Mit 15 Jahren von zu Hause ausziehen, wie stelle ich das an?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Wendet euch mal an eine Familienberatungsstelle. Offensichtlich müsst ihr mal richtig miteinander sprechen - euch mitteilen, was jeden jeweils belastet und was ihr euch voneinander wünscht. Unter 4 Augen führt das oft nur zu gegenseitigen Vorwürfen und damit zu Streit. Wenn 2 fachmännische Augen dabei sind, besteht eher die Hoffnung dass man zu gegenseitigem Verständnis und konstruktiven Lösungen kommen kann.

Versucht es erstmal da, bevor du dich an das Jugendamt wendest, zumal dieses sowieso erstmal dort hin verweisen wird.

Ich kenne euch nicht, daher weiß ich natürlich nicht, ob es tatsächlich zuviele Aufgaben sind die du zu Hause übernehmen musst und die Empfindungen sind da ja auch immer unterschiedlich: Deine Mutter wird das anders empfinden wie du. Wenn mit 8 Jahren ein Auge auf deine dreijährige Schwester haben solltest, während deine Mutter im Haus war und gespült hat, ist das was anderes, wie wenn sie euch 1 Stunde allein gelassen hat.
Jetzt mit 15 ist das natürlich verlangbar von dir, zumindest wenn du geistig fit genug dafür bist - wovon ich ja mal ausgehe. 60% der Erziehung ist allerdings definitiv zu viel, den Hauptteil sollten schon die Eltern übernehmen. Aber wie gesagt, dass ist deine Empfindung und Emfpindungen sind immer subjektiv.

Das Jugendliche Aufgaben und Pflichten übernehmen müssen ist wichtig! Kinder u. Jugendlichen brauchen das Gefühl (wie Erwachsene auch) gebraucht zu werden und die Rückmeldung dass ihnen auch etwas zugetraut wird - das ist ganz wichtig fürs Selbstwertgefühl. Allerdings sollte dazu auch gehören, dass Eltern es auch mal wertschätzen wenn ihre Kinder Aufgaben übernommen haben bzw. auch mal eine anerkennende Rückmeldung geben, statt nur Kritik.

Das Jugendamt gewährt Hilfen wie eine Wohngruppe nur, wenn euch wirklich auf allen anderen denkbaren Wegen nicht mehr zu helfen ist. Es braucht "gewichtige Gründe" für das Einleiten eine solchen sog. Hilfe zur Erziehung - gem. §34 SGB VIII - kannst du mal googlen, genauso wie den § 36 SGB VIII, zum Hilfeplan, da erfährt du bereits Einiges, was auf dich zukommt.
Einerseits ist diese genaue Begründung notwendig, weil eine solche Hilfe extrem viel Geld kostet (ca. 80-150,-€ kostet so ein Platz für Dich AM TAG !) und andererseits weil familiäre Beziehungen, insbesondere Eltern-Kind-Beziehungen nicht einfach so leichtfertig voneinander distanzt werden sollten. Ihr könntet natürlich trotzdem regelmäßigen Kontakt haben, aber das ist schon ein ganz erheblicher Einschnitt und es kann niemand garantieren ob das die Beziehung zu deiner Mutter verbessern oder verschlechtern wird! Eltern sind extrem wichtig, auch wenn man nicht immer einer Meinung mit ihnen ist - unterhalte dich mal mit jemandem der einen Elternteil verloren hat.

