Mord/Tod durch Datenbankmanipulation - Schuldfrage?

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6 Antworten

Hallo, die Frage ist m.E. umfangreicher zu beantworten und in deinem konkreten Fall eigentlich gar nicht, da relevante Sachverhaltsinformationen fehlen.

Soweot würde ich wie folgt antworten:

Szenario 1

Strafbarkeit des Y wegen Mordes bzw. Totschlag

I. Tatbestandsmäßigkeit §§ 211, 212 StGB

1. OTB

a) Grundtatbestand § 212

Da der Erfolg des Todes eines anderen Menschen eingetreten ist, haben wir bei diesem TBM kein Problem. Auch führte die Handlung des Y kausal und objektiv zurechenbar zum Erfolg.

b) Tatbezogene Mordmerkmale

Grausamkeit/Heimtücke/Gemeingefährlichkeit des Mittels.

Erstere und letztere scheiden recht eindeutig aus, da es wohl nicht Y's Ziel war besondere Qualen oder Schmerzen zuzufügen bzw. nur die Akten des X gehackt wurden.

Heimtücke wäre das einzige was hier noch in Betracht käme. Heimtückisch tötet, wer die Arg- und wehrlosigkeit seines Opfers in feindseliger Willensrichtung bewusst zur Tötung ausnutzt. Auch hier würden ein paar weitere Ausführungen aber nicht schaden ...

2. Subjektiver Tatbestand

Y müsste vorsätzlich gehandelt haben, d.h. mit Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung. Hier dünnt sich der Sachverhalt sehr stark aus. Es ist schon nicht ersichtlich ob es Ziel des Y war den X überhaupt zu töten (Totschlag)

Gerade auch beim Mord der letztlich einen sozialethisch besonders verwerflichen Totschlag darstellt spielt sich viel im subjektiven Bereich ab. Warum hat Y den Tod des X provozieren wollen? Wusste er dass diese Handlung zum Tod führen wird? Oder sah er das als Späßchen ohne auch nur eine Sekunde über Konsequenzen nachzudenken? Wollte er eine Aussage des X verhindern? Der Sachverhalt müsste hier weiter ausgebaut werden um diese Frage überhaupt beantworten zu können. Eine Prüfung der täterbezogenen Mordmerkmale die aus Absichten und Motiven bestehen ist hier leider nicht möglich.

Strafbarkeit der Ärzte und Schwestern

Ich möchte auf eine ausführliche Prüfung verzichten und nur auf die Probleme hinweisen: Wenn die Ärzte/Schwestern den patient nicht kennen wird ein Vorsatz grds. entfallen. In den meisten Fällen dann auch eine Fahrlässigkeit. Das ändert sich aber wieder mit dem Sachverhalt. Ist der Patient etwa schon länger dort, kennt der Arzt/die Schwester den Patienten? Das ist nicht unüblich, insb. bei chronisch kranken oder länger kranken. Sollte ein etwaiges Sonderwissen bei Ärzten/Schwestern vorliegen ist dieses beachtlich.

Insgesamt ist der Sachverhalt also leider etwas kurz geraten.

Einen Mord pauschal abzulehnen trifft in der Sache aber nicht zu.

Ich hoffe ich konnte etwas helfen.

Viele Grüße

JS

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Kommentar von Odorwyn
18.05.2016, 10:58

Erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Ich versuche das ganze mal in einen ausführlicheren Kontext zu setzen.

Nehmen wir dazu ein drittes Szenario mit ähnlichen/gleichen Folgen.

- Herr Müller und Herr Schmidt sind beide Inhaber eines Pharmakonzerns.

- Herr Müller ist seit einigen Monaten aufgrund seiner medizinischen Diagnose, Lungenkrebs, in Behandlung.

- Herr Schmidt findet heraus das z.B. seine Frau mit Herrn Müller verkehrt ( jeder beliebige andere triftige Grund soll hier ebenfalls ausreichend sein )

- Herr Schmidt weiß um Müller's Zustand.

- Herr Schmidt möchte Herrn Müller "aus dem Weg" haben. Sowohl aus privaten, als auch geschäftlichen Gründen. ( diese unterstützen Schmidt's "rechtfertigung" )

- Herr Schmidt sucht im Darknet nach einem Dienstleister der Krankenakten fälscht.

