Missionierung Karolinger

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Zeit: Wenn auch die Zeit der karolingischen Hausmeier genommen wird, gibt es schon Ende des 7. Jahrhunderts Anfänge. 751 wurde mit Pippin dann ein Karolinger König der Franken. Im 8. und 9. Jahrhundert kam es verstärkt zu Missionierung.

Völker: Von Karolinger betriebene oder unterstützte Missionierung fand vor allem bei Friesen und Sachsen statt, später auch etwas in Richtung Skandinavien (Nordische Mission) bei Dänen und Schweden und erste Ansätze bei Slawen (z. B. bei Wenden im Main-Regnitz-Gau oder von Salzburg aus bei Südslawen).

Beispiele führender Missionare: Willibrord, Bonifatius (Winfrith), Liudger, Lebuin (Liafwin), Willehad, Ebo von Reims, Ansgar

Friesen

Der Angelsachse Willibrord wurde am 21. November 695 auf Anraten des fränkischen Hausmeiers Pippin von Papst Sergius I. zum Erzbischof der Friesen geweiht. Utrecht war Kathedralzentrum der geplanten Kirchenprovinz Friesland.

Auf Handelswesen der Friesen begab sich Willibrord auf Missionsreise nach Helgoland und Jütland.

715 zerstörte Radbod die Anfänge auf friesischem Boden. Willibrord zog sich in dieser Zeit in sein 706 gegründetes Kloster Echternach zurück.

772 begannen der Angelsachse Willehad und der Freise Liudger eine Missionsarbeit bei den Friesen. 775 war er in der gegen von Dokkum tätig. Willehad wurde 787 in Worms zum Bischof geweiht. 789 war die Einweihung der Kirche an seinem Bischofssitz Bremen, allerdings starb er am 8. November 789.

Liudger erhielt 787 die Aufgabe der Missionierung in Friesland östlich der Leuze. 792 wurden bei einem Aufstand die Missionare vertrieben. Liudger wurde am 30. März 805 erster Bischof von Münster.

Sachsen

Erste Versuche einer Sachsenmissionierung scheiterten Ende des 7. Jahrhunderts. Im Anschluß an einen Sachenfeldzug, den Karl Martell 738 führte, hat Bonifatius einen weiteren Versuch zumindest geplant. Er blieb jedoch erfolglos oder ist nicht zustande gekommen.

Pippin hat 753 von den Sachsen verlangt, christlichen Priestern freien Zutritt zu ihrem Land zu gewähren.

Die Sachsenkriege Karls des Großen dauerten von 772 bis etwa 804. Dabei kam es zu hartem und brutalem Vorgehen.

Der Angelsachse Lebuin missonierte unmittelbar vorher und gewann einige Männer für das Christentum (unklar ist, ob sie schon förmlich getauft wurden). Lebuin unternahm einen erfolglosen Aufruf auf einer sächsischen Volksversammlung.

Karl der Große eroberte und zerstörte um 772 die Eresburg und die Irminsul. An 776 wurde starker Druck ausgeübt, die Sachsen zum Übertritt zum Christentum zu bringen. Die zentrale Missionierung lag bei Abt Sturmi von Fulda.

Auf einer Reichversammlung in Paderborn wurden 777 Missionsbezirke zugewiesen. Massentaufen wurden mit einem Schwur abgesichert, Freihielt und Erbgut als Pfand dafür zu geben, sofern sie die Getauften wieder änderten und nicht am Christentum und Loyalität gegenüber dem König und seiner Familie festhielten. Enteignung, Verbannung und Tod drohten. Es gab einige Vorbehalte, weil die vom Kirchenrecht geforderte Reihenfolge, zuerst solle eine Unterweisung im Glauben erfolgen, ehe jemand getauft wird, umgekehrt worden war. Der Angelsachse Alkuin wollte lieber das Christentum mit Überzeugung und Predigt verbreiten, nicht mit militärischen Unternehmungen und Zwangsmaßnahmen.

Ein Gesetz mit außerordentlichem Zwangscharakter war die Capitulatio de partibus Saxoniae von 782. So wird mit Todesstrafe bedroht, wer gewaltsam in eine Kirche eindringt oder sie anzündet, wer Verschwörung gegen das Christentum betreibt, wer die Taufe verweigert und „Heide“ bleiben will und wer alten („heidnischen“) Bräuche ausübt. Unterwerfung und Christianisierung gingen Hand in Hand.

Ein neues Gesetz, das Capitulare Saxonicum vom 28. Oktober 797, hat dies ein wenig abgemildert.

Seit 785 setzte eine verstärkte Mission ein. Geistliche wurden aus den Bischofskirchen von Mainz, Würzburg, Köln und Lüttich, aber auch aus Klöstern wie Fulda, Hersfeld, Amorbach, Echternach und Corbie geschickt.

Widukind und sein Schwager oder Schwiegersohn Abbio, zwei bedeutende sächsische Anführer, die längere Zeit über Widerstand leisteten, haben sich angeblich – nach den Annales regni Francorum, den Annalen des Fränkischen Reiches/Reichsannalen – Weihnachten 785 in der Pfalz Attigny taufen lassen und Karl der Große soll sogar Widukinds Taufpate gewesen sein.

