Mit welcher Legitimation werden ehemalige Nationalsozialisten gesucht und bestraft?

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11 Antworten

Das ist ungeheuer komplex zu beantworten. Die Fragen, die man sich stellen muss, sind z.B.: Waren die NS-Gesetze (z.B. die Nürnberger Rassegesetze 1935) auf legalem Wege zustandegekommen oder nicht? Existierte tatsächlich eine Eidbindung der staatlichen Behörden bzw. der Streitkräfte auf Hitler oder nicht?

Die historische Forschung ist sich heute einig, dass Hitler das Weimarer System nicht weitergeführt (was die Gesetze legitim gemacht hätte), sondern rechtswidrig für das NS-System vereinnahmt hat. Definitiv verfassungswidrig war z.B. die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers, verfassungswidrig war die Entmachtung des Reichstags, da dies dem in der Weimarer Verfassung proklamierten Prinzip der Volkssouveränität widersprach, verfassungswidrig war der Aufbau einer NS-Justiz (Volksgerichtshof) parallel zum staatlichen Recht usw. Auch die Eidesformel, die die Wehrmacht an Hitler band, ist nie legalisiert, sondern von der Reichswehrführung angedient worden. Damit sind die Gesetze und Regulativen der NS-Zeit auch nach Weimarer Gesetz verfassungswidrig und damit nach gültigem Rechtsverständnis ungültig. Und Mord, Kriegsverbrechen, Verschleppung, Entrechtung der Juden etc. waren sowohl nach Weimarer Recht wie auch nach internationalem Recht (z.B. Haager Landkriegsordnung) verboten bzw. strafbar.

Zudem gilt der moderne Rechtsmaßstab, dass Recht und Gesetz immer material, nie nur formal sein müssen, um gültig zu sein. Das heißt, dass Gesetze, die den Grund- und Menschenrechten entgegenstehen, niemals rechtsgültig sein können. Das ist zwar ebenfalls erst später erkannt und so definiert worden, doch auch im Weimarer Sinn waren die Taten der NS-Führung Verbrechen.

Für die Menschen der damaligen Zeit fehlte häufig diese Einsicht, sie wurde auch vom NS-Regime geschickt mit dem Mantel der Legalität verhängt, völlig klar.

Tatsächlich waren die Anklagepunkte der Nürnberger Prozesse stets umstritten, weil sie erst nach den Taten entstanden. Allerdings waren diese Taten so einzigartig, dass nach ihnen eine Anpassung der Rechtslage als notwendig erkannt wurde, da sozusagen das Undenkbare geschehen war. Und da das Recht nie der Maßstab des Menschen, sondern der Mensch Maßstab des Rechts sein soll, wurden für die entsprechende Taten auch Brüche im Rechtsdenken akzeptiert. Es galt einfach etwas zu bestrafen, was unvorstellbar gewesen war. Hätte man hier mit dem Grundsatz "Keine Strafe ohne Gesetz" argumentiert, hätte sich jedes Rechtsdenken selbst ad absurdum geführt.

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Kommentar von Ferrari
25.06.2014, 17:49

Für mich kommt das eher wie Bestrafen des Bestrafen Wegens rüber. Strafen haben zum Einen den Sinn der Abschreckung und zum Anderen den, dass sich der Mensch ändern und seiner Fehler bewusst werden soll.

Im NS-Staat hatte man, so wie ich es gelehrt bekommen habe, ein anderes Menschenbild ein komplett anderes Verständnis. Die Abneigung gegenüber Juden wurde öffentlich zur Schau gemacht. Durch Schilder, durch Anprangerungen und durch Gesetze bzw. Beschlüsse der Regierung. OB DIESE BESCHLÜSSE LEGAL WAREN, dass versteht der normale Bürger nicht, kann es nicht nachvollziehen und kam erst gar nicht auf die Idee dazu.

Wenn man danach geht, dann sind viele Staaten dieser Welt nicht so ganz legal. Fakt ist einfach, dass der NS-Staat de facto sich selbst legitimiert hat. Im Nachhinein dann Erbsen zu zählen und Leute zu bestrafen, weil sie für einen Staat gekämpft haben, denn es ja nach § Sonstwas nie gegeben hat, halte ich für KOMPLETT absurd!!!

