Müssen Rentner eine Einkommensteuer-Erklärung abgeben?

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8 Antworten

Es gibt ein Urteil des Finanzgerichts zu diesem Thema:

Fehlende Angaben zur Rente werden vom Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz als Steuerhinterziehung bei der Einkommensteuer gewertet – hier kann das Finanzamt Nachzahlungen bis zu 10 Jahren fordern.

(FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 23.03. 2011; Az.: 2 K 1592/10).

Um selbst Nachzahlungen zu vermeiden, können Sie sich hier über den konkreten Fall informieren:

http://www.business-netz.com/artikel/Management/Steuern/Fehlende-Angabe-der-Rente-in-der-Steuererklaerung

Nach dem neuen Alterseinkünftegesetz müssen für das Jahr 2005 fünfzig Prozent der gesetzlichen Rente versteuert werden. Viele Rentner müssen damit erstmal bis Ende Mai dieses Jahres eine Steuererklärung abgeben. Das entsprechende Formular für die Renteneinkünfte heißt "Anlage R", umfasst drei Seiten und gehört ab 2006 zur Steuererklärung. Papierkram, mit dem Rentner bislang nichts zu tun hatten.

Einnahmenermittlung Auch nach der neuen Regelung bleibt eine Rente als einzige Einnahmequelle bis zu 18.900 Euro pro Jahr steuerfrei, bei Ehepaaren der doppelte Betrag also 37.800 Euro. Wer weniger als 1.575 Euro Rente im Monat erhält, muss keine Steuern zahlen. Wegen der hohen Freibeträge trifft es vor allem diejenigen, die noch Einnahmen aus Kapitalvermögen oder Vermietung haben, oder die Haushalte, in denen sich verschiedene Renten addieren. Bisher waren rund zwei Millionen Rentnerhaushalte steuerpflichtig; durch die Neuregelung werden rund 1,3 Millionen hinzukommen.

Die Regelungen im Einzelnen Der neue Steuersatz gilt sowohl für Renten, die vor 2005 begonnen haben als auch für die 2005er "Neurentner". Sind 50 Prozent der Rente steuerpflichtig, bleiben die anderen 50 Prozent steuerfrei. Beispiel: Von einer 1000 Euro Altersrente werden also 500 Euro nicht besteuert. Das wenig Schöne hieran ist, dass dieser Freibetrag von 500 Euro den Rentner lebenslang begleitet.

Im Klartext: Sollte es mal wieder eine Rentenerhöhung geben, etwa auf 1.020 Euro, so sind davon mehr als 50 Prozent steuerpflichtig, nämlich 520 Euro – da von den 1.020 Euro ja nur der feststehende Freibetrag von 500 Euro abgezogen wird.

Ein höherer steuerpflichtiger Anteil in einer Rente heißt allerdings nicht automatisch, dass überhaupt Steuern gezahlt werden müssen. Denn jedem Bundesbürger – ob Arbeitnehmer, Selbständiger oder Rentner – stehen steuerliche Freibeträge zu. Etwa der steuerliche Grundfreibetrag, der das Existenzminimum abdecken soll, in Höhe von 7.664 Euro jährlich, bei Verheirateten 15.328 Euro.

Das heißt: Nur steuerpflichtige Einkünfte, die diese Grundfreibeträge übersteigen, führen überhaupt zur Steuerzahlung. Eine Rente, die beispielsweise 12.000 Euro im Jahr beträgt und zu 50 Prozent steuerpflichtig ist, wird nur in einer Höhe von 6.000 Euro zur Steuer herangezogen. Da aber schon der Grundfreibetrag 7.664 Euro beträgt, geht die – grundsätzliche – Steuerpflicht der 6.000 Euro ins Leere. Der Rentner behält seine 12.000 Euro steuerfrei.

Dieser Umstand kann sich allerdings schnell ändern, wenn dieser Rentner weitere steuerpflichtige Einkünfte hat, etwa weil er ein Zimmer in seiner Wohnung vermietet oder ein ganzes Haus oder weil er Zinseinkünfte oberhalb von 1.421 Euro im Jahr hat (Ehepaar: 2.842 Euro). Kommt er damit über die Grundfreibetrags-Schwelle von 7.664 Euro (Ehepaar: 15.328 Euro) im Jahr, dann wird er für den Fiskus interessant. Er kann durchaus weiterhin ohne Steuerzahlung bleiben, wenn er weitere steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann, etwa einen Behindertenfreibetrag, der bis zu 1.420 Euro, in Ausnahmefällen bis 3.700 Euro pro Jahr betragen kann, oder den Sparerfreibetrag (1.421 / 2.842 Euro – alleinstehend/verheiratet) oder mindestens den Arbeitnehmerfreibetrag (920 Euro pro Jahr), falls noch Gehalt als Arbeitnehmer bezogen wird. Darüberhinaus gilt: Arbeitet der Ehepartner, so zählt auch dessen Einkommen mit – abzüglich der natürlich auch ihm zustehenden Freibeträge.

Andererseits können von den steuerpflichtigen Einkünften neben den erwähnten Freibeträgen noch andere Beträge heruntergerechnet werden, etwa die Beiträge zur Sozialversicherung, Haftpflichtversicherung oder Spenden für gemeinnützige Zwecke.

