Muss man als Radfahrer immer einen vorhandenen Radweg benutzen?

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13 Antworten

Das hängt von der Beschaffenheit des Radwegs ab.

Ausnahmen von der Benutzungspflicht

Allerdings müssen auch als benutzungspflichtig ausgeschilderte Radwege unter bestimmten Umständen nicht befahren werden. Die Ausnahmen richten sich aber nicht danach, ob der Radweg die Mindestvoraussetzungen erfüllt, die seit 1997 in den Verwaltungsvorschriften zur StVO an ihn gestellt werden. Denn diese Vorschriften wenden sich nur an die Behörden und geben diesen vor, wann sie einen Radweg beschildern und damit benutzungspflichtig machen dürfen. Sie haben keine Wirkung für den einzelnen Radfahrer. Dieser hat sich zunächst nur danach zu richten, ob hier ein "Radweg"-Schild steht oder nicht.

Ausnahmen von der Benutzungspflicht sind in der Rechtsprechung schon seit Jahren bekannt. Es gibt drei Grundsätze, die bei Benutzungspflicht gegeben sein müssen:

straßenbegleitend,

benutzbar und

zumutbar.

Erfüllt ein Radweg auch nur eines dieser Kriterien nicht, muss er nicht benutzt werden. Man darf dann mit dem Fahrrad auf der Fahrbahn mitfahren, selbst wenn der Radweg beschildert ist.

straßenbegleitend:

Radwege sind u.a. nicht straßenbegleitend, wenn sie zu weit, in der Regeln 5 Meter und mehr, von der Hauptfahrbahn entfernt geführt werden. Ein deutliches Indiz dafür, dass der Radweg nicht die Straße begleitet, ist dass er an Kreuzungen nicht dieselben Vorfahrtsrechte bekommt. Radwege, die weitab von einer parallelen Fahrbahn oder gar völlig unabhängig von Straßen verlaufen sind nicht straßenbegleitend.

benutzbar:

Unbenutzbar sind Radwege beispielsweise,

wenn sie nicht in die Richtung führen, in die man fahren will (u.a. auch, wenn man links abbiegen möchte, darf der Radweg rechtzeitig vor der Kreuzung verlassen werden, um sich auf der Fahrbahn einzuordnen), wenn sie zugeparkt oder zugestellt (z.B. Mülltonnen) oder Fußgänger auf ihnen laufen, so dass man dort nicht fahren kann, anderweitig (z.B. durch Schneemassen) blockiert sind, aber auch von Schnee bedeckt ist, während die Fahrbahn geräumt ist. Jeweils der unbenutzbare Abschnitt ist nicht benutzungspflichtig; jedoch muss man nicht ständig zwischen Radweg und Fahrbahn wechseln, sondern fährt frühzeitig an einer möglichst sicheren Stelle vor dem Hindernis auf die Fahrbahn und an einer sicheren Auffahrt danach, wieder auf den Radweg zurück. Ist der Radweg alle paar hundert Meter unbenutzbar, muss er auf der ganzen Strecke nicht befahren werden, weil ein ständiger und nicht gerade ungefährlicher Wechsel zwischen Radweg und Fahrbahn nicht zugemutet werden kann.

Dabei ist unerheblich, ob der Gehweg frei ist, denn Radfahrer dürfen nicht auf Gehwegen fahren, auch nicht über sie ausweichen. Die einzig legalen Varianten sind Fahren auf der Fahrbahn oder Schieben über den Gehweg, letzteres aber auch nur, wenn dadurch Fußgänger nicht behindert werden. Sonst wäre auf der Fahrbahn zu schieben, wo man dann aber auch gleich fahren kann.

zumutbar:

Zumutbarkeit ist ein unscharfer Begriff. Zunächst einmal ist ein Radfahrer nach § 3 StVO gehalten, seine Geschwindigkeit den Umständen anzupassen. Eine schlechte Oberflächenbeschaffenheit (z.B. schlechter Belag, rutschige Blätter, Streugut) des Radwegs bringt alleine keine Unzumutbarkeit. Kann sie jedoch auch durch angepasste Fahrweise nicht ausgeglichen werden, muss der dann unzumutbare Radweg nicht benutzt werden.

