Muss der Sinn des Lebens metaphysisch bzw nicht metaphysisch sein?

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6 Antworten

Atheisten z.B. können einen Lebenssinn ja nicht metaphysisch, sondern nur innerhalb unserer Erfahrungswelt, rein irdisch sozusagen,“lebensimmanent“, suchen. Sie stellen sich auf den Standpunkt: ich bin nun mal in dieses Leben hineingekommen und weiß nicht, warum. Also muss ich das Beste daraus machen. Der Selbsterhaltungstrieb zwingt mich dazu. Dieses „Das Beste daraus machen“ ist für den Atheisten dann der lebensimmanente Sinn.


Er findet ihn am besten bei den Philosophen; z.B. bei Aristoteles' Glückseligkeitslehre (s. seine „Nikomachische Ethik). Ich persönlich würde, falls ich Atheist wäre, mich an Pindars Satz „Werde, der du bist“ halten: In mir ruhen eventuell Talente, Fähigkeiten. Die muss ich aufspüren und dann zur höchstmöglichen Entfaltung bringen. Gelingt mir das, d.h. lag ich richtig in der Annahme, dass ich in die Welt kam, um – sagen wir – ein besonders tüchtiger Handwerker, Arzt, Lehrer, Architekt, Klavierspieler etc. zu werden, so kann ich mit viel Genugtuung, Zufriedenheit, Anerkennung rechnen, ja ich kann sogar glücklich werden. Darin kann ich den (lebensimmanenten) Sinn meines Daseins sehen.

Auch auf Nietzsches Lehre vom „Willen zur Macht“ kann ich zurückgreifen (Nietzsche war ja ein erklärter Atheist): Die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem, und ihr alle seid Wille zur Macht und nichts außerdem, sagte er in seiner späten Phase; „Macht“ als die Eigenschaften im Menschen verstanden, die ihn stark, eben „mächtig“ machen (Talente, Fähigkeiten usw.); der „Wille“ ist die Energie, diese Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.
Nietzsche meinte hierzu, dass der Mensch, der unbeirrt diesen „Willen zur Macht“ in sich zur Geltung bringt, glücklich werden kann, Glück nicht als „Weideglück der Lämmer“ verstanden, sondern als heroisches Leben mit viel Genugtuung.



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Man könnte auf jeden Fall sagen, das wird in der Philosophie kontrovers diskutiert. Beispiele dafür haben ja hier Kollegen schon angeführt.

Meiner Meinung nach liegt aber das Problem schon in der sprachphilosophischen Bedeutung des Wortes "Sinn", was leider gar nicht so simpel ist, wie es zunächst scheint. Frege hatte sich dazu Gedanken gemacht:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_Sinn_und_Bedeutung

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Nein, muss nicht. Metaphysisch ist es z.B. bei Kierkegaard oder den Kirchenphilosophen der Scholastik. Nicht metaphysisch ist es bei den bekennenden atheistischen Philosophen wie Camus, Jean Paul Sartre, aber auch Popper oder Albert. Es gibt genügend Philosophen, die Lebenssinn nicht außerhalb unserer Erfahrung ansiedeln. Nicht metaphysisch ist Lebenssinn z.B. bei Epikur und die Stoa ist ein Streitfall. Ich würde auch bei der Stoa NEIN sagen. Auch Aristoteles ist im Gegensatz zu Platon ein Streitfall.

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Nicht unbedingt. Der Sinn des Lebens an sich ist es, das Leben zu erhalten (also Fortpflanzung). 

Aber der Sinn, nach dem hier gefragt wird, ist der subjektiv wahrgenommene Sinn des Lebens, wie ihn jedes Individuum haben sollte. Ich zum Beispiel lebe, weil ich noch was zu tun habe. Diese Sache ist durchaus physischer Natur. Für eine andere Person kann es aber auch etwas metaphysisches sein. Wie gesagt, es ist für jeden Menschen etwas anderes.

Und ein "sinnvolles Leben" gibt es als solches nicht, denke ich. Denn außer, dass wir uns selbst erhalten, erfüllen wir im Universum keinen besonderen Zweck. Natürlich in kleineren Maßstäben gedacht, ist ein sinnvolles Leben eins, dass das Leben mehrt, denn wie oben schon genannt, ist der Zweck des Lebens die Erhaltung des Lebens.

Gruß Than

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hallo1997 17.06.2017, 13:36

Danke für die schnelle und gute Antwort :)

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Da der Sinn des Lebens nicht Gegenstand der Physik sein kann (es gibt ja kein Messgerät, das ihn registrieren oder gar quantifizieren könnte), kann er nur etwas Metaphysisches sein.

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