Möchtest Du vom Land in die Stadt fliehen, weil du keine Wahl hast oder möchtest Du einen lebenswerten ländlichen Raum?

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Die Frage wurde im Rahmen der Aktion „Wahl-Special“ von einem ausgewählten Politiker an die gutefrage-Community gerichtet. Ab Montag, den 13. September 2021, bis Freitag, den 17. September, stellen Spitzenpolitiker und angehende Parlamentarier Fragen an ihre potentiellen Wähler auf gutefrage.

Weitere Informationen zur Aktion findest Du hier: https://www.gutefrage.net/aktionen/wahlspecial/

36 Antworten

Möchtest Du vom Land in die Stadt fliehen, weil du keine Wahl hast oder möchtest Du einen lebenswerten ländlichen Raum?

Ich habe auf dem Land gewohnt und bin jetzt in den Vorort einer Metropole gezogen, einfach weil es schon praktischer ist und man eben alle Möglichkeiten hat. Aber ich hatte die freie Wahl. Also einen Zwang erkenne ich da nicht.

Aber natürlich ist ein lebenswerter ländlicher Raum wichtig. Dazu gehören aber auch Arbeitsplätze in der Nähe -- nicht nur Kindergärten oder Ärzte. Wer weit in die Stadt pendeln würde, der wird auch lieber stadtnah wohnen.

Rein prinzipiell finde ich aber den Ansatz von weiten naturnahen Räumen und einer Fokussierung auf Städte nicht grundfalsch. Es müsste aber ausreichend lebenswerte Vororte mit großen Grundstücken, tollen Häusern und viel Grün geben. Stadt sollte nicht immer "Verdichtung" bedeuten. Im Gegenteil finde ich größere Grundstücke und viel Grün wichtig. Dazu müsste aber viel mehr Bauland ausgeschrieben werden.

Hallo,

am besten finde ich ländlichen Raum, der in der Nähe zu einer Stadt ist. Man hat dann die Vorteile der Stadt und die Vorteile des Landlebens.

Grundsätzlich bin ich schon eher ein "Dorfkind", weil ich es nicht mag, wenn so viel Trubel um mich herum ist. Man muss definitiv auch in Zukunft schauen, dass das Leben am Land lebenswert ist. Vor allem für ältere Leute ist es wichtig, dass es regional Einkaufsmöglichkeiten gibt. Sonst wird die Flucht vom Land in die Stadt nur beschleunigt!

LG

Woher ich das weiß:Hobby – Habe mich viel mit Corona befasst und bin vollimmunisiert

Sehr geehrter Herr Graf Staufenberg,

danke, dass Sie sich hier den Fragen stellen. Gern schildere ich Ihnen meine Situation bzw. meine Gedanken zu Ihrer Frage.

Ich (31 Jahre, verheiratet seit 2021 und noch kinderlos; aufgewachsen als nicht immer gern gesehenes "Ausländerkind" in einer typischen, in den 50ern/60ern erbauten Neue-Heimat-Mehrfamilienhaussiedlung; Mittlere Reife 2007, gelernter Industriekaufmann, mittlerweile in einem verwandten Beruf tätig - heute im Corona-HomeOffice) war selbst einige Jahre Gemeinderat - allerdings nicht bei der FDP, sondern zugegeben für die CDU. Meine Ausrichtung bezeichne ich als linksgerichteten Konservativen leicht links der Mitte; die Ansichten liegen zwischen CDU und SPD. Generell war mein Ansinnen immer, dass Entscheidungen nicht fraktionslastig, sondern im Sinne der Allgemeinheit (der Wähler) zu treffen sind, was jedoch nicht jedem gefiel.

Möchtest Du vom Land in die Stadt fliehen, weil du keine Wahl hast oder möchtest Du einen lebenswerten ländlichen Raum?

Ich möchte einen lebenswerten Ländlichen Raum haben und setze meinen Schwerpunkt auf den Ländlichen Raum, in dem ich trotz unmittelbarer Nähe zu einer Großstadt (20 Minuten) wohne - mir ist wichtig, was die Politiker und unsere hiesigen Bundestagskandidaten in Baden-Württemberg (grenznah zu Bayern indes) auf Lager haben und wie glaubwürdig sie es präsentieren, damit die Infrastruktur hier nicht ausblutet und nicht nur Stuttgart und vielleicht noch Ludwigsburg und wenn es hoch kommt, damit der badische Teil zufrieden ist, eventuell noch Karlsruhe im Fokus stehen und alles andere letzten Endes vergessen wird - und das kann man auch auf die Bundespolitik so beziehen. 

