Muss man sich selbst zerstören, um sich helfen zu können?

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10 Antworten

Deine Frage klingt überhaupt nicht psychotisch! :-)

Die Überschrift deiner Frage ist für mich widersprüchlich. Du würdest dich selbst zerstören, wenn du dir NICHT helfen lassen würdest.

Jede Hilfe durch qualifizierte und professionelle Personen wie Suchttherapeuten, bedeutet nicht Selbstzerstörung, sondern im Gegenteil: Heilung und Überwindung der Sucht - auch dann, wenn du Rückfälle erleidest.

Hilfe ist also auf jeden Fall positiv, Selbstzerstörung negativ und völlig unnötig! Allerdings ist es wichtig, dass du dich in psychologische Behandlung begibst. Alleine wirst du die Suchtbekämpfung nicht schaffen. Suchttherapeuten sind Experten! Vertraue dich ihnen an und arbeite mit ihnen (nicht gegen sie). Dann sind deine Chancen sehr groß, die Sucht erfolgreich zu bekämpfen. :-)

Alles Gute und viel Glück und Erfolg bei deiner Suchttherapie!

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 17:08

Danke für deine ehrliche Antwort und deine Worte! Ja, ich beginne bald (ich weiß nicht zum wievielten mal in meinem Leben) eine Gesprächstherapie, noch keine Suchttherapie.

Glaube aber auch da, dass ich nur mithilfe der Sucht, offen und ehrlich reden kann! 

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Das ist gar keine schlechte Frage.

Du Antwort lautet: "Ja".

Natürlich meine ich damit nicht dass Du Deinen Körper zerstören solltest. Sondern eher Dein "ICH", welches ständig, ununterbrochen auf der Suche nach Befriedigung Ausschau hält.

Die menschliche Psyche ist ein Denkprodukt. Sie wird einzig
durch unsere Erinnerungen und die damit gekoppelten Gedankengänge
als ICH - Betrieb am Leben erhalten. 

Real, aber ohne die sie
hervorbringenden Ideenbilder, existiert sie überhaupt nicht.Und
dieses Gebilde erzeugt in uns nun pausenlos Wirkung – fast könnte
man meinen, ein Böser Kobold habe es eigens dafür erfunden uns zu
quelen, und zu piesacken.

Nun wäre es leichtfertig, zu behaupten, bloß, wenn Du nicht mehr
daran denkst, an all die Befriedigung. An den Kick, ist der Spuk verflogen. Derjenige, nämlich Du selbst,
der ständig sich selber als ICH denkt, das von der Außenwelt
abgesondert existiert, als individuelle Einheit, ist letztlich
zugleich der Täter. Von der intelektuellen Seite oder seitens des
Willens her ist keine Hilfe oder Lösung des Konfliktes zu erwarten.

Doch es gibt ein anderes Mittel: in dem Augenblick, wo der
menschliche Verstand, das Denken selbst (das schließlich nicht blöd
oder dumm ist) ganz real erkennt, wie aussichtslos jeder Versuch ist
sich von sich selber und seinen gewachsenen Irrtümern zu befreien,
wird der Spuk nach und nach besser.

Wenn Du erkennst daß Dein Gefühl ein Mensch zu sein, Dein
Gefühl, zu existieren, zu leben das Originalgefühl des Urgrundes
aller Schöpfung ist -und nicht Dein individuelles, wenn Dir klar
wird das jedes Geschöpf, die ganze Menschheit aus diesem gemeinsamen
Grundgefühl heraus ist und lebt und handelt, dann fällt der
Abschied vom Wahn, ein von allen anderen getrenntes Individuum zu
sein, gar nicht mehr schwer.

Und nach dieser Einsicht sind wir noch genauso handlungs- und
entscheidungsfähig wie vorher. Bloß haben wir eine Illusion und
einen ganzen Buckel voll krankmachender Irrtümer aufgegeben.

Woran sehr viele Menschen heutzutage leiden, sind unbekannte,
unerkannte Spätfolgen traumatischer Kindheitserlebnisse. Man sagt
kurzer Hand Neurosen dazu.

Da beeinflußt tief aus den unbewussten
kommend eine einst gemachte Erfahrung unser heutiges Leben und wirkt
wie eine Zeitbombe fort und vergällt uns die Freude am Alltag.

