musiklalische merkmale des grunge

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4 Antworten

Grunge entstand etwa Mitte der 1980er in Seattle und Umgebung, als Bands wie Green River, Melvins, Soundgarden, Skin Yard und Malfunkshun - begünstigt durch die relative Abgeschiedenheit des pazifischen Nordwestens der USA - aus den Einflüssen Punk, Hardcore, Garagenrock, Metal und Siebziger-Hardrock einen eigenständigen Musikstil entwickelten. Grunge blieb zunächst ein auf Seattle begrenztes Phänomen und wurde durch lokale Radiostationen und kleine Indielabels wie C/Z Records oder Sub Pop allmählich zu einer festen Größe.

Bis etwa 1990 entwickelten sich einige Bands weiter und konnten teilweise bereits Plattenverträge mit großen Labels abschließen (z.B. Soundgarden, Alice in Chains, Screaming Trees oder die aus Malfunkshun und Green River hervorgegangenen Mother Love Bone), während Gruppen wie Mudhoney, Tad, The Thrown Ups oder Love Battery eher Geheimtipps blieben. Textlich beschrieben viele der Bands die Schattenseiten des Daseins, ob Depressionen, Drogen, Tod oder eine schlimme Kindheit. Dieses Image des Depri-Rocks wurde später zum Zerrbild eines Musikstils, dessen Musiker jedoch viel Wert auf ausgelassene und energiereiche Liveshows legten und - wie zum Beispiel Mudhoney oder Nirvana - großen Spaß an der Musik hatten.

1991 bis 1992 wurde Grunge dann zum globalen Phänomen und gigantischen Medienhype, als die relativ junge Band Nirvana mit ihrem zweiten Album "Nevermind", maßgeblich befördert durch die Single "Smells Like Teen Spirit", Platz 1 der US-Charts erreichte und sich millionenfach verkaufte. Wenig später erlangten auch Pearl Jam (die sich nach dem Ende von Mother Love Bone gegründet hatten, als deren Sänger Andy Wood 1990 den Drogentod gestorben war) mit ihrem Debütalbum "Ten" Superstarstatus; auch Alice in Chains und Soundgarden stießen mit ihren Alben "Dirt" bzw. "Badmotorfinger" um 1992 in den Platinbereich vor. Infolgedessen richtete die Musikindustrie ihre volle Aufmerksamkeit auf den bis dato fast komplett Underground-orientierten Rock-Standort Seattle und bot zahlreichen Bands große Vorschüsse an, in der Hoffnung, dabei auf den nächsten Megaseller der Marke Nirvana zu stoßen.

Dieses Konzept scheiterte aber letztlich, denn durch die aufgeblasene Marketingmaschinerie und den Druck, erfolgreiche Alben produzieren zu müssen, scheiterten die meisten Bands der Szene. Zudem waren zahllose unbekannte Bands von außerhalb nach Seattle gezogen, um dort das große Los eines Majorlabel-Plattenvertrags zu ziehen. Für die etablierten Grungebands und ihre Frontmänner wie Kurt Cobain von Nirvana, Eddie Vedder von Pearl Jam, Chris Cornell von Soundgarden und Layne Staley von Alice in Chains bedeutete es ebenfalls eine enorme Last, als Heilsbringer und Pop-Idole der sogenannten "Loser-Generation X" dazustehen, was viele von ihnen mit verstärktem Drogenkonsum, totaler Zurückgezogenheit oder beidem beantworteten.

Das symbolische Ende des Grunge fällt auf den 5. April 1994, als Kurt Cobain sich mit einer Schrotflinte den Kopf wegschoss (bis heute existieren Verschwörungstheorien, die Cobains Ehefrau Courtney Love - Sängerin bei der Band Hole - für seinen Tod veantwortlich machen) und auch der Hype um Grunge bereits am Abflauen war. Viele andere Grungebands lösten sich im weiteren Verlauf der Neunziger auf, lediglich Pearl Jam und Mudhoney bestehen bis heute ohne zwischenzeitliche Auflösung. Alice in Chains-Sänger Staley starb nach jahrelangem Drogenmissbrauch 2002, jedoch ist die Band seit 2005 mit dem neuen Sänger William Duvall wieder aktiv. Soundgarden hatten sich ebenfalls 1997 aufgelöst und haben sich 2010 wiedervereinigt.

Das musikalische Erbe des Grunge nahmen Bands wie Bush, Silverchair, Stone Temple Pilots, Creed, 3 Doors Down, Nickelback oder Puddle of Mudd auf, die mit ihrer oftmals geglätteten und radiotauglichen Form des Grunge ebenfalls Millionen von Platten verkauften.

Zum Abschluss zehn wichtige Bands und Platten, die in jede Grunge-Sammlung gehören:

  1. Nirvana - Nevermind
  2. Soundgarden - Badmotorfinger
  3. Mudhoney - Superfuzz Bigmuff
  4. Tad - 8-Way Santa
  5. Love Battery - Dayglo
  6. Screaming Trees - Sweet Oblivion
  7. Pearl Jam - Ten
  8. Alice in Chains - Dirt
  9. Temple of the Dog - Temple of the Dog
  10. Singles (Soundtrack zum Film, auf dem zahlreiche wichtige Grungebands vertreten sind)

Falls noch mehr musikalische Details vonnöten sind: Gruppen wie Green River oder Mudhoney waren eher vom Punkrock beeinflusst, Nirvana auch von Indierock wie Pixies und Hüsker Dü sowie klassischem Pop wie den Beatles. Pearl Jam gingen zunächst in die Siebziger-Hardrock-Schiene und wiesen später auch Einflüsse aus Folk, Noise und Country auf, während Soundgarden stark im Heavy Metal verwurzelt waren, dabei aber auch Punk, Hardrock und experimentelle Elemente verarbeiteten. (Insbesondere die außergewöhnliche Stimme von Chris Cornell hat immer wieder zu Vergleichen mit Led Zeppelins Robert Plant geführt, was die Band aber stets von sich gewiesen hat.) Alice in Chains hatten eine Vergangenheit als Glam-Metal-Band, die in frühen Songs der Band (z.B. Put You Down von "Facelift") noch durchscheint und zeichneten sich besonders durch die Vokalharmonien von Layne Staley und Gitarrist Jerry Cantrell aus. Bands wie Love Battery und die Screaming Trees orientierten sich teilweise ebenfalls in Richtung Psychedelic Rock oder Shoegaze (mit sich wiederholenden, verhallten Gitarrenflächen).

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kurt cobain hat den grunge erst richtig populär gemacht.

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