Motive des Glauben in Faust I

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1 Antwort

Faust stößt die Zwänge der Kirche ab.

Vers 420 „Muß man?“

Vers 3456 „Gefühl ist alles;

Name ist Schall und Rauch“

Bei einem Gespräch mit Faust interessiert sich Gretchen, ob er ein gläubiger Mensch ist. (V.3415) Ihr scheint es nämlich, dass Faust nicht viel von Kirche und Religion hält. (V.3416) In dieser Hinsicht irrt sich Margarete nicht. Faust lehnt Gott und die Kirche ab. „Muß man?“ (V. 420); „Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch“ (V.3456 ). Gretchen dagegen findet keinen Gefallen am Atheismus von ihrem Geliebten. Sie ist fest davon überzeugt, dass Gott, der Glaube und regelmäßige Kirchenbesuche sowie Gebete die Pflicht jedes einzelnen Menschen sind. Schließlich ist Gretchen von den Eltern zur Frömmigkeit und Ergebenheit erzogen worden. Zu der Zeit wird der Glaube den Menschen durch Terror und Diktatur seitens Kirche eingeimpft. Die Kirche erwürgt bereits in den Wurzeln jedes mögliche ketzerische Entfachen in der menschlichen Natur. So werden Menschen von der Gesellschaft völlig stigmatisiert und vom Staat grausam betraft, wenn sie nicht wie alle anderen regelmäßig in die Kirche gehen und ihren Glauben an Gott öffentlich verkünden oder versuchen die Kirche zu kritisieren.

Deswegen gibt es nichts Ungewöhnliches an der Reaktion Gretchens, als Faust sich als Nichtgläubiger entpuppt. „Das ist nicht recht, man muß dran glauben.“ (V.34219), antwortet Margarete. Sie möchte, dass Faust sich zu Gott bekennt. Die Aussage von Gretchen „Ach! Wenn ich etwas auf dich könnte!“ zeigt, dass es ihr persönlich sehr wichtig ist, dass Faust seine Einstellung zur Religion ändert und sich an die herrschende gesellschaftliche und politische Ideologie anpasst. Einerseits möchte dies Margarete, weil sie ihn liebt und über eine gemeinsame Zukunft mit Faust nachdenkt. Daher ist es für sie von großer Bedeutung, ob Faust mit ihr die gleichen religiösen und moralischen Werte teilt. Schließlich sind der Glaube und die Kirche ein fester Bestandteil ihrer geordneten Welt und die Basis ihrer elterlichen Erziehung. Unbedingt will Gretchen ihre ruhige und geordnete Lebensweise auch mit Faust beibehalten. Dazu gehört eben die Religion. Für Gretchen symbolisieren der Glaube und die Kirche das Gute, denn so hat sie ja das von den Eltern und dem bürgerlichen Milieu gelernt. Aus diesem Grund fordert sie von Faust, dass er seinen Glauben öffentlich demonstriert, in dem er zur Beichte geht und Sakramente ehrt.

Andererseits gibt Gretchen mit ihrer Aussage Faust zu verstehen, dass er ernsthafte Probleme mit Kirche und Gesellschaft bekommt, wenn er seine Ergebenheit zur Kirche und Religion irgendwie nicht zeigt. In dem Falle wäre ein idyllisches und ruhiges Miteinanderleben von Faust und Gretchen unmöglich. An dieser Stelle werden die Auswirkungen der kirchlichen Diktatur und Propaganda sehr deutlich zum Vorschein gebracht. Von Kirche, Gesellschaft und Eltern einer Gehirnwäsche unterzogen, hält Gretchen Religion für eine selbstverständliche Sache. Aus ihrer Sicht besteht der Glaube an Gott, wenn man zur Messe täglich geht, betet und beichtet, wenn die Religiosität so zu sagen sichtbar ist. Darüber hinaus kann man es so betrachten, dass Margarete eigentlich nicht an Gott glaubt. Aufgrund ihres zarten Alters und fehlender Erfahrung weiß Gretchen noch nicht genau, was gut und böse ist. Deshalb kann sie noch keinen Glauben entwickeln. Gretchen ist gezwungen die Kirche zu besuchen und das führt sie auch fleißig aus, um nur der Strafe zu entkommen.

Doch im Gegensatz zu Gretchen denkt Faust nicht daran sich an das System anzupassen. Er stößt die Zwänge der Kirche ab, denn seiner Meinung nach soll die Religion nicht erzwungen werden. Vielmehr muss der Glaube an Gott vom Herzen ausgehen, dann kann man von wahrer Religiosität sprechen. (V.3455) Allerdings hat Faust seinen Glauben an Gott schon längst aufgegeben, denn Gott konnte ihm leider nicht zur Erkenntnis verhelfen. Dabei hat Faust sein ganzes Leben für Wissenschaft geopfert in der Hoffnung das vollkommene Wissen über die Natur und Gott zu erlangen. Letztendlich gibt Faust Gretchen keine klare Antwort darauf, ob er nun an Gott glaube oder nicht. Vielmehr behauptet er, dass der Glaube an Gott jeder Manns Sache ist und dass jeder es auf seine eigene Art und Weise fühlt und ausdrückt. An diesem Punkt ist Fausts Auflehnung gegen Diktatur der Kirche besonders ersichtlich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Faust die Existenz Gottes nicht bestreitet. Die Tatsache, dass er Mephisto, den Teufel persönlich kennt, belegt, dass Gott existiert. Denn wenn es Teufel gibt, dann gibt es auch den Gott. Vergleichbar ist es mit den beiden Gegensätzen „gut“ und „böse“. Ohne das Böse würde die Menschen das Gute nicht kennen und umgekehrt.

Abschließend kann man behaupten, dass Goethe durch die fiktive Figur Fausts Kritik am kirchlichen Regime verübt. Außerdem kritisiert er solche Menschen wie Gretchen, die sich an die Herrschaftsstruk

Broesl 14.12.2011, 19:44

super ausführlich! sind paar gute sachen dabei! danke :D

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