Jetzt aber wieder zurück zu dem damaligen Verständnis. Die Juden wurden öffentlich durch den Staat geächtet. Wenn man jetzt Mitarbeiter bei der SS war, weil man diesen Staat bewunderte, weil man sich wieder ein großartiges Deutschland wünschte, etc. und den Befehl eines Vorgesetzten bekam jene Juden zu erschießen, dann war das nach NS-Recht richtig und keine Straftat. Natürlich haben jene Leute ihre Taten auch nicht als Straftat empfunden.

Heute hinzugehen und dann ehemalige NS-Verbrecher zu bestrafen ist in meinen Augen einfach Unsinnig, weil der Sinn der Strafe verfehlt wird. Die Person soll sowas nie wieder machen, weil es Unrecht ist. Aber damals war es eben nicht Unrecht, im Denken der Person hat sie willens keine Fehler keine macht.

Jemanden dafür zu bestrafen ist in meinen Augen kompletter Blödsinn. So wie ich das sehe, werden jene Menschen EINFACH NUR der Strafe wegen bestraft. Weil sie ja "bestraft werden müssen" für ihre Vergehen. Im Grunde ist es nur Rache mehr nicht!

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Der Punkt ist der, dass diese Nazigrößen unter anderem gegen Menschenrechte verstoßen haben und nicht gegen geltende (deutsche Gesetze). Sie wurden deswegen auch nicht nach deutschem Recht verurteilt, sondern nach internationalem.

Der "internationale Gerichtshof" hat unter anderem daher seinen Ursprung. Man hat einfach erkannt, dass es nicht immer rechtmäßig sein kann, wenn man sich ausschließlich an Landesgesetze hält ;-)

Bestimmte Punkte wie zum Beispiel die systematische Ermordung von bestimmten Volksgruppen ist nunmal ein Verstoß gegen internationales Recht.

Da die Siegermächte diese Institution gegründet haben ist es übrigens auch unerheblich, ob Deutschland bzw. das dritte Reich sich daran beteiligt hat oder nicht, denn zu dem Zeitpunkt der "Nürnberger Prozesse" gab es kein Deutschland.

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Kommentar von EvoniC
25.06.2014, 17:32

Ja das mit dem Internationalen Gesetz klingt vernünftig und ist meiner Ansicht nach trotzdem Bullshit... wenn man einfach mal von der damaligen Zeit ausgeht und dem Druck der auf alle beteiligten damals gewirkt hat

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Kommentar von Karl37
26.06.2014, 15:24

Da muss man widersprechen. Die Nazis haben es gar nicht für nötig befunden ein Gesetz zu erlassen auf Grund dem dann Juden ohne weitere Anhörung vergast werden könnten. Sie haben damit selbstherrlich gegen die eigene Verfassung (WRV) und StGB verstoßen. Damit ist keine Straffreiheit verbunden, im Gegenteil die Wannseekonferenz war eine verbrecherische Verschwörung und Aufruf zum Mord.

Spätestens als der Reichstag aufgelöst wurde hat das NS-Regime die Rechtstaatlichkeit verlassen und wurde zum Verbrecher, mit allen Mitläufern.

Deutschland hat niemals aufgehört zu existieren, nur das 3. Reich war beendet und der Nürnberger-Prozess hat auch im Namen Deutschlands stattgefunden.

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Hallo Ferrari,

die Verurteilung von Naziverbrechern beruht auf drei Grundlagen:

1) die damals gültigen Gesetze

Mord war auch im Dritten Reich per Gesetz ein Straftatbestand. Demzufolge war nicht nur die befehlsgemäße Ausführung eines Mordes, sondern auch der Befehl dazu selbst gesetzeswidrig.

In einem Rechtsstaat gibt es die Gewaltenteilung. d.h.

  • die Gesetzgebung (das Parlament),
  • die Exekutive (die staatlichen Behörden),
  • die Gerichtsbarkeit und
  • die Presse

sollen voneinander unabhängig und frei sein. Kennzeichen einer Diktatur ist dagegen ist die Aufhebung dieser Gewaltenteilung durch Gleichschaltung, d.h. dass alle vier Säulen durch eine zentrale Macht gesteuert werden, z.B. durch eine Partei, eine Junta, einen Diktator etc.. Und wenn diese zentrale Macht der Exekutive (also den staatlichen Ausführungsorganen bis hinunter zum KZ-Aufseher) den Mordbefehl gibt und die Gerichtsbarkeit daran gehindert wird, solche Morde zu ahnden, dann ist in der Praxis völlig egal, was im Gesetz steht.

Bei der späteren der Bestrafung der Naziverbrecher wurden aber die Taten an den damals gültigen, aber nicht angewandten Gesetzen gemessen. Die Gerichte haben also gewissermaßen nur nachgeholt, was während der Diktatur auf Befehl von oben verhindert wurde.