Analysen können mit einiger Mühe und viel Zeit solche Traumen
ins aktuelle Bewustsein förden, und nach affektivem Nacherleben der
alten Geschichte ist, ist Erleichterung möglich. Freilich auch bloß
in diesem einzigen Punkt aus der Vergangenheit.

Der Rest, unsere gesamten Lebenserfahrungen, gute und böse,
bilden zusammen den Bodensatz, aus dem das Denken unsere Psyche,
unser Ich oder Selbst pausenlos im Alltagsleben strickt und uns die
Illusion vermittelt, es gebe einen Denker, der unsere Gedanken denkt.

Den gibt es nämlich gar nicht. Darum kann niemand wirklich sein
Denken kontrollieren, wie sollte er wenn dieses Denken ihn erst
jeweils erzeugt.

Im Grunde ist die Psyche ihrer Struktur nach selber eine einzige
voluminöse Neurose. 

Es ist wichtig dies zu erkennen und zu
verstehen.

Jede Einzelreparatur von Traumen bleibt Flickwerk, angesichts der
Tatsache, daß das ganze Gebilde der Vergangenheit angehört und in
der lebendigen Gegenwart nichts als Störungen und Reaktionen
hervorruft.

Untersuche einmal Dein Innenleben daraufhin, ob es nicht stimmt,
was hier geschrieben steht. 

Sofern Dir real, nicht bloß als Idee,
als Einbildung klar wird daß dem so ist, wird der Spuk und die Suche nach Befriedigung aufhören.

Leg Dir dazu ruhig eine robustere Lebensauffassung zu. Spuck gegen
den Wind und sag den Süchten, sie mögen sich zum Teufel scheren.

Genau genommen brauchst Du nichts zu tun als Deine wirkliche
Position in der Welt und im Universum zu erkennen, real, wirklich,
ohne Vorurteile und ohne Deine gewachsenen Meinungen.

Kurzum: Du kannst nichtst tun, Du brauchst auch nichts zu tun. Wer
einfach sich komentarlos, vorurteilslos, neutral beobachtet, ohne zu
sagen, ich bin so oder ich bin so, der kommt ganz alleine hinter die
Mysterien seiner Identität. Es taucht einfach auf.

Gewöhn Dir an, daß Du merkst, wie Dein Geist aus einem Zentrum
heraus agiert und handelt. Und begreife; dieses Zentrum ist selber so
erfunden wie eine Romanfigur, bloß mit dem Unterschied dass der
Stoff für den Roman Deine Vergangenheit ist!

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 18:05

Danke schonmal für deine ausführliche (untertrieben!!) Antwort! Hab sie noch nicht gelesen, werde das aber später ganz in Ruhe tun!

Möchte auf die ersten Antworten, die ich bekommen habe eingehen. In den Kommentaren! Bitte etwas Geduld, danke!

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Ich will jetzt die anderen Antworten nicht lesen, habe aber ein bisschen davon überflogen. Ich denke, dass du darauf hinaus willst, ob man sich selbst erst so sehr zerstören muss, dass es unleugbar immer dringender wird, sich helfen zu lassen, bis man sich schlussendlich wirklich helfen lässt.

Ja, manchmal ist das so. Jeder Mensch hat eine gewisse Toleranz gegenüber Belastung durch Probleme. Wenn die Toleranzschwelle überschritten wird, dann kann man entweder versuchen, die Toleranzschwelle zu verschieben oder das Problem zu lösen.

Suchtkranke haben -meist wegen der Sorge, ihre Probleme nicht lösen zu können- ihre Toleranzschwelle bereits mit Hilfe des Suchtmittels verschoben und werden dadurch abhängig. Die Belastungstoleranz bzw. Problemtoleranz wird mit dem Suchtmittel künstlich erhöht und wenn die Suchtmittel wegfallen, holen die Probleme die/den Süchtige/n sofort ein. Da die Belastungen für den nüchternen Menschen bereits viel zu hoch sind, um damit klar zu kommen, wird wieder zum Suchtmittel gegriffen, um die Problemtoleranz wieder so weit wie nötig zu erhöhen.

Dummerweise bringt Sucht eigene Probleme mit sich und löst die alten nicht. Das Ausmaß von Problemen steigt und die Suchtmittelgewöhnung ebenfalls, was in Summe dazu führt, dass die Belastung und die Belastungstoleranz erneut in ein Ungleichgewicht fallen. 

