Muss man als Theologe eigentlich an die Existenz eines Gottes glauben?

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12 Antworten

Schon die Aussage: "Ich glaube an Gott" ist überaus interpretationsbedürftig. Daher kann Deine Frage redlicherweise nicht beantwortet sondern nur andiskutiert werden. 

Es gibt bei vielen Menschen immer noch die völlig naive Vorstellung eines Gottes, der mit menschlichen Gefühlen, menschlicher Gedankenführung und Einsichtsfähigkeit und vor allem einer menschlichen Wertewelt autonom agiert und sich damit in das Weltgeschehen einbringt.

Andererseits gibt es sehr viele irgendwie gläubige Menschen, die mehr an sog. göttliche Prinzipien glauben. Sie halten das Weltganze von bestimmten strukturgebenden und lenkenden Wirkprinzipien durchdrungen, die sie dann als "Emanationen des Göttlichen" interpretieren. Manche definieren Gott auch als "Urgrund des Seins". Der bekannte Theologe Paul Tillich brachte die Gottesvorstellung auf die Formel: "Gott ist Ursache, innere Struktur und Ziel allen Seins".

Wenn man sich diese zuletzt aufgeführten sehr abstrakten Gottesvorstellungen vor Augen führt, dann läßt sich hier kaum noch ein möglicher Konflikt ausmachen, wie Du ihn in Deiner Frage formuliert hast.

Es ist ja fast unvermeidbar nicht an irgend welche ursächliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Potenzen und den davon abgeleiteten Weltphänomenen zu glauben. Wir sind evolutionsbiologisch in unserem Denken einfach auf das kausale Denken programmiert. Der Mensch kann sich schlicht nicht vorstellen, dass es Objekte oder Geschehnisse gibt, für die es keine Ursache geben könnte. Und eben diese letzte Ursache wird von sehr vielen Menschen mit "Gott" oder "dem Göttlichen" gleich gesetzt. 

Da nun jeder Theologe mindestens so eine diffuse letzte Ursächlichkeit mit Gottescharakter in sein Denken integriert hat, wäre Deine Frage nach dem "muss man?" überflüssig.

Ganz anders wäre Deine Frage anzugehen, wenn Du geschrieben hättest, ob man als Theologe an den Gott der Bibel, an Jahwe, so wie ihn uns die Apostel und Propheten des alten und des neuen Testaments vor Augen geführt haben, glauben müsse. Da würde ich dann antworten, dass ein Theologe nach kirchlicher Definition diesen Glauben haben müsste, da er anderenfalls als Religionsphänomenologe oder Religionswissenschaftler zu bezeichnen wäre.

Du siehst bereits an diesen wenigen Sätzen, wie überaus schwierig doch so leicht zu formulierende Fragen eine Beantwortung zugeführt werden können.

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Kommentar von mychrissie
26.05.2016, 12:20

Mir ist nicht ganz klar, wie ein Theologe, der als Akademiker doch des Nachdenkens fähig sein müsste, für das "Sein" vor dem Hintergrund der Evolution ein Ziel postulieren kann.

Wie kann die Evolution ein Ziel haben?! Sie bedient sich doch seit Jahrmillionen des bewährten Instrumentes der Ziellosigkeit. Angesicht der Vielzahl von Ressourcen eigentlich ziemlich clever.

An einem Ziel anzukommen, bedeutet doch nicht zwangsläufig, es anvisiert zu haben.

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Die bzw, eine klassische Definition stammt von Anselm von Canterbury und beschriebt Theologie als "Glaube, der das Verstehen sucht." Insofern ist ein atheistischer Theologe ein Widerspruch in sich.

Für Teilbereiche der Theologie waren Erkenntnisse von Atheisten hingegen immer wieder wichtig. Natürlich können auch Atheisten Theologie studieren und auch Positives in der Theologie leisten. Ob sie es allerdings je schaffen, in einen Kernbereich vorzustoßen, glaube ich persönlich nicht.

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Ich denke nicht, dass man wirklich glauben muss um Theologie zu studieren und zu betreiben. Man muss aber die Fähigkeit mitbringen den Glauben zu simulieren. Wer bei jedem Satz denkt, dass das alles reiner Humbug ist, wird zu keinem wissenschaftlichen Ergebnis gelangen; da das Ergebnis der Nachforschung bereits im Vorhinein fest steht = Humbug.

Ich bezweifle auch, dass man mit dieser Einstellung überhaupt den Stoff richtig lernen kann.

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Ein Wissenschaftler, der Aberglauben, Sektenwesen, Voodoo usw. erforscht, 
ist ein Religionswissenschaftler, aber noch kein Theologe:

Theologie ist die Lehre von Gott.

Jedem, der forscht, also auf der Suche nach Wahrheit ist, muss erlaubt sein, zu zweifeln und solchen Zweifeln nachzugehen (er könnte sonst ja gar nicht mehr in Anspruch nehmen, objektiv zu denken).

Dennoch gilt: Sofern ein Theologe mit kirchlicher Autorität versehen lehrt, wird jene Kirche ihm die Lehrbefugnis mit Sicherheit entziehen, sobald er seine Zweifel an der Existenz Gottes öffentlich macht. 