- Hacker **Y** findet nun die Krankenakte von Müller und verändert die vorgeschriebene Dosierung des Behandlungsmedikaments.

- Herr Müller stirbt im Verlaufe von 2 Wochen an einer Überdosierung.

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Szenario 1:

- Hacker wird gefasst. Verrät allerdings nicht Herrn Schmidt. **Y** tat es aus freien Stücken. Müller war hingegen kein ausgesuchtes Ziel

(Ich gehe von deiner Antwort davon aus das dies wohl die cleverste Aussage wäre um eine möglichst geringe Strafe zu erhalten?)

Szenario 2:

- Hacker wird gefasst. Verrät Herrn Schmidt. Müller war das Ziel.

Wäre es dann:

- Schmidt -> Anstiftung zum heimtückischen(?) Mord?

- **Y** -> Beihilfe zum Mord?/ Heimtückischer Mord?

Szenario 3:

- Hacker wird nicht gefasst.

Wer trägt die Verantwortung?

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Beispiel dafür wäre z.B.:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/england/london/7630354.stm

Wo der Patient aufgrund eines Fehlers des Systems starb. Dort waren zeitweise allerdings ebenfalls Vermutungen zur Manipulation in Umlauf.

LG

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Bin kein Jurist, aber die Ärzte etc werden ja auch so nicht verurteilt wenn mal jemand stirbt, "das passiert halt". Die wissen ja nicht, dass ihre Daten geändert wurden. (Dass der Patient allergisch ist oder sonstwas.)

Der Hacker würde verurteilt werden (wegen was dann genau Ka, da gibts ja gefühlte 100 verschiedene Begrifflichkeiten) - vorausgesetzt er wird erwischt und das ist recht unwahrscheinlich.

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1. Der Hacker

2. Kommt auf die Umstände an, Mord bedingt immer Vorsatz und qualifiziert sich ggü. Totschlag durch die in StGB §211 genannten Merkmale.

3. Nein. Maximal wäre fahrlässige Tötung möglich, wenn der Irrtum anderweitig erkennbar gewesen wäre.

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Das hier die Tatbestandsmerkmale für Mord nicht vorliegen ist eine Verurteilung wegen Mord nicht möglich. Das Krankenhaus müsste allerdings für Schadenersatzforderungen haften bzw. deren Versicherung, denn sie müssen sich gehen, dass sie nicht gehackt werden können. Sollte der Hacker gepackt werden, kommt es auf die Umstände an. Wollte den X umbringen und hat gezielt die Daten verändert ist das sicherlich möglich. Die anderen Tatbestandsmerkmale müssen natürlich ebenfalls vorliegen.

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es gab mal einen verschlüsselungsvierus bei dem krankenhäuser in mitleidenschaft gezogen wurden. patienten könnten nicht operiert werden.ein server abbild auf einem extra server im keller der ein bis zwei mal am tag mit dem originalserver aktualisiert werden würde hätte, auch in deinen fällen abhilfe geschaffen. aber nur der hacker aus deinem fall kann zur verantwortung gezogen werden.

man sieht also das man ein abbild der daten zur sicherung braucht. aber ob sie reagieren wage ich zu bezweifeln.

ich glaube die welt ist so ausgelegt das schuldige (der hacker) noch schuldiger gemacht werden sollen. das ist aber fahrlässig. aber nicht grade leicht nach zu weisen. im grunde müssen sie erst nach einer amtlichen mahnung an die sicherheits server denken. dann ist es fahrlässig.

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Warum sollten die Ärzte angeklagt werden können?
Die verlassen sich bei der Verordnung/Behandlung auf die Daten der Krankenakten.

Das Krankenhaus hingegen kann verklagt werden, da die sicher zugehen haben das eine (vorsätzliche) Manipulation nicht möglich ist.

Der Hacker hingegen kann natürlich angeklagt werden. Egal ob der Arzt den Patienten z.B. mit Penicilin behandelt oder es sein lässt, weil er den Patienten persönlich kennt und weiß das er allergisch reagieren würde.
Durch das ändern der Daten besteht nun mal der konkrete Verdacht auf Absichtliche Schwere Körperverletzung bzw. vorsätzlichen Mord.


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