Mittelalter: Durften Prostituierte die Heilige Messe besuchen?

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9 Antworten

Das Mittelalter umfaßt ungefähr 1000 Jahre, von der Völkerwanderungszeit bis zur Entdeckung Amerikas. Nehmen wir an, Du meinst mit "Mittelalter" das Hochmittelalter in Mitteleuropa, eine Zeit um das 11. Jahrhundert herum.

Zu dieser Zeit las JEDER Priester täglich eine Heilige Messe an einem Altar in einer Kirche oder einer Kapelle. Das tat er in lateinischer Sprache. Wer die Messe "hören" wollte, trat hinzu und pflegte währenddessen seine eigene Andacht, lauschte oder betete an der Paternosterschnur. Nur die wenigsten Menschen konnten Latein und verstehen, was der Priester sagte. So gut wie KEINER nahm am Abendmahl teil. Die tägliche Teilnahme durch Kommunion ist eine Frucht späterer theologischer Entwicklungen. In Kirchen, die eine Vielzahl von (Seiten-) Altären hatten, zelebrierten mehrere Priester gleichzeitig an verschiedenen Altären. So gingen manche von Altar zu Altar, um jeweils einen Teil der Messe zu hören. Die Kirchen waren zu dieser Zeit noch nicht bestuhlt, es gab keine Kirchenbänke. Man stand oder wandelte, war mehr oder weniger fromm, während sich im Hintergrund das Schauspiel der Messe irgendwo ereignete.

Viele wickelten ihre Geschäfte in der Kirche ab, kauften und verkauften (so wie heute an der Börse). Gelegentlich traf man Prostituierte in der Kirche und verabredete sich mit ihnen oder kam gleich an Ort und Stelle in einem hinteren Winkel zur Sache. Um diesen Mißbrauch des Kirchengebäudes zu unterbinden wurden die Frauen in vielen Städten und Kirchspielen in Frauenhäuser zusammengefaßt, wo sie ihrem Beruf nachgehen konnten. Die Frauenhäuser standen i. d. R. unter der Aufsicht des örtlichen Henkers, Vasenmeisters oder Abdeckers. Alle diese Personen, auch die Frauen, waren sogenannte "unehrliche" oder ständelose Menschen. Sie konnten zwar eine Kirche besuchen, waren aber zu den Sakramenten ausdrücklich nicht zugelassen. D. h. ein Henker oder eine Prostituierte konnten weder kirchlich heiraten noch zur Beichte gehen noch die Kommunion empfangen noch ihre Kinder durch einen Priester taufen lassen. Sie konnten wohl die Messe besuchen und hören, die sakramentale Kommunion war ihnen aber verwehrt.

Anders verhält es sich mit den Ablaßbriefen: Selbstverständlich konnten auch Prostituierte Ablaßbriefe erwerben und die Wirkungen des Kaufs ihren Verwandten im Fegefeuer zuwenden. Die Frucht eines Ablaßbriefes konnte man ohnehin nicht für sich selbst erwerben, sondern immer nur für andere Personen, die bereits gestorben waren. Das ist übrigens bei der entschärften und demonetarisierten Form des Ablasses bis heute ähnlich.

Die Verhältnisse waren vor dem Zeitraum, den ich genannt habe, ein wenig anders und sie änderten sich auch wieder danach, ganz besonders durch die Reformation. Da Du aber nicht näher genannt hast, um welchen Zeitraum und um welchen Ort es geht, habe ich das mal "auf Verdacht" so hingeschrieben, ich hoffe, Du kannst etwas damit anfangen. Gruß, q.

D. h. ein Henker oder eine Prostituierte konnten weder kirchlich heiraten noch zur Beichte gehen noch die Kommunion empfangen noch ihre Kinder durch einen Priester taufen lassen.

Ihre Kinder konnten sie, denke ich, schon taufen lassen. Ich hab mir grad mal einen Wolf gegoogelt nach dieser Frage, und habe erstaunlich wenig gefunden. Aber doch schon ein paar Hinweise.

  1. Wenn "unehrliche" Kinder nicht getauft worden wären, wären das bei der großen Anzahl unehrlicher Berufe einfach sehr viele ungetaufte Kinder gewesen. Und ich glaube auch nicht, daß der mittelalterliche Mensch, für den es eine Tragödie ungeahnten Ausmaßes war, nicht getauft zu sein, oder aus der Kirche ausgestoßen zu werden, das so vielen kleinen Kindern antun wollte.

  2. Irgendwo las ich, daß Scharfrichter (das war überall ein unehrlicher Beruf) in einem abgeschiedenen Teilstück des Friedhofes begraben wurden. In geweihter Erde wurden nur getaufte Christen beerdigt. Und meistens war es so, daß ein "Unehrlicher" in seinen Stand hineingeboren wurde.