Was eine Wohngruppe betrifft musst du dich darauf einstellen, dass dort auf jeden Fall mehr Struktur im Tagesablauf herrschen wird, als bei euch zu Hause. Dies ist  so, weil Kinder u. Jugendliche die in solche Gruppen kommen, meist solche Verhaltensauffälligkeiten aufweisen (aufgrund ihrer familiären Vergangenheit), dass dies ganz wichtig für sie ist und ihnen Sicherheit gibt. D.h. u.a. dass es oft genaue Zeiten gibt in denen Hausaufgaben zu machen sind - wenn es keine gibt, muss sich in dieser Zeit anderweitig mit Schulsachen beschäftigt werden. Anschließend gibt es Tage an denen danach "Freizeit" herrscht, d.h. man rausgehen darf, sich mit Freunden treffen etc. - bis zur wiederum festen Abendessenszeit. Danach kann es z.B. sein, dass eine gewisse "Gruppenzeit" besteht, in der soziale Aktivitäten mit den anderen Bewohnern angesagt ist - z.B. sich einfach nur zu unterhalten, oder ein gemeinsamer Spieleabend etc.. Sicherlich wird man oft auch einfach vorm Fernseher sitzen dürfen - dieser steht oft im GEMEINSAMEN Wohnzimmer. Je nachdem kann es sein dass du Glück hast und sofort ein EInzelzimmer bekommst, oft muss man sich erstmal ein Zweibett-Zimmer teilen. Natürlich gibt es feste Pflichten die du übernehmen musst - z.B. ist am Wochenende immer jemand dran gemeinsam mit einer Betreuerin zu kochen, jeder hat regelmäßig eine Woche lang Tischdienst - heißt, wenn Sonntags um 09:00 gefrühstückt wird, muss derjenige nunmal früher aufstehen, als alle anderen. Müll rausbringen, Straße kehren (nein das macht in vielen Einrichtungen nicht die Putzfrau), vielleicht ist man regelmäßig dran, sich eine Freizeitaktivität für den gemeinsamen Gruppenausflug ausdenken zu müssen bzw. vorzuschlagen etc..
Wenn Aufgaben nicht übernommen werden oder Regeln der Gruppe (z.B. Alkohol mitbringen) nicht eingehalten werden, gibt es entsprechende Konsequenzen (Taschengeld-Abzug, Handy-Verbot, eine Woche länger Tischdienst oder Straßen-Kehr-Dienst) etc..

Insgesamt kann das alles im Detail sehr unterschiedlich sein - es hängt von den jeweiligen Wohngruppen ab, bzw. bei jeder ist das anders gestaltet. Aber dieser Unterschied liegt nur im "WIE". DAS es in jeder Gruppe einen ganz festen Tagesablauf und feste Regeln und Pflichten gibt, ist Fakt.

Es war früher nicht nur eine Stunde, sondern eine ganze spätschicht, sprich 14-22 Uhr - auf das mit meiner Schwester bezogen. Wenn es dich interessiert kannst du mal bei den Kommentaren der ersten Antwort lesen, da habe ich geschildert, was ich hier mache.

0

Und danke dir für diese genaue Beschreibung zum Leben in einer Jugend wg

1
@an0nyme

Als diese Antwort entstanden ist, war ich gerade dabei meine zu verfassen ;). Aber auch ohne dieses Kommentar jetzt mittlerweile gelesen zu haben: 14-22 Uhr geht natürlich nicht. Ganz klar Verletzung der Aufsichtspflicht und Überforderung einer 8jährigen. Wenn was passiert wäre, hätte deine Mutter sehr, sehr, sehr alt ausgehen! Wie gesagt - siehe meine Empfehlung.

0

Meine Mutter wird nicht bereit dazu sein, so viel Geld, für etwas so "unwichtiges" auszugeben

0
@an0nyme

? ÄH.. eine Familienberatungsstelle kostet ganz oft für ein erstes Gespräch KEIN Geld. Eine Jugendhilfewohngruppe allerdings - die KOSTET und zu der muss deine Mutter einen Beitrag zahlen. Daher dürfte es auch in ihrem Sinne sein, es nicht soweit kommen zu lassen. Wenn deine Mutter diesen Beitrag nicht zahlen will, bzw. der Hilfe nicht zustimmt, ist es eh unmöglich. Da müsste ihr das Sorgerecht vom Gericht enzogen werden und  das wird es unter den hier beschriebenen Umständen nicht. Aber dann gibt es andere günstigere Möglichkeiten des Jugendamtes, die ohnehin vorher versucht werden würden (aber danach hattest du ja nicht gefragt) - wie z.B. die "Familienhilfe" oder die "Betreuungshilfe" - google §31 und §30 SGB VIII, zu denen muss deine Mutter keinen Beitrag leisten. Allerdings werden auch die nur gewährt, wenn alle milderen Mitteln scheitern und das ist in eurem Fall erstmal: FAmilienberatungsstelle.

