Mobiler Blitzer, Probezeit

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2 Antworten

Wenn wir mal im schlimmsten Fall von 30 km/h zu viel (= 100 km/h vom Tacho abgelesen) ausgehen, könnte es kritisch für dich werden. Ich rechne es dir gern mal vor: Ein Autotacho geht nie exakt, sondern muss sogar etwas mehr anzeigen, als du tatsächlich fährst, meist zwischen 5 und 10 km/h. Das nennt sich Vorauseilung. Nun bin ich mal knausrig und sage, dass dein Tacho nur 5 km/h vorauseilt, dann wärst du bei 95 km/h tatsächlich gemessener Geschwindigkeit. Weil die Messung aber nicht immer ganz exakt misst, werden von der Messung nochmals 3 km/h Toleranz abgezogen. Dann bist du noch bei 92 km/h (= 22 km/h Überschreitung), das ist schließlich auch die vorwerfbare Geschwindigkeit, d.h. das ist der endgültige Tatvorwurf.

Da du damit über der kritischen Grenze wärst (>20 km/h), wäre dafür ein Aufbauseminar fällig, dazu käme noch ein Bußgeld von 70 Euro, 28,50 Euro Gebühren, 1 Punkt in Flensburg, aber noch kein Fahrverbot. Wie gesagt, das alles nur, wenn meine oben aufgestellte "knapp kalkulierte" Modellrechnung genauso zutrifft. Dein Tacho kann stärker vorauseilen oder du hast zu viel vom Tacho abgelesen. Schon bist du bis 20 km/h bei einem Verwarnungsgeld von 30 Euro ohne weitere Folgen, und das ist sogar sehr wahrscheinlich.

Nun zu deiner eigentlichen Frage: Wenn deine Freundin die Halterin des Fahrzeugs ist, bekommt sie als erste Post von der Bußgeldstelle, nämlich einen sogenannten Zeugenfragebogen. Darauf ist der Tatvorwurf angegeben, manchmal sogar schon das Blitzerfoto beigefügt, und sie wird gebeten, den Fahrer zu nennen. Ein Zeugnisverweigerungsrecht hat sie dabei nicht, weil du nicht mit ihr verheiratet oder sonst verwandt bist, d.h. sie ist zur Aussage verpflichtet. Sie kann sich nur darauf berufen, dass sie sich nicht erinnern kann, wer zu dieser Zeit gefahren ist. Falls die vorwerfbare Geschwindigkeit weniger als 21 km/h beträgt, wird in dem Brief ohnehin gleich ein Verwarnungsgeld angeboten werden, das binnen einer Woche zu zahlen ist.

Falls die Geschwindigkeit darüber liegt, kann sie zwar versuchen den Verstoß zuzugeben, ob sie damit durchkommt, ist eine andere Frage. Denn wenn du ihr nicht ziemlich ähnlich siehst, wird der Sachbearbeiter in der Bußgeldstelle ihrer Aussage bestimmt nicht blind vertrauen. Eine einfache Möglichkeit wäre eine Auskunft bei der Meldebehörde einzuholen, in dem man ihr gespeichertes Ausweisfoto mit dem Blitzerfoto abgleicht oder man schickt einfach die Polizei in eure Nachbarschaft mit dem Foto und fragt herum, wer diese Person kennt.

Versuchen könnt ihr es natürlich mal, wenn deine Freundin sich selbst belastet, macht sie sich auch nicht strafbar. Dann könnt ihr nur noch hoffen, ob der Aufwand für die Bußgeldstelle nicht zu hoch ist, sodass das Verfahren eingestellt wird. Aber eine Garantie, dass ihr damit durchkommt, gibt es natürlich nicht.

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Kommentar von Crysian
11.03.2014, 11:57

Nun sind wir aber verlobt. Hat sie in diesem Fall ein Zeugnisverweigerungsrecht?

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Wenn du geblitzt wurdest ist da ja ein Foto dabei. Die sind besser als man meint...

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