Multikultureller Kindergarten ja oder nein?

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13 Antworten

Ich sehe das Feiern verschiedener religiöser Feste in vielen Kindergärten durchaus kritisch. Die Gründe:

Religiöse Feste gehören zu einem Glauben. Sie sind keine allgemeine Volksbelustigung, an der man eben mal so teilnimmt. So gehört zum Zuckerfest nicht nur das Wissen um das vorangegangene Fasten, sondern auch das Gebet zu Allah, in welchem man sich dafür bedankt, die Entbehrungen des Fastens geschafft zu haben und um Vergebung der Sünden bittet.

Auch christliche Feste, wie Weihnachten oder Ostern stehen in direktem Zusammenhang mit dem Glauben an Gott und die Auferstehung von Jesus Christus.

In jedem monotheistischen Glauben verbietet es sich aber, zu einem anderen Gott als dem eigenen zu beten. Es besteht weltweit keine Einigung darüber, den Gott der Christen und Allah als den selben Gott zu betrachten. Christen argumentieren, dass der Islam den Glauben an Gott als den Vater von Jesus Christus ablehnt, Muslime wehren sich häufig dagegen, dass Christen das Wort "Allah" überhaupt in den Mund nehmen.

Besonders im westlichen Kulturkreis wird eine strikte Trennung der Begriffe "Gott" und "Allah" gepflegt.

Interreligiöse Feste feiern, bedeutet also, mit dem Gebet zu einem anderen Gott als dem eigenen, gegen die Gebote der eigenen Religion zu verstoßen - oder eben, diese zu feiern, ohne zu beten.

Im letzteren Fall muss man sich wiederum fragen, was dann von einem religiösen Fest noch bleibt, wenn es auf Äußerlichkeiten, wie Geschenke oder Süßigkeiten reduziert wird.

Es ist also wichtig, Begegnungsebenen zu schaffen, die es den Kindern ermöglichen, ein größtmögliches Verständnis anderer Religionen zu erwerben, ohne mit der eigenen Religion in Konflikt zu geraten. Das erfordert ein hohes Maß an Wissen und Fingerspitzengefühl von den Erzieherinnen.

In diesem Zusammenhang ist übrigens der Umgang mit nicht religiösen Kindern ein oft noch viel größeres Thema. Untersuchungen zeigen, dass es für religiöse Menschen einfacher ist, nicht religiöse Menschen zu akzeptieren, als umgekehrt.

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Das kommt ganz darauf an, was du für dein Kind willst:

Willst du eine bestimmte religiöse Erziehung (dazu zählt für mich auch der Atheismus) deines Kindes haben, so solltest du dein Kind in einen entsprechenden Kindergarten schicken.

Wenn dir die religiöse Erziehung deines Kindes egal ist, ist das natürlich kein Argument.

Dann gibt es da noch einen Aspekt, für den ich weiter ausholen muss:

Ich selbst sehe es als Christ sehr ungern, dass 90% der Deutschen Weihnachten und Ostern feiern, ohne einen religiösen Bezug dazu zu haben. (Würden sie statt Weihnachten das "Jahresendfest" (oder ähnlich) feiern wär's mir egal.)

Gerade für Moslems (aber auch Juden) wird dies sicherlich noch schlimmer sein, denn daran, dass deren Feste ohne religiösen Hintergrund gefeiert werden, haben sich die Leute (im Gegensatz zu Christen bei Weihnachten) noch nicht gewöhnt.

Was wird wohl ein Moslem darüber denken oder sagen, wenn die Kinder dort das Ende des Ramadan (Fastenbrechen) feiern, obwohl sie im Ramadan nicht gefastet haben?

Diese Leute werden so etwas eventuell als Beleidigung ihrer Religion ansehen!

Alleine schon aus Respekt vor diesen Religionen würde ich zumindest einige (tatsächlich religiöse) Anhänger der im Kindergarten vorkommenden Religionen nach deren Meinung befragen, bevor ich mein Kind auf so einen Kindergarten schicken würde.