"Unzumutbar" kann man vielleicht am besten daran festmachen, ob der Zustand durch angepasstes Fahren nicht mehr in den Griff zu bekommen ist. Dieses Kriterium schließt damit auch die Benutzungspflicht kurzer Stecken linksseitigen Radwegs aus, weil die dazu notwendige Querung der Fahrbahn eine erhebliche Gefahrenquelle darstellt. Auch der ständigen Wechsel zwischen Abschnitten benutzungspflichtigen Radwegs und der Fahrbahn oder zwischen rechts- und linksseitigen Radwegstücken ist unzumutbar. Nicht hinnehmen muss man beispielsweise auch, dass auf dem Radweg verbliebenes Streugut, Glasscherben oder ähnliches ständig zu Reifenpannen führen.

Zu den Ausnahmen von der Benutzungspflicht siehe auch Wolfgang Strobls "50 Gründe keinen Radweg zu benutzen", die sich als Sammlung kreativer Umsetzungen der oben angeführten Ausnahmen verstehen lassen.

Nachzulesen in: http://bernd.sluka.de/Radfahren/rechtlich.html

TramuntanaUxia 03.10.2013, 06:26

Tinafritz1992, danke für deine gute Antwort.

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Wenn der Radweg zu große Schäden aufweist (Baumwurzeln, Schlaglöcher) oder zugeparkt ist, kann der Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen. Sonst muss er auf dem Radweg fahren.

Nein. Ein Radweg muss nur dann benutzt werden, wenn ein Gebotsschild vorhanden ist (weißes Fahrrad auf blauem Untergrund). Wenn kein solches Schild da ist, hat man als Radfahrer die freie Wahl, ob man den Radweg oder die Fahrbahn nimmt.

Hätte er das gestern gewusst, hätte er entsprechend Contra geben können - oder auch nicht, je nachdem.

Wenn der Radweg durch Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist, besteht Benutzungspflicht.
Außer der Radweg ist in einem nicht zumutbaren / nicht befahrbaren Zustand.

tinafritz1992 02.10.2013, 17:56

Was sind denn die Zeichen 237, 240 und 241?

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TramuntanaUxia 03.10.2013, 06:28
@Antitroll1234

Leider kennen die meisten Autofahrer die Verkehrszeichen und Bildtafeln nicht mehr.
Danke, Antitroll1234, für deine gute Antwort.

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tinafritz1992 04.10.2013, 13:31
@Antitroll1234

Natürlich ist das nicht schwer, aber unnötig. Man kann es doch wenn man antwortet explizit hinschreiben. Ich muss doch nicht auch noch jede Antwort ergoogeln.

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Antitroll1234 05.10.2013, 18:37
@tinafritz1992

Man kann es doch wenn man antwortet explizit hinschreiben

Habe ich doch explizit geschrieben: Zeichen 237, 240, 241

Ich muss doch nicht auch noch jede Antwort ergoogeln.

Jede nicht, aber wenn Dir etwas unklar ist schon.
Stattdessen stellst Du eine Frage was die Zeichen bedeuten, obwohl googeln danach "natürlich nicht schwer sei" lt. Deinen Worten ?!?

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Antitroll1234 05.10.2013, 18:40
@tinafritz1992

aber die Nummern habe ich nicht auswendig gelernt.

Nicht schlimm, findet man leicht, wenn man diese mit der offiziellen Zeichen Nummer bei Google eingibt.

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Der Radfahrer ist verpflichtet den Radweg zu nutzen, solange es sich um einen mit blauen Schild gekennzeichneten Radweg handelt, es gibt aber ausnahmen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Radverkehrsanlage Ausnahmen von der Benutzungspflicht

rx3750 03.10.2013, 13:27

Umgekehrt, Benutzungspflichtige Radwege sollten mittlerweile die Ausnahme sein.

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Nein, nicht immer. Siehe hier: http://www.test.de/Irrtuemer-rund-ums-Radfahren-Diese-Regeln-gelten-wirklich-4342904-4342910/

Aber es wäre natürlich nett, wenn Radfahrer einen vorhandenen Radweg nutzen würden, sofern er in einem akzeptablen Zustand ist.

rx3750 03.10.2013, 13:25

Benutzungspflichtige Radwege dürfen nach derzeitiger Rechtssprechung nur noch in Ausnahmen angeordnet werden. D.h. Radfahrer auf der Fahrbahn sollte die Normalität sein. Der Sicherheitsgewinn wurde durch mehrere Studien belegt.

Radfahrer sollten gerade nicht nett sein und auf dem Radweg fahren, sondern auf der Fahrbahn fahren. Oder springen Sie vom Fußweg, wenn Ihnen eine Gruppe entgegenkommt?