0

Was sollte das Jugendamt deiner Meinung nach machen?

wirst du von ihr mißhandelt, oder bekommst du nichts zum essen?

du siehst das völlig richtig, dadurch, daß sie überfordert ist u. war, reagiert sie so.

Was ist denn mit dem "neuen Mann"?

wohnt der bei euch, bzw. was macht er um sie zu entlasten?

Das Jugendamt könnte eine Betreuerin zur Unterstützung schicken, die sich das Ganze mal ansieht. 

von mir aus besteht da kein zwingender Grund aus zu ziehen, auch woanders ist nicht alles Gold was glänzt!

Wo fängt eine Misshandlung an? Ich finde es erschreckend, was erst passieren muss, um von zu Hause weg zu können. Körperlich hat sie mich nie misshandelt, abgesehen von dem ein oder anderen Klaps, der aber auch nicht hätte sein dürfen. Psychisch ist das ein anderer Aspekt.
Der neue Mann ist okay. Er mischt sich da nicht ein und ist auch viel mehr mit seinem eigenen Kind beschäftigt - verständlicher Weise.

0
@an0nyme

Das reicht aber nicht, daß er nur mit seinem Kind beschäftigt ist!

dann hätte er keine Beziehung  mit ihr anfangen dürfen. 

Es sind drei Kinder da, nicht nur seins.

Was ist mit dem Haushalt, wie bringt er sich da ein, wie ist seine finanzielle Unterstützung?

Auch mal eine Kur wäre für deine Mutter nicht schlecht. 

Sicher gibt es auch eine psychische Mißhandlung, aber das Jugendamt darauf eingeht?

0

Er nimmt auch öfter meine kleine Schwester zu Ausflügen mit, so ist das nicht. Wir leben gemeinsam. Er und meine Mutter teilen sich die Finanzen gerecht.
Ich habe schon einige Fälle mitverfolgt und kann sagen, dass sie da etwas machen.

0

Ich würde versuchen mit deiner Mutter zu reden dass sie einer Familienhilfe zustimmt. Ich glaube das könnte doch etwas bringen wenn ihr so eine Hilfe bekommen könntet.

hallo, erstmal hut ab vor dir und deinen bisherigen leistungen! wie du den text geschrieben hast, lässt nur ahnen wie reif du eigentlich bist. ich bin selber erst 15 und mein familienverhältnis ist sehr gut, trotzdem kenne ich leute die ähnliches durchmachten und eine freundin von mir zog auch in eine jugendwg, da ihre mutter starke alkoholikerin war. ich kann dir nur erzählen was ich mitbekommen habe. durch die wg hat sie den kontakt zu mir abgebrochen und sich sehr stark geändert. ich will keine vorurteile begutheißen aber sie hat sich zu einem ziemlichen 'asikind' entwickelt sprich 'sche*ß auf alles sche*ß auf jeden' , alkohol, zigaretten usw.
sie wollte später wieder zu ihrer mutter zurück und zog auch aus der jugendwg aus. warum weiß ich nicht.

also wie es mir scheint bist du sehr intelligent und ich weiß nicht wie du mit manchen leuten in der wg auskommen würdest, weil dort eben oft viele etwas unterbelichtete (wegen mangelnder erziehung) menschen wohnen. aber ich denke das jugendamt stellt sicher gruppen zusammen die miteinander klar kommen.
ich würde dir raten bei einer kummernummer anzurufen! bei uns in österreich gibt es rataufdraht 147, die sind toll. habe dort selber schon angerufen wegen eines todesfall in der familie über den ich aber mit meiner familie nicht reden konnte. du wirst sicher angst haben und vl mehrere anläufe aber bitte versuch es! die menschen sind dort sehr einfühlsam und wollen dir wirklich helfen. sie können dir auch sicher mehr über jugendwgs erzählen!
ganz liebe grüße und viel glück!

in eine wg kommt, wer geistig reif ist und unbedingt bedarf hat darauf. dorthin kommen kinder die zuhause missbraucht oder misshandelt werden. aber doch keine verwöhnten gören, die keine lust haben zu hause zu helfen. wovon zahlt sie denn ihren anteil in der wg?

0

Was möchtest Du wissen?