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Die Gedanken sind frei. Glaubensbekenntnisse lassen sich erzwingen, z.B. im Islamischen Staat. Beim Studium bekenntnisgebundener Theologien (z.B. katholische oder evangelische Theologie) unterstellt man stillschweigend das jeweilige persönliche Bekenntnis. Das ist als Gedankengut nicht prüfbar. Atheistische Pfarrer outen sich selten als solche (Das kommt aber durchaus vor!).

Fachleute der vergleichenden Religionswissenschaften dagegen, der Völkerkunde, der Volkskunde (incl. Aberglauben), Kulturwissenschaften, Kulturantropologie, Altertumskunde (mit allen antiken Göttern), Geschichte, Judaistik, Regionalwissenschaften, Islamwissenschaften (Die sind gesucht bei Geheimdiensten!) und dergl. befassen sich mit Kulturen, Philosophien und Religionen in verschiedenen historischen Epochen in allen möglichen Weltregionen. Sollen die in ihrem Studium und ihrer wissenschaftlichen Forschung und Lehre wohl alle paar Minuten ein neues Glaubensbekenntnis ablegen, zu Zeus, Prometheus, Aphrodite oder Thor? Da kämen die ja in ihrer geistigen Verwirrung gar nicht mehr zum Arbeiten! Deren Studenten würden sich totlachen oder überlebend den Hörsaal verlassen!

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Kommentar von dompfeifer
25.05.2016, 23:44

Ein Orientalist, Arabist oder Islamwissenschaftler, der im Bewerbungsgespräch beim Bundesnachrichtendienst (BND) oder Bundesverfassungsschutz (BVS) ständig Glaubensbekenntnisse zu Allah und seinem Propheten vortragen würde, fernab von der deutschen freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der hätte sich wohl etwas verlaufen. Der könnte sich vielleicht umschulen lassen zum Iman zwecks Glaubensverkündung.

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Wer in seinem Beruf oder in seinem Tätigkeitsfeld etwas erreichen will, der muss Interesse und Einsatzwille für diesen Beruf mitbringen.

Wer nicht an die Existenz Gottes glaubt, wird kaum Interesse für Theologie haben. Es sei denn, er will unbedingt "beweisen", dass es trotz aller religiöser Schriften Gott nicht gibt.

Jeder Forscher oder Wissenschaftler braucht eine Antriebskraft für sein Tun. Für Theologen ist dies das Interesse an Gott.

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Kommentar von mychrissie
26.05.2016, 11:02

Versteh ich nicht! Wenn einer z.B. über Sektenunwesen wie Scientology forscht, muss er doch auch nicht an die Ideen dieser Sekte glauben, um Interesse zu haben, darüber zu forschen.

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Wer seinen Christenstand nur als Hobby oder Beruf ansieht, der eben für den Lebensunterhalt seinen Ertrag abwirft oder der reinen Unterhaltung und Beschäftigung dient, hat definitiv die falsche Einstellung und gleicht eher einem Pharisäer als einen Kind Gottes. Im Grunde wäre das geheuchelt und widersinnig. Aber leider gibt es das heute, daß jemand Theologie studiert und doch nicht an Gott glaubt. Dann dient man eben nur dem Buchstaben und hat den Sinn und die Tiefe der Bibel nie begriffen. Glaube ohne den Heiligen Geist (der allen echten Christen als Beweis gegeben wird) ist nur Selbstbetrug und ebenso Betrug an anderen, die vielleicht tatsächlich gläubig sind und von jemandem belehrt werden, der nicht hinter dem steht, was er verkündet.

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Kommentar von mychrissie
26.05.2016, 11:07

Ich habe von Theologen gesprochen nicht von "Verkündern". Muss denn z.B. auch jeder an die Thesen des Kreationismus glauben, der sich wissenschaftlich damit beschäftigt? Und zwar weder aus Gewinnsucht noch aus Hobby noch aus reiner Unterhaltung, sondern vielleicht, um genug Insiderwissen zu gewinnen, damit er diesen Aberwitz besser bekämpfen kann.

Jemand, der Chemie studiert, ist doch auch kein Chemie-Verkünder!

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unbedingt,l den theologie fußt auf gefühlen

wissenschaft fußt auf denken

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Zum Studieren nicht, aber ich würde jetzt keinen Pfarrer wollen, der nicht an Gott glaubt.

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Kommentar von mychrissie
26.05.2016, 11:03

Ich habe nicht von Pfarrern gesprochen, sondern von Theologen, z.B. im universitären Bereich.

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Kommentar von mychrissie
26.05.2016, 23:39

Ich würde einen siolchen Pfarrer begrüßen. Denn eine Duiskussion mit ihm wäre tausendmal interessanter als das Abrufen von Salbaderei.

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Nein, es gibt durchaus Theologen, die atheistisch sind.

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Daran glauben muss er nicht, nein.

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Muss man als Evolutionsbiologe an die Evolution glauben?

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Kommentar von Ryuuk
25.05.2016, 22:00

Nope. Ein Evolutionsbiologe weiß generell, das Evolution funktioniert, wie sie funktioniert und warum sie funktioniert. Da ist nicht viel übrig, an was er nur glauben müsste.

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