Tatsächlich haben sich viele Angeklagte auf den "Befehlsnotstand" berufen, d.h. machten geltend, dass sie zu den Verbrechen gezwungen wurden, da sie sonst selbst Nachteile hätten in Kauf nehmen müssen. Der Befehlsnotstand wurde oft schuldmindernd berücksichtigt.

Jetzt könnte man ja sagen, dass dann doch die Nazis einfach die Gesetze auch hätten ändern können. Das haben sie teilweise auch gemacht. Aber auch dies schützt letztlich nicht vor einer späteren Bestrafung. Denn internationale Gerichte (damals z.B. Nürnberg, heute z.B. in Den Haag) setzen noch eine weitere Norm an, die durch individuelle Gesetze eines Staates nicht ausgehebelt wird:

2) Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Danach ist es einem Land oder einer Regierung nicht mehr möglich, bestimmte Verbrechen durch entsprechende Erlasse oder Gesetze zu legitimieren, ohne sich doch in einer Instanz dafür verantworten zu müssen.

Jetzt könnte man sich natürlich fragen, wer denn festlegt, was unter Menschlichkeit verstanden wird, und auch unter Verbrechen dagegen.

Und damit sind wir bei einer ganz wichtigen Tatsache:

3. Interpretation von Gesetzen nach dem eigenen Wertesystem

Jedes Gesetz ist interpretierbar und kann so ausgelegt werden, dass es in jedes Wertesystem hineinpasst. Ein Gesetz ist also immer soviel wert, wie es von der Gesellschaft gelebt wird, d.h. in welchem Geist es vom Parlament erlassen wurde, von der Gerichtsbarkeit und den ausführenden Behörden im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben angewandt und am Ende die Einhaltung auch von der Presse/ den Medien überwacht wird.

Mord ist immer strafbar, in jeder Gesellschaft und Herrschaft. Aber was ist Mord? Ein Beispiel: Die KZ-Häftlinge kommen am Abend vom Arbeitseinsatz zurück. Ein Aufseher reißt einem in der Kolonne laufenden Häftling die Mütze vom Kopf und wirft sie beiseite. Was zunächst wie eine zwar entwürdigende, aber eher kleine Schikane aussieht, ist tatsächlich für den Häftling das Todesurteil: Schert er aus der Kolonne aus, um seine Mütze zu holen, wird er wegen Fluchtversuchs erschossen. Erscheint der Häftling dagegen am Abend ohne Mütze beim Zählappell, wird er mit Strafen belegt, die er in der Regel nicht überlebt. Ist das Wegwerfen der Mütze jetzt Mord? Je nach ideologischem Wertesystem würde diese Frage so oder so beantwortet.

Sprich: Man kann Gesetze nicht vollständig so formulieren, dass sie ein bestimmtes Wertesystem hundertprozentig abbilden und dessen Einhaltung garantieren. Bei aller Sorgfalt bedarf es immer eines Unterbaus eines Wertesystems.

Was den US-Henker betrifft: Die Todesstrafe ist in einigen US-Bundesstaaten gesetzlich verankert. D.h. der Henker wird die Spritze gesetzeskonform ansetzen.

Aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass irgendwann einmal ein internationales Gericht die Todesstrafe als Verbrechen gegen die Menschlichkeit wertet und die Henker zur Verantwortung zieht, wenn es derer denn habhaft werden kann.

Was lernen wir daraus: Die Existenz von Gesetzen entbindet jeden einzelnen Menschen nicht von der Verantwortung, gerecht zu handeln und das eigene Handeln und Denken einem Wertesystem unterzuordnen. Deswegen ist die Ausprägung eines Wertesystems für die Existenz einer Gesellschaft so wichtig. Welches jetzt das "richtige" Wertesystem ist, dafür gibt es keine oberste Norm: Ein radikaler Muslim, der einen Gottesstaat allein nach einer extrem einseitigen Koranauslegung mit Folter und Unterdrückung fordert, wird dies anders beantworten als jemand, der sich im christlich geprägten westlich-demokratischen Rechtsstaat wohlfühlt. Aber: Aktiv eintreten für sein Wertesystem muss jeder, und sei es bei uns nur dadurch, dass er zur Parlamentswahl geht und damit das System unterstützt.

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Kommentar von PeVau
25.06.2014, 19:53

Gute Antwort.

