Mit dem Reiten aufgehört. Wie komme ich drüber hinweg?

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5 Antworten

Manchmal braucht man einfach mal ne Pause.

Ein wenig Zeit, um zornig zu sein, Frust zu schieben, zu heulen, vergangenen Träumen nachzutrauern.

Aber dann kommt ein neuer Morgen, neue Entschlüsse. Schütte das Kind nicht mit dem Bade aus, sondern lass das Wasser ab und gib frisches hinein.

Lass Dir Zeit und meißle Deine Entschlüsse nicht für die Ewigkeit in Stein. Dir fehlt das Reiten. Dir fehlten bisher die optimalen Bedingungen, und vielleicht (???) auch die überdurchschnittliche Begabung, die Du nötig hättest, um Deinen Traum vom Springreiten so umsetzen zu können, wie Du Dir das gewünscht hättest.

ABER: " Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen!"

Weißt du, mein Traum waren immer die weißen Hengste von Wien... da kommt man ja gar nicht dran. Und dann sah ich das erste mal nur  ein " normales Dressurpferd" in der Trabverstärkung durch die Bahn schweben, und wäre vor lauter Andacht fast von der Bank gekippt.

Die Möglichkeit für ordentlichen Unterricht hatte ich nie, es ging mir in vieler Hinsicht ähnlich wie Dir. Statt vollendeter Dressur gab es nur wilde Ponys ohne Sattel und jede Menge Stürze vom Pferderücken. Aber ich konnte es auf Dauer nie  lassen...

Heute sehe ich das ganze etwas realistischer, aber auch gelassener, und bin recht zufrieden und vergnügt dabei. Mein Traum " in weiß" ist ca 40 Jahre her, und ich werde wohl nie so weit kommen, im starken Trab oder gar Passagen zu schweben, geschweige denn hohe Schule zu  reiten. Und für " nur fliegen ist schöner " über einen Parcours zu gleiten bin ich auch nicht mehr sportlich genug. 

Inzwischen finde ich Möglichkeiten, wenigstens ansatzweise noch " richtig" reiten zu lernen und freue mich, dass die Erfahrungen von damals mir zumindest reichlich Reaktionsvermögen und Sattelfestigkeit bescheert haben.

Ich wünsche Dir, dass du diesen Prozess gut und schnell überstehst, wobei das natürlich schon auch etwas Zeit braucht, und bald lernst, deine Frustation zu überwinden. Und wie das Gras im Frühling immer wieder neu anfängst, ohne der Vergangenheit nachzutrauern. Vergiß, dass du meinst, schon mal was gekonnt zu haben, und fang irgendwann ganz neu an, als hättest du noch nie auf nem Pferd gesessen.

Hey hey,


das klingt alles ziemlich heftig, also fühl dich erst einmal kräftig in den Arm genommen. Ich habe mit meinem Pflegepferd ähnliches erlebt, nur dass ich mit ihm nur Bodenarbeit gemacht habe und so die Beziehung auch stärker war. Weiter möchte ich das aber nicht ausführen.


Wenn du schon so lange mit Pferden zu tun hast, ist es natürlich klar, dass dich das alles verletzt hat. Ich habe auch mein ganzes Leben schon mit Pferden zu tun und Pferde sind einfach mein Leben. Eben aus diesem Grund spiele ich so gut wie alle Pferdespiele die es gibt und halte immer Ausschau nach Pflegepferden, die ich gut erreichen kann, was sich in Hamburg natürlich als ziemlich schwierig herausstellt. Auch wenn es bei mir viele Rückschläge gab im Umgang mit den Pferdebesitzern, habe ich mich immer wieder aufgerafft und habe nach einem weiteren Pflegepferd gesucht. Zum Beispiel muss ich mit dem Reiten so gut wie Neu anfangen, weil ich eine heftige Knieverletzung hatte, aber man muss ja auch nicht immer auf dem Pferd sitzen, um mit den Tieren zu tun zu haben. Deswegen bin ich auf Pflegepferde "umgestiegen" und mache nur noch Bodenarbeit.

Als Tipp für dich: Lass dich von solchen Mädels und Pferdebesitzern nicht unterkriegen. Genauso wenig von der Springgeschichte. Das kommt alles mit der Zeit automatisch. Vielleicht kannst du mal schauen, ob es schöne Ställe in deiner Nähe gibt, wo du mal aushelfen kannst, oder vielleicht sogar ein Pflegepferd bekommst, auf dem du ab und zu mal reiten kannst, und irgendwann, wenn du Springen möchtest und das Gefühl hast, bereit dafür zu sein ( und dass das Pferd dafür bereit ist, MIT dir zu springen) dann kannst du "einfach anfangen".