Der Ländliche Raum ist daher eine Keimzelle von AfD und Nichtwählern. Ich kenne einige Menschen verschiedener Altersklassen, die im Ländlichen Raum das Vertrauen in den Staat oder viel mehr die Volksparteien verloren haben, nachdem deren Abgeordnete zwar immer große Augen und heiße Ohren bekamen, wenn Pressefotos geknipst wurden, aber am Ende dann effektiv doch "nix" getan haben, das den Leuten geholfen und teils prekäre örtliche Zustände verbessert hätte. De Leute sind dort nicht notwendigerweise braun angehaucht, sondern enttäuscht und wissen nicht mehr, was sie wählen sollen; sie fühlen sich verkauft und vorgeführt - auch in Westdeutschland. Wer auf den bösen Osten schimpft, der macht es sich zu leicht.

In einem traditionell sehr CDU-lastigen kleinen 3000-Einwohner-Ort in der Nähe meiner (westdeutschen) Heimat war die AfD bei der letzten Wahl zur stärksten Kraft geworden -----> auch wenn ich der AfD nicht nahe stehe, verstehe ich das teilweise und hatte es im Vorfeld geahnt. Ich habe in diesem Zuge 2017 einen damals 87 Jahre alten Mann von dort getroffen, der die AfD wählte und dazu stand. Er fühlte sich, wie er mir glaubhaft mitteilte, von den "Krawattenträgern, die beim Pressefototermin grinsen und das Blaue vom Himmel versprechen" (O-Ton) veralbert. Nichts, so sagte er, was die CDU- und SPD-Abgeordneten alle paar Jahre im Schützenhaus beim Wahlkampf der Dorfgemeinschaft versprachen, wurde jemals gehalten; viel mehr sei nur "vertröstet, versprochen und gebrochen" worden und er ist da nicht der einzige, der so denkt, sondern einer von vielen - ich weiß auch von Intellektuellen mit guter Bildung und guten Berufen, die weder verkopft noch "nicht ganz dicht" oder braun sind, aber mit der AfD sympathisieren, weil sie ihre eigenen eher konservativen Werte bei der (Merkel-)CDU nicht mehr gefunden haben.

Leider kann ich das soweit alles bestätigen, weil ich die "Szene" in dem Ort und deren Probleme seit Jahren auch aus meiner früheren kommunalpolitischen Epoche sehr gut kenne und muss sagen -----> da wundert mich es nicht, dass man aus Protest die AfD oder eben gar nicht mehr wählte, weil man den Volksparteien nicht mehr traut. Gerade in ländlichen Räumen fühlen sich immer mehr Leute von den "Volksparteien" im Stich gelassen: Die aktuelle Politikverdrossenheit ist mehrheitlich auf das Versagen der Parteien -und in BaWü auch der Grünen, die aus meiner Sicht in vielerlei Hinsicht eine reine "Stuttgart-Partei" sind, wenngleich Winfried Kretschmann durchaus seriös ist und glaubwürdig - zurückzuführen.

Wie schon gesagt: Vor der Presse wird gern vom "ländlichen Raum" und seiner Wichtigkeit/Wertigkeit gepredigt, weil es gut klingt und die Leute das hören wollen, aber nach der gewonnenen Wahl will kaum ein MdB oder MdL mehr was davon wissen. Keine Partei, die nach jeder Wahlschlappe oder aufgrund niedriger Umfragewerte auf "traurig" macht und dann doch nichts ändert, braucht sich über Nichtwähler oder AfD-Zulauf zu beschweren.

Wir sind hier echt zufrieden und möchten nicht mehr umziehen, auch um unseren geplanten Kindern ein Leben in der direkten Stadt zu ersparen - wir wollen nicht erst 50 Kilometer fahren oder durch überfüllte Parks rennen müssen, damit die Kiddies Grün sehen. Beruflich passt es, es gibt eine ärztliche Versorgung vor Ort - meine Frau muss demnächst am Hallux Valgus operiert werden, das geschieht vor Ort. Man fühlt sich im Ländlichen Raum doch sicherer, die Stärken liegen in der Übersichtlichkeit, aber auch im Bereich für Normalverdiener schaffbarer Lebenshaltungskosten, Erholungsmöglichkeiten in erreichbarer Nähe und bei uns einer verglichen mit anderer Provinz doch relativ passablen Infrastruktur, die lediglich hinsichtlich ÖPNV-Verbindungen in kleinen Dörfern Defizite aufweist und dadurch ein Problem mit sich bringt: Der (fiktive, aber so oder so überall anzutreffende) 93-jährige Opa Heinz vom Dorf eiert sicherlich nicht aus Spaß in seinem alten Opel Kadett rum, sondern weil er keine andere Wahl hat - die Kinder und Enkel haben keine Zeit oder sind nicht vor Ort, der Bus fährt nur zweimal am Tag vor und nach der Schule, der Zug überhaupt nicht mehr. Hier sollten Nachbarschaftshilfevereine und weitere Institutionen peu à peu andocken, doch dafür ist man derzeit noch nicht allerorten reif - andererseits kann es auch nicht sein, dass offensichtlich Fahruntüchtige wissentlich um ihrer gesundheitlichen Probleme immer noch unterwegs sind, weil sie es letztlich müssen.

