Musik und Zensur in der DDR?

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Moin Moin,

also, Texte (die DDR-Bands haben ja fast durchgängig in deutscher Sprache gesungen), wurden vorher von einer Kommission abgenommen. Kritische Sachen waren da meist nicht gefragt, also wurden die Texte oft stark verklausuliert. Meister dieses Faches waren auf der Profi-Ebene wohl Silly, City, Pankow und Karrussell.

Wer sich nicht dran hielt, bekam schon mal ein Spielverbot (das bekannteste Beispiel ist wohl Renft, aber auch Freygang spielten dann jahrelang nur in Kirchen, da diese halbwegs unabhängig waren).

Die etablierten Combos spielten allerdings meist unpolitische Texte, die von der Vergangenheit oder der Liebe handelten. Dies ist allerdings natürlich weltweit so. Politische Texte - die ja auch durchaus nicht immer schlecht waren - gab es aber auch zur Genüge. In Berlin fand in den 1980-ern jährlich das Festival "Rock für den Frieden" im PdR statt, für das zu großen Teilen friedensunterstützende Texte geschrieben wurden (Auszüge gibts auf LP).

In den 1980er Jahren verstärkte sich dann die Untergrund-Bewegung. Punkbands scherten sich nicht mehr um staatliche Vorgaben (z.B. L'Attentat aus Leipzig), sondern zogen ihr eigenes Ding durch, wurden aber auch häufig auf Kirchengelände "verbannt". Einige bekamen aber auch Aufmerksamkeit und durften sogar Musik im Studio einspielen. Meist waren das Aufnahmen speziell für den Rundfunk, die nicht in jedem Fall auf Vinyl gepresst wurden. Sandow oder Feeling B sind Beispiele für diese unangepassten Kapellen.

Ich bin Bj. 1959 und habe die Rockmusik der DDR noch sehr bewusst wahrgenommen und mich auch dafür interessiert. Meine musikalischen Interessen, was einheimische Musik anlangt, bezog sich natürlicherweise in erster Linie auf die Musik und weniger auf die Texte.

Ich konnte und kann z.B. mit den Puhdys oder Karat weniger anfangen, auf sinfonischer Strecke war ich - und bin ich immer noch - ein riesen Fan der Stern-Combo Meißen (außer die Pop-Phase mit Ralf Schmidt), ansonsten stand ich mehr auf die Hard Rock-Bands wie Prinzip (hör Dir mal auf YT "Sieben Meter Seidenband" an, aber die Rundfunkproduktion und nicht die weichgespülte Version von der LP "Feuer-Rock"), Berluc, Feuerstein, Prinzz, Transit um den Sänger Egon Linde - hat seinen Namen zu Recht, Transit-Konzerte bestanden fast nur aus Udo Lindenberg-Coverversionen -, Formel 1 u.ä.

Gut, nun habe ich nicht einen der von Dir gewünschten Unterpunkte genannt, Dir aber vielleicht einen kleinen Einblick in der Musikszene der ehemaligen DDR gegeben. Wenn Dich die Metal-Szene hierzulande interessiert, hätte ich da noch einen Link für Dich: http://www.ostmetal.de/

LG metalfreak311

Danke für deinen tollen Kommentar. Du hast übrigens etliche Bands genannt, die mir sehr gut gefallen!

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Hallo!

Ich würde die Reihe "Amiga Quartett" nennen ------> da wurden neben einigen einheimischen Acts zahlreiche in den 80ern erfolgreiche ausgewählte Westkünstler von Tony Christie und Roger Whittaker über Amanda Lear und Heinz Rudolf Kunze bis zu Jule Neigel oder Mel & Kim mit vier Liedern auf Platte gepresst und für 8,10 Ostmark verkauft. Die Serie lief mMn bis 1989 oder sogar 1990. 

Auch LPs von Westkünstlern wurden gelegentlich bei Amiga veröffentlicht. Ich habe etwa welche von Guesch Patti, Roger Whittaker, Engelbert und Udo Jürgens im Schrank. 

Da musste vorher allerdings das Liedprogramm genau durchgesehen & von den Obersten genehmigt werden. 

Hoffe ich konnte dir helfen :)

Woher ich das weiß:Hobby – Aus Spaß an der Freude!

Bibliotheken kennt ihr wohl nicht? Es gibt Literatur zum Thema.

Was nicht konform mit dem System ging, wurde verboten. Das klappte aber eben auch nur bis in die '80er hinein. Ca. 1986 wurde das Jugendradio DT64 modernisiert, um mit West-Sendern, die ebenfalls im Osten zu empfangen waren (RIAS, HR3 usw.), Schritt halten zu können. Ein Jahr später hatte DT64 eine Sendezeit von 20 Stunden.