Bischofssitze wurden Bremen (der 789 als Nachfolger bestimmte Willerich konnte sein Amt erst nach 804 ausüben), Paderborn (805 oder 806 wurde der Sachse Hathumar zum Bischof geweiht), Minden (Bischof Erkanbert), Münster (805 Liudger zum Bischof geweiht), Osnabrück (803 erstmals ein Bischof Wiho erwähnt), erst zwischen 845 und 848 Verden, erst unter Ludwig dem Frommen oder Ludwig dem Deutschen Hildesheim, Halberstadt und Hamburg.

841 nahm Kaiser Lothar I., von seinen Brüder Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen stark bedrängt, Verbindung mit dem sächsischen Stellinga-Budn auf, in dem politisch und gesellschaftlich unzufriedene Freie (Frilinge) und Minderfreie (Liten) sich gegen den Adel zusammengeschlossen hatten. Lothar sagte ihnen als Gegenleistung für Unterstützung zu, sie dürften wie der nach „heidnischem“ Brauch leben. Der ausbrechende Aufstand wurde aber 842 von Ludwig dem Deutschen mit großer Härte niedergeschlagen.

Ich empfehle, auch Bücher heranzuziehen, z. B.:

Matthias Becher, Karl der Große. Originalausgabe, 5., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C. H. Beck Wissen ; 2120), S. 56 – 73

Dieter Hägermann, Karl der Große : Herrscher des Abendlandes ; Biographie. Berlin : Propyläen, 2000, S. 97 – 106, S. 133 – 141, S. 147 – 154, S. 162 – 170. S. 203 – 216. S. 219 – 233, S. 352 – 354, S. 378 - 387 und S. 474 - 478

Wilfried Hartmann, Karl der Große. Stuttgart : Kohlhammer, 2010 (Urban-Taschenbücher ; Band 643), S. S. 98 – 106 und S. 160 - 163

Caspar Ehlers, Die Integration Sachsens in das fränkische Reich : (751 - 1024). Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2007 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte ; Band 231). ISBN 978-3-525-35887-0

Matthias Springer, Die Sachsen. Stuttgart : Kohlhammer, 2004 (Urban-Taschenbücher ; Band 598), S. 166 – 270

Lutz E. von Padberg, Die Christianisierung Europas im Mittelalter. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart : Reclam, 2009 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18641 : Reclam-Sachbuch), S. 88 - 107

Menno Smid, Friesen. In: Theologische Realenzyklopädie : TRE. Band 11: Familie - Futurologie. In Gemeinschaft mit Horst Robert Balz, Stuart G. Hall, Brian Hebblethwaite, Richard Hentschke, Günter Lanczkowski, Joachim Mehlhausen, Wolfgang Müller-Lauter, Carl Heinz Ratschow herausgegeben von Gerhard Krause und Gerhard Müller. Berlin ; New York : De Gruyter, 1998, S. 665 - 671

Knut Schäferdiek, Sachsen I.In: Theologische Realenzyklopädie : TRE. Band 29: Religionspsychologie – Samaritaner. In Gemeinschaft mit Horst Robert Balz, James C. Cameron, Stuart G. Hall, Brian Hebblethwaite, Wolfgang Janke, Hans-Joachim Klimkeit, Joachim Mehlhausen, Knut Schäferdiek, Henning Schröer herausgegeben von Gerhard Krause und Gerhard Müller. Berlin ; New York : De Gruyter, 1998, S- 551 – 557

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Mein Tip: besorg Dir Bücher, z.B. Alessandro Barbero: "Karl der Große" oder Matthias Springer: "Die Sachsen".

Wichtige Eckpunkte sind hier z.B. die Sachsenkriege Karls des Großen (währten über 30 Jahre) und als grausamer Höhepunkt nach dem Aufstand unter Widukind[1] das Massaker von Verden (was bis heute von christlichen Historikern beschönigt oder gar bestritten wird). Relevant ist auch die "Capitulatio de partibus Saxoniae" - das mit Abstand härteste aller zu Lebzeiten Karls erlassenen Gesetze. Danach wurde jeder Sachse mit dem Tode bestraft, der auch nur die christliche Religion oder einen Prister beleidigte oder z.B. das Fastengebot des Freitags nicht einhielt. Es ist also festzustellen, daß Karl den Widerstand der Sachsen gegen Unterwerfung und Missionierung mit brutalem Terror brach. Eine besondere Stellung nimmt der "Stellinga-Aufstand" ein, der ohne Beteiligung der sächsischen Edelinge (Adel) erfolgte und den Frilinge und Liten mit dem Ziel der Wiederherstellung der alten Verhältnisse führten.

[1] Oft wird behauptet, Widukind habe sich nach seiner Unterwerfung taufen lassen. Einzige Quelle hierfür ist eine in sich höchst widersprüchliche Behauptung seiner Todfeinde in den Reichsannalen. Wie unglaubwürdig diese ist, analysiert z.B. Matthias Springer in "Die Sachsen", Kohlhammer 2004.

Hi.
Google mal als Einstieg "Sachsenkriege" - die haben auch etwas mit Zwangsmissionierung zu tun.

Gruß, earnest

cool danke, hatt mich schon weiter gebracht.

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