  3. Ich hab auch mal gelesen, daß der "Pleb" oder Volkspriester den unehrlichen Kindern (wobei ich jetzt nicht weiß. ob es sich um uneheliche oder Kinder aus unehrlichen Berufen oder Ständen handelt) bei der Taufe einen Namen aussuchte. Dabei vergab er gerne vollkommen ungebräuchliche, exotische Heiligennamen, so haftete demjenigen sein ganzes Leben das Stigma der unehrlichen Geburt an (wie gemein und perfide, eigentlich!)

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@emukah

Das wollte ich eigentlich auch noch schreiben: Sehr gute Antwort, DH.

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http://www.deutschland-im-mittelalter.de/prostitution.php diese Seite hilft dir vielleicht bei deiner Suche Die heilige Messe fand immer am Sonntag statt, so wie heute auch, und es wurde genau geschaut das auch ja jeder in die Kirche ging, das war aber bis ins 20.Jhrh. üblich das man Sonntags in die Kirche ging und ist auch heute noch in vielen Ländern einfach eine Pflicht.

Maria Magdalena war auch eine Prostituierte und Jesus hat sie nicht weggeschickt, sondern ihr die Sünden vergeben. Und das auch ohne "Heilige Messe" oder gar "Ablaßbriefe". Letzteres sollte seit Luther ja bekannt sein daß es Unrecht war und nur dazu diente Geld aus den Leuten herauszupressen. Von daher glaube ich, daß im Mittelalter den Gläubigen so ziemlich alles möglich war, so,lange sie dafür bezahlt haben. Über die Irrlehren der RKK kannst du dich hier mal schlau machen - alles Gute!

http://www.jesus-web.de/apostellehre/Die_Katholische_Kirche_und_ihre_Abweichungen.htm

An keiner Stelle des Neuen Testamentes wird gesagt, daß Maria von Magdala eine Prostituierte war. Sie ist eine Person, die Jesus von "sieben bösen Geistern" befreit hatte. Sie ist keine "Sünderin", wie die namentlich nicht genannte Frau, die Jesus salbt und sie ist auch nicht Maria aus Bethanien. Verwechsle bitte die drei Frauen nicht!

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Prostituierte oder die Dirne, war im Mittelalter ein ganz normaler Beruf.
Zudem wurde die Dienstleistung von der Kirche und den Klöstern oft in Anspruch genommen.

Es war ein ehrloser Beruf. Die Prostituierten durften z. B. anderen Bürgern nicht in die Augen sehen, mussten sich durch ein Zeichen als Protituierte kenntlich machen und vieler Orts Sonntags die Städte verlassen. So ganz normal war er nicht, wenn auch benötigt. Danke :)

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@bupu1

Ja, richtig, aber die meisten gingen hin, bis auf die Frauen.

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ja sie konnten es besuchen. waren aber dort nicht gerne gesehen. Die Leute haben sich hinter ihrem Rücken über sie unterhalten. Daher waren Sie wohl nicht sehr oft und gerne gesehene Leute.

Das stimmt nicht, die Freudenhäuser, sorgten in den Zeiten eher für Frieden, weil es zu der zeit viel Frustration gab.

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@Nanoko

Habe ich geschrieben das sie für Frust sorgten? oO

Kann den Teil leider nicht finden...

Ich meinte:

Auch wenn viele Männer dorthin gingen, waren die Frauen von den anderen Frauen nicht gerade verehrt...sie wurden etwas "beäugt" "Was will so eine denn hier...?"

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Kann mir noch jemand sagen, wie oft die Messe oder Heilige Messe stattgefunden hat?

Jeden Tag und sonntags auch mal zwei. Es war Pflicht wenigstens 1x in der Woche teilzunehmen.

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Schon mal herzlichen Dank für die Antworten. Kann man es irgendwo noch genauer nachlesen? Habe selbst viel recherchiert, aber speziel dazu nichts weiter gefunden :(

Die Kirche wirft niemanden raus, außer vllt wenn er sich ungebührlich aufführt. Die Kirchen waren immer geöffnet, für jeden ob Christ od. nicht. Heute sind sie oft verschlossen, wenn keine Messe stattfindet, aus Angst vor Diebstahl, zumindest nachts. . Es gab und gibt heute noch immer das Kirchenasyl. Leute die in die Kirche geflüchtet waren, durften nicht ausgeliefert werden. Das haben heutzutage auch schon Asylanten in Anspruch genommen, die nicht abgeschoben werden wollten. Bei deiner Frage fällt mir die Esmeralda vo Glöckner von Notre Dame ein. Du kennst vllt. die Geschichte. Die Dame konnte nicht festgenommen werden, weil sie in der Kirche Zuflucht gesucht hatte.

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Ja das dürften die alles

natürlich durften die das!

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