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Jule59 20.03.2014, 11:53
Was wird wohl ein Moslem darüber denken oder sagen, wenn die Kinder dort das Ende des Ramadan (Fastenbrechen) feiern, obwohl sie im Ramadan nicht gefastet haben?

Das dürfte kein Problem sein, denn Kinder müssen auch im Islam nicht fasten.

In Sachen Respekt vor anderen Religionen (und der eigenen) stimme ich dir zu.

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Ich finde das ist eine schöne Idee. So lernt das Kind schon früh sehr viel über andere Kulturen. Die Aussage das man das in Deutschland nicht machen sollte, da es in anderen Ländern auch nicht gemacht wird finde ich nicht gut. Schließlich müssen wir uns ja andere Länder nicht als Vorbild nehmen und zeigen doch genau durch solche Dinge das wir Kulter- & Weltoffen sind. MfG

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"Multikultureller Kindergarten" ... ich teile die Ansicht Deiner Freundin. Die Kinder sollen sich in das allegeine kulturelle Leben in Deutschland integrieren, da ist es wenig hilfreich mit einem kulturellem Mix aufzuwachsen. Das hat mit Rassismus oder Nationalismus nichts zu tun. Wenn die kulturelle Identität gefestigt ist darf das Kind gern auch später in anderen Kulturen reinschnuppern. http://www.uni-kita.de

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Man muss das Ganze so sehen:

In Deutschland leben viele Menschen aus unterschiedlichen Religionen. Das müssen nicht unbedingt nur Moslems sein. Es gibt auch genug Buddhisten, Juden und Angehörige von anderen Religionen. Du hast jetzt das Beispiel mit den Türken genannt. Ich bin mir zwar nicht sicher aber ich würde jetzt spontan behaupten in Deutschland sind die Türken prozentual unter den Ausländern die Meisten.

Da Deutschland ein Land ist, in dem nahezu jeder gleich steht, werden auch alle Religionen respektiert, geduldet und dürfen ausgelebt werden (es sei denn sie verstoßen gegen das in Deutschland geltende Grundgesetz). Und durch die Ausländer in den Kindergärten und die mit denen kommende andere, neue Feste wird an diese Gleichheit der Menschen herangeführt, denn warum sollen Christen nicht auch die Feste der Moslems feiern? Und warum nicht die Moslems die der Christen?

Viele in Deutschland lebende Moslems feiern Weihnachten und zum Beispiel Bayram. Und ich denke wäre es anders herum, also würden ganz viele Deutsche in der Türkei leben, wäre es keine Frage: die dürften selbstverständlich auch Weihnachten feiern!

Also ich finde nicht, dass man sagen sollte, dass in einem christlich geprägten Land nur christliche Feste gefeiert werden sollten.

Wir alle sind Menschen, wir alle sind gleich und was feiern wir grundsätzlich bei unseren Festen? Richtig, wir danken. Wir danken den Göttern unserer Religionen und für all das, was wir haben und ich finde es egal ob man das nun Opferfest nennt und den Armen etwas zu Essen gibt oder es Weihnachten nennt und seinen Liebsten eine Freude macht.

Und um nochmal auf den Kindergarten zurück zu kommen: das ist eine super Möglichkeit, kleinen Kindern sowas schon im frühen Alter zu zeigen!

Ich bin Moslem und lebe in Deutschland, ich sehe die Sache so. Würd mich freuen, wenn deine Freundin das hier liest.

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Ich teile deine Meinung. So einen Kindergarten finde ich einfach prima. das müsste es öfter geben. Und sollten jüdische Kinder den Kindergarten besuchen am besten die auch noch.

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Also da wo ich wohne bedeutet "multikultureller Kindergarten" leider, dass dort die Kinder rumlaufen, die am Rand der Gesellschaft groß werden, die überproportional öfter weder richtig deutsch können im Vergleich zu gleichaltrigen anderen Kindern, noch Eltern haben, die den integrativen Ansporn hegten oder geschweige leider den Horizont dazu besitzen.

Dies ist eher ein schickes, politisch-korrektes Füllwort. Obwohl die eigentliche Absicht ja vielleicht sogar ganz nett ist.

