Muss eine LRS nicht mehr berücksichtigt werden?

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4 Antworten

In NRW gilt der Erlass "Förderung von Schüler(innen) bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS)" vom 19.7.1991. Danach können auch für Schül. in Kl. 7-10 noch Fördergruppen (auch schulübergreifend) eingerichtet werden. Es gelten zur Leistungsbeurteilung für die Kl. 3 bis 6, in "besonders begründeten Einzelfällen auch in den Klassen 7 bis 10" besondere Bestimmungen ("kann"-Best.) wie z. B. eine andere Aufgabe stellen; mehr Zeit einräumen; von Benotung absehen und ermutigende Bemerkung schreiben; Vokabelkenntnisse nicht schriftlich, sondern mündlich abfragen; weiter heißt es: "Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in einem anderen Fach mit einbezogen." (4.1) Bei Zeugnissen ist der Anteil des Rechtschreibens bei der Bildung der Note im Fach Deutsch zurückhaltend zu gewichten. Bei der Versetzung dürfen die Rechtschreibleistungen nicht den Aussschlag geben. Sie sind auch nicht zwingend ein Hinderungsgrund für den Übergang zur Realschule oder zum Gymnasium. Eine ausführliche Benachrichtigung der Eltern ist vorgeschrieben. Soweit die "Erlasslage" in NRW. Entsprechende Bestimmungen dürfte es auch in den anderen Bundesländern geben. Also: So ganz stimmt das mit dem Ermessen nicht, wenn LRS (DAS IST KEINE KRANKHEIT! Es handelt sich um Schüler(innen) mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben!) festgestellt wurde und Fördermaßnahmen laufen oder liefen. Gänzlich unsinnig ist es, solche Schül. ein Diktat mit schreiben zu lassen; da ist doch klar, was "rauskommt", das ist ja fast eine Bestrafung! Hier müsste eine Alternative gefunden werden, oder die Schül. schreiben das Diktat nicht mit. Ich würde mich nach den geltenden Bestimmungen erkundigen; ob eine Note dann nachträglich annulliert werden kann, halte ich für theoretisch möglich.

Ich hatte ein Jahr lang zwei Schüler mit LRS (9. Klasse) und hab die differenziert beurteilt, das heißt, während ich der restlichen Klasse das Diktat vorgelesen habe, durften sie den Text abschreiben. Besser als "ausreichend" waren sie aber trotzdem nie, ich war schon froh, wenn sie das geschafft hatten.

Nichtsdestotrotz war es für sie schon eine Leistung, einen Text mit (vergeichsweise) wenigen Fehlern abzuschreiben. Ich denke auch nicht, dass das den anderen Kindern gegenüber unfair war, hat sich auch niemand beschwert.

Was bringt es, sie ein Diktat mitschreiben zu lassen, wenn ich (und sie selbst) doch vorher schon weiß, dass es nicht besser als "ungenügend" wird.

Auf jeden Fall sollte man als Lehrer darauf Rücksicht nehmen, das ist eine Krankheit, die sich die Betroffenen auch nicht audgesucht haben. Allerdings heißt das für mich nicht, dass ich sie schone oder sie etwas nicht lernen oder üben müssen, ich bewerte ihre Leistung nur anders (halt ihren Möglichkeiten angemessen).

...das finde ich total OK wenn man es so berücksichtigt, meine Tochter geht in die 9. Klasse Realschule und hat LRS sie haben ein Diktat geschrieben und sie hat eine glatte sechs bekommen, nicht sehr aufbauend für das Kind...kann ich im nach hinein noch etwas gegen die Benotung machen?

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@clou66

Leider und unverständlicherweise liegt die Bildungshoheit bei den Ländern, nicht beim Bund, von daher kann ich dir nicht genau sagen, welche Möglichkeiten du hast.

Im Legasthenie-Erlass Schleswig-Holstein heißt es beispielsweise:

"Ihre [der Schüler mit LRS] Diktate werden nicht im Klassenmaßstab, sondern entsprechend dem individuellen Leistungsfortschritt des Schülers verbal bewertet. Bei Aufsätzen, Mahematikarbeiten und in Sachfächern dürfen Rechtschreibfehler nicht mitbewertet werden. Bei der Bewertung von schriftlichen Arbeiten in den Fremdsprachen ist die Lese-Rechtschreibschwäche zu berücksichtigen. Sprach- und Sachrichtigkeit bei schriftlichen Arbeiten und mündliche Leistungen bestimmen die Gesamtzensur."

und weiter:

"Auch nach der Orientierungsstufe [d.h. nach Klasse 6] wird sich bei einer Reihe von Schülern die Lese-Rechtschreibschwäche noch deutlich auswirken Es gelten die Regelungen von Ziff. 2.4.1, 2.4.2 und 2.4.3 über die Feststellung und die Bewertung der Rechtschreibleistung entsprechend. Diese gelten jedoch nur solange, bis durchgehend mindestens mit "ausreichend" zu bewertende Rechtschreibleistungen erzielt werden."

Ich würde an deiner Stelle nochmal versuchen, mit der Lehrkraft zu reden, über den Ausgang des Gespräches kann ich jedoch keinerlei Prognosen anstellen. Frag' doch mal, ob es, wenn es schon nicht möglich ist, die Note zu ändern, möglich wäre, dass deine Tochter das nächste Diktat auch abschreibt, anstatt es diktiert zu bekommen. Ansonsten kann ich dir leider auch nicht weiterhelfen.

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Ob es richtig ist, weiß ich nicht, aber wenn es richtig wäre, fände ich das unfair, denn die LRS ist doch nicht plötzlich in der 7. Klasse verschwunden!! Das würde ja heißen, wenn dem Lehrer "die Nase des Schülers nicht gefällt", dann gibts schlechte Niten, ist er ihm sympathisch, dann wird geholfen bzw, anerkannt! Das gibt doch keinen Sinn!!!

Uns wurde gleich am ersten Elternabend auf der weiterführenden Schule gesagt, dass die Kinder in der ersten Woche mehreren Tests zur LRS unterzogen würden. Die Eltern würden von der Schule bei positiver Testung informiert und hätten dann geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Ab Klasse 8 könne auf die LRS- Kinder keine Rücksicht mehr genommen werden. Ich gebe zu, ich war sehr froh, dass meine Tochter keine LRS hat. Den Kindern gegenüber halte ich das für eine Kathastrophe.

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