moralisch sinnvoll?

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2 Antworten

Für die Beantwortung der Frage muss man sehr weit zurückgehen: Zu den Strafzwecken. Die Frage ist: Warum bestraft der Staat einen Menschen für ein bestimmtes Verhalten?

Anerkannt in der heutigen Vereinigungslehre, die mehrere Strafzwecke vereinigt, sind heute folgende Zwecke, die eine Strafe haben kann:

  • Schuldausgleich / Sühne: Ausgleich der Schuld einer Tat durch ein umgerechnetes gleichwertiges Übel (Gefängnis oder Geldstrafe).
  • Generalprävention: Stärkung des Gerechtigkeitsempfinden der Allgemeinheit und Abschreckung potentieller weiterer Täter.
  • Spezialprävention: Besserung des Täters und Abschreckung des Täters vor weiteren Taten bzw. Schutz der Allgemeinheit vor dem gefährlichen Täter.

Wenn man sich diese Strafzwecke vor Augen führt, wird auch klar, was beispielsweise Bewährungsstrafen für einen Sinn haben.

Und auch deine Frage lässt sich mit diesen Überlegungen beantworten. Der Gedanke ist: Je jünger jemand ist, desto besser ist er noch zu formen.

Das bedeutet: Der Zweck des Jugendstrafrechts (mit allen seinen Sanktionen) ist in erster Linie die Besserung und Erziehung des jugendlichen Täters, um ihn vor weiteren Straftaten zu bewahren. Dieser Zweck ist auch in § 2 JGG gesetzlich festgelegt.

Die Frage ist ja, was man durch die Strafe erreichen will. Und hier ist die Antwort: Während bei Erwachsenen eine große Rolle spielt, das begangene Unrecht zu sühnen, ist bei Jugendlichen der Hauptgedanke: Wie schaffen wir es, den Jugendlichen auf den richtigen Weg zurückzubringen, damit er sein restliches Leben in vernüftiger Weise und ohne Straftaten führen kann?

Es kann nicht Sinn der Strafe sein, einen Jugendlichen möglichst lange wegzusperren. Das würde vollkommen in die falsche Richtung wirken. Man stelle sich einen 15-Jährigen vor, der lange ins Gefängnis kommt, mit 24 Jahren den Knast wieder verlässt - wie wahrscheinlich ist es wohl, dass dieser Mensch ein "normales" Leben führen wird?

Ich sage damit nicht, dass kein Jugendlicher lange eingesperrt werden dürfte. Natürlich gibt es Straftaten, die eine solche Strafe verdienen, und auch das berücksichtig das Jugendstrafrecht - allerdings als letztmögliches Mittel.

Ein weiterer Aspekt ist zu berücksichtigen: Ein Jugendlicher kann sein Verhalten schlicht und einfach nicht in dem Maße überblicken, wie es ein Erwachsener kann. Er kann, je jünger er ist, nicht die Tragweite seines Tuns erfassen. Dieser Gedanke rechtfertigt es, ihn "milder" zu bestrafen als denjenigen, der genau weiß, was er tut.

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Im Strafrecht spielt nicht nur das "WAS", sondern auch das "WARUM" eine Rolle - also der Grund oder der Anlass für eine Tat. Um das richtig zu bewerten, muss man also berücksichtig, ob sich der Täter überhaupt komplett über Art und Folgen seiner Tat bewusst war. Jugendliche haben noch nicht die Erfahrungen eines Erwachsenen und können Konsequenzen und Folgen noch nicht so genau einschätzen. Daher ist es moralisch sinnvoll, bei ihnen den "Lerneffekt" und nicht die bloße Bestrafung in den Vordergrund zu stellen.

Jetzt mal ganz ehrlich: wie kann ein 16-Jähriger Schüler, der nie eigenes Geld verdient hat, nie die Miete zahlen musste und auch nie mehr Verantwortung übernommen hat, als über ein Haustier genau so hoch bestraft werden, wie ein Erwachsener, der die Konsequenzen seiner Tat ganz genau kennt?

Zugegeben, wenn man den Gedanken weiter spinnt, müsste es auch ein eigenes Strafrecht für Harz4-Empfänger geben....

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