Muss bei einem Mord der Tod des Opfers vom Täter beabsichtigt sein?

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9 Antworten

Ja, für die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag ist irrelevant, ob der Täter sein Opfer umbringen möchte oder nicht.

Such mal nach den Mordmerkmalen. Absoluter Vorsatz bzgl. der Tötung gehörte noch nie dazu.

Weltweitnetzer 27.02.2017, 18:33

Interessant. Ist "absoluter Vorsatz" der Fachbegriff um den "Vorsatz", wie ich ihn im Artikel verwendet habe (Wissen und Willen zum möglichen Taterfolg) explizit vom "bedingten Vorsatz"  (Wissen vom möglichen Taterfolg) abzugrenzen? Gibt es im StGB Tatbestände, die einen absoluten Vorsatz erfordern?

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sebastianla 27.02.2017, 18:35
@Weltweitnetzer

Die Begriffe existieren in erster Linie, um klarzustellen, dass eben bedingter Vorsatz auch schon Vorsatz ist.

Es gibt im StGB ein paar Paragraphen, die Formulierungen wie "in der Absicht, zu..." enthalten.

Beispiel: Betrug.

Dazu kenne ich mich in der Justerei zu wenig aus, um sagen zu können, ob man diese Formulierung so verstehen muss, dass absoluter Vorsatz gefordert ist.

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Weltweitnetzer 27.02.2017, 18:51
@sebastianla

Danke für die Klarstellung und die Beispiele. Wieder was gelernt. Bleibt nur zu hoffen, dass ich das neu gewonnene Wissen nie benötigen werde. - Außer zum klugscheißen, versteht sich ;)

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Am einfachsten ist die Erklärung bei Wikipedia:

Bei der bewussten Fahrlässigkeit kennt der Täter zwar die Gefahr, er vertraut aber (ernsthaft) darauf, dass nichts passieren wird. Beim Eventualvorsatz nimmt der Täter die Verwirklichung der Gefahr in Kauf. Anders gesagt: Bei bewusster Fahrlässigkeit sagt sich der Täter: „Es wird schon nichts passieren.“ Bei Eventualvorsatz sagt er sich dagegen: „Ich hoffe zwar, dass nichts passiert, falls aber doch, so geschieht es eben.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Eventualvorsatz

Ein anderer Erklärungsversuch: Bein Eventualvorsatz provoziert der Täter eine Gefahr für Dritte, die über (grobe) Fahrlässigkeit hinausgeht.

Alternative: Der Täter zielt zwar nicht auf den Taterfolg ab, nimmt ihn aber bewußt und billigend in Kauf.

An einem anderen Fallbeispiel: Roland E. aus Unterschlaichach feuerte in der Silvesternacht 2015/16 mehrere ungezielte Schüsse auf Nachbarn ab, da er sich durch den Lärm gestört fühlte. Die 11jährige Janina wurde dabei tödlich am Kopf getroffen.

Auch hier erkannte das Gericht auf Mord, da a) niederer Beweggrund und b) die Schüsse zwar nicht gezielt waren (der Täter also nicht vorsätzlich den Tod des Mädchens wollte), er aber die Gefährlichkeit einer Schußwaffe kannte und er einen Treffer billigend in Kauf nahm.

Zitat: "Ihm war klar, dass ein Schuss mit dieser Waffe jederzeit eine tödliche Wirkung haben konnte"

http://www.infranken.de/regional/bamberg/Fall-Janina-Todesschuetze-muss-fuer-12-Jahre-und-6-Monate-ins-Gefaengnis;art212,2423334#no_accepted

Übertragen auf den aktuellen Fall: 

- Der Fahrer handelte aus niederen Beweggründen (Sieg bei einem illegalen Rennen)

- Die Gefahr, ein Fahrzeug mit 170 km/h innerhalb einer Stadt zu bewegen, geht weit über Fahrlässigkeit hinaus

- Beim Queren von mehreren roten Ampeln nahm der Fahrer auch bewußt und billigend einen möglichen Unfall in Kauf.

Kurz: Das Urteil ist durchaus nachvollziehbar, auch wenn der Fahrer nicht vorsätzlich den Tod des Opfers wollte. Ob das Urteil in den höheren Instanzen Bestand hat, wird sich zeigen.

P.S: Meine persönliche Meinung: Ich finde das Urteil gut, in solchen Fällen greift Fahrlässige Tötung bzw. Körperverletzung mit Todesfolge nicht weit genug.

Weltweitnetzer 27.02.2017, 19:32

Danke für die ausführliche Erläuterung. Gerade mit Blick auf Fallbeispielen, wie Roland E. erscheint mir der Verzicht auf einen Tötungswillen bei der Definition eines Mordes auch sinnvoll.

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Hört sich sehr nach dolus eventualis (bedingter vorsatz). In diesem Fall nimmt die Person durch sein Verhalten billigend in Kauf, dassjwmand sterben könnte, also ist der Vorsatz auch vorhanden. Wäre jetzt meine Begründung.

Es muss ein subjektives ODER ein objektives Mordmerkmal vorliegen.

Es ist eben dieser "bedingte Vorsatz". Und damit die Frage: Was ist fahrlässig, bis wie viel km/h, bis wie viel überfahrene Ampeln hat man einfach nicht gut genug nachgedacht, und ab wann ist man so "abgeklärt" und ist sich der Risiken so bewusst, dass man den Tod eines Menschen wohlwollend in den Kauf nimmt. 

Nichts desto trotz will der Anwalt wohl auf Berufung einlegen, da der Fall eben ein sogenannter "Präzedenzfall" ist.

Du interpretierst hier den Vorsatztatbestand falsch. 

Der Fahrer fährt hier vorsätzlich ein Autorennen. Er handelt aber nicht in dem Vorsatz, jemanden zu töten. 

Ich hoffe, du erkennst den Unterschied. 

Weltweitnetzer 27.02.2017, 18:20

Nein, das ist falsch. Er wurde wegen Mordes verurteilt. Folglich muss ihm ein (bedingter) Vorsatz zum Töten eines Menschen nachgewiesen worden sein.

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Er hat den Tod von Menschen "Billigend in Kauf genommen". Die Tötung muss NICHT "geplant" sein.

Die Todesfahrer haben den Tod des Unbeteiligten "billigend in Kauf genommen". Also haben gewusst, dass so etwas passieren KANN.

Bei Mord schon, bei Totschlag nicht. Bei Rennen auf der Straße wird er billigend in Kauf genommen. Ist also auch Mord.


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