Müssen auch Sünden vor der Taufe gebeichtet werden (kath)?

9 Antworten

Das wichtigste ist, die Sünden Gott zu bekennen, für die du wirklich Busse tun willst. Bekennen ohne Busse hat keinen Sinn und bringt auch keine Verheissung der Vergebung mit sich. "Tut Busse.... " ist immer noch der erste Schritt.  Ob die Sünde vor oder nach der Taufe begangen wurde, spielt keine Rolle. Oftmals ist man sich seiner Sünden lange nicht bewusst, doch wenn der Heilige Geist uns unserer Sünden überführt, wird es nicht mehr zur Pflicht, sondern zur Erleichterung, sie zu bekennen und Vergebung und Erneuerung zu erhalten. Das kann auch für Sünden sein, denen wir uns während langer Zeit gar nicht einmal bewusst waren.

Das ist am Besten am Beispiel von König David in der Bibel illustriert. Nach dem Ehebruch und Mord an Uria, verstrich etwa ein Jahr, bis er sich seiner Sünde durch den Propheten Nathan bewusst wurde. Als das dann aber geschah, wurde ihm die volle Tragik dieser Sünde und auch dessen Auswirkung auf seine Beziehung mit Gott bewusst.

Im Ps. 51 betet er.
Denn ich erkenne meine Vergehen,
und meine Sünde ist mir ständig vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt,
ja, ich habe getan, was in deinen Augen böse ist.
Das bekenne ich, damit umso deutlicher wird: Du bist im Recht mit deinem Urteil,
dein Richterspruch ist wahr und angemessen

Im Ps. 32 wird ganz deutlich, was Bekennen der Sünde für ihn bedeutet

Glücklich zu preisen ist der Mensch, dem seine Treulosigkeit Gott gegenüber vergeben
und dessen Sünden zugedeckt sind.
Ja, der ist wahrhaft glücklich zu nennen,
dem der Herr die Schuld nicht anrechnet
und der durch und durch aufrichtig ist[b].

Solange ich meine Schuld verschwieg,
wurde ich von Krankheit zerfressen[c],
den ganzen Tag habe ich nur gestöhnt.
Tag und Nacht lastete deine Hand auf mir.
Da verging mir aller Lebensmut, ich verlor jede Kraft
wie unter stechender Sonnenglut.[d][e]

Dann endlich bekannte ich dir meine Sünde,
meine Schuld verschwieg ich nicht länger vor dir[f].
Ich sagte: »Ich will dem Herrn alle meine Vergehen bekennen.«
Und du – ja, du befreitest mich von der Last meiner Sünde

Es geht also um Vergebung und durch die Vergebung zur Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. Keine Formsache oder so und so sollte das geschehen, sondern um etwas, dass aus dem tiefsten Bedürfnis kommt, von der Last der Sünde befreit zu werden und von Gott so gesehen zu werden, als ob diese Sünde nie geschehen wäre.

Alles Gute auf Deinem Weg.

Alle anderen sechs Sakramente setzen die Taufe voraus. D.h. vor der Taufe kannst Du gar nicht gültig beichen.

Und wie die Vorredner schon richtig sagten: Die Taufe tilgt alle bisherigen Sünden (wohl nur bei Erwachsenen oder zumindest älteren Kindern relevant); eine Beichte von vorigen Sünden ist somit nicht nötig - aber natürlich auch nicht verboten, wenn Du das als befreiend empfindest.

Mit der Taufe werden alle Sündenstrafen vergeben. Das Konzil von Trient sagt eindeutig, dass  mit der Taufe nichts zurückbleibt, was Gott hasst und was einen vom Eintritt in den Himmel zurückhält. Voraussetzung ist allerdings, dass sich der Empfänger der Taufe von aller Sünde, auch der lässlichen, lossagt: ita ut nil prorsus eos ab ingressu coeli remoretur

Tuet Buße, und ein jeder von euch lasse sich im Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden, und ihre werdet die Gabe des Hl. Geistes empfangen." (Apg 2,38)

Wer das leugnet, wird sogar automatisch exkommuniziert, d.h. aus der Kirche ausgeschlossen:

Wenn jemand leugnet, dass durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die in der Taufe verliehen wird, der Schuldzustand der Erbsünde nachgelassen wird, oder auch behauptet, dass nicht alles weggenommen wird, was den wahren und eigentlichen Charakter der Sünde an sich hat, [...] so sei er ausgeschlossen. (Konzil von Trient)

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