Muss ich 40 Überstunden leisten bei einer 75% Stelle?

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3 Antworten

Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, länger als vertraglich vereinbart zu arbeiten, wenn es nicht dringende betriebliche Notwendigkeiten gibt, die die Anordnung von Mehrarbeit/Überstunden (und die Verpflichtung der Arbeitnehmer, sie zu leisten) rechtfertigen!! Das gilt auch dann, wenn er sich arbeitsvertraglich zur Lesitung von Überstzunden verpflichtet hat.

Zu den "dringenden betrieblichen Notwendigkeiten" gehören nicht schon alleine organisatorische Probleme des Arbeitgebers oder personelle Engpässe bei Urlaub oder Krankheit (oder überhaupt), sondern es muss sich um "Notfälle" handeln: - ein Lager mit empfindlichen Lebensmitteln muss wegen ausgefallener Kühlung umgeräumt werden; - ein für den Betrieb überlebenswichtiger Auftrag kann nur mit Überstunden erledigt werden; - ein Produktionsprozess würde ohne Überstunden unterbrochen und hätte unverhältnismäßig hohe Kosten zur Folge; - die Folgen einer Überschwemmung, eines Brandes sind nur mit Überstunden zu bewältigen usw.

Gibt es einen Betriebsrat, dann kommt noch hinzu, dass der Arbeitgeber Überstunden nur mit dessen Genehmigung anordnen darf - die dann für die Arbeitnehmer aber zwingend verbindlich sind.

Nur unter diesen Voraussetzungen darf ein Arbeitgeber Überstunden verlangen - gleichgültig, ob es dazu eine Verpflichtung im Arbeitsvertrag gibt oder nicht; und der Arbeitgeber hat dabei immer die berechtigten privaten Interessen der Arbeitnehmer zu berücksichtigen und mit den betrieblichen Interessen abzuwägen (Anordnung von Überstunden "nach billigem Ermessen"); die Berufung alleine auf sein Direktionsrecht ist keine Legitimation.

Bei Teilzeitbeschäftigten (wie bei Dir) kommt für den Arbeitgeber erschwerend hinzu, dass sie in der Regel bewusst nur einen geringeren als den üblichen Teil ihrer Arbeitskraft dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen wollen, was dem grundsätzlichen Verlangen nach der Leistung von Überstunden in besonderem Maße entgegen steht!

So weit die rechtliche Situation, wann Überstunden zu leisten sind und wann nicht. Es gibt dazu keine spezielle Gesetzgebung, sondern diese "Bestimmungen" beruhen auf der Praktizierung von Richterrecht, also der Rechtsprechung.

Nebenbei:

Zur Frage der Entgeltung gilt, dass der Arbeitgeber grundsätzlich immer dann zur Entgeltung (finanziell oder durch Freizeit) von Überstunden verpflichtet ist, wenn er sie ausdrücklich angeordnet oder sie - bei freiwilliger Erbringung - ausdrücklich geduldet hat oder eine erwartete Aufgabererledigung Überstunden (ohne ausdrückliche Anordnung) erfordert.

Die Pflicht zur Entgeltung entfällt nur dann bis zu einer bestimmten Anzahl von Mehrarbeitsstunden, wenn im Arbeitsvertrag eine Regelung vereinbart worden ist, wonach die Leistung von genau dieser Anzahl von Mehrarbeitsstunden mit der vereinbarten Entlohnung bereits abgegolten sein soll.

Das ist die rechtliche Seite; inwieweit Du Dich damit gegenüber Deinem Arbeitgeber durchsetzen kannst, ist natürlich eine ganz andere Sache: "Recht haben und Recht bekommen ...".

Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab. Ungewöhnlich klingt das für mich nicht.

120 Stundenvertrag

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Das hängt von deinem Arbeitsvertrag ab.

Nein, das hängt nicht vom Arbeitsvertrag ab, sondern alleine davon, ob die Überstunden betrieblich zwingend notwendig sind und deren Anordnung damit gerechtfertigt ist (bei einem Betriebsrat: ob er zugestimmt hat)!

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@Familiengerd

Nur als Beispiel: Ich arbeite im Rahmen eines Arbeitzeitkontos, da sind bis zu 200 Plusstunden zu leisten, wenn es betrieblich notwendig ist. Wenn Arbeit da ist, die gemacht werden muss, ist diese Notwendigkeit immer gegeben. Überstundenzuschlag gibt es lediglich für darüber hinaus gehende Überstunden, also ab der 201. Ü- Stunde. Man muss also schon auf die vertraglichen Vereinbarungen achten. Zustimmung Betriebsrat?!? Da kann ich doch nur lachen. Die nicken doch alles ab, was als "notwendig" deklariert wird.

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40 Überstunden im Jahr, im Monat, in der Woche oder pro Tag?

Im Monat

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@Paprikamix

Kommt auf den Arbeitsvertrag an. Scheint mir nicht ungewöhnlich.

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@Paprikamix

Nein, nicht auf die Stunden laut Arbeitsvertrag, sondern ob lt. Vertrag "angeordnete Mehrarbeit zu leisten" ist oder nicht.

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@AchimP

Kommt auf den Arbeitsvertrag an.

Auch bei Dir, wie bei der Antwort von bibi8888:

Nein, das kommt nicht auf den Arbeitsvertrag an, sondern alleine darauf, ob die Überstunden betrieblich zwingend notwendig sind und deren Anordnung damit gerechtfertigt ist (bei einem Betriebsrat: ob er zugestimmt hat)!

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@Familiengerd

Quelle?

http://www.hensche.de/Ueberstunden_Arbeitsrecht_Ueberstunden.html#tocitem3

Sind Sie verpflichtet, auf Anweisung Ihres Arbeitgebers Überstunden zu leisten?

Nein, das ist im Allgemeinen nicht der Fall. Das Weisungsrecht (Direktionsrecht) berechtigt den Arbeitgeber nicht dazu, vom Arbeitnehmer Überstunden zu verlangen.

Auf welcher Rechtsgrundlage sind Arbeitnehmer zu Überstunden verpflichtetet?

Wenn man als Arbeitnehmer im Allgemeinen nicht dazu verpflichtet ist, auf Anweisung des Arbeitgebers Überstunden zu leisten, fragt sich, wieso dann landauf landab Überstunden gemacht werden. Ist das alles illegal?

Nein, natürlich nicht, denn Überstunden sind (abgesehen von der extrem seltenen Notfallsituation) auch unter folgenden Umständen rechtens:

Einzelvereinbarung: Sie einigen sich mit Ihrem Arbeitgeber im Einzelfall darauf, dass Sie länger arbeiten.

Arbeitsvertrag: In Ihrem Arbeitsvertrag ist eine Überstundenklausel enthalten, die Ihren Arbeitgeber dazu berechtigt, einseitig nach seinem Ermessen Überstunden anzuordnen.

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