Also wird irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Belastungs- bzw. Problemtoleranz mit den bisher eingesetzten Mitteln nicht mehr weiter erhöht werden kann. Wenn dieser Punkt erreicht ist, stellt sich für die meisten Menschen die Frage, ob man seine Toleranzschwelle verschiebt, indem man etwas tut, was man sonst nicht tun würde (zum Beispiel zu Suchtmitteln greifen), sich selbst vernichtet (=Suizid) oder ob man das Belastungslevel senkt, indem man sich Hilfe sucht. Glücklicherweise hängen Menschen an ihren Leben und suchen sich dann meistens Hilfe.

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Kommentar von menz84
26.09.2016, 17:20

Danke dir! Hänge aber am Leben, der Menschen die mir wichtig sind... Nicht an meinem!

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Das ist gar keine so schlechte Frage. 

Also ich kenne das (ja jetzt kommt wieder der Teenie-Depri).

Ne Zeit lang also so in der 7. Klasse oder so, bin ich allen "coolen" hinterhergerannt, weil ich beliebt sein wollte. Ich bin den coolsten Trends gefolgt und wollte so sein wie sie alle auch. 

Dann kamen die Depressionen und ich hab vieles über mich gelernt. Ich hab mein altes Ich zerstört und bin jetzt jemand anderes. Inzwischen ist mir egal, was die anderen von mir denken. Ich hab meinen eigenen Style und bin halt anders. Ich hab noch andere Sachen über mich (Sexualität usw.) rausgefunden, die ich nicht unbedingt erzählen muss.

Also ja, ich hab mein altes ich zerstört um jetzt richtig zu leben 

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 20:20

Danke an dich! Habe ab anfang der 8. Klasse das genau so gemacht wie du!

Unterschied: Ich hab bis heute (bin 32) nicht herausgefunden, wer ich bin!?

Es freut mich, dass du deinen eigenen Weg gegangen bist/ihn gehst!!

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Ich denke, dass ich deine Situation ziemlich gut nachvollziehen kann. Mein Text Verständnis  ist jetzt nicht gerade das beste, aber wenn ich dich richtig verstanden habe hatte bzw habe ich eine ähnliche Situation. Habe mehr als die hälfte meines Lebens mit meinen Süchten kämpfen müssen, problematisch war es immer dass ich mich bei einer Therapie nur dann sagen wir mal "anfangs" öffnen könnte wenn ich davor getrunken hatte, oder sonstiges. Ohne mit meinen Süchten in Kontakt zu treten bevor ich zur Therapie ging oder allgemein mit Menschen drüber reden musste. War kaum möglich. Es hat 5 Jahre gebraucht bis ich mal freiwillig in eine Klinik bin um Vorallem davon runter zu kommen.

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 17:34

Geht mir ganz ähnlich! War allerdings schon in Kliniken ( unzählige male!), doch geredet habe ich nie! Aber das will ich jetzt anders (besser) machen!

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Kommentar von Emmyliyy
11.09.2016, 20:09

Habe auch nur geredet als ich freiwillig dort war. Ich bin froh, dass du das selbst einsiehst. Viel Erfolg auf deinem Weg.

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Da wird dir wohl nichts anderes übrig bleiben, als in eine Entzugsklinik zu gehen. Das ist ein schwerer Schritt, der mitunter viel Vorbereitung braucht, aber es ist wichtig, dass du ihn wagst. Dein Leben wird definitiv besser, wenn du deine Sucht los wirst. Hoffe du wolltest überhaupt sodass in der Richtung wissen. 

Alles Gute

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Man sagt ja so schön, man muss erst auf den Boden knallen bis man aufwacht. Ab und an scheint das wahr zu sein.

Bei mir naja, teilweise. Ich habe unter anderem eine PC-Sucht und Depression. Gerade bei Depression gibt es keinen "Boden". Es kann immer noch schlimmer kommen. I-wann war ich persönlich aber bei meinem "Boden" angelangt und konnte mir nicht vorstellen, so weiterleben zu können. Die Angst, weitere 5 Jahre so weiterleben zu müssen, war größer, als die Angst eine Therapie zu machen.

Beim PC war es mir i-wie zu viel und es hing mir zum Hals raus. I-wie hatte ich keinen Entzug.. ich wollte selbst auf einmal weniger am PC sein und mich auch anders beschäftigen :) Da habe ich auf alle Fälle gemerkt, dass es mir eigentlich nicht gut tut.