Für diejenigen, die keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte als eine (oder mehrere) gesetzliche Rente(n) haben, ist folgende Faustformel hilfreich: Bis zu 18.900 Euro Bruttorente im Jahr bleiben steuerfrei (Ehepaar: 37.800 Euro). Davon ist jeweils nur die Hälfte steuerpflichtig, bei Alleinstehenden demnach rund 9.450 Euro. Rechnet man davon die Sozialversicherungsbeiträge und verschiedene weitere Pauschalen herunter, so ergibt das – wiederum rund gerechnet – nicht mehr als 7.664 Euro.

Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass auch andere Renteneinkünfte zum steuerpflichtigen Einkommen gehören, etwa aus einer Zusatzversorgungskasse oder einer privaten Rentenversicherung, für die jeweils Sonderregeln gelten. Die Betriebsrenten können sowohl in Höhe eines "Ertragsanteils" als auch voll (praktisch als "nachwirkender" Arbeitsverdienst) steuerpflichtig sein. Für die privaten Renten gelten – wie bisher für die gesetzlichen – ausschließlich Ertragsanteile. So ist zum Beispiele eine Rente aus einer privaten Rentenversicherung, die mit 60 Jahren einsetzt, nur zu 22 Prozent steuerpflichtig, bei Rentenbeginn mit 65 Jahren sogar nur zu 18 Prozent.

Was in welcher Höhe dem Finanzamt zu offenbaren ist, das ergibt sich aus der "Anlage R" zum vierseitigen "Mantelbogen", bei Arbeitnehmereinkünften zusätzlich aus der "Anlage N". Die entsprechenden Formulare gibt es beim Finanzamt. Sie können aber auch aus dem Internet herunter geladen werden.

Über http://www.finanzamt.de – Bundesländer kann zum zuständigen Finanzamt geklickt werden.

Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung ist der 31. Mai 2006 für das Jahr 2005. Auf Antrag kann diese Frist (maximal bis zum 30.09.2006) verlängert werden.

Hilfe beim Ausfüllen bieten neben Steuerberatern die Lohnsteuerhilfevereine.

Vorsicht vor Steuerstrafverfahren Einige hunderttausend Senioren müssen mit Inkrafttreten der Neuregelung sogar aufpassen, dass sie sich nicht ein Steuerstrafverfahren einfangen. Ein solches Verfahren droht dann, wenn das Finanzamt feststellt, dass ein Rentner auch schon in den Vorjahren steuerpflichtig gewesen wäre. In diesem Fall hilft nur noch eine so genannte Selbstanzeige. Wer von sich aus eine Steuererklärung auch für die Vergangenheit abgibt, kann Bußgeld und Strafverfahren noch abwenden.

Wer sich bislang noch nicht mit dem neuen "Alterseinkünfte-Gesetz" befasst hat, sollte das also möglichst schnell nachholen. Ein Rentner, der keine Steuererklärung abgibt, macht sich zwar nicht strafbar, muss aber mit Nachzahlungen rechnen, wenn das Finanzamt nachträglich eine Steuerpflicht feststellt.

Das hab ich mir aufgehoben. Lobenswert.

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Es ist erschreckend wie in den Antworten um das Thema der eigentlichen Frage herum geredet wurde. Kurz und knapp: Renteneinkünfte sind schon immer erklärungspflichtig!!! An dieser Tatsache hat auch das Alterseinkünftegesetz nichts geändert, es wurden lediglich die Freibeträge neu definiert. Ich rate jedem Rentner dringendst dazu, so schnell wie möglich seine Einkommenssteuererklärung anzugeben. Mit Einführung der Steueridentnummer ist bei den Finanzverwaltungen ein neues Resort geschaffen worden welches sich ausschließlich mit Rentenbeziehern nbeschäftigt. Es wird für diejenigen die bisher ihre Rentenbezüge noch nicht erklärt haben keine höfliche Erinnerung geben. Nach den mir vorliegenden Informationen wird gegen diejenigen Rentner die ihre Renten nicht erklärt haben ohne Vorwarnung ein Steuerstrafverfahren eingeleitet. Also ran an die Erklärung, so schwer ist es nicht.

Es gibt nun eine sog. Rentenampel. Diese ermittelt, ob es sich lohnt eine Steuererklärung abzugeben und schätzt auch den den fälligen Betrag. Oder eben die Gutschrift. Hat mir sehr geholfen: http://www.kapital-rechner.de/rentenrechner/

Ja...
alles zu diesem Thema und die genauen Staffelungen, Mindest- und Höchstsätze findest du hier:

Nach all den ausführlichen Antworten komme ich hoffentlich nicht zu spät, aber hier sind auch noch generelle Infos zu Steuern für Rentner:

<a href="http://www.sentiso.de/informationen/20-steuern-und-rente" target="_blank">http://www.sentiso.de/informationen/20-steuern-und-rente</a>

Ja - etwa ab 1500,- € Brutto / Monat.

Das stimmt so wieder nicht, denn es kommt darauf an ob verheiratet oder nicht. Wurde aber schon sehr gut erklärt.

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http://pressemitteilung.ws/node/148644

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