Allerdings kann man über den Passus mit der den "Rechtsstaat" kennzeichnenden Gewaltenteilung streiten. Trotzdem, DH!

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Kommentar von earnest
25.06.2014, 20:24

Von mir ein uneingeschränktes DH für diese sternverdächtige Antwort.
;-)

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Kommentar von telesphorus
26.06.2014, 14:39

Dann erkläre mal eine die das KZ überlebt hat das ihre Foltermeister unbestraft bleiben sollen weil es ja ums Prinzip geht. Das wäre ja nach deiner Meinung auch der Adolf oder seine Freunde unbestraft geblieben weil sie ja nach dem Gesetz gehandelt haben.

Ich glaube du denkst einfach so leicht weil du nicht im dritten Reich gelebt hast und diese Schrecken mit erlebt hast.

Und außerdem braucht man keine Gesetze für die Menschenrechte weil es eigentlich klar sein sollte wie man Mitmenschen behandelt.

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Die Todesstrafe existiert als Bestrafung für eine explizite Straftat, in der Regel Mord, aber auch für vorsätzliche Tötungsabsicht oder dafür, dass man durch eigene Handlungen den Tod von Menschen billigt (wie Drongenhändler oder Vergiftung von Lebensmittel; überwiegend in Asien zu beobachten), und zwar außerhalb einer Kriegshandlung.

Die Tötungen im III Reich richteten sich gegen Unschuldige. Völlig ohne Grund. Damit hat man Mord. Die Beweggründe dazu, also die entsprechende Gesetze des III Reiches, die unterstreichen nur noch den Tatvorwurf Mord.

Die nachträgliche Verfolgung richtet sich nicht gegen alle Nationalisten. Auch ist die nachträgliche Bestrafung von Mord nicht nur bezüglich III Reich zu beobachten.

Und die Juristen, die sich darüber streiten – mir sind keine bekannt -, denen kann man nur wünschen, dass sie das Gleiche erleben. Danach können sie sich wieder zusammen setzen und darüber streiten, ob es legitim war.

Ist das so simple genug?

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Es sollte doch eigentlich klar sein, dass auch bereits lange vor dem 3. Reich ein Mord strafbewehrt war. Unser heutiges StGB wurde im Jahr 1871 in Kraft gesetzt. Der § 211 stellt nach wie vor Mord unter Strafe, bis 1945 konnte dafür die Todesstrafe verhängt werden. Auch die Weimarer Reichsverfassung war auch im 3. Reich nicht außer Kraft gesetzt.

Die Ermordung der Juden war also auch nach gültigen Gesetz unter dem Nazis ein Mord und damit ein Verbrechen.

Mord als Verbrechen wird bereits im AT der Bibel festgestellt und das sind geschätzt etwa 3 Tausend Jahre her.

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Kommentar von Ferrari
25.06.2014, 21:19

Du verstehst nicht, dass die Vergasung im Sinne des 3. Reiches keinen Mord darstellte. Genauso wie die Verübung der Todesstrafe in den USA keinen Mord darstellt.

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Es gibt ein sogenanntes "Naturrecht". Dieses Recht ist dem Staatsrecht klar übergeordnet. Es gibt allgemein gültige rechtliche Prinzipien, denen sich das Staatsrecht unterordnen muss. Z.B. das Recht auf das Leben und die Menschenwürde etc., das alles gehört zu den elementarsten Dingen, die eigentlich - so sollte man eigentlich meinen - auch schon einem 5-jährigen verständlich sein sollten.

Jeder, der im Dritten Reich noch halbwegs logisch nachgedacht hat (weil er sich das Denken halt nicht von den H@ckfressen wie Goebbels u.a. hat nehmen lassen), hat genau gewusst, dass sich das NS-Recht über die elementarsten Grundsätze des allgemein gültigen Naturrechts hinweggesetzt hat. Ein KZ-Scherge, der auf einer Hoizlatte stehend auf dem Brustkorb eines liegenden Häftlings herumgewippt ist, muss nach allgemeiner Vernunftsauffassung gewusst haben, dass dies einfach nicht rechtens sein kann, jedenfalls betrachtet unter den vernunftbestimmten Grundsätzen primivister Ethik, Moral und des Naturrechts.

Der Scherge, die sich über diese elementaren Rechtsbegriffe "einfach so" hinweggesetzt hat und später argumentiert hat, dieses Verhalten sei "allgemein üblich" bzw. "erlaubt" gewesen - der hat es sich damit halt eben zu einfach gemacht.