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Fallschirm88 19.03.2014, 13:38

Wenn die ihre Muttersprache richtig können , ist es halb so wild, dann lernen sie duetsch schnell und werden zweispachig, was ein grosser Gewinn für alle ist.

Das Problem ist, wie du sagst "am Rande der Gesellschaft". Dort sind die Leute nicht so bildungsaffin, manchmal kümmern sie sich nicht richtig um ihre kinder, etc.

Allerdings ist es in diesen schulen dann oft so, dass die deutschen noch schlechter darn sind als die ausländer, denn die deutschen, die dort wohnen, haben oft richtig Probleme (drogensüchtige Eltern, vernachlässigung, etc)

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Also inm der Schweiz sollten weder Christliche noch Muslimische feste im Kindergarten, oder in der Schule gefeiert werden, sondern ausschliesslich Helvetische. In Deutschland ists mir zwar relativ egal, aber es wäre wohl auch dort besser zurück zum alten zu kehren

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tinimini 19.03.2014, 13:01

Willkommen im Mittelalter.

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Fallschirm88 19.03.2014, 13:33
@tinimini

Das nennt man trennung zwischen Kirche und Staat: religion hat in staatlicher Schule nichts zu suchen.

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Der deutsche Staat garantiert Relgiionsfreiheit. Das heisst theoretisch sollte in deutschland keine Religion bevorzugt werden.

Es ist also nicht einzusehen, warum man in einem staatlichen Kindergarten über weihnachten lernen soll, aber über feste anderer Religionen nichts.

Kommt hinzu, dass die Feste anderer Religion für viele Kinder im Kindergarten relevant sind. Wenn man 25 Kinder von 25 Religion hat, ist es klar, dass man nicht alles durchnehmen kann, das wäre einfach zu viel. Aber wenn man ca. 50% moslems und 50% christen hat, ist nicht einzusehen, warum man über Christentum lernen soll, über Islam aber nicht.... entweder beides oder keines...

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Wer aufgeklärt ist braucht keine Angst zu haben, sondern lernt Toleranz und Akzeptanz. Die Wahrheit hat keine angst vor Fragen . Diese Kinder werden sich akzeptieren lernen und nicht mehr bekriegen.

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Hi.
Wunderbare Idee.

In einem solchen Kindergarten wird wohl auch niemand auf die Idee kommen, einer Kindergärtnerin zu kündigen, weil sie den falsche Glauben (oder gar keinen Glauben) hat.

Gruß, earnest

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martin7812 18.03.2014, 22:57

Das Thema "Kündigungsschutz bei kirchlichen Einrichtungen" scheint ein wichtiges Thema für dich zu sein.

Aber du irrst dich diesmal gewaltig:

Auch so eine Einrichtung kann im Zweifelsfall als "Tendenzbetrieb" gesehen werden, wo die Erzieherinnen bestimmte Wertvorstellungen (nämlich multikulturelles Zusammenleben) haben müssen, und hat dann die selben Rechte wie eine kirchliche Einrichtung:

Eine Erzieherin, von der rauskommt, dass sie sich in ihrer Privatfreizeit außerhalb der Arbeitszeit regelmäßig schlecht über eine der im diesem Kindergarten "vorkommenden" Religionen geäußert hat (das können auch atheistisch geprägte Äußerungen sein), kann von so einem Kindergarten genau so gekündigt werden, wie eine Erzieherin in einem kirchlichen Kindergarten, wenn sie sich nicht an kirchliche Moralvorstellungen hält.

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earnest 19.03.2014, 07:22
@martin7812

Ach martin, über "gewaltige Irrtümer" sollte lieber die Geschichte urteilen ...

Wenn der Kindergarten zu 100% von der (oder einer) Kirche bezahlt würde, dann würde ich deine Ansicht teilen.

Die sogenannten "christlichen Kindergärten" in unserem Land werden aber in der Realität weitgehend, weitestgehend oder gar ausschließlich vom Steuerzahler finanziert.

Du mußt dir übrigens auch keine Gedanken darüber machen, worüber ich mir Gedanken mache.

