Mordanklage für Raser, die tödliche Unfälle verursachen?

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Ich bin für eine harte Bestrafung, gerne auch dauerhafter Entzug der Fahrerlaubnis, Gefängnis und womöglich Sicherungsverwahrung zur Gefahrenabwehr, aber...

Ein Mord ist es nach deutschem Strafrecht nicht. Vorallem weil es keine Tat "Mord" gibt, sondern ein Mord geschehen ist, wenn ein Mörder der Tätert ist.

§ 211 Mord

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Ein Raser kann also, wenn er "nur" gerast ist, erstmal kein Mörder sein, sondern Totschläger, weil die besonderen Tatmerkmale des § 211 nicht greifen.

§ 212 Totschlag

(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.

Ich sehe durchaus bei Rasern, die sich Rennen auf öffentlichen Straßen liefern, die Möglichkeit zu Absatz 2. Dazu kommt aber auch, dass ich der Meinung bin

Mord ist im Strafrecht schlecht beschrieben

Das Strafgesetzbuch beschreibt fast ausnahmslos Taten und welche Strafen für Taten verhängt werden. Nur der Mord wird über den Täter beschrieben. Das ist leider ein geschichtliches Überbleibsel des Paragraphen und müsste dringend geändert werden, damit Mord ein Tattypus ist, den man auch an solche Vergehen wie bei Raserei, die Unschuldige in den Tot reißt, anlegen kann.

Wie würde denn deiner Meinung nach ein reformierter Mord-Paragraph aussehen?

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@JunkerIus

Ich bin kein Strafrechler, aber optimalerweise fängt er schon an mit "Wer [X macht], wird mit Y bestraft."
Also nicht den Mörder beschreiben, sondern die Tat des Mordes und was sie von einem Totschlag unterscheidet

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@theCapsicum

Aber kommt es nicht gerade auf die besondere Umstände an, die der Täter mitbringt? Bis auf gemeingefährliche Mittel, wo dann ja entscheidend ist, inwieweit ein eingesetztes Tötungsmittel zur Gefährdung von einer Vielzahl von Menschen geeignet ist. Was könnten denn andere Möglichkeiten sein, Mord von anderen Tötungsdelikten zu unterscheiden?

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@JunkerIus

Das Problem ist der Gedanke des Textes. Man verurteilt Leute dafür wie sie sind, nicht für das was sie tun.

Wer etwas sehr schlimmes durchführt, aber nicht dem Typus entspricht, ist heute kein Mörder.

Wer Habgierig ist und Taten verdecken will, aber aufgrund der Wahl seiner vollkommen ungeeigneten Mittel nichts zustande bringt, kann trotzdem versuchter Mörder sein.

Da streiten Strafrechtler schon länger darüber und ich denke auch, wir werden da wohl noch Änderungen sehen.

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@theCapsicum

Hmm ja, verstehe. Nur nichts zustande bringen, dürfte nicht reichen. Es muss schon im Ansatz was getan werden, um vom Versuch zu sprechen. Ich halte es trotzdem für sinnvoll, dass die "Besonderheit" von Mord auf den Schultern des Täters ruht. Am Ende obliegt es ja den Richtern, festzustellen, ob es Totschlagoder Mord war. Wär aber mal interessant, wie die Schöffen z.B. plädiert haben.

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Hier kommt es, denke ich, ganz stark auf den Einzelfall an. Ein Mord wird ja auch irgendwie immer erst konstruiert und kann selten von vornherein erkannt werden.

Im Hamburger-Raserfall bin ich sicher, dass es mindestens Totschlag sein müsste. Mord könnte ich echt nicht sagen.

Der Berliner Raserfall wurde ja das erste Mordurteil verworfen, aber die Richter ziehen wieder Mord in Betracht. Ich hab mir das Urteil des LG Berlin durchgelesen und hätte, ohne juristisch geschult zu sein, auf Mord getippt. Der BGH hat dies ja nicht direkt verneint.

Persönlich würde ich aber schon behaupten, dass Rasen mit Todesfolge auch Mord sein kann.

Mord ist übertrieben.

Fahrlässiges Verhalten mit Todesfolge ist das meiner Meinung nach.

Von solchen Fällen selbstverständlich abgesehen, wo mal jemand mit eiskalter Absicht in eine Fußgängerzone gerast ist, mit der Absicht möglichst viele Menschen zu töten.

Auch ein sogenannter "Erweiterter Selbstmord" mit dem Auto ist meiner Meinung nach Mord.

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