet von dem Wahn darüber.

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koten 29.06.2017, 19:27
@putzthiernur96

Wahn? Was für einen Wahn meinst Du? Und welche Wahrheit wird dadurch überschattet

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putzthiernur96 29.06.2017, 20:05
@koten

... z.B. Sagt ein Depressiver oft das alle Menschen schlecht sind, aber vergisst sich bei einer Beschreibung selbst und übertreibt. Es sind nicht die Menschen die schlecht sind sondern die Menschlichkeit die oft schlechtes tut und diese herrscht in uns allen. Ich mache das jetzt ungern zu einer Frage die in alle Richtungen geht, aber ein Wahn ist eben die gemeinte Blindheit. Ein wenig hat also jeder depressive recht aber es scheint fast so als übertreiben sie (weil die Wahrheit zu langweilig und unvorteilhaft ist?).

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koten 29.06.2017, 20:42
@putzthiernur96

Bist Du Dir wirklich sicher, daß Du über Leute mit Depressionen sprichst? Depressive machen in allgemeinen sich selber nieder. "Ich kann nichts", "ich tauge nichts", "ich bin wertlos". Das istr doch das Gegenteil von "das alle Menschen schlecht sind, aber vergisst sich bei einer Beschreibung selbst und übertreibt."

Natürlich ist jeder Depressive anders. Aber es gibt auch Symptome, die Standard sind. Fehlendes Selbstwertgefühl ist eines davon.

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putzthiernur96 29.06.2017, 21:01
@koten

Na dann hast du ja dein Beispiel welches du akzeptierst selbst aufgezählt. Jeder kann etwas/jeder taugt zu etwas(auch wenn es nichts besonderes ist) und jeder hat mindestens den Wert von dem was er leistet.

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koten 29.06.2017, 22:15
@putzthiernur96

Na dann hast du ja dein Beispiel welches du akzeptierst selbst aufgezählt.

Welches Beispiel? Wo?

jeder hat mindestens den Wert von dem was er leistet.

Ich bin schon seit mehreren Jahren wegen meiner Depressionen erwerbsunfähig. Ehrenamtliche Tätigkeit bekomme ich auch nicht hin. Ich leiste also nichts. Habe ich nun, Deiner Definition nach, keinen Wert? Bin wertlos?

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