Auch der Ländliche Raum hat Nachteile; mir stoßen Tratschgemeinschaften in kleinen Orten genauso auf wie Bigotterie, Intoleranz und Seilschaften sowie Neugierde und Vereinsmeierei. Aber in einer Kreisstadt lässt es sich aushalten und das auch bei - wie bei uns - recht beschränktem Kontaktraum auf Familie, Freunde und direkte Arbeitskollegen sowie ein paar Nachbarn.

Mit freundlichen Grüßen!

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Möchtest Du vom Land in die Stadt fliehen

Eher umgekehrt. Ich arbeite zwar oft in der Stadt, aber nicht immer. Ich wohne in einer relativ kleinen Stadt, aber wenn ich bedenke, wie es in einer Großstadt zugeht, ist mir das als Wohnsituation völlig zuwider. Stattdessen wäre mein Ziel ein kleines Eigenheim auf dem Land, wo man einander noch kennt.

Wir leben vor den Toren einer Großstadt. Und da lebt es sich gut. Klar - langer Arbeitsweg. Aber ich könnte mir auch einen Job suchen der näher dran ist. Stört mich aber im Grunde auch nicht wirklich - solange man mich nicht in die Öffis zwingt ;-).

Wäre ich jünger, dann würde mir die Stadt wohl besser gefallen. Mehr abendliche Unterhaltungen, Bars, Restaurants und Kneipen vor der Tür.

Aber nun schätze ich doch eher das beschauliche Leben in einer ruhigen Umgebung.

Und die Ecken der Großstadt vor deren Tore ich lebe und wo ich wohnen wollen würde, sind eh unerschwinglich ;-). Also ist das auch gar kein Thema.

Komplett auf dem Dorf, beinahe fernab jeglicher Zivilisation würde ich aber nicht wohnen wollen. Es muss halt Alles gut erreichbar sein: Ärzte, Geschäfte, öffentliche Einrichtungen, Schulen, Kitas. Und da würde ich mir (für später, wenn ich das Auto nicht mehr nutzen kann ;-)) auch freie Fahrt in den Öffis wünschen.

Die Großstadt ist in der Regel laut und quirlig. Und in manchen Stadtteilen möchte ich nicht tot überm Zaun hängen...

Als begeisterte Onlineshopperin sind mir Einkaufszentren eh egal. Und ob man will oder nicht, aber Onlineshopping ist nun mal die Zukunft. Die Innenstädte werden sich verändern. Wie, das entscheidet sich letztendlich auch durch die Politik.

Grüne Ruheoasen für gestresste Großstädter - das wäre schön!

Als ich im jugendlichen Alter war, habe ich die Gegend gehasst hier. 1 Stunde mit dem Bus in die Schule. Der Bus fuhr nur jede Stunde. Außer dem Schützenverein (absolut nicht meins!) gab es nichts für junge Leute. In die Disco sind wir auch eine Stunde gefahren. Und nur weil meine Eltern von der Stadt ins "Kuhdorf" gezogen sind ;-).

Heute - über 40 Jahre später, ist die Großstadt näher gerückt. Viele Städter sind über die Jahre rausgezogen. Bessere Verkehrsanbindungen. Jede Supermarktkette vertreten...Allerdings sind auch die Mieten explodiert... Und das ist leider auch das Hauptproblem. Leerstand über Jahre von privaten Vermietern. Aber da kann man leider nichts machen.

Und so wird die nachfolgende Generation noch weiter rausziehen müssen. Obwohl sich auch erstaunlich Viele den Luxus der Großstadt leisten können - es sei ihnen gegönnt. Aber wie gesagt: wohnen möchte ich da gar nicht (mehr), selbst wenn ich mir die Villa oder das Penthouse am Fluss dort leisten könnte.

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