Der Philosoph Immanuel Kant (heute kennt den keiner mehr, heute kennt man ja nur noch Dieter Bohlen und Conchita Wurst etc....) hat in seinem Buch über die Ethik argumentiert, dass sich der Mensch eben gerade dadurch vom Tier unterscheidet, dass er die Befähigung hat, ethisch zu handeln, d.h. sein Handeln durch die Vernunft zu hinterfragen.

Eben hieraus erwächst dem Menschen eine moralische Verpflichtung, seinen Verstand zu gebrauchen und sein Handeln durch Vernunft zu hinterfragen.

Lediglich springerstiefeltragende Wulstnacken sprechen sich auch heute noch von dieser Verpflichtung zur Gänze frei. Das enthebt aber die KZ-Schergen nicht von ihrer Verantwortung dafür, Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge vergast zu haben.

Darüber hinaus: der Vergleich mit dem Scharfrichter in den USA hinkt dann doch ganz gewaltig. Man kann sicherlich über die Todesstrafe kontrovers diskutieren. Aber es ist wohl ein Unterschied, ob ein (i.d.R. wohl zu Recht) verurteilter Mörder hingerichtet wird oder wahllos Männer, Frauen, Kinder, Säuglinge - einfach, weil man "es darf".

Niemand in der SS musste dies tun. Es ist erwiesen, dass denen, die sich aus einem KZ haben raus versetzen lassen, i.d.R. nichts nachteiliges passiert ist.

Wer da mitgemacht hat, der hat sein Gewissen und die Vernunft bewusst ausgeschaltet. Und das ist das Hauptverbrechen.

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Kommentar von earnest
29.06.2014, 20:48

DH.

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Du schreibst:

Es ist ja allen klar, dass wenn er heute Mord begeht, er dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Ehemalige Nazi-Größen im 3. Reich werden ja für ihre, nach heutigen Maßstäben "Verbrechen" verfolgt und bestraft. Jedoch verstehe ich den Gedankenschritt dabei nicht. Denn was haben sie, so krass es sich auch erstmal anhört, Falsches getan. **Denn ihre Taten z.B. das Ermorden von Juden war zu jeder Zeit erlaubt, gar gewünscht oder befohlen worden. Sie haben also zu jener Zeit keine Straftat begangen***. Mit welcher Legitimation bestraft man Menschen also nach neuen Gesetzen im Nachhinein?!

Wenn du das ernst meinst, dann solltest du dich einmal ausreichend darüber informieren, was in den Konzentrationslagern tatsächlich geschehen ist ... Du schreibst:

Es ist ja allen klar, dass wenn er heute Mord begeht, er dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Ehemalige Nazi-Größen im 3. Reich werden ja für ihre, nach heutigen Maßstäben "Verbrechen" verfolgt und bestraft. Jedoch verstehe ich den Gedankenschritt dabei nicht. Denn was haben sie, so krass es sich auch erstmal anhört, Falsches getan.Denn ihre Taten z.B. das Ermorden von Juden war zu jeder Zeit erlaubt, gar gewünscht oder befohlen worden. Sie haben also zu jener Zeit keine Straftat begangen.Mit welcher Legitimation bestraft man Menschen also nach neuen Gesetzen im Nachhinein?!

Und ... wenn ein Regime, das von einem oder mehreren Wahnsinnigen und mordlustigen Psychopathen errichtet und am Funktionieren gehalten worden ist ... dann bedeutet das doch noch lange nicht, dass Mord tatsächlich auch legal und moralisch akzeptabel gewesen war ... ist .... und je sein wird.

Dieses 1000 Jährige Reich, welches kein ganzes Jahrzehnt gewährt hat, kann beim besten Willen nicht als Rechtsstaat bezeichnet werden.

Dies war Diktatur der übelsten Sorte ... in welcher die Abgründe der menschlichen Seele Millionen und Abermillionen von Menschen "verschlingen" konnten.

Dieses Regime war und ist ein Beispiel dafür, dass Bestien in Menschengestalt die Möglichkeiten hatten, für viele, unzählbar viele Menschen die Hölle auf Erden zu bereiten.

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Ich finde das auch fragwürdig, dass man die Leute noch dafür verurteilt.

Türlich, ist es nicht gut und wird auch niemals gut werden, für Verwandten oder die betroffenen Opfer aber damals hat man nun Mal getan was man aufgetragen bekommen hat. Das tun wir aber auch heute noch und was hätten sie denn damals machen sollen, außer die Befehle ausführen, sonst wären sie ja auch nur erschossen wurden.