Ich kann dir nur immer wieder sagen: Egal um was es im Leben geht, versuche die guten Erinnerungen daran zu behalten und versuche, deine bisherige Erfahrung weiter einzubringen. Ob es Pferde, Schule oder später Beruf ist/sind.

Etwas einfach hinzuschmeissen, macht dich nicht glücklicher, das ist leider so...


Und zu dem neuen Sport: Wenn es dich nicht glücklich macht, dann lass es sein - Unglücklichkeit führt zu Stress, auch wenn man es nicht bemerkt. Und Stress ist das schlimmste Gift für uns Menschen.


Fühl dich gedrückt, hab einen wunderschönen Abend und ich hoffe ich konnte dir zumindest ein bisschen helfen. Vielleicht fällt mir ja noch was ein :-)


Ganz lieben Gruss aus Hamburg

Ich glaube, dass viele Reite ähnliche Probleme hatten, wie du sie beschreibst. Als Kind wollte ich immer reiten, ging aber nie, weil dieser Sport einfach zu teuer war. Mit 20 dann raus aufs Land gezogen, plötzlich ergab sich eine Möglichkeit, mit der Reiterei zu beginnen. Nach kurzer Zeit habe ich aber wieder aufgehört, weil es in dem Stall eben auch nicht so zuging, wie ich mir das gewünscht hätte und wo ich mich wohl gefühlt hätte. Dann für sehr lange Zeit gar keinen bis kaum Kontakt zu Pferden gehabt. Erst mit Mitte 30 dann zufälligerweise über eine Kleinanzeige gestolpert und seither endlich Pferdemensch - und zwar so, wie ich mir das vorstelle. Netter Stall, super Anlage, die viele Möglichkeiten bieten inklusivem guten Unterricht. Mittlerweile sogar auf eigenen Pferden. 

Also, manchmal dauerts halt einfach länger, bis man das findet, was man sich wünscht! Warum denn gleich aufgeben? 

Ich verstehe dich wirklich nur allzu gut. Ich selbst hab auch den Spaß am reiten verloren, zu erklären warum würde definitiv zu lang werden, aber kurz gesagt: opa schenkt mir ein pony, ich kann nur am Wochenende reiten weil Pony zu weit wegsteht, Pony und Reiter wachsen nicht zusammen weil zwei mal die Woche reiten einfach viel zu wenig ist. Nachdem ich zwei Jahre lang erfolglos versucht habe, mit dem Pony weiterzukommen, hab ich es kurzer Hand einfach komplett gelassen.

Allerdings dauerte es nicht lange und ich lag heulend in meinem Bett weil mir das reiten einfach gefehlt hat. Nach einem Monat hab ich es nicht mehr ausgehalten und hab wieder angefangen mein Pony zu arbeiten, und ich war nie glücklicher, und das obwohl ich immer noch nur am Wochenende reiten kann. Ich hab einfach das schätzen gelernt, was ich hatte.

Lange Rede kurzer Sinn: hat einen einmal das reitfieber gepackt, ist es alles andere als einfach, das wieder loszuwerden- wenn nicht sogar unmöglich (klingt kitschig, aber ist einfach so). Du hast ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht, aber das heißt nicht dass es dir überall so ergehen wird. Nimm dir die Zeit nach ner guten neuen reitbeteiligung zu gucken, bei der du dich jederzeit mit der Besitzerin absprechen kannst, am besten mit Unterricht, in einem Stall der dir zusagt und du wirst den Spaß am reiten wieder finden. Einfach gar nicht mehr reiten, obwohl es doch total unglücklich mach, ist definitiv keine Lösung.

Schön gesagt, aber andere Ställe und Reitbeteiligungen sind einfach zu teuer. :(

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@LOLO01

Es gibt immer eine Lösung. Nur manchmal nicht genau so, wie man es sich erträumt, umd nicht immer sofort. 

Ich habe bisher noch nie(!) etwas für so was wie " Reitbeteiligung " bezahlt. Und auch in teuren Ställen gibt es, wenn man es geschickt anfängt, öfter mal die Möglichkeit, sich als dienstbarer  Geist nützlich zu machen und sich so Zutritt zu verschaffen - um früher oder später auch eine Reitgelegenheit zu finden. Selbst, wenn es anfänglich nur Trockenreiten ist. Treue, Fleiß, Bescheidenheit und der eiserne  Wille, bei den Pferden zu sein, bewegen so manches, auch, wenn man kaum Geld hat.

Sieh nur zu, dass das Wasser im Bad des Selbstmitleids nicht zu gemütlich wird, um sich nen Ruck zu geben und anzupacken 😉

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Auch wenn ich eigentlich sehr einfühlsam bin und gerne anderen Menschen hier Mut mache und gut zurede, habe ich gerade im Moment ein anderes Bedürfnis, nämlich Dich an den Schultern zu nehmen und einmal freundschaftlich durchzurütteln.