Sendungen wie Parocktikum und Electronics wurden recht erfolgreich. Ende der '80er liefen dort Sachen, die bei den Sesselfurzern im ZK durchweg verpönt waren. Punk. Goth. EBM. Indie. Alternative. Vorher undenkbar.

In der DDR gab es kaum reguläre Tonträger von West-Bands zu kaufen. Wenn Du Glück hattest, gab es so 'ne Art "Anthologies", also Zusammenfassungen von Musiktiteln, deren Liedtexte zuvor nach Inhalten kontrolliert und als unbedenklich eingestuft wurden.

Außerdem gab es Bands, die es eigentlich nicht geben durfte. Die sogenannten "anderen Bands", die dem System nicht sonderlich freundlich gesinnt waren. Darunter waren Punk-Bands bzw. Bands, die gerne Punk sein wollten oder diesem zumindest nahestanden (Sandow, Feeling B, Die Firma, Die Vision usw.). 

Englisch war ebenfalls verpönt. Deshalb hatten viele Bands deutsche Namen und deutsche Texte. Puhdys, Karusell, Stern-Combo Meissen... Etliche von denen unterwarfen sich den Auflagen. Und manche von ihnen liebäugelten mit dem Regime. Bei der Jugend hatten die eher weniger Chancen. Zu altbacken, zu brav. Musik für Mutti und Papi, vergleichbar mit Udo Lindenberg und Maffay.

Wie gesagt, es gibt Literatur dazu. Das Thema ist umfangreicher als man denkt.

Wie PeVau, schon treffend geschrieben hat; Die Aufgabe ist recht schwammig Formuliert, um es nett auszudrücken.


Schau einfach mal bei Wikipedia vorbei und schau dir folgende Links an:

https://de.wikipedia.org/wiki/Musik_der_DDR
https://de.wikipedia.org/wiki/Spielerlaubnis

Aber das soll alles nicht heißen, dass es in der DDR nicht gute und vorallem auch politisch unabhänige Musik gegeben hätte. Grade Erfurt war eine bekannte Blues-Stadt und auch Punk und Metal waren der DDR nicht fremd. Ähnlich wie z.B. auch Prag den Jazz pflegte.

Bands wie Soilent Grün, nach einem US-Film benannt haben ihre DDR Vergangenheit sehr ausfühlich dokumentiert.

Auch MacBeth, ein Metal-Band in der DDR, haben auf ihrer Webseite, die DDR-Vergangenheit sehr gut dokumentiert. Teils sind auch die Stasi-Akten von damals veröffentlicht.

Zum Abschluss seinen noch Bands wie z.B. Schleimkeim genannt die Punk gespielt haben. Das war ein eher schwieriges Feld in der DDR.

Aber trozdem habe ich Amigaplatten von Modern Talking, den Beatles und einigen anderen Bands.

Als Erfurter muss dieses Lied jetzt aber sein.

https://youtube.com/watch?v=NPxyC82FlrU


Geile Mugge. Habe die CD mit dem kompletten Konzert + Bonus. Gruß nach Thüringen!

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Komisch, daß solche Aufgabenstellungen nie die Zensur in der BRD thematisieren. Als ob es die nicht gegeben hätte. Allein der umstrittene "Interministerielle Ausschuß für Ost-West-Filmfragen" zensierte 130 Filme - darunter die Defa-Verfilmung des bekannten Heinrich-Mann-Romans "Der Untertan".oder den tschechischen Film "Das höhere Prinzip" wegen angeblicher "Deutschfeindlichkeit" - nur, weil dieser den Terror der deutschen Besatzer nach dem Heydrich-Attentat thematisierte.

"Und wer diese Zeit miterlebt hat: Welche Bands haben euch besonders geprägt? Was ist besonders erwähnenswert?"

Die spannendste Band war aus meiner Sicht Pankow. Oft im Radio gehört habe ich z.B. den Titel "Langeweile" mit den Textzeilen:

»Dasselbe Land zu lange gesehn' / Dieselbe Sprache zu lange gehört.
Zu lange gewartet, zu lange gehofft / Zu lange die alten Männer verehrt.«

Glaubt man heutigen Darstellungen, hätte so etwas gar nicht möglich sein dürfen. War es aber.

Nach einem Interview bei einem Fernsehauftritt mit diesem Titel bei Radio Bremen, waren zwar einige Funtionäre wohl verärgert, aber die Konsequenzen waren überschaubar. Man hat das Lied dann wohl einige Zeit nicht im Radio gespielt - auf Plattenverkäufe und Livekonzerte hatte das keinerlei Auswirkungen.



Bei Parocktikum wurden beide Pankows gespielt. Die Ossis und die Italiener. Das sorgte sicher für einige Verwirrung.

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