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scopie 14.10.2013, 21:08
@rx3750

Wenn es keine gefährliche Strecke ist, auf der man Radfahrer leicht übersehen kann, sehe ich nicht ein, dass sie vor mir rumeiern. Am besten noch zu zweit, plaudernd und nebeneinander rumschlenkernd, nach Belieben zwischen Radweg, Straße und Bürgersteig wechselnd, um sich im Kamikaze-Stil überall durchzuschlängeln. Aufpassen muss jeder Verkehrsteilnehmer. Auch die Radler, die nicht immer ganz so rücksichtsvoll und unschuldig sind.

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Cranberry42 05.01.2014, 08:43
@scopie

sehe ich nicht ein, dass sie vor mir rumeiern

Scopie, dann schaue dir mal die aktuelle Fassung der StVO an.
So ein Kommentar ist unangebracht.
Große Blechkiste. Einer sitzt drin, obwohl sie für vier Personen gebaut wurde.
Abgase, Gestank.

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Diese Verkehrszeichen zeigen an, dass ein Radweg benutzungspflichtig ist: Radweg, gemeinsamer Geh- und Radweg, getrennter Geh- und Radweg

Nur wo eines dieser Verkehrszeichen steht, muss der Radfahrer den Radweg befahren

Ist es nicht besser, immer den Radweg zu nutzen, wenn schon einer da ist? Wäre doch für beide Seiten wesentlcih entspannter.

tinafritz1992 02.10.2013, 15:16

Wenn du hier bei uns die Radwege mit einem Rennrad fahren würdest, wärst du anderer Meinung! Die meisten verdienen die Bezeichnung Radweg gar nicht . :-((

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tinafritz1992 02.10.2013, 17:55
@blondie1705

IN der Stadt ist es ja OK, aber zwischen den einzelnen Stadtteilen :-(( Für so was haben die Kommunen doch kein Geld.

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rx3750 03.10.2013, 13:30

Entspannter vielleicht, für den Radfahrer aber nicht Sicherer!

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tinafritz1992 04.10.2013, 13:33
@rx3750

Doch auch sicherer. Du wirst nämlich von den Autofahrern eher wahr genommen, als auf dem Radweg.

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rx3750 04.10.2013, 23:39
@tinafritz1992

Blondie fragte, ob es nicht sicherer sei, auf dem Radweg zu fahren. Bitte meinen Kommentar noch einmal lesen :-)

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Cranberry42 05.01.2014, 08:50

Blondie, man merkt schon ziemlich deutlich, dass Du nicht oft Fahrrad fährst.

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Nun ja,

ein Thema, wo sich alle aufregen könnten.

Da ist ein eingefleischter Radfahrer, der auf "sein Recht" pocht, und der einfache, andere Verkehrsteilnehmer, der nur einfach, in Ruhe fahren will.

Mein Beispiel:

Ich fahre mit meinem Pkw. Versuche mich an die Verkehrsregeln zu halten, was meist gelingt.

Nun will ich nach recht´s abbiegen. Sehe im Spiegel, auch schon vorher, einen Radfahrer. Da dieser beide Hände am Lenker hat, gehe ich davon aus, das er gerade aus fahren will. Also warte ich.

Und was macht er, er fährt recht´s rum. Ich habe als umsonst aufgepaßt, gewartet usw.

Wenn mir das mehrmals passiert, könnte ich eigentlich beim nächsten abbiegen einfach rumfahren. Das Geschrei möchte ich dann hören.

Aber, das sind die Momente, wo ich ausrasten könnte.

Also, ich bin Fußgänger, Radfahrer Autofahrer, und was es sonst noch so bewegt.

Es geht doch allgemein um das "MIteinander", das defensive Fahrverhalten.

Gruß

Nur wenn er gekennzeichnet ist aber ich würde ihn auch so immer benutzen.

Die Radwegbenutzungspflicht ist entfallen. Fahrräder sind Fahrzeuge, und dürfen selbstverständlich die Fahrbahn benutzen (umgangssprachlich 'Straße' genannt).

Diesem Autofahrer hätte ich die Hammelbeine langgezogen.

Selbstverständlich.

Der Radweg ist eben genau dazu da, um die Straße von den Fahrrädern frei zu halten und auch dazu, den Fahrradfahrer vor Unfällen zu schützen.

Einzige Ausnahme: Wenn der Radweg unbefahrbar ist (große Schlaglöcher, etc.) darf ausnahmsweise auf der Straße gefahren werden.

TramuntanaUxia 03.10.2013, 06:26

Hebelwirkung, Du unterliegst einem Irrtum.

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Wie war denn der Radweg gekennzeichnet, also mit welchem konkreten Verkehrszeichen?

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