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martin7812 19.03.2014, 09:12
@earnest

Du kannst dir sicher sein, dass auch der multikulturelle Kindergarten zu fast 100% aus Steuermitteln bezahlt wird.

Du kannst dir auch sicher sein, dass dieser Kindergarten eine Erzieherin, die zu den Zeugen Jehovas oder zum Islam übertritt, dort sofort gekündigt werden muss, da ihre neue Religion z.B. das Feiern bestimmter Feste mit den Kindern nicht mehr zulässt.

Somit ist so ein Kindergarten in Hinsicht "Arbeitnehmerfreundlichkeit" genau so verwerflich wie ein Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft.

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earnest 19.03.2014, 12:29
@martin7812

Du unterstellst offenbar einer jeden Mitarbeiterin, die den Zeugen Jehovas angehört und einer jeden" Mitarbeiterin, die Muslima ist, automatisch, daß sie Privatleben und Job nicht auseinanderhalten können.

Mit dieser Unterstellung ließe sich natürlich jede prophylaktische Kündigung "rechtfertigen".

Wenn der (multikulturelle) deutsche Steuerzahler einen "Multikulti-Kindergarten" finanziert, da sollte er ihn auch kontrollieren. Dann wäre solcher Willkür nicht weiterhin Tür und Tor geöffnet.

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martin7812 19.03.2014, 21:35
@earnest

Gerade Zeugen Jehovas sind sehr strenggläubig; ihre Religion durchzieht ihren gesamten Tagesablauf. Feste wie Weihnachten oder Ostern sind ein absolutes Tabu - auch bei der Arbeit.

Hier auf gutefrage.net gab es eine Frage einer konservativen Muslima, die niemandem - auch nicht bei der Arbeit - die Hand geben wollte, da dies gegen ihren Glauben verstößt.

Ich habe von einer ganz anderen religiösen Gruppierung erfahren, deren Mitglieder nicht mit Menschen sprechen, die nicht ihrer Religionsgemeinschaft angehören - auch nicht am Arbeitsplatz.

Zugegebenermaßen Extrembeispiele, aber mit Sicherheit würde so etwas zur Entlassung einer Erzieherin führen - selbst in einem ganz normalen staatlichen Kindergarten. Von wegen Religionsfreiheit! Und das, obwohl der Arbeitgeber (nämlich der Staat) diese explizit garantiert!

Ich kann mir übrigens tatsächlich vorstellen, dass sich die katholische Kirche mittelfristig von einigen ihrer Einrichtungen trennen könnte und diese dann verstaatlicht oder privatisiert werden. Ob dies für die Angestellten so gut ist, weiß ich nicht: Sicherlich würden dann viele aus betrieblichen Gründen entlassen werden.

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earnest 20.03.2014, 07:29
@martin7812

Ja, deine Aussagen in den beiden ersten Absätzen kann ich bestätigen. So habe ich das auch bei Zeugen Jehovas erfahren - allerdings nicht am Arbeitsplatz.

Zur gläubigen Muslima hatte ich eine kritische Antwort geschrieben, die aber (von einer gläubigen Muslima?) beanstandet - und anschließend gelöscht - wurde.

Das sind aber, wie du selbst schreibst, zwei Extrembeispiele. Diese Muslima würde aber nicht entlassen werden - sie würde den Arbeitsplatz wohl gar nicht erst bekommen. Wer sich so verhält, hat auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen.

Eine Verstaatlichung kirchlicher Kindergärten (die ja jetzt schon zumeist staatlich oder kommunal finanziert sind) würde ich begrüßen. Eine große Entlassungswelle ist da wahrscheinlich nicht zu erwarten.

Freundliche Grüße,
earnest

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Ja die begründung hast du schon selbst geliefert.

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ich selbst war in einem multikulturellen kindergarten. wir haben zwar nur die christlichen feste gefeiert, aber die anderen kulturen durch andere (keine religiösen) feste kennengelernt. ich bin froh, dass ich in diesem kindergarten war, er hat mich 100%ig positiv geprägt und ich kann mich timinimi nur anschließen.

die idee eines solchen kindergarten ist genial und ein schritt in die richtige richtung zu gleichberechtigung und akzeptanz!

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