Mittelalter und Staat?

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Der mittelalterliche Staat hatte, anders als ein moderner Staat, keine Verfassung, die die Beziehungen der Menschen zum Staat, die Beziehungen der verschiedenen Staatsgewalten zueinander und ihre gegenseitigen Rechte allgemeinverbindlich festschrieb. Im Mittelalter war nur wenig geregelt, selbst ein König erhielt zwar Respekt und ehrenvolle Behandlung, aber nicht unbedingt Gehorsam. Der König musste sich mit den Großen seines Reiches vor wichtigen Entscheidungen beraten und um ihre Zustimmung werben - oder diese mit Lehen oder anderen Vergünstigungen erkaufen. Die hohen Adeligen mussten mit ihren Gefolgsleuten dem König militärische Hilfe leisten bzw. mussten davon überzeugt werden, es zu tun. Es kam also in höchsten Kreisen auf die persönlichen Beziehungen an.

Aber nicht nur in hochadeligen Kreisen waren die persönlichen Beziehungen entscheidend. Die hohen Adeligen wie auch der König hatten ihre Gefolgsleute, die sich mobilisieren ließen, um ggf. militärische Machtmittel zu haben. Dafür mussten sie ihren Gefolgsleuten Lehen oder Geldzahlungen geben, damit diese ihren Lebensunterhalt bestreiten und militärische Ausrüstung anschaffen konnten, und ihren Zusammenhalt durch Heranziehung an ihren Hof fördern. Wie mächtig ein Hochadliger sein konnte, lag an seiner persönlichen Beziehung zum König, aber auch an der Anzahl der Ritter, die er für sich mobilisieren konnte. Auch der König versammelte seine Hochadligen immer wieder an seinem Hof, woraus sich später die Reichstage entwickelten, Vorläufer unseres Parlamentarismus.

Kurz: vom König bis zum ritterlichen Gefolgsmann kam es vorallem auf die persönlichen Beziehungen der Menschen an, auf ihre Loyalität - oder ihre Gegnerschaft.

MfG

Arnold

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Ich arbeite als Historiker.

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