Muss ich reagieren?

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2 Antworten

Um die Frist muss man sich normal keine Sorgen machen, aber man sollte einmal per Einschreiben und Rückschein, sowie Kopie des Schreibens, die Forderung bestreiten und den behaupteten Vertrag hilfsweise (ohne damit einen Vertragsschluss einzugesteheh) wegen Irrtum und arglistiger Täuschung anfechten. Die Möglichkeit zum Anfechten ist befristet, daher sollte man es beweisen können, dass man es getan hat. Dieser Inkassoladen ist, wenn man sich die Urteile (großteils aus Klagen angeblicher Nutzer gegen die Betreiber von Neppseiten, außerdem teils unvollständig) anschaut, doch recht einschlägig.

Wenn sich die Zugehörigkeit der Mailadresse bestreiten lässt und der Anmelderechner keine feste IP mit öffentlich sichtbarer Zuordnung hatte (z.B. hinter registrierter Firmendomäne), kann man auch bestreiten, dass man überhaupt auf der Seite gewesen ist (aber erst vor Gericht, wenn's dazu kommt, vorher mit Anwalt absprechen).

Kurze Frage zum Selbständigsein: das war auch wirklich zu gewerblichen Zwecken (z.B. Weiterverkauf der angebotenen Waren), oder? Wenn die Tätigkeit gar nicht zu den Waren passt, könnte man auch auf Verbraucherrolle setzen und sagen, dass man nur nebenher privat abends auf solchen Seiten surft. Zumindest kann man's behaupten, dass man Verbraucher sei (und auch gleich hilfsweise widerrufen). Wenn es so wäre, wären deren Chancen vor Gericht und damit auch die Klagewahrscheinlichkeit noch viel geringer (dadurch, dass sich jemand als "Gewerbetreibender" anmeldet, ist er noch lange nicht einer....).

Es gibt Zugangswege auf Melango, bei denen wird nirgendwo ein Preis angezeigt, allenfalls ein kurzer Text, in dem einzelne Wörter Links (auf AGB/Preise) sind, die aber nur erkennbar sind, wenn der Mauszeiger darüber zur Hand wird, ohne Mausbewegung also gar nicht. In den AGB selbst stehen keine Preise. Da gibt es auch Videos im Internet, und wenn man mit ein paar Leuten auf der Seite rumsurft, wird man auch fündig, die können dann das Ganze ggf. beschwören. Wenn man die Täuschung notfalls (Klagen sind nicht sehr wahrscheinlich) belegen muss, sehe ich auch für Gewerbetreibende eine Chance auf erfolgreiche Anfechtung - die Details muss aber ein Anwalt ausarbeiten.

Insgesamt ist das Risiko, von solchen Seitenbetreibern und ihren Inkassos verklagt zu werden, wohl eher gering, ein paar Leute verklagen sie wohl, einige wenige werden tatsächlich verurteilt (die Urteile dann als Trophäenurteile auf die Website gestellt). Das Kostenrisiko einer Klage wären im schlimmsten Fall einige 100 Euro zusätzlich, bei einer Forderung von fast 500 sollte man sich da nichts kampflos hergeben (meine Meinung). Am wahrscheinlichsten ist, dass man mit immer weiteren, immer schärferen Drohungen belästigt wird, bis die es irgendwann lassen. Wahrscheinlich hat man nach erfolgtem Widerspruch auch Unterlassungsanspruch (dann müssten die sofort Mahnverfahren/Klage einleiten und dürfen nicht weiter drohen).

Trotzdem muss, auch bei unseriösen Unternehmen und Inkassos, mit solchen Sachen wie gerichtl. Mahnbescheid oder Klage gerechnet werden. Manchmal spekulieren die darauf, dass Leute den Widerspruch gegen den Mahnbescheid versäumen oder sich vor Gericht nicht qualifiziert verteidigen (lassen) und dann auch absolute Schrottforderungen rechtsgültig werden.

Am besten wäre es, wenn Sie sich einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen. Reagieren müssen Sie sowieso erst wenn Sie Gerichtspost erhalten. Das die Melango.de GmbH erst auf das ihr vermeintlich zustehende Geld bestehen und dann einen Vergleich anbieten, halte ich für äußerst unseriös. Selbst sat1 berichtete einst über diese Firma und ihre Machenschaften. Eine seriöse Firma hätte seit dem 17.02.2011 bis heute schon lange einen gerichtlichen Mahnbescheid erlassen.

Gruß,

Sorush

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