Mord auf North Sentinel Island - ethische und moralische Bewertung?

Das Ergebnis basiert auf 15 Abstimmungen

Andere Bewertung aufgrund der besonderen Umstände 86%
Eindeutiger Mord der geahndet werden sollte 13%

15 Antworten

Andere Bewertung aufgrund der besonderen Umstände

Diese Leute haben klar zu verstehen gegeben, daß ihnen nichts daran liegt, wenn Frem­de die Insel besuchen kommen. Sie haben auch keine Verpflichtung, sich an die Gesetze von Fremden zu halten, und sie haben eben entschieden, daß sie lieber allein bleiben möchten. Das kann man für klug oder dumm halten, aber ich sehe nicht, wie man es moralisch kritisieren kann. Suum cuique.

Der Amerikaner hat eine seehr dumme Entscheidung getroffen, und muß eben die Kon­sequenzen tragen. Da kann man jetzt auch suum cuique sagen, oder auch Darwin rules. Die indische Regierung, deren Geschichte im Umgang mit Minderheiten nicht im­mer ganz ruhmreich war, macht in diesem Fall (und weniger auch bei den Jarawa auf den Aṇḍamānen-Hautinseln) genau das Richtige.

Du kannst auch nicht in einem wandern Nationalpark gehen und Dich dann be­schwe­ren, daß die Löwen nicht gastfreundlich waren — und das, obwohl Du dort sogar ein Eintrittsticket gekauft hast.

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Nachtrag: Anscheinend war er nicht nur Tourist sondern auch Missionar. Toll. Bei manchen Leuten kann man wirklich nur sagen, daß das Buchen eines one-way-tickets nach North Sentinel Island das beste ist, was sie der Menschheit schenken können.

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Andere Bewertung aufgrund der besonderen Umstände

da die Insel nur formal zu Indien gehört, aber kein indischer Polizist oder Richter die Insel betritt, ist das wohl sowas wie ein Rechtsfreier Raum, bzw. es gelten die archaischen Regeln dieses Volkes, die keiner so genau kennt, und auch nicht kontrolliert.

Niemand wird auf die Idee kommen, das indische Recht dort einzuführen und durchzusetzen.

Es wäre auch kaum ein Mord nach unserem Gesetz.

Wenn jemand Fremdes ein Land angreift, ist das eine kriegerische Handlung aus Sicht der Bewohner.

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Der amerikanische Tourist hat das Land angegriffen? Dann kam er also mit einer Armee.

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@Zicke52

Nein, aber er kam mit Bakterien. Als die indische Regierung in den 70ern regel­mäßige Kontakte zu den Sentinelesen aufbauen wollte, mußten alle Beteiligten einen Gesund­heits­check und eine Des­infek­tions­proze­dur über sich ergehen lassen. Der Touri hat das bestimmt nicht getan, und allein das reicht als Grund zur Selbstverteidigung.

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@Zicke52

wenn eine Gesellschaft die nie gross mit modernen Zivilisationen in Berührung gekommen ist von Fremden "besucht" wird .. dann ist das aus deren Sicht ein Angriff. Der muss nicht mit Waffen erfolgen.

kletter mal in den USA in ländlicher Gegend über einen privaten Zaun um dir mal anzusehen wie die da wohnen und was sie im Garten anpflanzen ...

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Andere Bewertung aufgrund der besonderen Umstände

Das war keine Mord.

Mord ist streng definiert.

§ 211

Mord

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.

(2) Mörder ist, wer

  • aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
  • heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
  • um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,

einen Menschen tötet.

Ich erkenne da keine aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen.

Die haben Ihr Land verteidigt.

Ich erkenne auch keine heimtückisch (ES WAR IHM BEKANNT.) oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln (Eine Tötung ist gemeingefährlich, wenn ein Mittel eingesetzt wird, das in der konkreten Tatsituation eine Mehrzahl von Menschen an Leib und Leben gefährden kann und bei dem die Ausdehnung der Gefahr vom Täter nicht beherrscht wird. Also Sprengstoff oder ne Wasserversorgung vergiften)

Ich sehe hier auch kein um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken.

Die haben Ihr Land verteidigt.

Also kein Mord.

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Ja, ich hätte "Tötung" schreiben sollen. Die Frage soll ja sein ob es als Mord anzusehen ist oder nicht. Wobei ich das selbst unter dieser juristischen Definition nicht so eindeutig finde.

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"Die haben ihr Land verteidigt"

Quatsch. Das war kein kriegerischer Angreifer, sondern ein Tourist.

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@Zicke52

Auf den Aṇḍamānen lebten noch im 19. Jhd. 15+ verschiedene Stämme, heute sind es drei. Die anderen sind zugrunde gegangen an Infektions- und Geschlechts­krank­heiten, am Alkohol und am Landraub, an der Zwangsmissionierung und an Um­siede­lungs­projekten, und an kultureller Selbstaufgabe.

Jeder der von außen kommt, ist eine tödliche Bedrohung für ein Steinzeitvolk.

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@RudolfFischer

Zwangsmissionierung = Kulturzerstörurung. Die Leute mußten ihren stein­zeit­lichen Lebensstil aufgeben (weil sie ja jetzt wie gute Christenmenschen in Häusern wohnen und Kleider tragen, was mit dem Jäger-und-Sammler-Leben unvereinbar ist). Weil sie in dieser neuen Lebensart inkompetent waren und gleichzeitig von den zugezogenen Briten, Indern und Burmesen gesellschaftlich marginalisiert wurden, konnte da nur eine Katastrophe rauskommen.

Auf Great Andaman Island gab es ein Dutzend Stämme mit verschiedenen Sprachen und verschiedenem Lebensstil. Die sind ausgerottet — die paar Über­leben­den versuchen gerade, so etwas wie eine Mischkultur aus den ursprünglichen Stämmen zu etablieren und zumindest als ein „Synthesestamm“ weiterzuleben, und scheitern dabei auf allen Linien.

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@indiachinacook

Es mir neu, dass gute Christenmenschen in Häusern wohnen und Kleider tragen müssen. Nach Mat 8,20 hatte Jesus kein Haus, und die Jünger sind nackt zum Fischen gegangen. :-))

In Häusern zu wohnen und Kleidung zu tragen, ist nicht Gegenstand christlicher Lehre, sondern eine kulturelle Gewohnheit, die es auch schon vor dem Christentum in Teilen der Welt gab.

Ansonsten passiert das ja laufend, dass die eine Kultur die andere infiziert und die Menschen darunter leiden. Ich denke z.B. an den ganzen kulturellen Mist, der von den USA nach Europa transferiert wird.

Ansonsten tun mir die Andaman natürlich leid. Eine Lösung gab es für sie aber nicht, denn auch isoliert wären sie an der Globalisierung zugrunde gegangen, allein wegen des Klimawandels und der Meeresverseuchung, nur etwas später. Die meisten Menschen haben noch nicht begriffen, dass es die meisten von uns erwischen wird.

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@RudolfFischer

Die Briten hatten da wohl eine andere Auffassung von Christentum und Mt 8,20. ☹

Und diese Art von genozidalem Kolonialismus mit dem bißchen Junk-Kultur aus den USA zu vergleichen, ist grenzwertig geschmacklos. Wir können uns wehren.

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@indiachinacook

ZItat: "Wir können uns wehren."

Du meinst, die Steinzeitmenschen sind als unmündig einzustufen?

Überhaupt: eine so kleine Menschengemeinschaft (auch vor der Kolonisation) ist nicht überlebensfähig, wenn sie sich komplett abschottet. Da ist der Genpool nicht groß genug.

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