Möchte gerne einen Kampfsportart anfangen - möchte mich für karate, Boxen oder wing Tsun entscheiden. Wobei ich für Wing Tsun wäre.(noch nicht sicher)?

6 Antworten

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Zunächst im Grundsatz: Es gibt keine "überlegene" oder "die beste" Kampfsport/Kunstart, um sie zur Selbstverteidigung zu nutzen. Gerät ein unbedarfter Angreifer an einen jahrelang trainierten Judomeister, liegt er binnen einer Sekunde im Gras - und segelt dann im Würgegriff ins Reich der Träume, dies nur als Beispiel.

Ob ein Kampfsport zur Selbstverteidigung angewendet werden kann, ist vor allen Dingen von der Gesamtdauer (Erfahrung) der Trainingspraxis - und zum zweiten natürlich auch von der Qualität des Trainings selbst abhängig. Leider tummeln sich in der Szene zu viele selbsternannte "Kampfkunstlehrer", die den Neulingen wahre Wunder versprechen, was aber in der Realität einer Überprüfung meisten nicht standhält. "Unbesiegbar in 10 Doppelstunden"? Kannste munter vergessen.!

Ich betreibe zum Beispiel seit inzwischen genau 25 Jahren Shotokan-Karate, also quasi der "Klassiker" des japanischen Karate, dies auch als Übungsleiter. Gestalte ich das Training vorzugsweise so, dass regelmäßig Kampfübungen mit dem Partner (mal "frei", mal "halbfrei" und auch gerne mal "unfrei") eingebaut werden, führt dies über die Jahre der Trainingszeit zu einem Automatisierungsgrad. Der Aktive denkt also nicht länger über die Bewegungsfolgen nach, sondern lässt sie einfach "flutschen". Selbstverständlich erhöhen diese über die Jahre gesammelten Kenntnisse in der Anwendungsform auch deine Chancen in der Selbstverteidigung, egal um welchen Sport es sich dabei handelt.

Trainierst du jedoch zum Vergleich bei einem Karate-Lehrer, der evtl. in frühreren Zeiten eine erfolgreiche Wettkampfkarriere in der Disziplin "Kata" (= Form) hinter sich hat, dann triffst du zwar sicherlich auf einen exzellenten Techniker. Falls aber schwerpunktmäßig dadurch die Kampf- und Partnerübungen im Training zu kurz kommen sollten, wird der Nutzen für die Selbstverteidigung nicht allzu groß werden, denn Selbstverteidigung bedeutet immer auch "Timing". Eine Abwehr und ein Gegenangriff, die zu spät kommen, sind nutzlos - auch wenn sie technisch brilliant sind.

Ich empfehle dir grundsätzlich:

Suche dir in deinem näheren Umkreis einen eingetragenen Verein des Deutschen Sportbundes (nicht unbedingt eine Privatschule = meistens zu teuer und zu oft qualititativ fragwürdig. "Kampfkunstlehrer" ist kein geschützter Begriff; jeder selbsternannte "Guru" kann sich so nennen und eine selbstgebastelte Urkunde vorlegen), und mach dort ein Probetraining mit. Auskünfte bekommst du im Rathaus - oder im Netz. Das Kampfsport-Genre ist dabei eher Geschmackssache, du hast also die Qual der Wahl. Gefällt es dir, dann bleib dabei. Ein zwei- bis dreimaliges Training pro Woche ist dabei ausreichend, es sei denn, du willst es als Leistungssport betreiben. Und über die Jahre wird sich auch der Nutzen in puncto Selbstverteidung ganz automatisch einstellen.   

Freue mich, wenn ich dir helfen konnte.

 

 

Ich habe einige Jahre Kickboxen und Muay Thai betrieben. Sicher kommt das auch auf den Trainer, bzw. das Studio an und wie verantwortungsbewusst dort trainiert wird, bzw. was die Absicht ist dir an die Hand zu geben. In meinem Studio stand der Sport und das Training, bzw. die Fitness an erster Stelle.

Vom Training her kann ich sagen, dass es sowohl Ausdauer, Koordination, Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Kraft fordert und fördert.

Allerdings ist auch ein Verletzungsrisiko gegeben. Trotz Schutzausrüstung kann schonmal ein Schlag sitzen (Sparring) wenn man einen Moment unachtsam war dann hat man halt eine geprellte Rippe und kann zumindest 2-3 Wochen keinen Sport mehr machen.

Weitere Verletzungen von mir waren über die Jahre: blutige Lippen, blaue Augen und Handgelenksprellungen - nicht oft, aber kam schonmal vor.

Aber alles in allem ein schöner Sport.

Zur Selbstverteidigung habe ich es nie benötigt, kann darüber also nichts sagen.

Also: Kampfsport und Selbstverteidigung sind meistens zwei grundverschiedene Dinge. Während es beim Kampfsport um SPORT geht (wer häts gedacht?) geht es bei der Selbstverteidigung darum gegen mehrere Gegner, bewaffnete oder natürlich auch einzelne Personen zu wehren. Die Location ist natürlich auch eine andere. Der Kampfsportler ist im Ring/Käfig, während derjenige der Selbstverteidigung praktiziert für die Straße trainiert.

Ich könnte jetzt noch einen ganzen Roman über die Unterschiede zwischen Selbstverteidigung und Kampfsport schreiben, doch das lass ich mal, geht zu sehr ins Detail. Wenn du Selbstverteidigung erlernen möchtest empfehle ich dir entweder Krav Maga oder Jeet Kune Do bzw. Lee Jun Fan Kung Fu. Jun Fan ist ein Hybrid Stil, welcher von Bruce Lee entwickelt wurde und mehrere Kampfkünste/Kampfsportarten wie Kung Fu, Wing Chun, Muay Thai, Kickboxen, Ringen, Silat und Filipino Martial Arts miteinander vereint.

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