Hut ab an die, die damals mutig waren und sich dem Regime entgegen stellten aber das ist ein Bruchteil der Bevölkerung gewesen.

Und auch heute würden die meisten einfach das tun was man ihnen sagt, wenn so eine Ausnahmesituation noch einmal vorkommen sollte.

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Kommentar von navynavy
25.06.2014, 17:35

Nur macht sich heute niemand strafbar, wenn er z.B. als Soldat einen Befehl, der eine Straftat bedeutet, ausführt und hat somit keine Konsequenzen zu fürchten. Und jeder Deutsche hat das Recht zum Widerstand gegen den Versuch, die freiheitlich-demokratische Ordnung zu ändern:

http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20.html

So etwas wäre damals völlig undenkbar gewesen. Kadavergehorsam und blindes Ausführen von Befehlen haben sich nicht nur überlebt, sondern werden im Gegenteil vom gegenwärtigen Rechts- und Wertesystem bewusst entwertet.

Wer heute so handelt

Und auch heute würden die meisten einfach das tun was man ihnen sagt, wenn so eine Ausnahmesituation noch einmal vorkommen sollte.

kennt schlicht seine Freiheiten und Rechte nicht. Traurig genug.

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Kommentar von tevau
25.06.2014, 20:33

Hallo EvoniC

das ist leider falsch. Es hat nicht nur die Alternativen a) absolute Konformität und aktive Mitarbeit oder b) die Todesstrafe gegeben, sondern durchaus Möglichkeiten, sich bestimmten Situationen zu entziehen. Jedoch waren an den entsprechenden Stellen (z.B bei der SS) leider nur die 100%ig Zuverlässigen eingesetzt, bei denen moralische Bedenken gar nicht erst vorhanden waren.

Und wo ein Befehlsnotstand erkannt wurde, wurde er strafmindernd berücksichtigt.

Es sind in den Nürnberger Prozessen, den Entnazifizierungsprozessen sowie später von der bundesdeutschen Justiz nicht zu viele Menschen zur Verantwortung gezogen worden, sondern viel zu wenige Schuldige.

Deine Aussage "man hat nun mal getan, was man aufgetragen bekommen hat" lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Mit dieser Mischung aus Kadavergehorsam und Lethargie, die sogar noch im Nachhinein solche Verbrechen rechtfertigt, lässt sich locker jede noch so wirre und grausame Diktatur wieder aufbauen.

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Dein Revanchismus ist ziemlich offensichtlich.

Nein, Befehle oder in einem Land oder Organisation existirende Gesetze sind keine Exculpation für bestimmte Verbrechen.

Nur als EIN Beispiel widerspricht die Haltung der Gefangenen(inkl. Bestrafungen, Tötungen, Experimenten usw.) in den KZs einer ganzen Menge von internationalen Konventionen, die zu betreffenden Zeit durchaus schon galten. Jeder, der da mitgemacht hat ist schuldig unabhängig davon ob es befohlen wurde oder im 3.Reich als legitim galt und unabhängig davon ob die KZ-Mannschaften von diesen Konventionen Kenntnis hatten.

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Kommentar von Ferrari
25.06.2014, 21:37

Falls du mir unterstellst rechts zu sein, dann ist dies falsch.

Das 3. Reich hätte auch stalinistisch sein können, meine Anliegen wären die gleichen.

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Die Nazi-Größen haben keine (sogenannten) "Verbrechen" begangen, wie du schreibst, sondern "richtige" Verbrechen.

Mord und Totschlag war damals wie heute strafbewehrt.
Mord verjährt nicht.

Es ist Konsens, daß Verbrechen gegen die Menschlichkeit Verbrechen waren und sind, ganz gleich, ob sie in einem bestimmten Staat zu einer bestimmten Zeit gang und gäbe waren oder nicht.

Die Anwendung des Grundsatzes "nulla poena sine lege" (keine Strafe ohne Gesetz) würde in einem Fall wie der industriemäßigen Vernichtung von Juden zu absurden Ergebnissen führen: Keine Strafen für die Mörder - siehe navynavy.

Deine Analogie -Todesspritzenmediziner = KZ-Mörder - finde ich absurd.

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Kommentar von Ferrari
25.06.2014, 17:51

Aber internationale Gesetze wie "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" gab es damals noch nicht.

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Mord und Beihilfe zum Mord verjähren nicht.

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Kommentar von Ferrari
25.06.2014, 17:03

Das ist korrekt, aber das Gesetz gab es dort ja noch gar nicht.

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