Morgue Gottfried Benn

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Servus, dieser kleine Gedichtzyklus erschien 1912 - im militaristischen Wilhelminismus; in Berlin kurz vor dem Ersten Weltkrieg lebte Benn als Arzt mit einer zum Sterben bestimmten Mutter, die ja kurz vor der Veröffentlichung dann auch starb. Das damalige Elend der kranken Menschen, die absichtliche Missachtung des Individuums als Persönlichkeit mit eigenen Gedanken und Gefühlen (auch in anderen Werken dieser Zeit beschrieben) stellt Benn mit aller Gewalt expressionistisch dar: Ist es Wut, ist es dazu Trauer, ist es Verzweiflung, die seinen abstoßenden Humor in den Gedichten entstehen ließ? Der Mensch wirkt nicht als sensibles, achtenswertes Individuum, sondern nur als Haufen Erde oder gar Haufen Dreck, nur mit Bedeutung für andere, die uns menschlichen Lesern/Leserinnen unbedeutender erscheinen, ja die Benn dann sogar exponiert in den Vordergrund stellt, wie z. B. die kleiner Aster... Da hast du eine mögliche Gliederung: Gibt es Steigerungen oder Nuancen der Depersonalisierung des Menschen in den Gedichten? Hat das Individuum Beziehungen zu anderen Individuuen oder wird es immer isolierter? Was bedeutet Natur mit Mensch und Tier für Benn? Gibt es eine Beziehung zu einer Art Gott, der das Individuum in seiner Schönheit liebt und leitet? - Für Benn gibt es kein menschlichres Individuum in diesen Gedichten, sondern nur Organismen aus Fleisch und Haut, die entstehen und vergehen, meist elendig... Deshalb ist die Wirkung dieser paar Gedichte auf den Leser/innen heute noch sehr, sehr intensiv! Viel Erfolg!

Superkommentar! Besser hätte man das nicht sagen können.

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Vielen lieben Dank für diese super ausführliche und hilfreiche Antwort ! :) du rettest mir meinen Tag! Liebe Grüße!

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@anastacia890

Servus, na dann ist's ja sehr gut, was ich da noch im Dreiviertelschlaf nach meinem Oktoberfestbesuch verfasst habe... Bitteschön.

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