Zu dir selbst: Sehr gut! Du hast erkannt, dass du Probleme hast. Warte nicht zu lange, sondern versuche daran etwas zu ändern. Bist du bereits in Behandlung? :)

LG :)

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 18:19

Danke auch an dich! Tut mir leid, das ich erst jetzt schreibe, möchte auf viele Antworten in den Kommentaren eingehen! Das dauert...

Hab deine Antwort noch nicht ganz gelesen, aber das mache ich später in Ruhe! Vielen dank!!

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Kommentar von TheTrueSherlock
11.09.2016, 22:12

Aso. Solange du dich bzw. andere nicht gefährdest, wirst du nicht gegen deinen Willen in die Geschlossene gesteckt.

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Mir fallen die Anonymen Alkoholiker ein. Die sprechen über alles. Vielleicht hilft es dir, wenn du dort hingehst und einfach erstmal nur hörst, was die anderen sagen.

Mit der Zeit wirst du den Mut haben, Dinge zu sagen, für die zu sagen du dir heute noch Mut antrinken musst.

Du musst nicht trocken sein, wenn du da hingehst. Der Wunsch, nicht mehr zu trinken, ist die Eintrittskarte.

Anonyme Selbsthilfegruppen gibt es auch für Drogen: Narcotic anonymus

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Grüß Dich menz84!

An einer Sucht zu erkranken ist einerseits mit große seelischen Leid verbunden und meistens mit dem Gefühl selbst ein Versager zu sein und kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Andererseits aber kann der Suchtkranke, also Du, seelisch so tief fallen, das ein Gefühl entsteht, tiefer geht es nicht mehr. Doch darin liegt die Chance sich zu besinnen und nicht mehr so weiter zu machen.

Der Dichter Hölderlin meinte:

Wo Gefahr ist wächst das Rettende auch.

Um wirklich leben zu wollen kann dann daher nur der Weg nach oben und der Umkehr eingeschlagen werden.

Wer das nicht will, wird am Leben verzweifeln und ist möglicherweise suizidgefährdet. Doch das kann nicht im Sinne des Lebens sein, denn es will sich erhalten bis zu dem tag, in dem es sich selbst beendet. Und das sollte eher später als früher sein, oder?

Ich habe hier ein Gedicht für Dich:

Wo bist Du?

Ich laufe durch die Strassen deiner Stadt.

Ich beobachte Dich, durch die Augen jedes Deiner  Menschen.

In jedem Buch, welches Du liest, hinterlasse ich Dir

verborgene Zeichen meiner Sehnsucht.

Die Schneeflocken im Winter, zart schmelzend auf Deinen
Wimpern – einer meiner Versuche, Dich wach zu küssen.

Mit dem ersten, warmen Frühlingswind

streichle ich Dir sanft über die Haut.

Mit jedem Deiner Atemzüge liebkose ich Dich von innen.

In jeder Sekunde Deines Seins stehe ich rufend, drängend,

 bebend vor dem Haus Deiner Seele.

Ich klopfe in tausend verschiedenen Weisen an Deine Tür. Laut
wie der Schrei eines wütenden Kindes und still wie die Ewigkeit des Alls.

Wild und fordernd zerre ich an Dir, um Dich im nächsten Augenblick behutsam zu umarmen.

Ich habe keine Wahl. Ich werde nichts unversucht lassen. Bis
Du mir öffnest – weit und bedingungslos. Bis Du mir alles schenkst, was Du hast und was Du bist.

Wo bist Du?

Ich brauche Dich.

Ich will Dich!

                                                   
                             Dein Leben

 

Herzlichen Gruß

Rüdiger

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Kommentar von vonGizycki
11.09.2016, 19:52

Menz84:

Wenn Du etwas lernst, dann bringt es Dich vorwärts. Lernen kann man auch mit dem Herzen! Niemand hat das Ende seines Weges erreicht. Nur mit Tod endet alles! Wenn man den Weg als Ziel sehen kann, dann ist nichts dumm :-)

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Ich würde gerne eine nützliche Antwort geben, aber was konkret willst du wissen?

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Kommentar von menz84
11.09.2016, 17:12

Bitte nicht falsch verstehem, ich suche hier generell keine Bestätigung, nur Rat und Hilfe! Will nur wissen ob andere, hier auf gf.net, ein ähnliches Problem haben o. kennen!?

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