Für Dich war es schon ein Schlag, dass es noch eine andere RB gab? Und der zweite Schlag in Deinem Reiterleben war, dass die Glitzergürtelmädchen über Dein Reiten gelästert haben? Schlag Nummer 3 ist, dass man Dich nicht hat Springstunden nehmen lassen, weil man Dich für noch nicht weit genug gehalten hat?

Ist Dir eigentlich klar, wie glücklich Du bist, wenn das die großen, bösen und schlimmen Schläge in Deinem Leben sind? Du bist allem Anschein nach gesund( jedenfalls schreibst Du nichts Gegenteiliges) darfst Hobbys ausüben (der neue Sport), Dich bilden (Schule) und nimmst Dir eine Heul-Despression weil

  • Du eine RB auf schlecht ausgebildeten Pferden hattest, die Du von Dir aus beendet hast und dabei erfahren hast, dass Du nicht die einzige Reiterin warst
  • Du neu an einem Turnierstall warst und nicht gleich strahlender Mittelpunkt der bestehenden Stallgemeinschaft wurdest
  • Du trotz dass Du Dich selber für sattelfest hältst, Du dann doch nicht gut genug reitest, dass Du Springstunden nehmen durftest

Anstatt an Deinem Reiten zu arbeiten, schmeisst Du die Brocken hin - auf diesem Wege wirst Du niemals Springreiten können. Die Grundlage dafür ist nunmal die Dressurarbeit - und wenn Du die nicht beherrschst, dann musst Du an Dir arbeiten - oder eben die Brocken hinschmeißen.

Kommt man in eine bestehende Stallgemeinschaft, braucht es ein wenig, bis man Anschluss findet. Gerade wir "Privaten" sehen im Lauf einer Woche so viele Reitschüler, die einmal oder zweimal für eine Stunde kommen, das Schulpferd reiten, versorgen und wieder gehen, mit denen wir einfach nichts zu tun haben, weil es keine Überscheidungen gibt. Die, zu denen man als privater Einstaller Kontakt bekommt, das sind die, die freundlich grüßen, sich bei Stallfesten und Turnieren als Helfer einbringen, mit denen man nett ins Gespräch kommt und nicht die, die Zähne nicht auseinander bekommen und die nur ihr Ding machen und dann wieder verschwinden - und auch nicht die, die von sich selbst eine zu hohe Meinung haben und das andere wissen lassen.

Ach ja - und das mit den Glitzergürtel-Mädchen, das klingt nach Komplexen und Vorurteilen Deinerseits. Ist doch egal, wenn die Glitzergürtel tragen. wenn das an dem Stall gerade modern ist und die Mädchen das schön finden, ist das noch lange kein Zeichen dafür, dass sie die schlechteren Menschen auf diesem Planeten sind, nur weil Du eine andere Reitmode bevorzugst.

Ich bin depressiev. Da können die kleinsten Misserfolge kommen, die mehr schlechtes Gefühl auslösen, als bei Menschen wie dir und anderen

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@LOLO01

Mit so einer Krankheit gehörst du dann aber zu einem Therapeuten. Geh zum Arzt und lass dich behandeln. Denn optimale Verhältnisse hat hat kaum jemand, und jeder muss lernen, mit seinen frustrierenden Situationen umzugehen. Das kannst auch Du - nur brauchst du eben dazu professionelle Hilfe.

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@Urlewas

OK, wenn Du weisst, dass Du depressiv bist, dann musst Du lernen, Dinge bewusst anders einzuordnen, als es die Depressionen sonst für Dich tun. Führe Dir bewusst vor Augen, wie schwer die Situation, die Dich gerade im Begriff runterzuziehen ist, tatsächlich ist im Vergleich zu wirklich schlimmen Sachen.

Depressionen kann man versuchen, mit dem Verstand zu begegnen. Immer dann, wenn man merkt, dass die Traurigkeit einen übermannt, versuchen, diese zu ergründen und ihr mit Logik zu begegnen.

Wenn Du es nicht schaffst, damit bestimmte Tiefs zu überwinden, solltest Du Dir dringend, wie Urlewas schon schrieb, professionelle Hilfe suchen. Denn Du verpasst sonst vieles Schöne und vermiest Dir Dein ganzes Leben. 

Ich bin selber nicht depressiv und kann vielleicht nicht nachvollziehen, wie sehr einen Depressionen einschränken und lähmen. Aber ich kann Dir sehr wohl sagen, dass das was Du beschreibst, tatsächlich wirklich Nichtigkeiten sind. Vielleicht würde es Dir wirklich helfen, zu lernen - mit professioneller Hilfe- beurteilen zu können, ob Dinge, die Dich belasten, es wert sind, dass sie Dich belasten. Ich würde es Dir wünschen.

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